Emile Durkheim, die Weisheit der Ameisen und die Soziobiologie
Die Religionssoziologie Emile Durkheims ist wieder im Kommen - und zwar diesmal von einer ganz unerwarteten Seite: der Biologie. Genauer: der Ameisenforschung. Und das ist kein Witz!
Denn was fasziniert an Ameisen? Es sind Einzelwesen (Phänoytpen), die je für sich genommen recht wenig überblicken und erreichen können - aber als Sozialverbände zu unglaublich komplexen Erkenntnis- und Handlungsleistungen in der Lage sind! Fakt ist: Die "individualistische", nur auf individuelle Erkenntnisse vertrauende Ameise wäre sehr kurzlebig - erst in der Gemeinschaft optimiert sie (v.a. über Verwandtenselektion) die Weitergabe ihrer Gene. Über Edward O. Wilson wurden diese Tiere daher zu den Stichwortgebern der Soziobiologie, die die sozialen Fähigkeiten und Potentiale biologischer und biokultureller Gemeinschaften erforscht und beschreibt.

Und hier kommt Emile Durkheim wieder ins Spiel: Denn insbesondere in seinem "Elementare Formen des religiösen Lebens" vermutete und beschrieb er die Funktion menschlicher Religion als genau entsprechend: der einzelne Mensch wächst durch die religiöse Vergemeinschaftung sowohl in seiner Erkenntnis- wie Handlungskompetenz weit über sich hinaus, ohne (wie die einzelne Ameise) stets die Gesamtzusammenhänge individuell zu erfassen.
Das derzeit aus religionswissenschaftlicher Sicht wohl beste Buch eines Biologen über die Evolution der Religion stützt sich daher ausdrücklich auf Durkheim: "Darwin's Cathedral: Evolution, Religion, and the Nature of Society" von David Sloan Wilson (mit obigem E.O. Wilson nur im Geiste und enger Zusammenarbeit verwandt). Und auch in den Veröffentlichungen anderer Forscher (gerade auch der ERS) taucht kein Religionswissenschaftler so häufig auf wie Emile Durkheim, der selbst schon evolutionstheoretisch argumentiert hatte - und nun von Evolutionsforschern wieder entdeckt wurde.
Ach, und... auch das Staunen über die Fähigkeiten von Ameisen und über deren "Weisheit" gab es schon vor langer Zeit: Sie "sind die Kleinen der Erde, und doch mit Weisheit wohl versehen: die Ameisen, ein nicht starkes Volk, und doch bereiten sie im Sommer ihre Speise." (Sprüche Salomos, 30, 24/25). Und einem säumigen Sohn empfiehlt er: "Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege und werde weise." (ebda., 6,6). Im Koran wird berichtet, dass Salomo die Sprache der Ameisen untereinander verstanden habe - und nach dem kleinen Volk ist die Sure 27 / An Naml benannt.
Denn was fasziniert an Ameisen? Es sind Einzelwesen (Phänoytpen), die je für sich genommen recht wenig überblicken und erreichen können - aber als Sozialverbände zu unglaublich komplexen Erkenntnis- und Handlungsleistungen in der Lage sind! Fakt ist: Die "individualistische", nur auf individuelle Erkenntnisse vertrauende Ameise wäre sehr kurzlebig - erst in der Gemeinschaft optimiert sie (v.a. über Verwandtenselektion) die Weitergabe ihrer Gene. Über Edward O. Wilson wurden diese Tiere daher zu den Stichwortgebern der Soziobiologie, die die sozialen Fähigkeiten und Potentiale biologischer und biokultureller Gemeinschaften erforscht und beschreibt.

Und hier kommt Emile Durkheim wieder ins Spiel: Denn insbesondere in seinem "Elementare Formen des religiösen Lebens" vermutete und beschrieb er die Funktion menschlicher Religion als genau entsprechend: der einzelne Mensch wächst durch die religiöse Vergemeinschaftung sowohl in seiner Erkenntnis- wie Handlungskompetenz weit über sich hinaus, ohne (wie die einzelne Ameise) stets die Gesamtzusammenhänge individuell zu erfassen.
Das derzeit aus religionswissenschaftlicher Sicht wohl beste Buch eines Biologen über die Evolution der Religion stützt sich daher ausdrücklich auf Durkheim: "Darwin's Cathedral: Evolution, Religion, and the Nature of Society" von David Sloan Wilson (mit obigem E.O. Wilson nur im Geiste und enger Zusammenarbeit verwandt). Und auch in den Veröffentlichungen anderer Forscher (gerade auch der ERS) taucht kein Religionswissenschaftler so häufig auf wie Emile Durkheim, der selbst schon evolutionstheoretisch argumentiert hatte - und nun von Evolutionsforschern wieder entdeckt wurde.
Ach, und... auch das Staunen über die Fähigkeiten von Ameisen und über deren "Weisheit" gab es schon vor langer Zeit: Sie "sind die Kleinen der Erde, und doch mit Weisheit wohl versehen: die Ameisen, ein nicht starkes Volk, und doch bereiten sie im Sommer ihre Speise." (Sprüche Salomos, 30, 24/25). Und einem säumigen Sohn empfiehlt er: "Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege und werde weise." (ebda., 6,6). Im Koran wird berichtet, dass Salomo die Sprache der Ameisen untereinander verstanden habe - und nach dem kleinen Volk ist die Sure 27 / An Naml benannt.
blume-religionswissenschaft - 14. Feb, 06:16
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