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Christentum

Dienstag, 9. Juni 2009

Harald Lesch: Stern von Betlehem (für Chronologs)

Teil 1:


Teil 2:

Samstag, 28. März 2009

Deutsche kauften Thailänderinnen - Christen kümmern sich

Wer sich mit religionsbezogenen, demografischen Daten, Ehe- und Wanderungsstatistiken auseinandersetzt, dem fällt bald auf: In Deutschland wird seit Jahren enorm geheuchelt. Obwohl jeder mit Zwangs- und Importehen befasste Journalist und jede Wissenschaftlerin kaum an den Zahlen vorbeikommt, die belegen, dass auch z.B. deutsche Christen und Konfessionslose in großer Zahl Frauen aus armen Ländern "importier(t)en", wurde und wird so getan, als seien Ehen aus anderen als amourösen Gründen nur ein Phänomen unter Muslimen.

Ich habe mich oft gefragt, ob sich (wissenschaftliche oder mediale) Berichterstatter eigentlich geschämt haben, wenn sie Titelzeilen wie "Allahs verkaufte Töchter" schmiedeten, ihre Leser damit wohlige Schauer auf Kosten einer Minderheit bescherten - und zugleich wissentlich verschwiegen, dass auch abertausende Frauen z.B. aus buddhistischen oder postsowjetischen Ländern auch gegen Geld von nichtmuslimischen Männern nach Deutschland geholt wurden und werden. Berichte oder gar Studien über Wohl und Wehe dieser Menschen und Familien gab und gibt es so gut wie gar nicht - schließlich ereiferte sich jede Öffentlichkeit viel lieber an Zuständen "bei denen", statt auch nach den eigenen Mittelschichtfamilien zu fragen.

Ausgerechnet ein evangelikal-christliches Medienmagazin und betroffene Frauen selber haben dieses heuchlerische und letztlich frauenfeindliche Schweigen nun gebrochen. Im Porträt von Marisa Peters, verfasst von Karin Vorländer in ideaSpektrum 04/2009, S.44 heißt es klar:

"In den 80er und 90er Jahren florierte das Geschäft mit den "Thai-Frauen aus dem Katalog". Thailänderinnen galten als anpassungsfähig, gehorsam, fleißig, schön und waren entsprechend gefragt. Gegen Zahlung von bis zu 10.000 Mark konnten sich Männer, die auf dem deutschen Heiratsmarkt nicht fündig wurden, eine Frau aussuchen."

Natürlich sind nicht alle thailändisch-deutschen Ehen durch Geldzahlungen begründet wurden, sie werden sich wohl auch sehr unterschiedlich entwickelt haben und jeder Eheforscher kann bestätigen, dass auch in deutsch-deutschen Ehen ökonomische Erwägungen unausgesprochen große Rollen spielen. Nicht also die Verurteilung von Betroffenen, sondern die mitmenschliche Sorge um das Schicksal von Menschen - Frauen, Männer, Kinder - sollte eigentlich auch dann eine Rolle spielen, wenn über nichtmuslimische Frauen und Familien diskutiert wird. Doch auch von hauptberuflichen Empörern dazu: Fehlanzeige. Als ob Thailänderinnen und deren (ganz unterschiedliches) Schicksal, deren Rechte und Würde in unserem Land keine Erwähnungen wert wären...

Maßgeblich Frauen wie Marisa Peters haben nun selbst das christliche Werk "Saisampan" (thail. Freundschaft) (Homepage hier) ins Leben gerufen, das thailändisch-deutschen Familien, Frauen, Männern und Kindern beisteht. In diesem Fall sind es praktizierende Christen, die sich kümmern, wo andere nur auf Kosten von Minderheiten billige Schlagzeilen produzieren - und bewusst Fakten ausblenden, die jede ernsthafte Recherche ergäbe.

Mittwoch, 18. März 2009

Der Vatikan und das Internet

Wer sich noch Illusionen darüber machen sollte, ob das Internet das religiöse Leben und die religiöse Kommunikation beeinflussen werde, der betrachte die neuen Aktivitäten des Vatikan, des Kleinstaates, dessen Staatsoberhaupt zugleich der Papst (erste Bischof) der römisch-katholischen Kirche ist, der nach wie vor größten Religionsgemeinschaft der Erde.

Um die neuen Kommunikationswege zu nutzen, hat der Vatikan zuletzt einen eigenen YouTube-Kanal eröffnet. Hier beispielsweise ein Clip zur Bedeutung des interreligiösen Dialoges:



Längst erscheinen auch Texte, ja Briefe der katholischen Hierarchie online, womit eine historisch einzigartig direkte Ansprache der Spitze an Mitglieder und auch interessierte Nichtmitglieder möglich wurde. Dazu gehört auch der Brief des Papstes Benedikt XIV. an die Bischöfe zu den Holocaust-Äußerungen von Bischof Williamson. Dieses Dokument ist nicht nur für sich interessant, sondern enthält auch eine direkte Passage zur neuen Bedeutung des World Wide Web.

Zitat:

"Ich höre, daß aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, daß wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen."

Historiker werden im Rückblick notieren, dass hier zum ersten Mal das Oberhaupt der größten Religionsgemeinschaft der Erde Internet-Kompetenz und -Recherche als notwendigen Bestandteil religiöser Arbeit klassifiziert hat. Faszinierend, wo Geschichte längst stattfindet - und kaum jemand hat's gemerkt.

Mittwoch, 4. März 2009

Katholisches Verehrungsvideo

Aus den Datenautobahnen des Internet zweigen längst auch Pfade religiöse Verehrung ab, die Millionen Menschen erreichen. Nachdem ich in diesem Beitrag schon einmal ein hinduistisches Verehrungsvideo an die Gottheit Ganesha vorgestellt hatte, heute ein christlich-katholisches Pendant. Interessant finde ich hier das Karaoke-Element: Der Betrachter wird zum Mitsingen eingeladen.

Freitag, 13. Februar 2009

Lawinenopfer waren Mitglieder der Pius-Bruderschaft. Deutungen als göttliche Strafe?

Die Opfer des Lawinenunfalls im Kanton Wallis vom Mittwoch waren Mitglieder der Pius-Bruderschaft aus Frankreich. Das bestätigte die Bruderschaft heute laut Medienberichten. Bei dem Lawinenabgang waren vier Menschen verschüttet worden. Ein Verschütteter starb, ein zweiter konnte verletzt geborgen werden. Zwei weitere Teilnehmer der siebenköpfigen Wandergruppe wurden am Donnerstag noch vermisst.

Die Pius-Bruderschaft war durch antisemitische, islamophobe und antiökumenische Äußerungen mehrerer führender Mitglieder zuletzt scharf in die Kritik geraten, besonders durch die Leugnung des Holocausts durch den (nicht mehr exkommunizierten, aber weiter suspendierten) Bischof Richard Williamson. Der Literaturblog SideEffects vermerkte zum Lawinenunfall als Untertitel: Böse Zungen sprechen von einer "Strafe Gottes" (Beitrag hier). Zeit für eine religionswissenschaftlich-beobachtende Reflektion.

Das Deuten von Unglück als göttlicher Strafe ist ein häufiges Merkmal v.a. konservativ-traditionalistischer Theologien. Damit wird ein rigides Moralsystem durch Strafandrohung abgesichert, auch werden Buße und Umkehr als Mittel zur Strafabwehr empfohlen. Zuletzt hatte z.B. für eine Debatte gesorgt, dass der neu ernannte, katholische Weihbischof von Linz Gerhard Wagner den Hurrikan Katrina über New Orleans als eine göttliche Strafe für die Stadt gedeutet hatte (Beitrag hier).

Andere, v.a. auch zeitgenössische Theologien weisen dagegen darauf hin, dass Menschen die letzten Gründe göttlichen Handelns und damit auch von Glück oder Unglück nicht erkennen und sich nicht zu Richtern übereinander aufschwingen sollten. Statt über den von Unglück Befallenen auch noch zu urteilen, seien vielmehr gerade auch Nicht-Betroffene zu Mitgefühl und Hilfe aufgerufen, also ihrerseits geprüft. Solche Deutungen verweisen z.B. auf die biblische Hiob-Geschichte, in der auch dem Gerechten Unrecht widerfährt. Dies wird zunächst selbst von Freunden als Sündenstrafe ausgelegt, erweist sich aber schließlich als Prüfung durch Gott und Teufel. (z.B. Evangelische Hiob-Predigt hier)

Wenn die persönliche (und damit post-religionswissenschaftliche) Bewertung am Ende gestattet sei: Mir liegt die zweite Variante näher. Aus dem Unglück anderer (seien es die Einwohner von New Orleans oder die Opfer einer Lawine) hämische Urteile abzuleiten, scheint mir fragwürdig (also in der Tat: "böse Zungen"...) und auch theologisch weniger überzeugend zu sein.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Gottesdienstbesucher haben mehr Freunde als Nichtreligiöse

Berlin (idea, 12.12.2008) – Regelmäßige Gottesdienstbesucher haben einen größeren Freundeskreis und pflegen mehr Kontakte zu Nachbarn als nichtreligiöse Menschen. Das hat eine vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin) veröffentlichte Studie ergeben.

Dabei hat der Sozialwissenschaftler Richard Traunmüller von der Universität Konstanz erstmals empirisch untersucht, welche Bedeutung die Religion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland hat. Für seine Analyse griff er auf Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) am DIW zurück. Das SOEP ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die seit 25 Jahren läuft. Im Auftrag des DIW werden jährlich über 20.000 Personen in Deutschland befragt. Die Bedeutung der Religion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist der Studie zufolge immens. So ermögliche etwa die evangelische Kirche mit ihren flachen Hierarchien breites gesellschaftliches Engagement. Protestanten betätigten sich ehrenamtlich und in Vereinen häufiger als Katholiken und Muslime. Letztere beide Gruppen knüpften hingegen eher informelle Netzwerke, setzten also eher auf Verwandtschaft und Freundschaft.

Religion hat „starke integrative Kraft“

„Auch wenn die großen Kirchen über Mitgliederschwund klagen, hat die Religion in Deutschland nach wie vor eine überraschend starke integrative Kraft“, so Traunmüller. Die Kirche biete eine organisatorische Plattform für vielfältige Aktivitäten: „Ob Chor, Elternkreis oder Schuldnerberatung – das wirkt positiv in die Gesellschaft und fördert das, was man als das ‚Soziale Kapital’ eines Menschen beziehungsweise einer Gesellschaft bezeichnet.“ Diese positiven Wirkungen gelten laut Traunmüller aber nur für die großen Glaubensgemeinschaften, nicht aber für religiöse Splittergruppen oder Sekten. Seiner Studie zufolge bleibt aber ein Wermutstropfen: Zwar stärke die Religion den gesellschaftlichen Zusammenhalt, aber die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Gebildeten und weniger Gebildeten werde auch hier nicht überwunden, denn in den Gemeinden fänden sich nicht nur Gleichgesinnte, sondern auch Gleichgestellte. Dies zeigten die Analysen der SOEP-Daten hinsichtlich Einkommen, Bildung, Alter und Berufsstatus.

Allen Blogleserinnen und -lesern wünsche ich auf diesem Wege freudvolle Feiertage im Kreise von Verwandten und Freunden!

Und Dir, liebe Elsa, ein besonderes Danke für Deine Blogrezension zu Gott, Gene und Gehirn! Ich war wirklich gespannt, ob Dir das Buch gefallen würde - und freue mich jetzt über eine starke Rückmeldung pünktlich zu Heilig Abend! Danke! :-)

Donnerstag, 6. November 2008

Fromme Schulen wachsen gegen den Trend

Laut einer Umfrage der evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler in evangelikalen (freikirchlichen) Privatschulen in Deutschland weiter: Von 26.508 in 2007/2008 auf 27.714 in 2008/2009, ein Plus von 4,5%. Dagegen sei die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler schon 2007/2008 um 160.000 auf 9,2 Millionen gesunken.

Die Agentur zählt 84 evangelikale Bekenntnisschulen, davon sechs Gründungen bzw. Genehmigungen im letzten Jahr: Bielefeld-Senne, Siegburg bei Bonn, Leipzig, Graben-Neudorf bei Karlsruhe, Esslingen und Öhringen bei Heilbronn. Das Wachstum der evangelikalen Bekenntnisschulbewegung stocke jedoch wegen Lehrermangels.

In der Schweiz würden in mehreren Kantonen Volksabstimmungen vorbereitet, um (analog zum deutschen Modell) eine staatliche Mitfinanzierung genehmigter Privatschulen zu erreichen.

Quelle: Fromme Schulen könnten stärker wachsen... ideaSpektrum 44/2008, S. 17

Anmerkung: Auch den idea-Angaben zufolge brächte es die evangelikale Bewegung in Deutschland gerade erst auf 3 Promille der Schülerschaft in Deutschland, allerdings (wie auch die sehr viel breitere Landschaft konfessioneller Schulen insgesamt) gegen den demografischen Abwärtstrend mit steigendem Gewicht.

Auch in Deutschland haben verbindlich religiöse Menschen durchschnittlich deutlich mehr Kinder als ihre säkularen Nachbarn. Das Verhältnis von Gebetshäufigkeit und durchschnittlicher Kinderzahl auf Basis der ALLBUS-Befragung Deutschland 2002.

Montag, 27. Oktober 2008

The Economist: Zahl der Christen in China wächst weiter

Über Hauskreise expandiert das Christentum in China trotz staatlicher Sanktionen weiter - die Zahl der Christen dürfte die Anzahl der Mitglieder der kommunistischen Partei Chinas (74 Millionen) inzwischen überstiegen haben. Das berichtet The Economist in einem Artikel (inzwischen auch online hier).

Im Mittelpunkt des Berichts steht der Volkswirtschaftler Zhao Xiao, der selbst Christ wurde und also Mitgliedschaft und Ämter in der kommunistischen Partei (deren Mitglieder bislang keiner Religion angehören dürfen) aufgeben musste.

Interessant im Kontext der hier thematisierten Forschungen:

1. Zhao Xiao sieht in der Individualisierung und marktwirtschaftlichen Globalisierung eine wesentliche Antriebskraft für den Erfolg der Glaubensgemeinschaften, die ihren Mitgliedern verbindliche Werte vorgäben.

2. Ein Kommentator merkt an, dass Christinnen wiederum christliche Ehemänner bevorzugten.

3. Was die Versöhnung mit dem politischen System angeht, benennt Zhao Xiao vor allem einen Kritikpunkt: Die Ein-Kind-Familie, deren staatliche Erzwingung für Christen unannehmbar sei.

Diese Beobachtungen ergänzen das Bild der religionsdemografischen und evolutionären Funktionalität von Religion(en) (Artikel-pdf z.B. hier) sogar im Rahmen eines repressiven Systems, in dem dies kaum zu erwarten gewesen wäre.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Christliche Heiratsportale als Internet-Erfolgsgeschichte

Das Internet, so heißt es oft, fördere die Vereinzelung. Andererseits aber bietet es offensichtlich auch ganz neue Möglichkeiten. So können Religionsgemeinschaften eine ihrer Kernkompetenzen unterstreichen - das Verbinden von Menschen, gerne auch zu Ehen und Familien. (Einige Daten dazu siehe hier.)

Welt-Online berichtet entsprechend, dass derzeit christliche Heiratsportale das Netz erobern. Entsprechende Angebote gibt es längst auch für andere Religionsgemeinschaften wie die Muslime.

Gefunden habe ich den Welt-Artikel übrigens über die lesenswerten Religio-Splitter vom Schwesterblog religionswissenschaft.info.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Der Papst ist Organspender

Seit den 8oer Jahren hat Prof. Joseph Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI., einen Organspendeausweis, in dem er die Bereitschaft bekundet, im Todesfall lebenswichtige Organe für andere Menschen zu stiften.

Gefunden in der Zeit vom 11. September 2008, S. 41

Dr. Blume

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