Wer sich mit religionsbezogenen, demografischen Daten, Ehe- und Wanderungsstatistiken auseinandersetzt, dem fällt bald auf: In Deutschland wird seit Jahren enorm geheuchelt. Obwohl jeder mit Zwangs- und Importehen befasste Journalist und jede Wissenschaftlerin kaum an den Zahlen vorbeikommt, die belegen, dass auch z.B. deutsche Christen und Konfessionslose in großer Zahl Frauen aus armen Ländern "importier(t)en", wurde und wird so getan, als seien Ehen aus anderen als amourösen Gründen nur ein Phänomen unter Muslimen.
Ich habe mich oft gefragt, ob sich (wissenschaftliche oder mediale) Berichterstatter eigentlich geschämt haben, wenn sie Titelzeilen wie "Allahs verkaufte Töchter" schmiedeten, ihre Leser damit wohlige Schauer auf Kosten einer Minderheit bescherten - und zugleich wissentlich verschwiegen, dass auch abertausende Frauen z.B. aus buddhistischen oder postsowjetischen Ländern auch gegen Geld von nichtmuslimischen Männern nach Deutschland geholt wurden und werden. Berichte oder gar Studien über Wohl und Wehe dieser Menschen und Familien gab und gibt es so gut wie gar nicht - schließlich ereiferte sich jede Öffentlichkeit viel lieber an Zuständen "bei denen", statt auch nach den eigenen Mittelschichtfamilien zu fragen.
Ausgerechnet ein evangelikal-christliches Medienmagazin und betroffene Frauen selber haben dieses heuchlerische und letztlich frauenfeindliche Schweigen nun gebrochen. Im Porträt von Marisa Peters, verfasst von Karin Vorländer in ideaSpektrum 04/2009, S.44 heißt es klar:
"In den 80er und 90er Jahren florierte das Geschäft mit den "Thai-Frauen aus dem Katalog". Thailänderinnen galten als anpassungsfähig, gehorsam, fleißig, schön und waren entsprechend gefragt. Gegen Zahlung von bis zu 10.000 Mark konnten sich Männer, die auf dem deutschen Heiratsmarkt nicht fündig wurden, eine Frau aussuchen."
Natürlich sind nicht alle thailändisch-deutschen Ehen durch Geldzahlungen begründet wurden, sie werden sich wohl auch sehr unterschiedlich entwickelt haben und jeder Eheforscher kann bestätigen, dass auch in deutsch-deutschen Ehen ökonomische Erwägungen unausgesprochen große Rollen spielen. Nicht also die Verurteilung von Betroffenen, sondern die mitmenschliche Sorge um das Schicksal von Menschen - Frauen, Männer, Kinder - sollte eigentlich auch dann eine Rolle spielen, wenn über nichtmuslimische Frauen und Familien diskutiert wird. Doch auch von hauptberuflichen Empörern dazu: Fehlanzeige. Als ob Thailänderinnen und deren (ganz unterschiedliches) Schicksal, deren Rechte und Würde in unserem Land keine Erwähnungen wert wären...
Maßgeblich Frauen wie Marisa Peters haben nun selbst das christliche Werk "Saisampan" (thail. Freundschaft) (
Homepage hier) ins Leben gerufen, das thailändisch-deutschen Familien, Frauen, Männern und Kindern beisteht. In diesem Fall sind es praktizierende Christen, die sich kümmern, wo andere nur auf Kosten von Minderheiten billige Schlagzeilen produzieren - und bewusst Fakten ausblenden, die jede ernsthafte Recherche ergäbe.