Das letzte Wochenende wird in meinem Kalender angestrichen. Denn es war ein Höhepunkt des jungen Jahres und ich bezweifle, ob es so schnell getoppt werden kann.
Bilderstrecke vom Wochenende hier.
Der
Spektrum-Wissenschaftsverlag hatte Blogger seiner Wissenschaftsblogecke "
Scilogs" sowie einige weitere Wissenschaftsblogger zu einem hervorragend organisierten und erfrischend unkompliziert moderierten Bloggertreffen geholt. 40 Leute, von der idealistischen Studentin bis zum abgeklärten Prof, vom Astronomen über die Psychologin, Molekularbiologin und Anatom bis zum Archäologen, Chemiker, Journalisten, Soziologen, Philosophen und Historiker - ich kann mich nicht erinnern, jemals ein so interdisziplinäres und gleichzeitig intensives Miteinander erlebt zu haben. Denn, Überraschung, das Eis brach nicht nur schnell, es splitterte geradezu - so genial war es, sich mit Leuten auszutauschen, die die gleiche Freude an Wissenschaft, Vernetzung und dem Dialog mit der Öffentlichkeit haben.
Dazu trug auch der anregende und informative Einführungsvortrag des Sozialwissenschaftlers Marc Scheloske von der
Wissenswerkstatt bei, in dem wir unter anderem erfuhren, dass es derzeit ca. 180 Wissenschafts- und Wissenschaftlerblogs im deutschsprachigen Raum gibt - wovon also ein knappes Viertel zusammen gekommen war. Und dann, Genialität der Veranstalter, kamen erst einmal die Skeptiker zu Wort: Gestandene Herren aus Journalismus und Medienwissenschaft, die kritisch anmerkten, was wohl Blogs alles nie leisten würden. Schon war sie da: Die offene Leitdebatte auf hohem Niveau, der Erfahrungs- und Kompetenzaustausch, die Selbst- und Medienreflektion.
Scilogs-Preise
Mir war es eine echte Ehre, als Laudator Lars Fischers Wissenslog "
Abgefischt" für den Scilogs-Preis vorzuschlagen, da Lars schon seit Jahren
zunächst im Fisch-Blog kritische und dennoch spannende, sprachlich oft geradezu geniale Qualitätssicherung betreibt und dies jetzt in den Scilogs fortsetzt.
Mit nur einer Stimme Rückstand wurde er dann Zweiter hinter Helmut Wicht vom Brainlog "
Anatomisches Allerlei", einem Gesamtkunstwerk, der übrigens im echten Leben genauso locker und zugleich beeindruckend spricht, wie er schreibt. Gratulation, Helmut!
Den dritten Preis errang Katja Schwab mit dem Brainlog "
Psychologie des Alltags", die mit Natürlichkeit, Witz und guter Laune virtuell wie real Vorurteile gegen Psychologen widerlegt. Wenn ich jemals nicht weiter weiß...
Wer eher hören als lesen mag, dem sei übrigens der pfiffige "
Braincast" von Arvid Leyh empfohlen - MP3-Player, ich komme!
In den "
Kosmologs" geht es mit Experten in die Weiten des Weltraums und in den "
Chronologs" werken Historiker verschiedenster Schwerpunkte und Disziplinen. Die muntere Diskussion mit Yoav Sapir, einem angehenden Rabbiner aus Jerusalem, der ebenfalls über die
zivilreligiösen Funktionen der Holocaust-Erinnerung nachdenkt, hat mir dann noch abschließend gezeigt, dass nichts unmöglich ist in den weiten Weiten der Bloggosphäre.
Was bleibt?
Vor allem: Begegnungen, aus denen -davon gehe ich aus- einige Freundschaften werden. Denn hier begegneten sich Leute, mit denen man auch deswegen im Kontakt bleiben möchte, weil einen über den Moment hinaus vieles verband: die Freude am Wissen, dem Dialog über Fach- und Titelgrenzen, dem Schulterzucken über Denk- und Experimentierverbote, der Lust am kreativen Schaffen und der Bereitschaft, auch aus Erfahrungen zu lernen.
Die Freude, in Deutschland eine eigene Wissenschaftsblogszene zu entwickeln, statt nur zu imitieren, was anderswo schon entstand.
Die Lust an der Diskussion - die gemeinsame Autofahrt mit Edgar Dahl, einem kantigen, tiefsinnigen und hinter aller intellektuellen Schärfe sehr warmherzigen atheistischen Philosophen in Deutschland, war auch intellektuell ein Genuss! Danke, Edgar!
Und schließlich verband und verbindet die Bloggerszene, so habe ich es erlebt, die Grundeinstellung, nichts für unmöglich zu halten, solange es nicht ernsthaft versucht wurde - erst recht keine gewagten, interdisziplinären Brückenschläge (Astrotheologie, wir kommen!!! (-: ). Kann ich nur hoffen, dass ich mit meiner Begeisterung niemandem auf die Nerven gegangen bin - sie war und ist einfach echt.
Wir sehen uns (auch) in den Wissenslogs...
Und entsprechend fiel es den Carsten Könnecker und Richard Zinken auch gar nicht schwer, mir ein konkretes Versprechen zu entlocken: Noch in diesem Monat werde ich (so Gott will (-; ) mit "Natur des Glaubens - Aus der Evolutionsforschung zur Religiosität" in den "
Wissenslogs" an den Start gehen. Während hier im Blog die eigenen Forschungsnotizen zur Diskussion erscheinen (wie ich inzwischen weiß, ein "Wissenschaft-ler-blog"), möchte ich dort vor allem auch aufzeigen, was die Kolleginnen und Kollegen anderer Nationen und Disziplinen im Rahmen der
Evolutionary Religious Studies so erforschen und bereits mit Daten belegen können - also ein thematisch orientierter "Wissenschaftsblog".
Wenn also in Zukunft öfter einmal unter einer Überschrift hier dieses Logo aufscheint:

- dann sehen wir uns einen Klick später einfach im wohl derzeit größten Wissenschaftsblogportal des deutschsprachigen Raums wieder! Auch auf die Gefahr hin, manchen bislang treuen Leser an die 1A-Mitblogger dort zu verlieren! (-: