Hatice Akyün: Einmal Hans mit scharfer Soße - Leben in zwei Welten

Hatice ist „Türkin mit deutschem Pass, für Politiker ein Paradebeispiel einer gelungen Integration, für deutsche Männer die verbotene, exotische Frucht und für deutsche Frauen der Grund, ihre Haare zu hassen“. Sie ist auf Suche nach ihrem „Hans mit scharfer Soße“. „Ein Hans, der leidenschaftlich wäre und galant genug mir beim ersten Date –wie in der Türkei üblich- die Autotür aufzuhalten,…“. Dabei weiß sie, dass sie natürlich „etwas falsch“ macht, da sie versucht in „zwei Welten gleich gut zurechtzukommen.“
In ihrem Buch beschreibt sie sehr amüsant ihre Suche, die zwei Welten und wie sie sich darin zu Recht findet. Dabei bleibt dem Leser nichts anderes übrig als laut zu lachen und –wenn man ebenfalls zwischen zwei Welten lebt - sich selbst immer wieder darin wieder zu finden. Dazu gehören Reflektionen zu religiösen Themen, nicht nur gegenüber den nichtmuslimischen Freunden (Ramadan? Weihnachten?), sondern auch gegenüber den verschiedenen Lebensstilen von Muslimen selbst, auch in der eigenen Familie:
„Ablam [Anm. deutsch: meine große Schwester] trägt ein Kopftuch, respektiert aber, dass ich keines trage. Umgekehrt denke ich nicht, dass sie rückschrittlich oder unmodern ist, und schon gar nicht, dass sie unterdrückt wird. Das Kopftuch hat uns nicht entzweit. Wir diskutieren über Religion und Glauben, ohne den anderen zu verurteilen.“
Auch wenn man Hatices Erfahrungen nicht gemacht hat, ist es sehr unterhaltsam die Unterschiede der beiden Welten zu sehen. Wie sehen uns Nicht-Deutsche? Warum heißen Deutsche Hans und Helga? All diese Fragen werden beantwortet.
Und was antwortet man als Deutsche türkischer Herkunft auf die Frage „Sie sprechen aber gut Deutsch?“
Antwort A: „Danke, Sie aber auch.“
Antwort B: „Wahnsinn, was das deutsche Bildungssystem doch alles hervorbringt.“
blume-religionswissenschaft - 28. Feb, 14:57
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