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Zehras Buchtips

Samstag, 28. Februar 2009

Hatice Akyün: Einmal Hans mit scharfer Soße - Leben in zwei Welten

Einmal Hans mit scharfer Soße. Der Roman von Hatice Akyün über Leben und Liebe zwischen den Welten, die sich in Deutschland längst begegnen (und begehren).

Hatice ist „Türkin mit deutschem Pass, für Politiker ein Paradebeispiel einer gelungen Integration, für deutsche Männer die verbotene, exotische Frucht und für deutsche Frauen der Grund, ihre Haare zu hassen“. Sie ist auf Suche nach ihrem „Hans mit scharfer Soße“. „Ein Hans, der leidenschaftlich wäre und galant genug mir beim ersten Date –wie in der Türkei üblich- die Autotür aufzuhalten,…“. Dabei weiß sie, dass sie natürlich „etwas falsch“ macht, da sie versucht in „zwei Welten gleich gut zurechtzukommen.“

In ihrem Buch beschreibt sie sehr amüsant ihre Suche, die zwei Welten und wie sie sich darin zu Recht findet. Dabei bleibt dem Leser nichts anderes übrig als laut zu lachen und –wenn man ebenfalls zwischen zwei Welten lebt - sich selbst immer wieder darin wieder zu finden. Dazu gehören Reflektionen zu religiösen Themen, nicht nur gegenüber den nichtmuslimischen Freunden (Ramadan? Weihnachten?), sondern auch gegenüber den verschiedenen Lebensstilen von Muslimen selbst, auch in der eigenen Familie:

„Ablam [Anm. deutsch: meine große Schwester] trägt ein Kopftuch, respektiert aber, dass ich keines trage. Umgekehrt denke ich nicht, dass sie rückschrittlich oder unmodern ist, und schon gar nicht, dass sie unterdrückt wird. Das Kopftuch hat uns nicht entzweit. Wir diskutieren über Religion und Glauben, ohne den anderen zu verurteilen.“

Auch wenn man Hatices Erfahrungen nicht gemacht hat, ist es sehr unterhaltsam die Unterschiede der beiden Welten zu sehen. Wie sehen uns Nicht-Deutsche? Warum heißen Deutsche Hans und Helga? All diese Fragen werden beantwortet.

Und was antwortet man als Deutsche türkischer Herkunft auf die Frage „Sie sprechen aber gut Deutsch?“

Antwort A: „Danke, Sie aber auch.“
Antwort B: „Wahnsinn, was das deutsche Bildungssystem doch alles hervorbringt.“

Freitag, 12. September 2008

Adena Halpern : Die zehn besten Tage meines Lebens

Über den Sinn des Lebens und ein Jenseits zu reflektieren ist stets eine freud- und humorlose Angelegenheit? Von wegen! Der zweite von Zehras Buchtips.

Ein überraschender Tod, ein humorvoll gezeichnetes Jenseits - und ein Auftrag zwischen Schmunzeln und Selbstreflektion. "Die zehn besten Tage meines Lebens" von Adena Halpern, ein Buchtip von Zehra.

Mit knapp dreißig Jahren wird Alex von einem Mini überfahren. Sie kommt direkt in den siebten Himmel, bekommt ihr Traumhaus mitsamt der Einrichtung, die sie sich schon immer gewünscht hat, einen begehbaren Kleiderschrank und lernt sogar einen netten jungen Mann kennen. Eigentlich –findet sie- ist das Leben im Himmel fast besser als auf der Erde, denn man muss nicht sauber machen oder aufräumen und Kalorien zählen muss sie auch nicht mehr. Dafür aber möchte man im Himmel wissen, ob sie ein erfülltes Leben gehabt hat und eine Prüfung ablegen:

Zitat

„Ach ja? Worin besteht diese Prüfung denn überhaupt?“ - „Du musst bloß einen einfachen Aufsatz schreiben.“
„Oh.“ Ich atmete auf. „Einen Aufsatz. Nun, das sollte mir nicht allzu schwer fallen. Wir lautet das Thema?“ „Das Thema lautet: Die zehn besten Tage deines Lebens.“

Zitat Ende

Und genau das bewegt Alex über ihr Leben nachzudenken. Gleichzeitig überlegt der Leser: Was sind die zehn besten Tage meines Lebens? Bei diesem Buch habe ich viel über mein Leben nachgedacht und überlegt, wie mein Aufsatz aussehen würde. Alex Aufsatz jedenfalls ist sehr amüsant und mitreißend. Gleichzeitig geht das Leben im Himmel natürlich weiter – und das ist einfach himmlisch! Ein Buch, das nicht nur unterhält, sondern ganze Diskussionen über Sinn des Lebens und was ein erfülltes Leben überhaupt sei, auslöst.

Mittwoch, 28. Mai 2008

Sternschnuppen - Von Anne Hertz

Wie biokulturell fixiert sind Familienrollen? Zu dieser und anderen Fragen Zehras erster Buchtip:

Sternschnuppen. Von Anne Hertz

Der Roman "Sternschnuppen" von Anne Hertz, Zehras erster Blog-Buchtip.

Begeistert hat mich an diesem Buch immer wieder die Überlegung der Ich-Erzählerin Svenja, ob Kinder und Beruf vereinbar sind. Sie -frischgebackene Hoteldirektorin eines first-class Hotels- wird völlig unerwartet schwanger. Da sie sehr hart für ihren beruflichen Erfolg gearbeitet hat, möchte sie ihn nicht aufgeben, vor allem, da sie plötzlich auch noch Alleinerziehende ist.

So begibt sie sich noch während der Schwangerschaft auf Kinderbetreuungssuche und stößt dabei immer wieder an Grenzen: Kitas haben nicht lange genug geöffnet und sind oft erst ab drei Jahren, Au-Pairs bekommen kein Visum, Tagesmütter sind viel zu teuer für eine Rundumbetreuung… Dennoch schafft sie es mit Hilfe von Sascha, ihrem männlichen russischen Kindermädchen. Ihr etwas unkonventioneller Weg trifft nicht überall auf Zustimmung und so sorgen Überlegungen, ob eine berufstätige Mutter eine Rabenmutter ist, nicht nur einmal für Diskussionsstoff.

Leseprobe

„Sascha schüttelt den Kopf „Rabenmutter? Das Wort habe ich noch nie gehört. Was heißt das?“ „Na, das ist eine Mutter, die ihre Kinder schlecht behandelt. Wie die Rabenfrau, die ihre frisch geschlüpften Küken gleich aus dem Nest schmeißt.“ „Aha, seltsamer Begriff. Gibt’s auf Russisch gar nicht. Ich finde, du machst toll mit deinen Kindern. Du liebst sie, du kümmerst dich. Und dass du mit Papa nicht zusammen bist, ist nicht deine Schuld. Das passiert auch anderen. Du hast das Beste aus der Situation gemacht. Mach dir keine Sorgen.“ „Ja, aber verstehst du mein Problem?“ „Nein. Weißt du, was ich glaube, was dein Problem? Das ist nicht, dass du Mutter bist. Nein, das Problem ist, dass du so deutsch bist.“ Das verstehe ich nun wieder nicht und schaue entsprechend ratlos. „Na“, fährst Sascha fort, als ich ihm einen fragenden Blick zuwerfe, „ich wohne schon sehr lange hier, aber eines werde ich nie verstehen: Deutsche sehen immer Problem. Immer. Und überall. Selbst wenn alles läuft gut. Sieh dich an: Du hast eine gute Arbeit und verdienst gutes Geld. Die Babys sind gesund - und du hast tollsten Babysitter de Welt. Wärst du Russin, du wärst glücklich. Als Deutsche – nein. Da musst du so lange suchen, bis endlich anderes Problem auftaucht, über das du dir Sorgen machen kannst. Ihr Deutschen könnt nicht ohne Sorgen leben, da fehlt euch etwas. Seltsames Volk. Rabenmutter. So eine große Scheiß!“

Zitat Ende

Dieser Roman bewirkt, dass wir unsere festgefahrenen Rollenbilder überdenken und auch mal über unkonventionelle Wege nachdenken. Einfach toll! Gewidmet ist er übrigens Ursula von der Leyen – sehr passend!

Mittwoch, 14. Mai 2008

Neue Kategorie: Zehras Buchtips

Dass bisweilen männliche Perspektiven immer noch recht einseitig wissenschaftliche Arbeiten und deren Vermittlung in die Öffentlichkeit dominieren, wird wohl bei keinem Thema so deutlich wie bei Fragen von Demografie und Familienbildern, einem Schwerpunkt dieses Blogs. Auch die Religionswissenschaft beginnt erst langsam zu entdecken, welche bedeutende Rolle Frauen in der Evolution von Religiosität und Religionen gespielt haben - und spielen.

Die neuen Thesen zu Religion & sexueller Selektion in kreativer und humorvoller Form - das Gretchenfrage-Comic von Chris Baumann und Kathrin Thumerer, Universität Heidelberg!

Persönlich...

...bin ich immer wieder am Staunen, wenn ich mit meiner Frau Zehra über die Literatur spreche bzw. Passagen zu lesen bekomme, die sie und ihre Freundinnen bevorzugen. Natürlich spielt in diesen Romanen auch leichte Unterhaltung eine Rolle - aber ist das bei den von mir so geschätzten Science-Fiction- und Wissenschaftsthrillern eigentlich anders? Nur werden darüber hinaus in Zehras Büchern auch häufiger Themen aus lebensnahen Perspektiven reflektiert, über die auch die Wissenschaft (zumal, wenn sie biologisch arbeitet) eigentlich nicht hinweggehen sollte: Schwierigkeiten und Chancen der Partnerwahl, Freude und Probleme mit Kindern, Rivalitäten zwischen Lebensmodellen (wie Heimchen am Herd versus Rabenmutter...), das Ringen um Selbstbestimmung und verläßliche Bindung, Glaubensfragen, Tod und Verlust von geliebten Menschen.

Seit Wochen habe ich Zehra daher gebeten, in einer eigenen Blogkategorie in lockerer Folge Bücher vorzustellen und zu empfehlen. Obwohl und weil ich glücklich Mann bin, finde ich es wichtig, diesem Literaturzweig endlich die Anerkennung zukommen zu lassen, die echtes Leben eigentlich verdient. Und - Zehra hat zugesagt! Hiermit heiße ich also die Kategorie ihrer Buchtips auf dem Blog herzlich willkommen! :-)

Dr. Blume

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Gefragt, was der Hauptgrund für die fehlende wirtschaftliche Entwicklung in islamischen Staaten sei, unterscheiden sich die Antworten von Deutschen, US-Amerikanern, Türken und Muslimen in Deutschland außerordentlich.

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