Ishak Alaton ist ein prominenter jüdischer Geschäftsmann in der Türkei. Er wurde 1927 in Istanbul geboren. 1954 gründete er mit seinem Freund Üzeyir Garih die Alarko Holding, die heute ca. 6.000 Angestellte in den Bereichen Energiewirtschaft, Bauindustrie, Maschinenbau sowie in der Tourismusindustrie beschäftigt. Zurzeit ist er Vorstandsvorsitzender der Alarko Holding.
Im folgenden einige interessante O-Töne aus dem Interview mit Hülya Sancak -
das komplette Interview hier.
EU-Mitgliedschaft der Türkei
"Unter den heutigen Bedingungen glaube ich nicht, dass die Türkei eine respektvolle und gleichberechtigte Vollmitgliedschaft in der EU bekommen kann. Das behauptet aber auch keiner. Ich glaube, dass die Türkei, solange sie den "EU-Weg" geht, von Europa kontinuierlich unterstützt werden sollte, damit sie auch auf diesem Weg bleibt."
Rechte der Kurden
"Zuerst sollten wir begreifen, dass alle Menschen gleichberechtigt geboren sind. Wir sollten die Kurdenproblematik lösen und mit den Kurden Frieden schließen. Es gibt eine feste Regel: Die Demokratie betont nicht nur den Aspekt der Gleichberechtigung, sondern sie garantiert auch das Recht darauf, anders zu sein. Wenn also die Kurden sagen, sie seien anders als die Türken, so muss man dem Verständnis entgegenbringen."
Diskriminierung, Antisemitismus seitens der Gesellschaft und der staatlichen Bürokratie
"Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Minderheiten und der Mehrheitsgesellschaft. Ich glaube definitiv nicht, dass es in der türkischen Gesellschaft z.B. antisemitische Tendenzen gibt. Die türkische Gesellschaft ist nicht antisemitisch oder xenophob.
Aber ich möchte eines hervorheben: In der Geschichte der türkischen Republik kam es seitens des Regimes und der Bürokratie immer wieder zu Diskriminierungen. Wenn man von einem "Wir" redete, verstand man darunter die sunnitischen Muslime, die "Anderen" hingegen waren und sind die Aleviten, Kurden, Juden und die Nicht-Muslime. So hielt man eine Diskriminierung und Feindlichkeit am Leben, die es im Alltagsleben nicht gibt."
2 Fragen zur AKP (Der jetzigen islamisch-konservativen Regierungspartei)
Ist die AKP im Vergleich zu anderen Partien toleranter gegenüber Minderheiten?
"Ja. Seitens der AKP Regierung haben wir keine Diskriminierung, sondern Gleichbehandlung erfahren. Ehrlich gesagt bin ich der Meinung, dass es in der AKP keine Nichtmuslime- oder Judenfeindlichkeit gibt."
Glauben Sie, dass die AKP eine geheime Agenda hat?
"Dessen wird sie oft verdächtigt. Aber bis jetzt habe ich keine entsprechende Aktion gesehen. Ich weiß, dass einige ständig den Vorwurf wiederholen, um den Verdacht gegen die AKP aufrecht zu erhalten. Die AKP hat viele Feinde. Aber ich finde diese Haltung krankhaft und paranoid. Wenn man in Frieden miteinander leben möchte, muss man auch daran arbeiten, dass verschiedene Meinungen miteinander in Frieden leben können."
CHP (Die langjährig führende, linksnationalistische Oppositionspartei)
"Alle dachten, die CHP wäre eine sozialdemokratische Partei. Aber sie ist es nicht. Sie ist eine steife, despotische und autoritäre Partei. Wenn die AKP heute die stärkste und führende Partei ist, dann deswegen, weil wir die Sozialdemokratie nicht genügend erklären konnten. Keiner ist für die Demokratie eingetreten. Die CHP sowieso nicht, sie hat auch nie selbst behauptet, eine sozialdemokratische Partei zu sein."
Das Schicksal der Armenier (Völkermord-Debatte)
"Ich sage allen Armenier, ihr Leid ist mein Leid. Ich glaube daran, dass es keine Schwäche ist, sich entschuldigen zu können. Daher entschuldige
ich mich."
Abschlussfrage
Was möchten Sie den Europäern über die Bedeutung der Türkei für Europa mitteilen?
"Die Türkei braucht Europa zu sehr. Aber Europa braucht die Türkei auch, weil die Türkei ein Teil Europas ist."
Das ganze Interview hier.