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Dienstag, 7. April 2009

USA: Nur ein Viertel der Nichtglaubenden versteht sich als Atheisten

In Umfragen geben nur etwa 5% der US-Amerikaner zu Protokoll, weder an eine Gottheit noch an eine andere, transzendente Wesenheit zu glauben. Wie eine weitere Auswertung der Pew-Religionsstudie 2007 aber nun ergab, bezeichnet sich selbst unter dieser Minderheit nur etwa ein Viertel als Atheisten - ebenso viele (!) verstehen sich trotz ihres Nichtglaubens dennoch als Angehörige von Religionsgemeinschaften.

Nur ein Viertel der Nichtglaubenden in den USA versteht sich als Atheist, ebenso viele bezeichnen sich als Angehörige verschiedener Religionen. Daten: Pew Religious Landscape Survey 2007.

Trackback URL:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5628816/modTrackback

Daniel (Gast) - 7. Apr, 10:21

Schlechter Ruf

Wenn man bedenkt was für einen schlechten Ruf Atheisten in weiten Schichten der Gesellschaft dort haben, ist das auch kein Wunder, finde ich.

Und dass viele Menschen Mitglied einer Religionsgemeinschaft sind obwohl sie nicht glauben ist ja in Deutschland auch nicht anders. Familiärer Zusammenhalt, Sozialstatus erfordert das aus der Sicht mancher eben.

Gruß,
Daniel

Erdlicht (Gast) - 7. Apr, 18:47

Unverständnis

Wer versteht den Blitz/Einfall?
Wenn ein sogenannter Gläubiger nicht versteht, wie eine Wolke entsteht, in der Gott, lt. Überlieferung die Hebräer durch die Wüste führte, dann sind für diesen die anderen un/nichtgläubig, soweit er Glauberitis "Unverstand" hat.

Shalom

@ Daniel, itz

Da würde ich Euch zustimmen - wir erleben ja umgekehrt auch, wie religiöse Menschen von ihrer atheistischen Umgebung (z.B. in Berlin oder weiten Teilen der deutschen Blogosphäre) verhöhnt werden. Toleranz und Respekt sind schwere Übungen, meist tendieren wir leider dazu, das Unverstandene, Andere abzuwerten.

Mir wichtig scheint aber auf jeden Fall, die Selbstdefinition der Menschen im Blick zu behalten. Und Nichtglaubender ist eben nicht gleich Atheist - nicht in den USA und auch nicht in Deutschland, wie auch umgekehrt nicht jedes Mitglied einer Religionsgemeinschaft gleich ein Glaubender ist (auch das zeigt die o.g. Auswertung ja eindrucksvoll).
Daniel (Gast) - 7. Apr, 20:44

Berlin?

Wo genau wird man denn in Berlin als Gläubiger verhöhnt? Ich wohne ja in Berlin (Gesundbrunnen/Mitte) und bin mir ziemlich sicher hier noch niemanden verhöhnt zu haben. ;) Oder dergleichen mitbekommen zu haben. Ich glaube Sie übertrieben da ein wenig und hoffe Sie meinen nicht was ich glaube dass Sie meinen. :)

Und Blogosphäre ist was anderes. Der Umgangston ist teilweise unter aller Sau auf allen Seiten und lauter von atheistischer Seite, Underdog-Syndrom. Aber das ist ein allgemeines Phänomen. Kommunikation von Angesicht zu Angesicht läuft zivilisierter ab.

Wenn man als Kind alle möglichen Vorurteile über Atheisten mit auf den Weg bekommt. Das fast jeden Sonntag in der Kirche gesagt bekommt. Die Verachtung die überall mitschwingt. Dann stellt man fest, tja eigentlich glaube ich ja gar nicht an diesen Gott, aber bin ich dann gleich Atheist? Darf ich nicht was anderes sein? Das eigene Selbstverständnis wird ebenfalls beeinflusst, nicht nur die Darstellung nach außen.

Gruß,
Daniel

PS: Etwas abseitig vom Thema, aber nicht ganz: Wieviele Christen braucht man um mit einer Atheistin zu diskutieren? Vier wie es scheint. Siehe heute Abend in Menschen bei Maischberger.

Underdog-Syndrom

Lieber Daniel,

danke für den interessanten Beitrag!

Die Rechtfertigung von Abwertung anderer als "Underdog-Syndrom" trifft es m.E. recht gut! Extremisten aller Couleur berufen sich stets auf "Notwehr" gegen die vermeintlichen Anmaßungen der anderen. Und sie wissen stets ganz genau davon zu erzählen, was (nur) "die anderen" so alles Böses täten und Untaten der eigenen Seite gefällig zu relativieren.

Ich finds schade. Wir Menschen könnten in unserer Vielfalt Lernende sein. Aber das gelingt nur wenigen - auf allen Seiten.

(Dich zähle ich da übrigens dazu, danke für die kritisch-konstruktiven Beiträge, Daniel!)

Herzliche Grüße!
mona (Gast) - 7. Apr, 11:19

Den Fahrschein behalten

Die Katholiken sitzen vor ihrer Hütte. Ein Heide geht vorbei und pfeift sich eins. Die Katholiken tuscheln: 'Der wird sich schön wundern, wenn er stirbt!' Sie klopfen sich auf den Bauch ihrer Frömmigkeit, denn sie haben einen Fahrschein, der Heide aber hat keinen, und er weiß es nicht einmal. Wie hochmütig kann Demut sein!
(Kurt Tucholsky, dt. Schriftsteller, 1890-1935)

Erdlicht (Gast) - 7. Apr, 20:37

Christenselbstverhöhnung?

Allwissend gläubige Christen haben einen Sündenbock Jesus, sind seit 2000 Jahren errettet. Wer das nicht an der Geschichtskarriere und Heutigem erkennt, ist nicht gläubig. :-)
Bestätigt haben Christen sich das unterschiedlich. Derzeit sind u. a. Walfischetiketten und hupen modern . Der Walfisch war bei Luther Leviathan, dh. Meerungeheuer, vielleicht auch mehr Ungeheuerliches.
Erdlicht (Gast) - 7. Apr, 11:54

trotz ihres Nichtglaubens

Es gibt kein un- und kein nicht- , weil unter der Sonne nur Verwandlung und Multiwechselwirkung ist. Und wer anders meint, hat Glauberitis, die verndünnst :-)

itz (Gast) - 7. Apr, 16:37

Coming out

Hallo Michael.
Daniel hat völlig recht. In manchen Gegenden ist es einfach besser sein "Coming out" als Atheist zu unterlassen.
Dazu zwei Studien:
1. "Using data from a new national survey we show that Americans draw symbolic boundaries that clearly and sharply exclude atheists in both private and public life."
(Aus: American Sociological Review 04/2006 - Atheists As “Other”: Moral Boundaries and Cultural Membership in American Society)
2. "Gallup Polls conducted in 139 countries between 2006 and 2008 reveal that in countries where a higher percentage of citizens say religion is important in their daily lives people are also more likely to say that their communities are not good places for ethnic or racial minorities to live."
(Aus: Gallup Poll von heute - More Religious Countries, More Perceived Ethnic Intolerance)

Erdlicht (Gast) - 7. Apr, 18:16

Transzendente Wesenheit

Manche sogenannten Gläubigen wissen nicht was Gott/heit ist, brauchen folglich was zum Sortieren ihrer Spekulationen.
Transzendente Wesenheit bedeutet, dass bspw. der Donner, alternativ ein sprechender Esel (Bileam) wegen Lautstärke oder Sprache nicht verstanden wird.
Wie kann es dazu Nichtgläubige geben?

Shalom
Erdlicht (Gast) - 7. Apr, 19:52

Selbstdefinitionen

Sowohl die Selbstaufwertenden, wie die abwertenden Definitionen, letztlich dann von Betroffenen übernommen, haben Geschichte, sind von Menschen. In meinem Verständnis ist nun mit Zahlenjongliererei daraus keine Wahrheit zu machen.

Shalom
itz (Gast) - 7. Apr, 20:34

Berlin

Berlin ist ein schlechtes Beispiel!
Eine überwiegend atheistische Stadt, die aus Respekt vor ihren gläubigen Mitbürgern sogar atheistische Buswerbung verbietet.
Und im Allgemeinen ist die Berliner Schnauze halt etwas -wie soll ich sagen - weniger feinfühlig!

Wenn es nur mangelde Feinfühligkeit wäre...

Gerade kam eine weitere Meldung rein, welches Klima vor allem religiöse Minderheiten hier wieder zu erleben haben.
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5632366/

Darf ich daran erinnern, dass in Berlin u.a. ernsthaft beantragt worden war, der kirchlichen Kinder-Nothilfe Arche die Zuschüsse zu kürzen, weil sie religiös sei und "ein schlechtes Licht" auf die Zustände im Kiez werfe? Von der millionenteuren Verlegung eines Volksbegehrens für den Religionsunterricht auf einen chancenarmen Termin ganz zu schweigen... Klar, dass man die bedrängten Religiösen nicht kurz davor mit Buswerbung weiter reizen und damit ggf. mobilisieren wollte.

Auch ein Gespräch mit Juden ist sehr interessant, um das alltägliche Klima gegenüber und zwischen religiösen Minderheiten z.B. in überwiegend konfessionslosen Regionen Deutschlands zu erfassen. Intoleranz ist ein Problem, das von allen Mehrheiten gegenüber Minderheiten ausgehen kann - und leider auch oft ausgeht...

Traurige Grüße
Erdlicht (Gast) - 8. Apr, 11:24

Intoleranz

Michael, was glaubst du , wer hinter der Bombendrohung steht?

Kinder-Nothilfe Arche die habe ich nicht im Netz gefunden, weiß folglich nichts. Können da auch Reliigions/Konvessionslose arbeiten oder ist man diesen gegenüber intolerant?

Shalom
itz (Gast) - 8. Apr, 17:24

Herten, Berlin, Sachsen & darüber hinaus

Herten ist nicht Berlin. Die Eröffnung einer Moschee ist doch ein Zeichen für die Toleranz in diesem Land! Daran ändert auch eine einsame Bombendrohung eines einsamen Spinners nichts. Und überhaupt: was haben Atheisten damit zu tun?

Zur Berliner Lokalpolitik möchte ich mich nicht äußern. Kenn’ ich mich nicht aus, und hab’ auch keine Lust Sozis & Kommis zu verteidigen. Man kann sich halt seine atheistischen „Freunde“ nicht aussuchen (geht Ihnen mit Ihren Glaubensbrüdern und -Schwestern wahrscheinlich ähnlich). Nur soviel: Die Arbeit des Arche Gründers Bernd Siggelkow wurde 2005 zu Recht mit dem Berliner Verdienstorden gewürdigt!

Verstehe ich Sie recht? Diese durchtriebenen Berliner Atheisten verbieten Ihre eigene Buswerbung um keine Religiösen zu mobilisieren. Und die Pro-Reli Werbung wurde nur zugelassen …um Atheisten zu mobilisieren? ;-) Dagegen spricht das Verbot der Buswerbung in allen(!) angefragten Städten. In zwei Wochen ist Ihre Begründung für das Werbeverbot in Berlin sowieso hinfällig. Mal schauen, ob Sie recht behalten…

Zum alltäglichen Klima gegenüber und zwischen religiösen Minderheiten z.B. im überwiegend konfessionslosen Sachsen:
„Ähnlich wie auch im übrigen Deutschland offenbart sich auch für SACHSEN, dass Religionszugehörigkeit nicht vor Menschenfeindlichkeit schützt. Angehörige der beiden großen christlichen Konfessionen erweisen sich im Gegenteil eher bereit als Konfessionslose, fremdenfeindlichen, rassistischen, islamophoben, ANTISEMITISCHEN und homophoben Aussagen zuzustimmen.“ (Aus: „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Sachsen“ - Universität Bielefeld, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, April 2005)

Und Intoleranz ist ein Problem, das häufiger von RELIGIÖSEN Mehrheiten gegenüber Minderheiten ausgehen kann - und leider auch oft ausgeht… (wenn man mal von der oben erwähnten GALLUP - Umfrage ausgeht).

Optimistische Grüße, Kuschere Pessach (schreibt man das so?), Frohe Ostern!
Daniel (Gast) - 8. Apr, 18:15

Zu Pro-Reli

Von Pro-Reli abgesehen wurden schon was zu den aufgeführten Beispielen was gesagt. Deshalb zum Abstimmungstermin: Wie man es auch dreht, es wird keine religiöse Intoleranz daraus.

Ja, der Termin ist politisch gewählt. Der Senat und die Mehrheit im Abgeordnetenhaus lehnt das Volksbegehren inhaltlich ab und nutzt ihre Entscheidungsbefugnisse entsprechend. Das kann man für unethisch halten, aber ich sehe keine Anzeichen dafür, dass sie das nur machen, weil der Volksentscheid einen religiösen Hintergrund hat. Die jeweilig Regierenden würden sowas auch mit anderen Volksbegehren machen, die sie nicht unterstützen. Wäre die Tempelhof-Abstimmung erst jetzt, sie würde genauso behandelt. Das ist das Gegenteil von Diskriminierung.

Die vom Senat vorgeschobene Begründung ist ironischerweise gar nicht verkehrt. Die inhaltliche Verquickung des Wahlkampfes für das Europaparlament mit dem Volksentscheid wär unerträglich. Im Trennen von verschiedenen Angelegenheiten sind Wahlkämpfer meist nicht sehr gut. Aus der Frage nach dem Ethik-Unterricht würde eine Frage über das Schicksal des Abendlandes. Dabei vermute ich, dass schon jetzt nur wenige Berliner wirklich verstehen worum es im Volksentscheid geht und die unaufrichtige Argumentation der Konfliktparteien (vor allem von Pro-Reli) tut ihr übriges.

Die Arche-Story würde mich aber noch interessieren. Wer genau hat da was genau beantragt? Hintergrundinfos oder ein Link wär schön.

Zusammenfassend erkenne ich in keinen der aufgeführten Punkte eine Diskriminierung bzw. Verhöhnung Gläubiger durch Atheisten in Berlin, was ja der Aufhänger war. Arche lass ich noch offen, da zu wenig Infos.

Gruß,
Daniel
Erdlicht (Gast) - 8. Apr, 23:22

Menschenfeindlichkeit

Viele können nicht zwischen Mensch und Sache unterscheiden, meinen schon Menschenfeindlichkeit, wenn man sie nicht nachbetet.

Menschenfeindlichkeit ist, nach meinem Verständnis, wenn ein Mensch wegen seiner Hautfarbe, Weltanschauung, sozialen Situation tatsächlich benachteiligt wird, bis hin zur Vernachlässigen und Gewalt, bzw. ihm den Tod wünschen, Seele/Atem, absprechen. Und zu Letzterem schau man sich u. a. religiös Überzeugte mit Gotteshammer an, hinauf bis oberste Führungsetagen. Abhängige und Betriebsblinde müssen es nicht bemerken.
Realität der Intoleranz "religiös Überzeugter" findet sich mit Studium der Glaubensbekenntnisse, internen Strafgesetzen, Äußerungen der Prominenz, wie jeweiliger
Anhänger. Und sie ist nach meiner Einschätzung nicht nur bei den Mehrheiten. Sondergruppen ihaben u. U. sogar wesentlich mehr Feinddenke. Innerhalb hiesiger
Volkskirchen wären da bspw. landeskirchliche Gemeinschaft, Piusgemeinschaft, etc. zu nennen.

Pro-Reli
scheint mehr Lehrer-, wie Schülerinteresse. Hier würde mich interessieren, wieviele der Lehrer bspw. nach Glaubensbekenntnis der Evangelischen Allianz orientiert sind.

Arche -
nur Vermutung...Etabliertenvorrechte, die nicht mehr zur Situation passen, führen zur Verärgerung. Unfreiwillige Komprimisse, mangels Wahlmöglichkeit vorangig für Kunden, teilweise aber auch potentielles Personal sind besch....


Intoleranz gegenüber Juden
Das geht quer durch die Bank. Wirre Katholiken, Nazi´s , Esoteriker, Möchtegern-Heiler, Verschwörerclubs, evangelikal verdeckt, mit Mission. Evangelikale können auch gleichzeitig Nazis sein.
Einerseits scheint Unwissen, andererseits Verbohrtheit der Anlass. Im Großen und Ganzen erfahre ich Juden rationaler, weniger gläubig-emotional, wie durchschnittlich Christen. Ich bin mir bewusst, dass es jeweils nur Ausschnitte sind.

Shalom

@ Erdlicht

Es ist schon interessant: Du beklagst Feinddenken und wendest es selber an. Schuldig und intolerant sind immer die anderen. Und obwohl Du nach eigenem Bekunden die Arche nicht kennst, "vermutest" Du allerhand Schlechtes - weil sie ja von Christen betrieben wird. Das nennt man Vor-Urteil...

Natürlich gibt es intolerante Christen. Und ebenso gibt es intolerante Atheisten. Es gab und gibt Verachtung, Hohn, Gewalt und sogar Mord. So zu tun, als läge hier ausschließlich oder überwiegend ein Problem nur einer Gruppe vor, überzeugt mich nicht.
Erdlicht (Gast) - 9. Apr, 08:49

Feinddenken

Michael, deine Behauptung, zu meinem Feinddenken und das ich allerhand Schlechtes zur Arche vermute, darf dir aufschlussreich sein.:-))

Aber vestehst du überhaupt, was du liest?

Es ging, im Hinblick "Arche" bei meiner Vermutung im Wesentlichen um Arbeitsrecht.

Kirche hat in bestimmten Bereichen Monopol, ist zweitgrößter Arbeitgeber.

Wohltat Arbeitsrecht
...Die Arbeitnehmerin soll Mitglied der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche oder einer anderen Kirche der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen sein....
http://www.vkm-baden.de/infothek/ktd_text.htm

Diakonie-Pflege nur für Konfessionelle?
http://www.wer-weiss-was.de/theme74/article1222627.html

Selbige Problematik gilt noch mehr im pädagogischen Bereich, wenn es um Kinder geht.

Hier noch etwas zur Finanzierung der Kirche
http://ibka.org/files/Rundbrief_2009-1_SW.pdf

Alle dürfen zahlen, aber kirchliche Einrichtungen pflegen Privatautonomie im Hinblick Arbeitsrecht. Solches passt nicht, wenn Kunden überwiegend Andersgläubig oder Konfessionslos sind. Soweit das im Hinblick "Arche" auch so ist, braucht Weiteres nicht wundern.

Selbsterfahrungshintergrund. Ich war Kundin im kirchl. Kinderhort, Kindergarten, Schule, Kinderheim, Mädchenheim. Letzteres Diakonie. Ich hatte konfessionslose Pflegekinder, die in katholischen Kindergarten, kath. Grundschule mussten, weil anderes zu weit weg war. Nach Zweitausbildung (Diakonie) bekam ich ein halbes Jahr Galgenfrist für Kirchenbeitritt. Ich habe Studium vorgezogen, blieb aushilfsweise, weiter konfessionslos, dabei. 93 Studium beendet, war das Problem, dank örtlicher Umstände, fehlendem PKW nicht aus der Welt. Für einen Festvertrag bin ich in Lutherkirche eingetreten. Ab 96 selbständig, bin ich 07 mit ausschlaggebendem Anlass, Heirat eines Konfessionslosen, absehbarem Kirchgeld, ausgetreten. Real war Aufnahmegottesdienst in nahezu 15 Jahre Mitgliedschaft einziger Besuch in evangelischer Kirche. Zum Lügen mochte ich da nicht hin. Aber ich habe ein paar Jahre höchsten Kirchensteuersatz gezahlt.

Das Intoleranz, auch ohne intolerante Glaubensbekenntnisse, Kirchen(straf)recht, Vorurteil der Religionswissenschaft möglich ist, habe ich nicht bestritten. Insoweit kannst du dir Angriff und Verteidigung getrost sparen. Vermutung ist anderes. Dein überzeugter Glaube ist auch Vermutung, Vorurteil. Ohne das ist davon abgesehen keine Wissenschaft. Die Hoffnung, dass du lernst fragen zu stellen, wenn du nicht verstehst, habe ich noch nicht aufgegeben. Darauf hingewiesen habe ich mehrfach.

Shalom

@ Erdlicht

Dass Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaften ihr Personal auch nach Weltanschauung aussuchen dürfen, ist kein Privileg der Kirchen, sondern betrifft z.B. den Humanistischen Verband, dessen Lehr- und Arbeitskräfte etc. ganz genau so. Kein Muslim oder Christ kann sich in dessen Arbeitsstellen hineinklagen, was m.E. auch völlig okay ist.

Dass es aber bislang nur vergleichsweise wenige Bildungseinrichtungen, Entwicklungshilfedienste, Kinderspeisen etc. mit atheistischem Hintergrund begründet wurden und werden, kann man den Religiösen kaum vorwerfen. Sie weisen z.B. auch schlicht eine höhere Spendenbeteiligung auf:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4922836/

Also: Niemand verbietet Religionskritikern, eigene Einrichtungen zu begründen und über Spenden vor- und mitzufinanzieren. Zumal z.B. Konfessionslose ja keine Kirchensteuer zahlen! Dass aber selbst in überwiegend konfessionslosen Regionen Deutschlands freie Bildungseinrichtungen, Werke für Notleidende etc. vor allem von religiösen Minderheiten ausgehen und mitfinanziert werden, ist diesen kaum vorzuwerfen. Religionswissenschaftlich ist es freilich ein weiteres, interessantes Phänomen!

Berliner Humanisten

Der Humanistische Verband als ebenfalls staatlich geförderter "Konzern" und Tendenzbetrieb mit inzwischen rund 1000 weltanschaulich ausgesuchten Beschäftigen bei gerade einmal 4.200 zahlenden Mitgliedern (!), die Frage, ob Atheismus auch mit Intoleranz einhergehen kann und ob es in Berlin Kontinuitäten zwischen alten und neuen Ideolog(i)en gibt - dazu gerne einen aktuellen Bericht und Link:

http://www.welt.de/die-welt/article3523173/Humanist-mit-dunkler-Vergangenheit.html

Die Reaktion des Beschuldigten, der von einer Verschwörung der Pro Reli-Aktivisten ausgeht, und des Senats:
http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1070729/Humanistischer_Verband_Senat_verlangt_Aufklaerung.html

und hier:
http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/?dig=2009%2F04%2F09%2Fa0117&cHash=bac3bb9652#Szene_1

Gruselig, was da in Berlin vor sich ging - und geht...

@ itz: Genau

Man kann sich halt seine atheistischen „Freunde“ nicht aussuchen (geht Ihnen mit Ihren Glaubensbrüdern und -Schwestern wahrscheinlich ähnlich).

Genau. Es lässt sich einfach nicht leugnen, dass sowohl von religiöser wie von atheistischer Seite immer wieder auch Dummheit und Intoleranz ausgeht. Deswegen kann ich Diskussionen so wenig abgewinnen, die solches nur bei den je anderen wahrnehmen wollen, nicht aber auch im eigenen Lager.

Und Intoleranz ist ein Problem, das häufiger von RELIGIÖSEN Mehrheiten gegenüber Minderheiten ausgehen kann - und leider auch oft ausgeht… (wenn man mal von der oben erwähnten GALLUP - Umfrage ausgeht).

Russland unter Stalin, China, Nordkorea, Kambodscha u.v.m. scheinen mir starke Gegenbeispiele zu sein - hier waren atheistische Regime und Mehrheiten oft nur wenige Jahrzehnte an der Macht - und haben entsetzliche Blutbäder angerichtet.

Auch empirisch kenne ich keine Studien, die beispielsweise belegen würden, dass sich überwiegend konfessionslose Regionen Deutschlands durch mehr Toleranz als überwiegend konfessionell geprägte Landstriche auszeichnen würden. Da scheinen mir andere Faktoren (wie Bildung, demokratische Sozialisation etc.) sehr viel aussagekräftiger zu sein.

Erdlicht (Gast) - 10. Apr, 12:34

Philosophien

Ein Gefühl - auch Liebe- ist kein Besitzstand.
Besitzstand schafft Leidenschaft, die Leiden schafft. Es läuft auch keiner in des anderen Schuhen gut. Ein Orthopädieschuster hat für jeden Fuß seiner Kunden einen passenden Leisten.

Was immer ist, weiß keiner. Unter diesem Gesichtspunkt ist Wissen, nichts zu Wissen das Höchste. Wahrheit, Wissen, Erkenntnis, ist Bewegung, Ausgleich, hierbei nicht Stillstand, Festsetzung.

Shalom

@ Daniel

Mich erinnert die Debatte an jene Diskussionen nach den christenfeindlichen Ausschreitungen rund um das Bremer "Christival" mit Verletzten und Verhaftungen. War das auch nur Notwehr und völlig okay? Wäre es umgekehrt okay, wenn gewalttätige Religiöse einen Kongress der Bruno-Stiftung attackieren würden? Ich würde klar sagen: In beiden Fällen - nein!

http://www.idea.de/index.php?id=1549&tx_ttnews[tt_news]=64287&tx_ttnews[backPid]=1548&cHash=8bfbac6943

Und die Verhaftungen und Misshandlungen von Religiösen z.B. in atheistisch regierten Staaten wie der ehemaligen DDR, China, Nordkorea, Kuba ließen sich natürlich auch debattieren - waren und sind die auch alle ethisch okay?

Ehrlich gesagt finde ich die Diskussionen nach dem Hundertsten Mal aber etwas ermüdend, wonach alles Schlechte von den je Anderen ausginge, während im Namen der je eigenen Weltanschauung oder Religion alles in Butter und irgendwie zu rechtfertigen sei. Die knappe Blogzeit würde ich lieber auf anderes verwenden.

Denn es müsste m.E. doch eigentlich Konsens aller Demokraten sein können: Ja, es gibt Intoleranz zwischen Konfessionslosen und Religiösen (sowie auch zwischen verschiedensten Gruppen innerhalb dieser Kategorien!). Keine Seite ist hier nur Opfer oder nur Täter. Und es sollte daher die gemeinsame Verantwortung sein, die Würde und Freiheitsrechte auch der Andersdenkenden und -glaubenden anzuerkennen. Was leider sowohl religiöse wie atheistische Extremisten missachten.

all: Debattenende?

Liebe Freunde,

zum Abschluss möchte ich darum bitten, diese Debatte auslaufen zu lassen. Zum Ende der Woche wird dieser Blog hier ohnehin enden - und ich würde gerne mit fröhlicheren Themen und Beiträgen schließen. Orte zum Abmeiern Andersdenkender und -glaubender gibt es gerade im Internet ja schon mehr als genug. Ich bin der immergleichen Debatten a la "Nur Ihr seid die Bösen, wir sind die Guten. Und wenn wir mal etwas Böses taten, dann war es Notwehr." inzwischen etwas müde und bitte um Verständnis, dass ich die knappe Zeit anders einsetzen möchte.

Daniel (Gast) - 9. Apr, 00:49

Ich fühle mich ein wenig diffamiert

Warum hängen sie mir das Christival, Stalin und China an und tun so, als würde ich unsachlich diskutieren? Davon war keine Rede.
Sie haben behauptet in Berlin würden Gläubige von Atheisten verhöhnt und diskriminiert. Das wurde hier diskutiert und nichts anderes. Erdlicht, itz und ich waren sehr sachlich, soweit ich das erkennen kann. Wir sind auf Argumente eingegangen und haben Konkretisierungen eingefordert wo nötig und Gegenargumente angebracht, alles in einem freundlichem Ton. Das fiel mir ehrlich gesagt schwer, angesichts der Abstrusität der atheistischen BVG-Verschwörung. Aber als Dank bekommen wir nun keine Argumente oder Antworten auf die konkreten Nachfragen, sondern Stalin und China an die Backe geklebt. Vielen Dank dafür. :(

Dass Stalin und Co. viel Leid verbreitet haben bestreitet ja niemand hier, soweit ich das erkennen kann. War ja auch kein Thema bis Sie es eingebracht haben und sofort leid waren es zu diskutieren.

Das ist doch keine Art und vor allem kein würdiges Ende für dieses Blog.

Gruß,
Daniel.

@ Daniel

Oh, dann haben wir womöglich aneinander vorbei diskutiert. Bei mir entstand der Eindruck, Sie wollten allen Ernstes behaupten, Intoleranz ginge nur von Religiösen aus und alles andere seien Einzelfälle, die ich doch bitte ausführlichst belegen sollte. Und solche Diskussionen, die m.E. Stunden unproduktiv verschlingen, finde ich nicht zielführend, sie wurden hier auf dem Blog schon hundertfach geführt. Dass meine eigene Familie in der DDR atheistische "Werterziehung", Unterdrückung und Haft erlitten hat, macht für mich Behauptungen, in Berlin (das heute von der SED-Nachfolgepartei mitregiert wird, die prompt antikirchliche Politiken fortsetzt) habe es nie Verhöhnung und Verfolgung von religiösen Menschen gegeben, besonders unerträglich. In Berlin lässt sich z.B. das Foltergefängnis Hohenschönhausen besichtigen, das noch vor wenigen Jahrzehnten von bekennenden Atheisten geführt wurde und Regimekritiker verfolgte. Aus den Kirchen heraus wirkten schließlich Religiöse und Nichtreligiöse zusammen, um diesem Regime ein Ende zu machen. Muss man so etwas wirklich mit Links belegen?

Was die "BVG-Verschwörung" angeht von mir eine klare Ansage: Ich halte sowohl religiöse wie religionskritische Werbung für völlig statthaft, solange nicht Andersdenkende oder -glaubende gezielt herabgesetzt werden. Die pauschale Ablehnung der BVG kann ich daher nicht nachvollziehen - und weise darauf hin, dass diese der rot-roten Landesregierung unterstehen, deren politische Klugheit Sie im Bezug auf die Verlegung des Volksbegehrens unter Inkaufnahme von 1,4 Millionen € Extrakosten (ca. 40 Jahres-Facharbeitergehälter! Was hätte man damit alles tun können!) ausdrücklich gerühmt haben. Ist die rot-rote Berliner Regierung Ihres Erachtens für die BVG aber etwa nicht zuständig? Oder weiß sie am Ende doch nicht, was sie tut?

So ganz unter uns: Was hätten Sie wohl vermutet, wenn die BVG z.B. einer christdemokratischen Regierung unterstünde? Hätten Sie diese dann auch in Schutz genommen? Wohl kaum...

Schauen Sie, das meine ich. Böse sind stets "die anderen", Vertreter der eigenen Weltanschauung haben dagegen stets Recht bzw. sind nicht verantwortlich oder handeln in Notwehr. Das ist ja auch okay und menschlich, das tun wir sicher alle oft unbewusst so - nur bringt es wirklich keinen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Solche Debatten sind nicht der Grund, warum ich blogge.

Bestimmt tue ich Ihnen auch Unrecht, denn für die endlosen Polemiken, die hier auf dem Blog und andernorts schon abgeladen wurden, können Sie persönlich nun wirklich nichts - und Ihr Diskussionsstil war im Vergleich zu vielen anderen wirklich sehr fair. Und ich wollte Ihnen selbstverständlich nicht China und Stalin "an die Backe kleben", sondern einfach darauf hinweisen, dass Intoleranz und grenzenlose Verbrechen sowohl religiös wie religionskritisch gerechtfertigt wurden und werden. Täter und Opfer waren und sind nicht einfach an der Religionszugehörigkeit festzumachen. Das aber immer wieder "belegen" zu sollen finde ich - gerade im Bezug auf Berlin! - einfach bedrückend. Und würde die Zeit viel lieber anders verwenden.
mona (Gast) - 9. Apr, 13:53

Nicht unterkriegen lassen

Hallo Michael,

ich habe die Debatte mit verfolgt. Mir scheint du hast dich etwas in die Enge gedrängt gefühlt. Ist das der Grund, warum du deinen Blog Ende der Woche auslaufen lassen möchtest? Ich persönlich fände es sehr schade eine so interessante Sache so enden zu lassen.
Vielleicht überlegst du es dir nochmal. Du hast ja inzwischen auch viele Freunde hier gefunden. Und dein Blog ist auch ausgezeichnet worden.
Viele Leute die oft so hart und ungerecht debattieren, möchten einem oft gar nicht überzeugen, sondern uns nur ihre Macht demonstrieren.

Bruce Lee sagt:
"Unser Gefühl für Macht wird stärker ausgeprägt, wenn wir den Willen eines Menschen brechen, als wenn wir seine Zuneigung gewinnen, denn diese Zuneigung kann sich morgen schon wieder abwenden. Wenn wir jedoch einen stolzen Geist brechen, dann ist das endgültig und absolut.

Eher als das Prinzip der Gerechtigkeit kann uns das Mitgefühl davor bewahren, zu unseren Mitmenschen ungerecht zu sein."

Gruß Mona

Gefahr von Überdruss

Liebe Mona,

ich finde auch, dass ich zuletzt z.B. gegenüber @itz und @Daniel wohl zu schroff reagiert habe und prompt wieder in eine dieser Sind-Religionen-gut-Diskussionen verwickelt wurde. Aber dieses Beobachten auch der eigenen Fehler bestätigt mich eigentlich eher in den Überlegungen, lieber wieder mehr Zeit in andere Bereiche zu geben, als sich solche zeitintensiven Diskussionen wieder und wieder zu geben. Als Religionswissenschaftler habe ich ein Erkenntnis-, kein Überzeugungsinteresse - ich möchte vor allem über Wissenschaft, weniger über Politik und Zeitgeschichte diskutieren. Und ich möchte nicht Stunden damit verbringen, Links zu recherchieren, damit die gröbsten Vorurteile widerlegt werden und sich Mitdiskutanten einmal mit den Menschenrechtsverletzungen auch atheistischer Systeme in Deutschland und weltweit befassen. Das habe ich jetzt über 2 Jahre gerne gemacht, möchte mich aber wieder auf die Forschung und Diskussion von empirischen Befunden und Hypothesen konzentrieren.

Ein paar Gedanken hier
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5635168/main

der letzte Beitrag dann Sonntag. Würde mich freuen, Dich z.B. in den fachlicheren Chronologs hin und wieder zu treffen!

Herzliche Grüße

Dr. Blume

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