Frage: Erforscht die Religionswissenschaft auch die Metaphysik
Die Kommentatorin Mona hatte in dieser Diskussion folgende Frage(n) aufgeworfen:
Erforscht die Religionswissenschaft auch Metaphysik (Philosophie des Seins)?
Ja und Nein. :-)
Ursprünglich war die Religionswissenschaft da sehr optimistisch und meinte, umfassende Seinsaussagen und Definitionen zu religiösen Phänomenen erbringen zu können. Das Problem dabei: Schon mit jeder Realdefinition (z.B. "Das ist das Heilige.") begibt sich der Religionswissenschaftler aus dem Bereich der wissenschaftlichen Erforschung in den der religiösen oder weltanschaulichen Verkündigung.
Daher gilt heute in der Religionswissenschaft, wie in anderen Wissenschaften auch, das Primat des methodologischen Agnostizismus - wir schließen die Existenz übernatürlicher Akteure nicht aus, erforschen aber beobachtbare Phänomene ohne vorgeschaltete Glaubensannahmen. Stattdessen arbeiten wir aus Perspektiven der Philologie, Soziologie, Psychologie oder eben (zunehmend) der Biologie.
Zur Religionswissenschaft gehört aber immer auch die Religionsphilosophie und so halten wir uns auch da informiert, einige von uns arbeiten eng mit Philosophen und/oder Theologen zusammen und ein kleiner Zweig (v.a. in Frankfurt) hält auch am phänomenologisch-vergleichenden Zugang a la Rudolf Otto fest, der im Religionsvergleich nach dem Numinosen / Heiligen tastete.
Theologie und Philosophie werden ja oft als miteinander konkurrierende Wissenschaften angesehen. Mich würde deshalb interessieren wie die Religionswissenschaft mit diesem Spagat umgeht.
Insofern die Religionswissenschaft die beobachtbaren Phänomene, z.B. religiöses Verhalten, vergleichend erforscht und beschreibt, wird sie von den anderen Disziplinen als Gesprächs- und Kooperationspartner geschätzt. Auch finden sich innerhalb der Religionswissenschaft sowohl atheistisch-religionskritische wie agnostische und religiöse Personen, so dass das Fach als Ganzes nicht Partei ergreift, sondern Diskussion & Kooperation ermöglicht.
Ich meine der philosophische Gottesbeweis ist zwar für das religiöse Leben nicht erforderlich, wird aber von einer von wissenschaftlich-rationalem Denken geprägten Gesellschaft quasi eingefordert.
Das stimmt, wobei auch der theologisch und/oder philosophisch informierte Religionswissenschafter hier stets zwischen seiner persönlichen, eigenen Haltung und der wissenschaftlichen Methode unterscheiden wird. Das kann den Menschen dann auch wiederum selbst helfen, zwischen wissenschaftlichen Beobachtungen und deren wertenden Deutungen zu unterscheiden. Übernatürliche Akteure (Ahnen, Geister, Götter, Außeriridsche, Gott etc.) lassen sich wissenschaftlich weder beweisen noch widerlegen und auch der Religionswissenschaftler kommt also um die Frage einer persönlichen Positionierung meist nicht herum. Die sieht entsprechend unterschiedlich aus - und eine der großen Chancen der Religionswissenschaft besteht gerade darin, dass hier Menschen sehr unterschiedlicher Weltanschauung wissenschaftlich gerne zusammen arbeiten!
Danke für die Frage, @mona!
Erforscht die Religionswissenschaft auch Metaphysik (Philosophie des Seins)?
Ja und Nein. :-)
Ursprünglich war die Religionswissenschaft da sehr optimistisch und meinte, umfassende Seinsaussagen und Definitionen zu religiösen Phänomenen erbringen zu können. Das Problem dabei: Schon mit jeder Realdefinition (z.B. "Das ist das Heilige.") begibt sich der Religionswissenschaftler aus dem Bereich der wissenschaftlichen Erforschung in den der religiösen oder weltanschaulichen Verkündigung.
Daher gilt heute in der Religionswissenschaft, wie in anderen Wissenschaften auch, das Primat des methodologischen Agnostizismus - wir schließen die Existenz übernatürlicher Akteure nicht aus, erforschen aber beobachtbare Phänomene ohne vorgeschaltete Glaubensannahmen. Stattdessen arbeiten wir aus Perspektiven der Philologie, Soziologie, Psychologie oder eben (zunehmend) der Biologie.
Zur Religionswissenschaft gehört aber immer auch die Religionsphilosophie und so halten wir uns auch da informiert, einige von uns arbeiten eng mit Philosophen und/oder Theologen zusammen und ein kleiner Zweig (v.a. in Frankfurt) hält auch am phänomenologisch-vergleichenden Zugang a la Rudolf Otto fest, der im Religionsvergleich nach dem Numinosen / Heiligen tastete.
Theologie und Philosophie werden ja oft als miteinander konkurrierende Wissenschaften angesehen. Mich würde deshalb interessieren wie die Religionswissenschaft mit diesem Spagat umgeht.
Insofern die Religionswissenschaft die beobachtbaren Phänomene, z.B. religiöses Verhalten, vergleichend erforscht und beschreibt, wird sie von den anderen Disziplinen als Gesprächs- und Kooperationspartner geschätzt. Auch finden sich innerhalb der Religionswissenschaft sowohl atheistisch-religionskritische wie agnostische und religiöse Personen, so dass das Fach als Ganzes nicht Partei ergreift, sondern Diskussion & Kooperation ermöglicht.
Ich meine der philosophische Gottesbeweis ist zwar für das religiöse Leben nicht erforderlich, wird aber von einer von wissenschaftlich-rationalem Denken geprägten Gesellschaft quasi eingefordert.
Das stimmt, wobei auch der theologisch und/oder philosophisch informierte Religionswissenschafter hier stets zwischen seiner persönlichen, eigenen Haltung und der wissenschaftlichen Methode unterscheiden wird. Das kann den Menschen dann auch wiederum selbst helfen, zwischen wissenschaftlichen Beobachtungen und deren wertenden Deutungen zu unterscheiden. Übernatürliche Akteure (Ahnen, Geister, Götter, Außeriridsche, Gott etc.) lassen sich wissenschaftlich weder beweisen noch widerlegen und auch der Religionswissenschaftler kommt also um die Frage einer persönlichen Positionierung meist nicht herum. Die sieht entsprechend unterschiedlich aus - und eine der großen Chancen der Religionswissenschaft besteht gerade darin, dass hier Menschen sehr unterschiedlicher Weltanschauung wissenschaftlich gerne zusammen arbeiten!
Danke für die Frage, @mona!
blume-religionswissenschaft - 16. Mrz, 06:36
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