Musikalität & Religiosität

Samstag, 3. Januar 2009

Xavier Naidoo's "Abschied nehmen" in anthropologischer Perspektive

Nach der Definition von Religiosität als Verhalten zu übernatürlichen Akteuren (supernatural agents) dürfte die Zwiesprache mit den Toten zu den ältesten, religiösen Formen gehören. Und tatsächlich finden wir die rituelle Kommunikation mit Verstorbenen seit der mittleren Altsteinzeit sowohl bei Homo Sapiens wie Homo Neanderthalensis belegt.

Der Mannheimer Musiker Xavier Naidoo hat in seinem Song "Abschied nehmen" eine solche Zwiesprache eindrucksvoll ausgearbeitet. In einem Bravo-Interview vom 02.01.2003 führte er laut "Wer weiss was.de" aus:

„BRAVO: Worum geht's in dem Song ‚Abschied nehmen‘?

Xavier: Jemand ist gestorben, jemand bleibt zurück. In meiner Geschichte geht es um zwei Brüder. Der kleine fährt Rennen, der ältere findet das nicht gut. Es kommt zum Streit, kurz danach verunglückt der kleine Bruder tödlich. Der große hat keine Gelegenheit mehr, sich mit ihm zu versöhnen. Für mich der absolute Albtraum!

BRAVO: Hast du denn selbst etwas Ähnliches erlebt?

Xavier: Nein, aber ein Freund von mir hat etwas Ähnliches erlebt. Er brachte mich auch auf das Thema.“

Den Song widmete er später dem verstorbenen Musiker Barry White.

Sonntag, 28. Dezember 2008

Das erfolgreichste Musikstück zur Religion in Deutschland 2008...

...dürfte unangefochten Herbert Grönemeyer mit "Ein Stück vom Himmel" gelungen sein. Fans haben dazu eigene Videoclips komponiert und einen solchen will ich jetzt auch einfach mal sprechen lassen.

Mittwoch, 27. August 2008

Wolfgang Bossinger und die Evolution von Musikalität und Religiosität

Auf den möglichen Zusammenhang von Musikalität und Religiosität stieß bereits Max Weber. Dieser Klassiker der deutschen und internationalen Religionssoziologie arbeitete, was weniger bekannt ist, auch in einigen Studien zur Soziologie der Musik - und prägte, wissend, wovon er schrieb und sprach, u.a. Begriffe wie "religiöser Virtuose" oder "religiös unmusikalisch" sein.

Und, seltsam, ja: Begriffe wie "religiöser Hochleister" oder "religiös unsportlich" wirken nicht in gleicher Weise "stimmig", bringen nicht vergleichbar "Saiten zu schwingen"... Fast ist es, als hätte Weber und würden auch wir heutigen Menschen eine tiefe Verbindung erahnen, die evolutionswissenschaftlich zu erforschen bisher noch nicht gelungen ist.

Ein sehr praktisch orientierter Musiktherapeut, Wolfgang Bossinger, überraschte und begeistert viele Menschen durch ein Buch, in dem er die gesundheitliche Kraft des Singens darstellte und immer wieder Bögen zu Religionskulturen schlägt. Denn es ist ja kein Geheimnis, dass in Religionsgemeinschaften weltweit Musik, Chorgesang etc. gerade auch im Bezug auf Heilung und Gemeinschaft tragende Rollen spielt.

Und Bossinger arbeitet keinesfalls mit esoterischen Spekulationen, sondern nüchtern durch die gelungene Verknüpfung von Evolutionsforschung (z.B. an der Musikalität von Walen und Primaten), ethnologischen Beobachtungen, eigenen Erfahrungen und Interviews sowie soziologischen wie medizinischen Studien renommierter Forscher. Und dann ist der Band auch noch so bunt gestaltet und reich bebildert, dass man ihn richtig gerne in die Hand nimmt. Kurz: Für Praktiker und Theoretiker ist das originelle Buch gleichermaßen anregend.

Ein praktisch orientierter Entwurf evolutionärer Musikwissenschaft. Schön gestaltet und noch schöner geschrieben. Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens.

Nach einer Akademietagung, zu der wir unterschiedliche Vorträge beisteuerten, hatte ich das Glück einer Zugfahrt mit dem Autor, bei der wir uns prächtig unterhielten und austauschten. Seitdem bin ich mir noch sicherer: Eines Tages wird die Wissenschaft auf Webers Spuren aufregend Neues zur (wechselwirkenden?) Evolution von Musikalität und Religiosität entdecken! :-)

Freitag, 20. Juni 2008

Abtei Heiligenkreuz - Der unwahrscheinliche Erfolg eines unzeitgemäßen YouTube-Videos

Vor die evolutionstheoretische Erörterung von Zusammenhängen der Musikalität und Religiosität möchte ich eine Impression stellen und "für sich sprechen" lassen.

Mit einer Reihe von YouTube-Videos hat die österreichische Abtei Heiligenkreuz einen unzeitgemäßen Erfolg gelandet. Auf der Tonspur gibt es dabei "nur" die gregorianischen, lateinischen Gesänge der Mönche, die Bildimpressionen zeigen nicht die üblichen, halbbekleidete Frauen, Waffen und Autos, sondern schlichte Szenen aus dem Kloster ohne jeden Spezialeffekt. Langweilig, ewiggestrig? So wird es nicht empfunden - die Abrufzahlen gehen durch die Decke, vom Plattenerfolg berichtete auch das heute-journal.



Für den Hinweis danke ich Kerstin Probiesch vom immer wieder lesenswerten Schwesterblog religionswissenschaft.info.

Montag, 9. Juni 2008

Musikalität & Religiosität

"Während ich diese Zeilen Mitte Dezember in New York schreibe, ist die Stadt voller Weihnachtsbäume und Menorot. Als alter jüdischer Atheist bin ich geneigt zu sagen, dass mir diese Dinge nichts bedeuten, aber in meinem Inneren erklingen Chanukka-Gesänge, wann immer das Bild einer Menora auf meine Netzhaut fällt, selbst wenn ich mir dessen gar nicht bewußt bin. Es muss hier mehr Gefühl, mehr Bedeutung geben, als ich zugebe, auch wenn sie im Wesentlichen von sentimentaler und nostalgischer Art sind."

Mit diesem Zitat das Neurologen Oliver Sacks, gefunden in Gehirn & Geist 6/2008, S. 51, möchte ich die neue Kategorie Musikalität & Religiosität begrüßen. Denn eine tiefe Verbundenheit und Verwandschaft dieser beiden veranlagten Fähigkeiten unserer menschlichen Gehirne liegt nahe, wurde von bedeutenden Religions- und Musiksoziologen (wie Max Weber) vermutet, von originellen, neueren Denkern und Praktikern wie Wolfgang Bossinger erschlossen und harrt der (auch religions-)wissenschaftlichen Bearbeitung. Für Anregungen, Tips und Hilfe Ihrerseits auf dem Weg in dieses Neuland bin ich dankbar!

Dr. Blume

Religionswissenschaft aus Freude
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

kostenloser Counter

Bloggeramt.de

Gott, Gene und Gehirn - Von Rüdiger Vaas und Michael Blume

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Kommentare

Danke, Elsa!
Dein Wunsch hat sich erfüllt! :-) Auch Dir ein...
blume-religionswissenschaft - 12. Apr, 20:05
Ich wünsche dir...
Ich wünsche dir Frohe Ostern und schöne Feiertage...
ElsaLaska - 12. Apr, 17:02
@itz: Sehr gerne!
Und ich würde fast sagen, dass wir beide auch...
blume-religionswissenschaft - 12. Apr, 12:01
Erkenntnis!?
Lieber Sapere Aude, es freut mich, dass Sie anfangen...
blume-religionswissenschaft - 12. Apr, 11:58
Everybody be cool,......
“Nothing does reason more right, than the coolness...
itz (Gast) - 12. Apr, 10:17
http://www.blog.dignitatis .com/wordpress/
Dass Sie sich gegenseitig mit Genuss die Flöhe...
sapere aude (Gast) - 12. Apr, 00:26
Danke, Ihr zwei!
Bin gerade aus Stuttgart zurück - so schnelle...
blume-religionswissenschaft - 11. Apr, 21:25
Doller Vortrag!
Hallo Herr Dr. Blume, vielen Dank für den ebenso...
Astrofan (Gast) - 11. Apr, 19:27

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this topic

twoday.net AGB

Aus den Alben

Frauen und Männer engagieren sich freiwillig für unterschiedliche Schwerpunkte. Männer streben häufiger Macht- und Heldenrollen an, Frauen sichern ihr reproduktives Investment durch Engagement für Kinder, Soziales - und Religion.

Suche

 

Status

Online seit 1036 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2. Sep, 12:39
    Hier gehts zu Twitter

    Blogende
    Veranstaltungen
    Begrüßung und Einführung
    Bilderalbum
    BUCH
    Buddhismus
    Christentum
    Chronologs
    Demografie & Familienbilder
    Dialog
    Durkheim, Emile
    Evolutionary Religious Studies (ERS)
    Evolutionsforschung
    F.A. von Hayek
    Fragen
    Gesundheit & Religion
    ... weitere
    Profil
    Abmelden
    Weblog abonnieren