Zitate

Donnerstag, 2. April 2009

Rabbiner Walter Homolka zu Judentum & Islam

Dr. Walter Homolka (geb. 1964) ist deutscher Rabbiner, seit 2002 Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs an der Universität Potsdam zur Ausbildung von Rabbinern und Kantoren und seit 2005 Vorstandsmitglied der "World Union for Progressive Judaism". Am 30. April erhält er (zur Honorarprofessur in Potsdam) auch den Ehrendoktor des Hebrew Union College New York. Das (auch insgesamt lesenswerte) Interview führte er als Mitglied im Gesprächskreis "Juden und Christen" des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Zitat:

"Wo Christen das Judentum vereinnahmen wollen, werden wir verstärkt auf die enge Verbundenheit des Judentums mit dem muslimischen Halbbruder hinweisen müssen."

Quelle:
Herder Korrespondenz 04/2009, "Frage der inneren Nähe" (Interview), S. 179 - 183, Zitat S. 182

Hinweis:
Wer nicht nur über, sondern mit Muslimen auf seriöser, (islam-)wissenschaftlicher Basis informiert werden möchte, dem empfehle ich den Chronolog "Der Islam" von Hussein Hamdan.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Zitat Dieter Bohlen über das Duzen von Gott und Menschen

Dieter Bohlen war angezeigt und vor Gericht gestellt worden, weil er einen Polizisten geduzt hatte. Zum Freispruch äußerte er sich in der Sendung "25 Jahre RTL" am 17. Januar 2009.

Zitat:
"Wenn ich abends bete, dann duze ich Gott ja auch. Wenn ich sogar Gott duzen darf, wüsste ich nicht, warum ich irgendeinen Menschen siezen soll."

Quelle:
ideaSpektrum 4/2009, S. 5

Anmerkungen:
Keine...

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Zitat Max Weber zu religiöser Musikalität

In einem Brief an den Soziologen Ferdinand Tönnies vom 19. Februar 1909 schreibt (der Religions-, Wirtschafts- und Musiksoziologe) Max Weber:

„Ich bin zwar religiös absolut unmusikalisch und habe weder Bedürfnis noch Fähigkeit, irgendwelche seelischen Bauwerke religiösen Charakters in mir zu errichten. Aber ich bin nach genauer Selbstprüfung weder antireligiös noch irreligiös.“

Gefunden in der Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler, Professor für Pastoraltheologie an der Universität Regensburg.

Die hohe Vergleichbarkeit der menschlichen Anlagen von Musikalität und Religiosität wird derzeit sowohl im Rahmen genetischer Zwillingsstudien wie biokultureller Evolutionsforschung vertieft. Verwiesen sei hierbei auf ein eigenes Kapitel in "Gott, Gene und Gehirn", wie auch auf die Arbeiten des Musikwissenschaftlers Wolfgang Bossinger.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Harald Lesch zu Naturwissenschaften und Gottesglauben

Bekannt wurde der Astrophysiker Harald Lesch v.a. durch die Wissenschaftssendung Alpha Centauri sowie eine Reihe erfolgreicher Bücher. Im September 2008 übernahm er die Sendereihe Abenteuer Forschung von Joachim Bublath.

Zitat:

"Die Vorstellung, man könne Gott über die Kosmologie entdecken, ist eine sehr alte. Wenn es einen unbewegten Erstbeweger gegeben hat, weil es für den Anfang selber ja keine Ursache haben durfte, dann muss es Gott sein. Jetzt sind wir heutzutage soweit, dass wir unsere Theorien bis auf eine Längenskala von zehn hoch minus fünfunddreißig Meter, oder eine Zeitskala von fünf mal zehn hoch minus vierundvierzig Sekunden zusammengeschrumpelt haben, weil da Quantenmechanik und Relativitätstheorie sozusagen eins werden. Was ist denn das für ein Gott, der nur noch auf dieser Skala wirksam ist? Das ist ja eine Bonsaiversion, und sie kann nur noch von theoretischen Astrophysikern erkannt werden, hätte also eine außerordentlich kleine Gemeinde. Das wäre mir ein bisschen zu dürftig. Ich glaube nicht, dass man durch Naturforschung einmal Gott findet. Man denkt sich vielleicht nach einer Weile: Das kann doch alles kein Zufall sein. Aber was man mit dieser Erkenntnis macht, das ist eine sehr schwierige Angelegenheit. Ich bin bekennender Protestant. Mein Gott ist immer bei mir und hat auch nie gefehlt."

Gefunden im Interview vom 29.05.2007 in chilli.cc. Einen Dank für den Hinweis an Kommentator "Gast Ritis". :-)

Donnerstag, 11. September 2008

Zitat zu Kinderarmut von Uta Rasche

Gefunden im Kommentar "Arme Kinder" in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, FAZ, vom 11.07.2008:

"Das größte Armutsrisiko für Kinder überhaupt sind aber Scheidungen. Vierzig Prozent der Kinder von Alleinerziehenden leben in dauerhafter Armut, aber nur fünf Prozent der Kinder, die mit beiden Eltern aufwachsen. Hier wird offenkundig, dass es eine Elternverantwortung gibt, die kein Sozialstaat abnehmen kann: Blieben mehr Kinder zusammen, gäbe es deutlich weniger arme Kinder - von den seelischen Kosten einer Trennung ganz zu schweigen."

Aus religionsdemografischer Sicht ist zu ergänzen, dass Mitglieder gewachsener Kirchen und Religionsgemeinschaften durchschnittlich deutlich niedrigere Scheidungs- und Alleinerziehendenraten aufweisen als Konfessionsfreie. So weisen die Einwohnerinnen der Schweiz ohne Religionszugehörigkeit gleichzeitig die niedrigste Kinderzahl und den höchsten Anteil an Alleinerziehenden auf. (Daten und Diskussion dazu z.B. in diesem Vortrag (pdf, 1 MB), S. 14 - 20.

Montag, 8. September 2008

Zitat zu Fans als Fundamentalisten

Dass Filmkulturen Mythen verarbeiten und erschaffen, ist nun wirklich keine religionswissenschaftliche Neuentdeckung. Spannend waren m.E. aber Beobachtungen des Spiegel-Artikels "Fundamentalisten des Films" von Lars-Olav Beier (Ausg. 34/2008), in dem dieser die steigende Macht der webvernetzten Fangemeinden - und ihre überwiegende Ausrichtung notierte.

Zitat

"Treue gegenüber dem Original - ob Comics, Fantasy-Romane oder TV-Serien - ist für die meisten Fans das oberste Gebot jeder Verfilmung. Weil sie nicht selten ihre eigene Identität an das bewunderte Werk knüpfen, das sie besser kennen als sich selbst, empfinden sie Abweichungen manchmal gar als persönliche Angriffe.

Fans wie die eingefleischten Tolkien-Anhänger sind die Fundamentalisten der Pop-Kultur, die wörtlich nehmen, was geschrieben steht, und nicht dulden, dass es von Andersgesinnten interpretiert wird."

Selbst Tolkien-Fan mit ordentlich zerlesener Altausgabe, kann ich die Beobachtung nicht von der Hand weisen... ;-)

Montag, 18. August 2008

Zitat zu Kirchenaustritten von Renate Köcher (Allensbach)

Frau Prof. Dr. Renate Köcher ist Geschäftsführerin des Institutes für Demoskopie in Allensbach.

Zitat:

"Insbesondere die Distanzierung der Jüngeren in den siebziger und achtziger Jahren war ein Menetekel für die Kirchen, verminderten sich doch drastisch die Chancen, daß diese Generation ihre Kinder religiös erziehen würde. (...)
Doch entgegen aller Erwartung und Wahrscheinlichkeit kam dieser Prozess Mitte der neunziger Jahre zum Stillstand, so, als sei der Kreis religiöser Gebundener auf einen stabilen Kern abgeschmolzen. Die weiterhin erfolgenden Kirchenaustritte verdeckten die Stabilisierung, widerlegen sie jedoch nicht. Die Zahl der Konfessionsmitglieder war stets weitaus größer als der Kreis, für den der Glauben existentielle Bedeutung hat. Die Kirchenaustritte stehen damit eher für eine - abseits der für die Kirchen ungünstigen finanziellen Folgen - durchaus auch heilsame Bereinigung, bei der aus einer Konventions- eine Konfessionsmitgliedschaft wird."

Fundstelle

Renate Köcher, Die neue Anziehungskraft der Religion - Wachsendes Interesse an Glaube und Kirche, INFO 35, 4/2006, S. 177 Download hier.

Ergänzender Hinweis: Im gleichen Vortrag findet sich auch die mögliche Erklärungsvariable Demografie: Religiöse unter 30 Jahren geben zu 61% an, dass ihnen Kinder haben wichtig sei - ihre nichtreligiösen Altersgenossen nur zu 42% (S. 178).

Mittwoch, 13. August 2008

Zitat zu Kinderglaube von Botho Strauß

„Vielleicht wird hin und wieder ein Erwachsener durch das Weltalte des Glaubens gläubig gestimmt.

Nicht der Sinn fürs Immerwährende, für Transzendenz ist ursprünglich in ihm angelegt. Das Zeitlose denkt sich der Erwachsene, das Kind aber glaubt an die uralte Geschichte. Das Beste am Glauben wird daher stets der Kinderglauben bleiben.

Latenzgeschichte der Frömmigkeit. Nicht Buchstabe, sondern impact. Nicht Auslegung, sondern Wunder und Schauder.

Umgekehrt spielen die raffinierten Auslegungen, die das Unwahrscheinliche respektieren und es mit Gelehrsamkeit unentwegt einspeicheln, um es Erwachsenen verdaulich zu machen, oftmals nur mit sich selbst – angesichts des Mysteriums bewegt sich der Kundigste, ohne es zu merken, hilflos wie ein Kind.“

Fundstelle

Zitiert hier, S. 170

Mit Verweis auf:

Botho Strauß: Der Untenstehende auf Zehenspitzen. München 2004. Seite 36

Freitag, 8. August 2008

Zitat Dr. Yitzack Block zu Gottesbeweis

Die Chabad-Bewegung ist eine orthodoxe Strömung des Judentums, die sich auch in Deutschland im Aufblühen befindet. Auf deren deutschsprachiger Homepage (hier) fand ich einen kleinen Aufsatz von Dr. Yitzack Block zur Frage eines Gottesbeweises, den ich hier in Auszügen zitiere und verlinke.

Zitat:

"Es gibt Rabbiner, die glauben, dass ihr Job viel einfacher wäre, wenn sie G-ttes Existenz beweisen könnten. In Wahrheit sollten sie dankbar sein, denn könnten sie Seine Existenz beweisen, hätten sie das Judentum widerlegt, was ihre Arbeit ernsthaft in Frage stellen würde.

[...]

Im Judentum ist G-tt weder ein Lehrsatz der Mathematik oder Logik, noch eine Sache, die du mit deinen Augen sehen oder deinen Händen fühlen kannst. G-tt ist nicht eine Sache in der Welt, er ist über der Welt.

Daher hättest du das Judentum widerlegt, könntest du G-tt beweisen. Würdest du etwas anbeten, das du sehen oder berühren kannst, so betetest du nicht zu G-tt, sondern zu einem Götzenbild (siehe die zehn Gebote)."

Der ganze Text "Zwischen Glaube und Wissenschaft" hier.

Donnerstag, 31. Juli 2008

Das neue Baby-Wunder... Huch, wir sind im Cicero!

"Das neue Baby-Wunder" titelt die August-Ausgabe des "Magazin für politische Kultur". Klar, dass man da als Forscher mit Schwerpunkt Religionsdemografie nicht dran vorbeigeht...

Und dann eine wirklich schöne Überraschung in der Titelgeschichte der Cicero-Ressortleiterin Salon, Christine Eichel.

Ich zitiere auf S. 88 / 89:

"Wie stark die mentalte Gestimmtheit und der Wertekanon die Neigung zur Familiengründung bestimmt, fand eine religionswissenschaftliche Forschungsgruppe der Universität Marburg heraus. Ihre überraschende Conclusio: Religiosität ist ein entscheidender demografischer Faktor.

Anlass war die Studie "World Value Survey" der amerikanischen Politikwissenschaftler Pippa Norris und Ronald Inglehart, die weltweit einen signifikanten Zusammenhang von Religiosität und Kinderreichtum feststellten. Auf der Basis einer ALLBUS-Umfrage von 2002 befragten die Marburger Forscher mehrere Hundert 35- bis 45-Jährige - und maßen den Grad der Religiosität im schönsten Statistikerdeutsch nach der "Bethäufigkeit". Wer nie betete, so ihre Analyse, hatte im Schnitt 1,39 Kinder, wer täglich Zwiesprache mit Gott hielt, jedoch 2,06 Kinder. Und sie folgerten daraus: "Religiös praktizierende Bevölkerungsschichten haben durchschnittlich deutlich mehr Kinder als jene, die ihre Religiosität nicht systematisch praktizieren oder sich selbst als nicht religiös betrachten."

Es wäre sicherlich kühn, die Wiederkehr der Religion als Faktor des neuen Babybooms zu behaupten, dennoch ist es weltweit ein bemerkenswertes Phänomen, dass säkulare Gesellschaften weniger Lust verspüren sich fortzupflanzen als solche, die im Glauben verwurzelt sind."

Ja, aber das ist doch...

...ja, genau - der Religion-Demografie-Artikel von Carsten Ramsel, Sven Graupner und mir im Marburg Journal of Religion (Download per Klick hier). Und hier auch der zitierte Datensatz als Grafik:

Auch in Deutschland haben verbindlich religiöse Menschen durchschnittlich deutlich mehr Kinder als ihre säkularen Nachbarn. Das Verhältnis von Gebetshäufigkeit und durchschnittlicher Kinderzahl auf Basis der ALLBUS-Befragung Deutschland 2002.

Gut, wir haben nie in Marburg geforscht, sondern eben im dort angesiedelten Magazin unsere (frühe) Forschung veröffentlicht. Aber das ändert gar nichts an der Freude daran, dass die eigenen Arbeiten und Forschungen doch auch dort wahrgenommen werden, wo man gar nicht damit gerechnet hätte.

Danke, Cicero - und konkret danke, Frau Eichel!

Allerdings würde ich übrigens doch behaupten, dass die höhere Geburtenzahl Religiöser zur Wiederkehr der Religionen entscheidend beiträgt! Man schaue sich nur Befunde des Bertelsmann Religionsmonitor 2008 an - zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Religionssoziologie glauben inzwischen junge Erwachsene häufiger an ein Leben nach dem Tod als Senioren:
In der jungen Generation in Deutschland ist heute der Glaube an ein Leben nach dem Tod stärker ausgeprägt als in den älteren Generationen. Einer der vielen interessanten Befunde des Bertelsmann Religionsmonitor 2008.

Und wer sich auch noch dafür interessiert, was das alles sogar mit der Evolution der Religiosität zu tun haben könnte, findet z.B. ein Interview dazu hier.

So, und jetzt les ich mal einfach weiter...

Dr. Blume

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Die Geburtenziffern muslimischer Zuwanderer passen sich massiv den familienfeindlichen Strukturen Deutschlands an. Von einer Islamisierung Deutschlands kann also keine Rede sein, vielmehr steigen Zuwanderer per Integration derzeit in das gesamtdeutsche, demografisch sinkende Boot.

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