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Islam

Freitag, 27. März 2009

Eine "sanfte Revolution" in der islamischen Welt?

Wer mit Muslimen aus mehrheitlich islamischen Ländern zu tun hat, dem fällt auf: Eine wachsende, junge Generation, die immer wieder mit Extremismus und Krieg konfrontiert wurde und von Gewalt zunehmend desillusioniert ist, Zugriff auf das Internet und damit internationale Kommunikationsformen hat und neue Wege sucht, ihre religiöse Identität mit Moderne und Freiheit zu verknüpfen.

Das Time-Magazin und CNN haben unlängst dieser "leisen Revolution" einen eigenen (englischen) Beitrag gewidmet. "A Quiet Revolution in the Muslim World" - per Klick hier.

Montag, 9. März 2009

Großes Interesse an Duisburger Moschee

Ängste, erbitterte Diskussionen, dann Interesse und Begegnung - so könnte man den Verlauf (auch) des Duisburger Moscheebauprojektes beschreiben. Nach Fertigstellung ist der Bau zu einem Besuchermagneten geworden, mehr als 50.000 Besucher waren seit der Eröffnung am 26.10.2008 durch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers bereits da.

Ein Bericht des Kölner Stadtanzeigers (Neugier auf Duisburgs große Moschee) per Klick hier.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Tauwetter in Saudi-Arabien?

Auch viele Muslime sehen mit Grimm und Furcht auf die Ölmonarchie in Saudi-Arabien, die sich einerseits militärisch und wirtschaftlich an die USA gebunden hat, andererseits extremistische Interpretationen des Koran (und nicht wenige Extremisten) in alle Welt exportierte.

In letzter Zeit häufen sich aber Reformsignale: So hat König Abdallah ältere und eifernde Regierungsbeamte und Geistliche durch jüngere und modernere Köpfe ersetzt und - ein Schock für traditionalistische Kreise - erstmals auch eine Frau als Vizeministerin berufen. Dabei ist die Soziologin Nora bint Abdullah al-Fajes nicht einmal mit dem Königshaus verwandt, sondern eine Bürgerliche, die u.a. in Utah, USA, studiert hat.

Michael Thumann berichtet über die "Rochaden in Riad" auf ZEIT online (Klick hier).

Samstag, 14. Februar 2009

Auszeichnung für Blog Der Islam von Hussein Hamdan

Das Internet entwickelt sich auch zu einem neuen Forum des interreligiösen Austauschs. So hat auch der neue Blog "Der Islam - Geschichte und Gegenwart" des Islamwissenschaftlers Hussein Hamdan in kurzer Zeit rege Aufmerksamkeit gefunden. Der Beitrag "Weihnachten im Islam" (per Klick hier) wurde von einer hochkarätigen Jury des Wissenschafts-Cafes zu einem der besten wissenschaftlichen Blogartikel des Jahres 2008 gewählt (Infos per Klick hier).

Der aktuelle Beitrag "Der Imam und der Pastor" (per Klick hier) verweist auf einen Dokumentarfilm über einen christlich-islamischen Dialog in einer Krisenregion Afrikas.

Und wir dürfen gespannt sein auf mehr!

Freitag, 9. Januar 2009

Eine arabisch-islamische Königin auf YouTube...

...die in diesen Zeiten des Konflikts gegen Vorurteile und Intoleranz angeht, den USA zum neu gewählten Präsidenten gratuliert, den YouTube-Award gewinnt und ihn mit einem humorvollen Clip annimmt - kann es nicht geben?

Gibt es. Königin Rania von Jordanien - und einer ihrer Clips.



Gefunden über den Artikel "Die Königin aus dem YouTube-Kanal" von Andrea Nüsse in Cicero 01/2009, S. 32

Samstag, 29. November 2008

Der Islam - Neuer Chronologs-Blog

Hussein Hamdan promoviert derzeit in Islamwissenschaften und ist Experte für islamische Geschichte, besonders Numismatik (Münzkunde). Im Blogportal Scilogs, das von der Spektrum-Verlagsgruppe (u.a. Spektrum der Wissenschaft, Gehirn & Geist, Epoc, Astronomie heute) betrieben wird, hat Hussein nun den Chronolog: Der Islam eingerichtet. Sein erster Beitrag beschreibt die klassische Überlieferung der Flucht nach Abessinien.

Per Klick hier zu Hussein Hamdans Chronolog

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Fethullah Gülen erhält Green Card der USA

Einer der derzeit wohl einflußreichsten islamischen Prediger, Fethullah Gülen, hat nach medizinischer Behandlung und jahrelangem Rechtsstreit die Green Card und damit das lebenslange Aufenthaltsrecht in den Vereinigten Staaten erhalten. Dies berichtet Associated Press hier.

Der islamische Gelehrte gilt seinen Anhängern, die in Bereichen der Wirtschaft, Medien und vor allem Bildungsarbeit längst global erfolgreich sind, als Lehrer und Vorbild und hat als einer der ersten muslimischen Prediger auch den religiös verbrämten Terrorismus eindeutig verurteilt. (Ein Interview zu Osama Bin Laden und Al Qaida z.B. hier.) Allerdings hat sich die Gülen-Bewegung nie als Verband organisiert - die Mitglieder verstehen sich als Einzelpersonen, die sich ad hoc zu Unternehmungen miteinander und mit anderen zusammen tun können.

Türkische Nationalisten werfen Gülen jedoch seit langem vor, ein Verbündeter des Westens, der USA, der EU und "der Juden" zu sein. Im Kern wird er beschuldigt, die kemalistische Staatsordnung samt der Vorherrschaft des Militärs umgestalten zu wollen. Extreme Islamisten zürnen zudem, dass Gülen den Bildungsaufstieg für Mädchen und Jungen gleichermaßen fordert und fördert, seinen Anhängerinnen das Kopftuch nicht verbindlich vorschreibt, wie schon Said Nursi nie geheiratet und keine Kinder gezeugt hat und sich im Streit zwischen dem früheren, islamistischen Ministerpräsidenten Erbakan und der stärker reformorientierten Abspaltung der heutigen Regierungspartei AKP auf Seiten der Reformer geschlagen habe.

1998 traf der islamische Prediger Fethullah Gülen Papst Johannes Paul II. Bis heute werfen türkische Nationalisten und Islamisten dem in den USA lebenden Gülen und seiner Anhängerschaft Nähe zu Christen und Juden, besonders zu den USA und der EU, vor.

Dass sich Gülen seit den 90er Jahren mit Papst Johannes Paul II., den Patriarchen der armenischen und griechischen Kirchen sowie Vertretern jüdischer Gemeinden in der Türkei zu Dialoggesprächen getroffen hat, wird ihm sowohl von islamistischen wie türkisch-nationalistischen Kreisen als Vaterlandsverrat ausgelegt und ihm wird mit rassistischen Untertönen vorgeworfen (!), armenische Vorfahren zu haben.

Kritikerin z.B. Necla Kelek
Auch die Berliner Islamkritikerin Necla Kelek kritisierte in einem FAZ-Beitrag vom Juli hier, Gülen habe sich "in die Vereinigten Staaten abgesetzt, um einer Verhaftung durch das Militär zuvorzukommen." Dass in Demokratien das Militär eigentlich keine Zivilisten verhaften sollte und Gülen später vor einem zivilen Gericht der Türkei von allen Vorwürfen freigesprochen wurde, erwähnt sie bedauerlicherweise nicht. Dafür vergleicht auch Frau Kelek seine Anhängerschaft im gleichen Text mit dem katholischen Orden Opus Dei - was religionswissenschaftlich abenteuerlich ist, in türkisch-nationalistischen und islamistischen Kontexten aber einem massiven Vorwurf gleichkommt: So ermordete erst im Februar ein aufgehetzter, türkischer Jugendlicher in Trabzon einen katholischen Priester, den er - Sie ahnen es - im Rahmen einer weltweiten, antitürkischen Verschwörung verortete... (Bericht zur Festnahme hier)

Befürworter z.B. Rainer Hermann
Eine sehr viel positivere Einschätzung zu Fethullah Gülen und seiner Bewegung formulierte z.B. der langjährige FAZ-Türkeikorrespondent Rainer Hermann ebenfalls in der Frankfurter Allgemeine Zeitung ("Dem Menschen dienen", FAZ 9.10., S.10, als Online-Version hier). Auch in seinem neuen Buch "Wohin geht die türkische Gesellschaft? Kulturkampf in der Türkei" (siehe hier) zählt Hermann Gülen und seine Anhänger zu einer letztlich demokratischen Reformbewegung, die die engen Spielräume der Türkei genutzt hätten, um über Bildung, wirtschaftlichen Aufstieg und Dialog Religion und Moderne zu versöhnen. Natürlich sei noch manches an Organisationsform und Lehren (etwa die Ablehnung der Evolutionstheorie) zu hinterfragen, aber seine "Bewegung ist nicht institutionalisiert, und sie ist nicht politisch. Sie will nicht über politische Macht eine "bessere Gesellschaft" schaffen, sondern von unten in der Gesellschaft durch Bildung und Toleranz dem Menschen dienen."

Im Bereich der Islam- und Geschichtswissenschaft hat auch Dr. Bekim Agai über die Gülen-Bewegung gearbeitet und einen differenzierten Befund, aber absolut keine Anhaltspunkte für obskure Verschwörungstheorien gefunden, ein qantara-Beitrag hier.

Fazit
Türkische Nationalisten sollten sich erinnern lassen: In Deutschland gilt das Rechtsstaatsprinzip und massive Anschuldigungen sollten seriös belegt sein, wenn sie keine Verleumdung sein wollen. Dabei ist es schon eine Sache, einem in den USA lebenden Religionsführer Verstellung und Verschwörung zu unterstellen - noch einmal eine andere, auch noch Tausenden von unbescholtenen Menschen in Deutschland pauschal zu unterstellen, sie wären Teil einer "Weltverschwörung". Wird dann noch einerseits unsicherer Rückzug als "Parallelgesellschaft" und andererseits wirtschaftliche oder politische Integration als "Unterwanderung" klassifiziert, hört der Spaß auf. In der Vergangenheit hat Deutschland bereits ähnliche, türkisch-nationalistische Kampagnen gegen Kurden und Aleviten erlebt, die oft ebenso undifferenziert als "Terroristen" oder "Linksextreme" denunziert wurden, was das Ansehen der türkischen Migranten insgesamt und das Zusammenleben auch in Deutschland schwer belastete. Ich finde, es reicht.

Gegen Fethullah Gülen und seine Anhänger liegen in Deutschland weder Verurteilungen noch auch nur belastbare Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche oder kriminelle Tätigkeiten vor: Sie sind und waren keine Beobachtungsobjekte der Verfassungsschutzämter. Dass auch US-Gerichte Gülens Antrag auf die Green Card schließlich entsprachen, wurde eingangs erwähnt.

Der nationalistisch-kemalistische "Vorwurf", amerika-, europa-, christen-, armenier- und judenfreundlich zu sein, fällt eher auf die Urheber der Anschuldigungen zurück. Zu Recht haben alle demokratischen Parteien des deutschen Bundestages, die Bundesregierung und die EU-Kommission das dann auch niedergeschlagene Verbotsverfahren gegen die demokratisch gewählte AKP-Regierung scharf kritisiert, deren Unterstützung Fethullah Gülen von seinen Kritikern "vorgeworfen" wird. Mithin haben wir es auch bei diesen Anschuldigungen wohl eher mit dem Import eines innertürkischen Machtkampfes als mit einer seriösen und ausgewogenen Debatte über eine religiöse Bewegung zu tun.

Gleichwohl ist durchaus zu wünschen, dass sich die Gülen-Bewegung noch stärker auch in Deutschland dem kritisch-konstruktiven Austausch mit Kirchenvertretern, Politikern und Wissenschaftlern öffnet und die (im türkischen Staat leider noch nachvollziehbare) Angst vor transparenten Strukturen noch schneller aufgibt.

Inhaltlich habe ich bei verschiedenen Gesprächen sowohl im wissenschaftlichen wie interreligiösen Rahmen bislang positive Erfahrungen gemacht und erlebe derzeit gespannt, inwiefern mit Anhängern der Bewegung auch ein Dialog z.B. über die Frage der Evolutionstheorie (und meinem Forschungsschwerpunkt, der Evolution der Religiosität) möglich ist.

Einen auf obskuren und unbelegten Verschwörungstheorien fußenden Pauschalverdacht gegen in Deutschland lebende und sich erfreulicherweise zunehmend in die Gesellschaft einbringende Anhänger von Fethullah Gülen kann ich als Demokrat, Christ und Wissenschaftler nur entschieden zurück weisen! Die türkisch-nationalistischen Betonköpfe möchte ich aufrufen, nicht länger ihre innertürkischen Machtkämpfe mit den immergleichen Kampagnen gegen ethnische oder religiöse Gruppen in Deutschland auszutragen, sondern sich endlich an den Grundsätzen von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechten (einschließlich der Religionsfreiheit) zu orientieren!

Dienstag, 21. Oktober 2008

Welche Erfahrungen machen Muslime mit Gott?

Zu den Besonderheiten der Bertelsmann-Religionsmonitor-Studien gehört die Erhebung von Erfahrungen, die die Befragten mit Gott machen, wobei sie sowohl auf positive Empfindungen wie Liebe oder Hilfe wie auch auf negative wie Zorn oder Verzweiflung befragt wurden.

Der Bertelsmann Religionsmonitor Muslime 2008 (pdf-Download hier, S. 49) untersuchte diese Erfahrungen auch im Hinblick auf Allah, wie Anhänger des Islam (und auch arabische Christen und Juden) Gott nennen.



Zitat (S. 49):

"Auf den ersten Blick sehen die Befunde erfreulich aus: Quer durch die muslimischen Generationen überwiegen mit Zustimmungsraten von über 70 Prozent positive Erfahrungen der Dankbarkeit, Hoffnung, Liebe und Hilfe. Der Islam wird insgesamt als Lebenshilfe, Gott als gütig erfahren.

Doch eine genauere Analyse zeigt auch, dass in den jüngeren Generationen die positiven Erfahrungen wie Gerechtigkeit etwas schwächer (61 Prozent unter den 18- bis 29-Jährigen gegenüber 75 Prozent unter den Senioren), negative Assoziationen wie Zorn (22 Prozent zu 13 Prozent), Verzweiflung (26 Prozent zu 16 Prozent) und Angst (47 Prozent zu 43 Prozent) dagegen teilweise deutlich häufiger auftreten.

Auch an die „Wirkung des Teufels“ glauben 60 Prozent der 18- bis 29-Jährigen „ziemlich“ oder „sehr“ stark, gegenüber 41 Prozent der 40- bis 49-Jährigen und gar nur 32 Prozent der Senioren über 60. Weitere Forschungen müssten zeigen, ob diese Generationenunterschiede schlicht lebenslauftypisch sind oder ob in ihnen, worauf einiges hindeutet, spezifische Familien- und Identitätskonflikte der zweiten und dritten Generation von Muslimen in Deutschland aufscheinen.

Das hohe und eher wachsende Interesse an religiösen Fragen unter den jungen Generationen deutet auf die oft drängende Suche nach Antworten für das eigene Leben, kann aber offensichtlich bislang kaum über deutsch-islamische Literatur und über die noch wenig entwickelten Moscheeverbände oft nur unzureichend beantwortet werden.

Der Islam ist nicht das Problem, aber viele (gerade auch junge) Muslime ringen mit Problemen. Dieser Zustand kann durchaus ein mögliches Einfallstor für desintegrative oder gar extremistische Einflüsse bieten und unterstreicht die Notwendigkeit von Dialog, weiterer Forschung und islamischem Religionsunterricht an deutschen Schulen und in deutscher Sprache, gegeben von in Deutschland ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern."

Freitag, 17. Oktober 2008

Linktip: Islam-Studien online von Serdar Günes

Der Islamwissenschaftler Serdar Günes hat auf seinem Blog einen Beitrag geschaltet, in dem er alle ihm bekannten, seriösen und online verfügbaren Studien zum Islam in deutscher Sprache listet. Da ist schon einiges zusammen gekommen!

Wer also über den Islam bzw. die Muslime heute Empirisches lesen möchte, dem sei der Klick empfunden zu:

Serdar Günes - Gesammelte Islam-Studien online

Die Webadresse direkt:
http://serdargunes.wordpress.com/2008/07/04/studien/

Samstag, 27. September 2008

Religionsmonitor Muslime 2008 - Ein Erfahrungsbericht

Eine Vertiefung des Religionsmonitors 2008 im Hinblick auf Muslime in Deutschland ist erschienen - hier eine gelungene Zusammenfassung von Matthias Kamann bei Welt-Online. Hier auch ein Interview des Studienleiters Dr. Martin Rieger zu den Ergebnissen.

Datengrafik des Religionsmonitor Muslime 2008 der Bertelsmann Stiftung, an dessen Auswertung ich mitwirken durfte. Datenschätze liegen da noch ungehoben...

Die Bertelsmann-Pressemitteilung mit weiterführenden Links per Klick hier.

Der Gesamttext der Auswertung als pdf per Klick hier.

Und in Englisch auch hier.

Den Religionsmonitor Muslime 2008 gibt es auch in Türkisch!

Und eine (deutsche) Foliensammlung per Klick hier.

Erfahrungen als Mitwirkender

Als Anfang des Jahres der Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung erschien, begrüßte ich die erhobenen Daten und rief zu ihrer vertieften Auswertung und Diskussion auf, übte aber auch Fachkritik: So erschien mir fraglich, ob schon starkes Interesse an Religion(en) ein Indikator für Religiosität sei.

Coole Reaktion: Machen Sie doch mit!

Umso verblüffter war ich über die Reaktion: Seitens der Bertelsmann-Stiftung erfolgte nicht etwa kaltes Schweigen, sondern ich wurde kontaktiert, über Konzeptionsfragen der geplanten Folgestudie zu Muslimen konsultiert - und dann eingeladen, an der Auswertung des Religionsmonitor Muslime mitzuwirken.

Die Zeitfenster waren eng, aber die erhobenen Daten von exzellenter Qualität - echte Datenschätze! - und es wurde weder bei der Auswahl noch Interpretation der Daten versucht, inhaltlichen Einfluss zu nehmen. Wo Fachfragen aus Sicht der Studienleitung offen waren, wurden diese fachlich diskutiert - beispielsweise, indem um Belegstellen für Thesen gebeten wurde, was m.E. als Qualitätskontrolle zu verstehen, ja zu begrüßen ist.

Konkret entschied ich mich beispielsweise aufgrund obigen Einwandes gegen eine allzu weite Definition von Religiosität, meine Auswertung über Religiosität im Generationenverlauf auf die (m.E. sehr brauchbare) Kategorie der Hochreligiösen zu konzentrieren - und das wurde ohne Einwand akzeptiert. Ebenso konnte ich anstandslos die Monitor-Befunde auch mit anderen Studienergebnissen (wie der BMI-Studie) abgleichen und dies auch im Text darstellen.

Fazit

Aus meiner Sicht hat die Bertelsmann-Stiftung mit den Religionsmonitor-Studien nationale und internationale Daten von außerordentlicher Dichte und Qualität erhoben. Nun wird es darauf ankommen, diese nicht verfallen zu lassen, sondern auch weiter zu bearbeiten. Natürlich sind die Daten Eigentum der Stiftung, doch schon der Ansatz, sie auch durch externe Fachleute bearbeiten und veröffentlichen zu lassen, weist m.E. den richtigen Weg.

Mit der gezeigten Transparenz, fachlichen Offenheit und wissenschaftlichen Dialogbereitschaft durch eine so große Institution hatte ich - ehrlich gesagt - so nicht gerechnet und war und bin durchaus beeindruckt. Meine anfängliche Befürchtung, hier würden vorgegebene Befunde erwartet, bewahrheitete sich nicht - die Bertelsmänner und -frauen schienen mir vielmehr selbst sehr gespannt auf die Ergebnisse zu sein! Wie auch in anderen Bereichen (z.B. der Integrations- und Bildungsforschung) setzt die Bertelsmann-Stiftung im Bereich der Religionsforschung und Wissenschaftskommunikation inzwischen Maßstäbe.

Dr. Blume

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