Begrüßung und Einführung

Montag, 7. Januar 2008

Rückblick: Ein Jahr Religionswissenschaft-Blog

Heute vor genau einem Jahr eröffnete ich diesen Blog - und ahnte nicht, dass mit mehrere hundert Stunden Abenteuer (meist früh Morgens oder spät Abends) bevorstanden. Zeit also, zurückzublicken und zu fragen: würde ich es wieder tun?

Die Antwort: Ja - und zwar weil...!

Da waren und sind zum einen viele tolle Rückmeldungen und manche gute Diskussion, für die ich sehr danken möchte! Da ist die Entwicklung der Zugriffszahlen: von Anfangs 15 bis 20 pro Tag auf inzwischen recht genau das Zehnfache! Hinzu kam die Übernahme mehrerer Artikel (am häufigsten der Ulfkotte-Beitrag) auch in andere Blogs. Und da ist der Umstand, dass die meisten Zugriffe über Suchmaschinen wie Google erfolgen: Menschen also tatsächlich auf der Suche nach Informationen sind und es (denken wir nur an die Mythen zur Geburtenrate von Muslimen) unverantwortlich wäre, das Internet den Hasspredigern aller Farben und ihrer gezielten Falschinformationen zu überlassen. Auch Anfragen für Vorträge und Recherchetips für Journalisten habe ich im Rahmen der Möglichkeiten versucht gerecht zu werden.

Hinzu kamen besondere Diskussions- und Kooperationspartner ganz unterschiedlicher Wissenschaftsrichtungen, die ich ohne Blog vielleicht nie kennen gelernt hätte: so die Religionswissenschaftlerin Kerstin Probiesch, die mit religionswissenschaft.info den ersten -und m.E. hervorragenden- deutschsprachigen Schwesterblog gründete (und wir hoffen auf weitere!), der Naturwissenschaftler Lars Fischer, mit dem ich jetzt sogar ein Uniseminar in Heidelberg gestalte, über ihn wiederum die (noch andauernde) Wissenslog-Debatte mit Edgar Dahl et al. über die Bio-Logik des Glaubens, die wertvollen Debatten mit Ingo Bading vom Blog Studium Generale u.v.m.

Und übrigens: gerade am Beispiel der Evolutionsforschung der Religion ist mir bewusst geworden, dass das Internet längst zum unverzichtbaren Werkzeug der interdisziplinären Zusammenarbeit geworden ist. Ohne Pages und Blogs wäre es inzwischen fast unmöglich, den Überblick über die Erkenntnisse der Dutzenden beteiligten Disziplinen zu behalten und den Kontakt zu den Kollegen zu pflegen - bis hin dann auch zu RL-Besuchen, beispielsweise eines kanadischen Kollegen hier in Stuttgart vor zwei Wochen. Die Evolutionary Religious Studies hätte es in ihrer heutigen Form noch vor zwei Jahrzehnten wahrscheinlich gar nicht geben können...

Das Forschernetzwerk Evolutionary Religious Studies verbindet Forscher verschiedener Erdteile und Disziplinen mit einer gemeinsamen Perspektive: der Erforschung der Evolution von Religiosität und Religionen.

Also, ja, ich blogge weiter!

Eine Änderung...

...bin ich dem Zeitbudget und den Rückmeldungen guter Freunde ("Soviel kann keiner lesen!") aber schuldig: zukünftig soll es nicht mehr täglich (außer Sonntags) einen Blogbeitrag geben, sondern jeweils Montag, Mittwoch und Freitag.

Ihnen noch einmal herzlichen Dank, alles Gute für 2008 und uns allen weiterhin viel Freude und Interessantes in der Blogosphäre!

(-:

Michael Blume
www.blume-religionswissenschaft.de

Sonntag, 7. Januar 2007

Ein Religionswissenschaft-Blog!

Ich heiße Sie auf meinem Weblog herzlich willkommen und möchte kurz erklären, worum es geht.

Das bin ich, Michael Blume. Schön, dass Sie vorbeischauen! (-:

Religionswissenschaft macht mir große Freude. Damit unsere m.E. oft hoch spannenden Erkenntnisse und Debatten etwas bekannter werden und viele sie verfolgen und sich einbringen können, produziere ich neben bedrucktem Papier auch gerne jedermann zugängliche und kostenfreie Internetangebote.

Elfenbeintürme und schwer zu findende, mysteriös formulierte und teure Folianten finde ich schön und weiß, dass man (bisher) auch nur in ihnen akademische Anerkennung findet. Aber freie Diskussionen auch über Fachgrenzen hinweg und Wissenschaft, die auch die Küchentische, Marktplätze, Stadtbüchereien und Kirchengemeinden erreicht finde ich noch viel schöner und gehe auch davon aus, dass das wissenschaftliche Potential des Internets noch kaum entdeckt ist.

Meine Forschungsschwerpunkte sind:
- Religionen und Demografie
http://www.blume-religionswissenschaft.de/reli_demo.html
- Religiöse Identitäten in Europa
http://www.blume-religionswissenschaft.de/reli_id.html
- Religionen und Hirnforschung
http://www.blume-religionswissenschaft.de/reli_hirnf.html
- Evolutionsbiologische Theorie(n) der Religion
http://www.blume-religionswissenschaft.de/evol.html

In diesem Blog gönne ich mir aber, auch ein paar andere Themen zu streifen.

Zu: Religionswissenschaft

Klar, es gibt kaum ein Thema, das so emotional ist, wie Religion. Jede/r hat eine Haltung dazu - auch diejenigen, die sich der wissenschaftlichen Erforschung dieses vergleichsweise jungen Phänomens der Evolutions- und Menschheitsgeschichte widmen.

Im Gegenüber zu Theologien (evangelisch, katholisch, islamisch etc.) verhält sich die Religionswissenschaft neutral zu bestimmten Glaubens- und Wahrheitsannahmen und sucht nach übergreifenden Beschreibungen und Erklärungen, die unabhängig von Glaubensannahmen nachvollzogen werden können. Deswegen geht sie z.B. nicht von der Existenz (eines) Gottes aus, bestreitet diese aber auch nicht (sog. methodologischer Agnostizismus). Sie ist vielmehr interdisziplinär angelegt und sowohl nach innen wie nach außen auf Austausch angelegt. Siehe z.B. http://www.religionswissenschaft.de

Es geht um das Verstehen über Einzelfälle hinaus, auch wenn wir je nach eigenem Standpunkt (und jede/r hat einen!) eher zur Religionsaffirmation oder Religionskritik tendieren.

So bin ich selbst z.B. praktizierender, evangelischer Christ, bin mit einer Muslimin verheiratet, dankbarer Altstipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und war bis zur Familienpause CDU-Stadtrat.

Mein wohl wichtigster Unilehrer und Doktorvater Prof. em. Günter Kehrer, Tübingen, hat sich dagegen als gestandener Religionskritiker, ehemaliger PDS-Stadtrat und prominentes Mitglied der humanistisch-säkularen Giordano-Bruno-Stiftung einen Namen gemacht.
http://www.giordano-bruno-stiftung.de

Klar, dass uns die so unterschiedlichen Weltanschauungen manche zünftige Debatte eingebracht, aber menschlich nicht getrennt und wissenschaftlich immer wieder angeregt haben. Es stimmt schon: Wer nur je seine eigene Perspektive gelten lassen kann, für den oder die ist Religionswissenschaft immer wieder eine Zumutung. Wer aber keine Angst vor Blicken über den eigenen Tellerrand hinaus und vor zünftigen Debatten und Gesprächen auch mit Andersdenkenden hat, für den oder die ist Religionswissenschaft immer wieder neu ein faszinierendes Abenteuer! (-:

Gerade deshalb lautet die erste und einzige Grundregel in diesem Blog: Respekt - Respekt vor Teilnehmern inklusive Kommentatoren, aber auch den religiösen bzw. weltanschaulichen Überzeugungen der Menschen.

Ich freue mich, wenn Sie etwas für sich finden, und nicht weniger auch auf Ihre Beiträge!

Mit herzlichen Grüßen aus Schwaben

Dr. Michael Blume
http://www.blume-religionswissenschaft.de

Dr. Blume

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