Zitate

Donnerstag, 20. März 2008

Zitat Youssef Courbage & Emmanuel Todd zu Religion, Demografie & Wettbewerb

Youssef Courbage, geb. 1946 in Aleppo (Syrien), ist Forschungsdirektor am Institut National d'Etudes Demographiques in Paris. Emanuel Todd ist ein Mitarbeiter und erfolgreicher Buchautor (u.a. "Weltmacht USA. Ein Nachruf", 2003).

Zitat:

"Es liegt in der Natur der Sache, dass diejenigen religiösen Systeme, die bis heute weitverbreitet sind, eine positive Einstellung zur Fortpflanzung haben: Andere, welche die Sinnlosigkeit der Fortpflanzung postulieren - und solche gab es durchaus -, sind mitsamt ihren Anhängern zum Aussterben verurteilt."

Gefunden in: Y. Courbage, E. Todd, "Die unaufhaltsame Revolution. Wie die Werte der Moderne die islamische Welt verändern.", Piper 2008

Dienstag, 18. März 2008

Zitat Wolfgang Schäuble zur Islamkonferenz

Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble, MdB (CDU):

"Die Deutsche Islam Konferenz ist ein Prozess, ein gemeinsamer Weg zu einem besseren Miteinander. Auf diesem Weg sind wir weiterhin gefordert, Unterschiede zu benennen, zu diskutieren und - wo möglich - ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Es gilt noch viele Schritte zu gehen, bis wir erreichen, was wir uns vorgenommen haben: Muslime und ihren Glauben in Deutschland heimisch werden zu lassen, damit aus Muslimen in Deutschland deutsche Muslime werden."

Aus: Vorwort zum Resümee der Arbeitsgruppen und des Gesprächskreises, 3. Plenarsitzung der DIK, März 2008

Freitag, 22. Februar 2008

Zitate Bertolt Brecht zu Religion & Glauben

Bertolt Brecht (1898 - 1956) gehört zu den bedeutendsten deutschen Dramatikern und Lyrikern. Zumal er sich politisch weit links verortete und bereitwillig Ehrungen der DDR und auch einen Stalin-Orden entgegen nahm, wurde er sowohl von seinen Anhängern wie Kritikern als ideologisch eindeutig verortet. Die derzeit erfolgende Auswertung seiner Notizbücher zeigt jedoch einen sehr viel differenzierteren, auch selbstironischen und nachdenklichen Brecht, der eigene Positionen auch in Frage stellte.

Zitate:

"Immer noch, wie im Pawlowschen Versuch, veranlassen Glocken in mir Prozesse sicherlich chemischer Art, Gedanken metaphysischer Richtung."

"Wisse auch, dass etwas nicht glauben, doch etwas glauben heißt."

aus: Der SPIEGEL 7/2008, "Abschied vom Beton-Brecht", S. 140 - 143 von Susanne Beyer

Anm.: Mit diesen erstaunlich offenen Gedankensplittern nahm Brecht Befunde der modernen Religionswissenschaft vorweg.

Die unbewusste, neurologische Wirkung religiöser Assoziationen hat u.a. Norenzayan experimentell aufgezeigt:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4501605/

Und das erkenntnistheoretische Patt zwischen religiösen und atheistischen Fundamentalisten hat sich ebenfalls eingestellt:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4118725/

Nicht schlecht, der Brecht! (-:

Mittwoch, 6. Februar 2008

Zitat Papst Benedikt XVI. zu Evolutionstheorie / Evolutionismus

Auch gegen den wieder auflebenden Kreationismus hatte Papst Johannes Paul II. 1996 erklärt, dass die Evolutionstheorie "mehr sei als eine bloße Hypothese". Als aber der Wiener Kardinal Christoph Schöborn 2006 in einem Gastkommentar für die "New York Times" eine "Lanze für die Intelligent-Design-Bewegung brach" (HK), lebten Befürchtungen auf, auch die katholische Kirche könne sich gegen Erkenntnisse der empirischen Wissenschaften stellen. Bisher hielt Prof. Ratzinger, inzwischen zu Papst Benedikt XVI. gewählt, jedoch an der Haltung fest, dass Evolutionstheorie und Glauben vereinbar, dass "wahre Kontingenz innerhalb der geschöpflichen Ordnung nicht unvereinbar (...) mit einer zweckvollen göttlichen Vorsehung" seien. Dabei kritisierte er Stimmen, die aus der Evolutionstheorie einen vermeintlich notwendigen Atheismus verkündeten.

Zitat

"Seit der Aufklärung arbeitet wenigstens ein Teil der Wissenschaft emsig daran, eine Welterklärung zu finden, in der Gott überflüssig wird. (...) Letztlich kommt es auf die Alternative hinaus: Was steht am Anfang: die schöpferische Vernunft, der Geist, der alles wirkt und sich entfalten lässt oder das Unvernünftige, das vernunftlos sonderbarerweise einen mathematisch geordneten Kosmos hervorbringt und auch den Menschen, seine Vernunft. Aber die wäre dann nur ein Zufall der Evolution und im letzten also doch auch etwas Unvernünftiges."

Papst Benedikt XVI. auf dem Gottesdienst in Regensburg, 12.09.2006

zitiert nach: Herder Korrespondenz (HK) 10/2006, S. 495

Anm.: Natur- und Geisteswissenschaftler sowohl atheistischer, agnostischer wie theistischer Prägung erforschen derzeit z.B. im internationalen Forschernetzwerk "Evolutionary Religious Studies" die Evolution der Religiosität. Die empirischen Erkenntnisse (beispielsweise auch zum Reproduktionserfolg) weisen dabei inzwischen klar darauf hin, dass sich auch Religiosität als Adaption bzw. Exaptation über biologische Vorteile entwickelt hat - wie bereits Darwin vermutete. Eine deutschsprachige Diskussion dazu hier.

Freitag, 4. Januar 2008

Zitat Lala Süsskind (Vorsitzende Jüd. Gemeinde Berlin) zum Moscheebau in Deutschland

Lala Süsskind, 61 J., kandidierte dieses Jahr (2007) als Spitzenkandidatin des Bündnisses "Atid" (hebr.: Zukunft) für das Amt der neuen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin. Sie hatte offen Inkompetenz, Verschwendung und Isolation in der Gemeinde kritisiert. Zudem hatte sie dafür geworben, Brücken zwischen alteingessesenen Gemeindemitgliedern und den (oft älteren) russischen Zuwanderern zu bauen und die Gemeinde stärker in die nichtjüdische Gesellschaft zu öffnen. Auch zum Streit um den Neubau von Moscheen, den u.a. Ralph Giordano mit betrieb, äußerte sie sich. "Atid" erhielt die meisten Stimmen und Frau Süsskind wurde inzwischen zur Vorsitzenden gewählt.

Zitat

"Jeder soll sein Gotteshaus im Einklang mit dem Gesetz nach seinen Vorstellungen gestalten. Auch den Synagogenbau versuchte man einst zu ducken."

aus: Rafael Seligmann, "Berlins Juden atmen auf", in: Cicero 1/2008, S. 58

Anm.: Aus religionshistorischer Perspektive ist Lala Süsskind Recht zu geben. Es bestehen sehr starke Übereinstimmungen zwischen antisemitischen und islamophoben Klischees, sowohl nach Gehalt wie Hintergrund, nicht zuletzt übrigens auch in der Zuschreibung rassistisch-demografischer Bedrohungsszenarien, die seriöser Empirie nicht standhalten.

Dienstag, 1. Januar 2008

Zitat Papst Johannes XXIII. zum Dialog Religion - Naturwissenschaft, Astronomie

Papst Johannes XXIII. wurde am 28.Oktober 1958 als Nachfolger von Pius XII. zum römisch-katholischen Papst gewählt. In den kaum fünf Jahren bis zu seinem Tod am 3.Juni 1963 geht er als "Reformpapst" in die Geschichte ein und beruft unter anderem das II. Vatikanische Konzil ein, dessen Öffnungsimpulse bis heute nicht völlig umgesetzt sind, teilweise sogar wieder in Frage gestellt werden.

Das folgende Zitat entstammt einer Ansprache des Papstes vor den Astronomen des vatikanischen Observatoriums, das auf eine 1891 von Papst Leo XIII. gegründete Sternwarte zurückgeht und heute unter anderem das Vatican Advanced Technology Telescope (VATT) auf dem Emerald Peak in Arizona (USA) betreibt.

Zitat
"Zwei Aufgaben sind für euch bestimmt: Die eine ist, die Welt der Wissenschaft für die katholische Kirche zu erklären; die andere ist, die katholische Kirche für die Wissenschaftler zu erklären. Ich denke, diese letztere wird die leichtere Aufgabe für euch sein."
- Ansprache von Papst Johannes XXIII. (1958-1963) vor den Astronomen des vatikanischen Observatoriums

aus: GEO Lexikon Astronomie, Band 5/2007, S. 603, "Religion und Astronomie"

Anm.: Man beachte den feinen, päpstlichen Humor...

Mittwoch, 26. Dezember 2007

Zitat George W. Bush jun. zum emotionalen Wert (Value) von Kindern

Der derzeitige, 43. Präsident der Vereinigten Staaten, Goerge W. Bush jun., ist für viele besondere Aussprüche berühmt geworden, die als "Bushismen" inzwischen Kultstatus erreicht haben. Auch zur Werschätzung von Kindern -man beachte die auch für die religionswissenschaftliche Evolutionsforschung wichtige Value of Children-Forschung- hat Präsident Bush der Welt einen bedenkenswerten Ausspruch hinterlassen.

Zitat (English / Deutsch)

"The way I like to put it is this.
There's no bigger issue for the president to remind the moms and dads of America, if you happen to have a child, be fortunate to have a child."
-To Treasury Department employees, March 7,2001

"Wie ich es gerne ausdrücke:
Es gibt kein wichtigeres Thema für den Präsidenten als die Mammis und Papas Amerikas zu erinnern - wenn Sie ein Kind haben sollten, seien Sie glücklich, ein Kind zu haben."
-Zu Mitarbeitern des Finanzministeriums, 7. März 2001

Aus: Jacob Weisberg (ed.), "More George W. Bushisms", Fireside 2002, S. 82

Anm.:Wussten Sie schon, auf welche Eigenschaften US-Amerikaner bei der Präsidentenwahl wertlegen bzw. was sie bei Kandidaten nicht tolerieren würden? Neueste Gallup-Daten dazu finden Sie hier.

Dienstag, 18. Dezember 2007

Zitat aus Shell-Jugendstudie 2006 über Zusammenhang religiöse Vergemeinschaftung - Familienorientierung

„Nur diejenigen 30% der Jugendlichen, deren Glauben kirchennah ist, vertreten im Vergleich zur gesamten Jugend ein besonders akzentuiertes Wertesystem, indem sie familienorientierter, gesetzestreuer, gesundheitsbewusster und etwas traditioneller als andere Jugendliche eingestellt sind. Glaube an ein höheres Wesen, Glaubensunsicherheit sowie Glaubensferne führen dagegen zu überwiegend ähnlichen Wertesystemen, die weitgehend dem Mainstream der gesamten Jugend entsprechen.“
(Shell-Jugendstudie 2006, S. 238, Hervorhebung Blume)

Anm.: Auch dieser Befund passt sich in andere demoskopische Beobachtungen ein, zum Beispiel von Allensbach.

In zahlreichen Befragungen betonen auch junge, religiöse Personen höhere Zustimmungswerte zu Familie und Kindern als ihre säkularen Mitbefragten.

Und die empirischen Belege, dass sich diese unterschiedliche Wertorientierung dann auch in durchschnittlich höherem Reproduktionserfolg religiös vergemeinschafteter Menschen niederschlagen, sind sehr stark und teilweise hier gelistet.

Samstag, 15. Dezember 2007

Zitat Herwig Birg zur demografischen Wirkung "praktisch aller Kulturen und Weltreligionen", 2004

Zur Person Herwig Birg weitere Informationen (und ein weiteres Zitat) hier.

Zitat zum Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern

"Da soziale Sicherungssysteme weitgehend fehlen, sind Kinder aus der Sicht rational planender Eltern als eine Art lebendes, familiales Sozialversicherungssystem und als Arbeitskräfte in Landwirtschaft und Kleingewerbe wirtschaftlich von großer Bedeutung. Hinzu kommen die meist pronatalistischen Wirkungen praktisch aller Kulturen und Weltreligionen."

Aus: Herwig Birg, "Die Weltbevölkerung. Dynamiken und Gefahren", Ch. Beck Wissen 2004, S. 117

Anm.: Immer mehr auch internationales Datenmaterial unterstützt die Annahme Birgs, anbei zum Beispiel eine Auswertung von Daten des World Value Survey von Dominik Enste, Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Datenbasis sind Befragungen aus insgesamt 82 Nationen aller Kontinente und aller großen Weltreligionen.

Weltweit (hier an Daten des World Value Survey in inzwischen 82 Nationen ausgewertet) besteht ein enger Zusammenhang zwischen religiöser Praxis und Geburtenhäufigkeit. Sowohl in Deutschland (rot) wie weltweit (schwarz) haben religiös praktizierende Menschen durchschnittlich mehr Kinder - und damit, biologisch gesehen, mehr evolutive Fitness.

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Zitat Nicole Brose zu Religiosität - Kinderzahl, 2006

Die Diplom-Soziologin Nicole Brose ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität Berlin.

Zitat

"Die characteristics hypothesis besagt. dass Unterschiede zwischen Christen und nicht-religiösen Personen auf der sozioökonomischen Zusammensetzung der beiden Gruppen beruhen und sich unter Kontrolle von Alter, Bildung und Einkommen auflösen. Im Modell 1 (Tab. 1) wurde diese Hypothese geprüft - mit dem Ergebnis, dass Personen, die sich einer protestantischen oder katholischen Gruppierung zugehörig fühlen, auch dann noch mehr Kinder haben, wenn die entsprechenden Variablen kontrolliert werden: So ist dem unstandardisierten Effektkoeffizienten B in Tabelle 1 Modell 1 zu entnehmen, dass Protestanten und Katholiken im Schnitt um 0,257 Kinder reicher sind als Personen ohne religiöse Zugehörigkeit."

Aus: Nicole Brose Gegen den Strom der Zeit? – Vom Einfluss der religiösen Zugehörigkeit und Religiosität auf die Geburt von Kindern und die Wahrnehmung des Kindernutzens in der Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 2/2006, S. 267

Anm.: Die Abweichung von 0,257 Kindern entspricht übrigens recht genau auch der reproduktiven Differenz konfessionsloser Einwohner der Schweiz zu Mitgliedern Mainstream-evangelischer und katholischer Kirchen...

Lebendgeburten pro Frau nach Religionszugehörigkeit, Schweizer Zensus 2000, alle Kategorien. Es zeigt sich, dass "alle" religiösen Gemeinschaftskategorien durchschnittlich deutlich mehr Kinder erreichen als die Konfessionslosen.

Dr. Blume

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