Der Vatikan und das Internet
Wer sich noch Illusionen darüber machen sollte, ob das Internet das religiöse Leben und die religiöse Kommunikation beeinflussen werde, der betrachte die neuen Aktivitäten des Vatikan, des Kleinstaates, dessen Staatsoberhaupt zugleich der Papst (erste Bischof) der römisch-katholischen Kirche ist, der nach wie vor größten Religionsgemeinschaft der Erde.
Um die neuen Kommunikationswege zu nutzen, hat der Vatikan zuletzt einen eigenen YouTube-Kanal eröffnet. Hier beispielsweise ein Clip zur Bedeutung des interreligiösen Dialoges:
Längst erscheinen auch Texte, ja Briefe der katholischen Hierarchie online, womit eine historisch einzigartig direkte Ansprache der Spitze an Mitglieder und auch interessierte Nichtmitglieder möglich wurde. Dazu gehört auch der Brief des Papstes Benedikt XIV. an die Bischöfe zu den Holocaust-Äußerungen von Bischof Williamson. Dieses Dokument ist nicht nur für sich interessant, sondern enthält auch eine direkte Passage zur neuen Bedeutung des World Wide Web.
Zitat:
"Ich höre, daß aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, daß wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen."
Historiker werden im Rückblick notieren, dass hier zum ersten Mal das Oberhaupt der größten Religionsgemeinschaft der Erde Internet-Kompetenz und -Recherche als notwendigen Bestandteil religiöser Arbeit klassifiziert hat. Faszinierend, wo Geschichte längst stattfindet - und kaum jemand hat's gemerkt.
Um die neuen Kommunikationswege zu nutzen, hat der Vatikan zuletzt einen eigenen YouTube-Kanal eröffnet. Hier beispielsweise ein Clip zur Bedeutung des interreligiösen Dialoges:
Längst erscheinen auch Texte, ja Briefe der katholischen Hierarchie online, womit eine historisch einzigartig direkte Ansprache der Spitze an Mitglieder und auch interessierte Nichtmitglieder möglich wurde. Dazu gehört auch der Brief des Papstes Benedikt XIV. an die Bischöfe zu den Holocaust-Äußerungen von Bischof Williamson. Dieses Dokument ist nicht nur für sich interessant, sondern enthält auch eine direkte Passage zur neuen Bedeutung des World Wide Web.
Zitat:
"Ich höre, daß aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, daß wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen."
Historiker werden im Rückblick notieren, dass hier zum ersten Mal das Oberhaupt der größten Religionsgemeinschaft der Erde Internet-Kompetenz und -Recherche als notwendigen Bestandteil religiöser Arbeit klassifiziert hat. Faszinierend, wo Geschichte längst stattfindet - und kaum jemand hat's gemerkt.
blume-religionswissenschaft - 18. Mrz, 06:54
27 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Ingo (Gast) - 18. Mrz, 08:02
Beklemmend
Ja, man sollte viellleicht öfter solche Texte lesen. Das Grundproblem, auf das reagiert werden müsse, wird folgendermaßen formuliert:
"In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, (...)."
Oder:
"Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, daß Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und daß mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen."
Obwohl das eine SEHR ALLGEMEINE Fragestellung ist, eine SEHR grundlegende Problematik (WENN es denn eine ist), gibt es für den Papst immer nur EINE Antwort - seine:
".... Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat."
Wie ehrlich ist es ihm dann aber mit seiner Sorge um die Gottlosigkeit in der heutigen Menschheit? Ich würde sagen: NICHT ehrlich. NICHT - wirklich - ehrlich. Er will noch auf der Gottlosigkeit der heutigen Menschheit SEIN Süppchen kochen. SEINES. Denn er weiß, daß VIELE Menschen ausgerechnet mit DIESEM Gott nicht viel anfangen können. Er WEISS, daß er DIESEN Menschen mit solchen Worten absolut NICHTS sagt und sie deshalb - vielleicht - noch weiter in die Gottlosigkeit hineintreibt, als sie sowieso schon geraten sind.
- Beklemmend, deshalb, solche Texte. In was für einer verschachtelt kleinen Welt lebt dieser Mann, immer noch?
Aber immer dann, wenn er aus seiner kleinen Welt herauskommt, sagt er immer wieder auch etwas, was man ebenfalls nicht allzu oft hört, was aber hörenswert sein könnte:
"Muß nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger - wenn irgend möglich - zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? "
In der Tat, das könnte eine Aufgabe für uns alle sein - auch gegenüber der von Herrn Ratzinger verkörperten weltgeschichtlichen Radikalisierung ...
"In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, (...)."
Oder:
"Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, daß Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und daß mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen."
Obwohl das eine SEHR ALLGEMEINE Fragestellung ist, eine SEHR grundlegende Problematik (WENN es denn eine ist), gibt es für den Papst immer nur EINE Antwort - seine:
".... Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat."
Wie ehrlich ist es ihm dann aber mit seiner Sorge um die Gottlosigkeit in der heutigen Menschheit? Ich würde sagen: NICHT ehrlich. NICHT - wirklich - ehrlich. Er will noch auf der Gottlosigkeit der heutigen Menschheit SEIN Süppchen kochen. SEINES. Denn er weiß, daß VIELE Menschen ausgerechnet mit DIESEM Gott nicht viel anfangen können. Er WEISS, daß er DIESEN Menschen mit solchen Worten absolut NICHTS sagt und sie deshalb - vielleicht - noch weiter in die Gottlosigkeit hineintreibt, als sie sowieso schon geraten sind.
- Beklemmend, deshalb, solche Texte. In was für einer verschachtelt kleinen Welt lebt dieser Mann, immer noch?
Aber immer dann, wenn er aus seiner kleinen Welt herauskommt, sagt er immer wieder auch etwas, was man ebenfalls nicht allzu oft hört, was aber hörenswert sein könnte:
"Muß nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger - wenn irgend möglich - zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? "
In der Tat, das könnte eine Aufgabe für uns alle sein - auch gegenüber der von Herrn Ratzinger verkörperten weltgeschichtlichen Radikalisierung ...
Erdlicht (Gast) - 18. Mrz, 18:12
Flamme, ohne Nahrung...
Zitat:
"In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, (...)."
Glaube an Kunst und/ oder Wunder scheint Tendenz.
Früher, teilweise noch heute, gab es in der Wüste Wasserträger. Der Papst sollte besser in die Wüste gehen, dort mit moderner Technik nach Wasser bohren, wie als sinnbildlicher Feuergott mit Wünschelrute auf Reisen zu gehen.
Gerechtigkeit soll fließen wie Wasser...Magie brauchte es nicht dazu.
Feuer / Licht, auch Kunstlicht, kann real und im übertragenem Sinne, sowohl zweckdienlich, wie schädlich sein. Der feurige, leidenschaftliche, impulsive Mensch richtet eher Schaden an. Abhilfe ist mit Wasser. Daran mangelt es real und sinnbildlich, wenn es um zugängliches Heil/Trinkwasser geht.
Solange noch Beides vorhanden ist, kann es gemäß Begriffsdefinitionen "Gott" keine Gottlosigkeit geben.
Shalom
"In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, (...)."
Glaube an Kunst und/ oder Wunder scheint Tendenz.
Früher, teilweise noch heute, gab es in der Wüste Wasserträger. Der Papst sollte besser in die Wüste gehen, dort mit moderner Technik nach Wasser bohren, wie als sinnbildlicher Feuergott mit Wünschelrute auf Reisen zu gehen.
Gerechtigkeit soll fließen wie Wasser...Magie brauchte es nicht dazu.
Feuer / Licht, auch Kunstlicht, kann real und im übertragenem Sinne, sowohl zweckdienlich, wie schädlich sein. Der feurige, leidenschaftliche, impulsive Mensch richtet eher Schaden an. Abhilfe ist mit Wasser. Daran mangelt es real und sinnbildlich, wenn es um zugängliches Heil/Trinkwasser geht.
Solange noch Beides vorhanden ist, kann es gemäß Begriffsdefinitionen "Gott" keine Gottlosigkeit geben.
Shalom
Ingo (Gast) - 19. Mrz, 09:57
Shalom
Erdlich, worüber redest Du die ganze Zeit?????
ICH kapier's nicht.
ICH kapier's nicht.
Christian Schenk (Gast) - 18. Mrz, 09:25
Es ist sicherlich auch für Religionsgemeinschaften folgerichtig, wenn das Internet verstäkrt genutzt wird. Einen YouTube-Kanal finde ich diesbezüglich gelungen, da Gläubige somit direkteren, näheren - soweit dies eben über das Internet möglich ist - Zugang zum Vatikan bekommen.
Stellt sich nur die Frage, wie lange es noch dauert, bis auch der Papst ein Twitter-Profil hat und seinen Segen darüber verteilt ;)
Stellt sich nur die Frage, wie lange es noch dauert, bis auch der Papst ein Twitter-Profil hat und seinen Segen darüber verteilt ;)
kp (Gast) - 18. Mrz, 11:13
re:
Nun was Twitter angeht, da hat der Vatikan nicht gerade Kompetenz bewiesen. "vatikan" ist ein Fake-Account und bei "vatican" kann ich es mangels Sprachkenntnisse nicht beurteilen.
Christian Schenk (Gast) - 18. Mrz, 11:35
re:
Ob es bei Twitter entsprechende Accounts gibt oder nicht, sei mal dahin gestellt. Eigentlich wollte ich nur zum Ausdruck bringen, dass ich es mir (noch) nicht vorstellen kann, das all diese Möglichkeiten im Internet mehr als nur Informationsquellen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass für Gläubige gerade die persönliche Erfahrung - bspw. in der Kirche mit anderen - wichtig ist; das lässt sich mit Hilfe von Twitter vermutlich nicht transportieren. Bei YouTube - durch die "Kraft der Bilder" - sieht das vielleicht anders aus.
Ingo (Gast) - 18. Mrz, 18:10
Daß die beim Vatikan
das Internet als Informationsquelle bis vor wenigen Wochen sollten vernachlässigt haben, kann ich mir - ehrlich gesagt - auch nicht so ganz vorstellen. Wahrscheinlich auch wieder so eine - wenig geglückte - Ausrede ....
blume-religionswissenschaft - 18. Mrz, 19:51
@ Ingo & der Vatikan
So prüfe Dich selber, geachteter Freund - hätte der Papst behauptet, schon immer von der Bedeutung des Internet gewusst zu haben, hättest Du ihm geglaubt???
Wir ahnen: Nein. Ist es vielleicht ein beliebtes Klischee unter uns Deutschen, erst einmal alles für Täuschung zu halten, was aus Rom kommt? ;-)
Ernsthaft: Ich bin ja der unkritischen Benediktverehrung unverdächtig, aber es erscheint mir glaubhaft, dass er die Sprengkraft des Internets erst erkannt hat und rechne es ihm hoch an, so etwas auch einzuräumen. Fehler zuzugeben sind m.E. eben keine Ausreden...
Die gleiche Suche nach Verständnis, die wir für andere Religionen oft und zu Recht gelten lassen, sollten wir m.E. (wieder?) auch den christlichen Kirchen in unserem Land entgegen bringen. Einem Rabbi, Mufti, Lama oder Papst ohne echte Anhaltspunkte erst einmal Täuschung zu unterstellen (weil man diese oder jene Gemeinschaft nicht schätzt) hielte ich auch wissenschaftlich für fragwürdig.
Wir ahnen: Nein. Ist es vielleicht ein beliebtes Klischee unter uns Deutschen, erst einmal alles für Täuschung zu halten, was aus Rom kommt? ;-)
Ernsthaft: Ich bin ja der unkritischen Benediktverehrung unverdächtig, aber es erscheint mir glaubhaft, dass er die Sprengkraft des Internets erst erkannt hat und rechne es ihm hoch an, so etwas auch einzuräumen. Fehler zuzugeben sind m.E. eben keine Ausreden...
Die gleiche Suche nach Verständnis, die wir für andere Religionen oft und zu Recht gelten lassen, sollten wir m.E. (wieder?) auch den christlichen Kirchen in unserem Land entgegen bringen. Einem Rabbi, Mufti, Lama oder Papst ohne echte Anhaltspunkte erst einmal Täuschung zu unterstellen (weil man diese oder jene Gemeinschaft nicht schätzt) hielte ich auch wissenschaftlich für fragwürdig.
Ingo (Gast) - 19. Mrz, 09:53
Der Papst selbst
mag sich damit - persönlich - herausreden.
Aber der hat einen RIESIGEN Beraterstab. Mindestens so riesig wie deutsche Ministerpräsidenten auf Landesebene. Ich GLAUBE einfach nicht, daß solche riesigen Beraterstäbe das erst NACH einem solchen Skandal bemerkt haben sollten, daß man sich über die Pius-Brüderschaft auch oder vor allem im Internet informieren könnte.
Das wäre doch schon einigermaßen witzig, möchte ich meinen. Da war die ältere Ausrede schon besser, daß die zuständigen Beraterstäbe nicht gut aufeinander abgestimmt einander zugearbeitet hätten.
Irgendwie hat der Papst gegenwärtig einen Internet-Tick. Würde mich wundern, wenn auch das zum Positiven für die Kirche ausschlägt. Denn was passiert denn, wenn jetzt auch Nichtkatholiken mehr über das Innenleben des Katholizismus erfahren? Das regt zum Denken an. Nicht gut. Wirklich nicht gut für den Katholizismus.
Überhaupt richtet sich Benedikt vermehrt an die Diskurs-Bereitschaft der Menschen. Nicht gut. Nicht gut für den Katholizismus. Diskutieren hat ihm schon immer geschadet ... Aber ohne Diskutieren ist der Schaden vielleicht noch größer ...?
Aber der hat einen RIESIGEN Beraterstab. Mindestens so riesig wie deutsche Ministerpräsidenten auf Landesebene. Ich GLAUBE einfach nicht, daß solche riesigen Beraterstäbe das erst NACH einem solchen Skandal bemerkt haben sollten, daß man sich über die Pius-Brüderschaft auch oder vor allem im Internet informieren könnte.
Das wäre doch schon einigermaßen witzig, möchte ich meinen. Da war die ältere Ausrede schon besser, daß die zuständigen Beraterstäbe nicht gut aufeinander abgestimmt einander zugearbeitet hätten.
Irgendwie hat der Papst gegenwärtig einen Internet-Tick. Würde mich wundern, wenn auch das zum Positiven für die Kirche ausschlägt. Denn was passiert denn, wenn jetzt auch Nichtkatholiken mehr über das Innenleben des Katholizismus erfahren? Das regt zum Denken an. Nicht gut. Wirklich nicht gut für den Katholizismus.
Überhaupt richtet sich Benedikt vermehrt an die Diskurs-Bereitschaft der Menschen. Nicht gut. Nicht gut für den Katholizismus. Diskutieren hat ihm schon immer geschadet ... Aber ohne Diskutieren ist der Schaden vielleicht noch größer ...?
blume-religionswissenschaft - 20. Mrz, 16:38
@ Ingo: Beraterstäbe
Lieber Ingo,
nun, gerade im Zusammenhang mit der Affäre hat der Papst Umstrukturierungen in der Kurie vorgenommen, die im politischen Bereich etwa mit der Verschmelzung von Ministerien zu vergleichen wären - und letztlich deutlich anzeigen, dass er mit der Struktur seiner Umgebung nicht zufrieden war.
Institutionen führen Eigenleben und schon länger wird z.B. debattiert, ob der Kurie nicht eine Art Kabinettsstruktur gut täte. Wie wir aus der Politik wissen, schützt aber auch dies natürlich nicht immer vor Informations- und Reibungsverlusten, Grabenkämpfen in den Apparaten und Beratungsfehlern.
Religionsgemeinschaften sind in sich ebenso vielfältig, bestehen aus konkurrierenden Personen und Strömungen und natürlich fehlbaren Menschen wie andere Institutionen auch. Dass der Papst letztlich genau dies einräumt, finde ich beachtlich.
Du schriebst:
"Diskutieren hat ihm schon immer geschadet ... Aber ohne Diskutieren ist der Schaden vielleicht noch größer ...?"
Ja, das ist das Problem. Wenn sich auf Personen oder Institutionen eine negative Wahrnehmung verfestigt hat, wird irgendwann als Fehler gewertet, was immer sie tun. Diesen Prozess, der jeden von uns betreffen kann, sollten Wissenschaftler m.E. auch im Hinblick auf sich selbst immer wieder reflektieren.
nun, gerade im Zusammenhang mit der Affäre hat der Papst Umstrukturierungen in der Kurie vorgenommen, die im politischen Bereich etwa mit der Verschmelzung von Ministerien zu vergleichen wären - und letztlich deutlich anzeigen, dass er mit der Struktur seiner Umgebung nicht zufrieden war.
Institutionen führen Eigenleben und schon länger wird z.B. debattiert, ob der Kurie nicht eine Art Kabinettsstruktur gut täte. Wie wir aus der Politik wissen, schützt aber auch dies natürlich nicht immer vor Informations- und Reibungsverlusten, Grabenkämpfen in den Apparaten und Beratungsfehlern.
Religionsgemeinschaften sind in sich ebenso vielfältig, bestehen aus konkurrierenden Personen und Strömungen und natürlich fehlbaren Menschen wie andere Institutionen auch. Dass der Papst letztlich genau dies einräumt, finde ich beachtlich.
Du schriebst:
"Diskutieren hat ihm schon immer geschadet ... Aber ohne Diskutieren ist der Schaden vielleicht noch größer ...?"
Ja, das ist das Problem. Wenn sich auf Personen oder Institutionen eine negative Wahrnehmung verfestigt hat, wird irgendwann als Fehler gewertet, was immer sie tun. Diesen Prozess, der jeden von uns betreffen kann, sollten Wissenschaftler m.E. auch im Hinblick auf sich selbst immer wieder reflektieren.
Erdlicht (Gast) - 18. Mrz, 23:07
Sprengkraft Internet, Kirche verstehen
Hallo Michael,
nur zum Nachdenken, ....
Meinst du es sei mit Internet Eplosionsgefahr in der Wohnung? Wie kann man eine Kirche verstehen?
Oberhaupt, Leitungs- und Verwaltungsorgane? Alle Mitglieder? Einzelmitglied? Turm?
Protestanten muss man nicht verstehen, weil nur kirchenähnliche Gemeinschaft?
Shalom
nur zum Nachdenken, ....
Meinst du es sei mit Internet Eplosionsgefahr in der Wohnung? Wie kann man eine Kirche verstehen?
Oberhaupt, Leitungs- und Verwaltungsorgane? Alle Mitglieder? Einzelmitglied? Turm?
Protestanten muss man nicht verstehen, weil nur kirchenähnliche Gemeinschaft?
Shalom
Erdlicht (Gast) - 19. Mrz, 02:07
Gläubig - Kraft der Bilder
@Christian,
Kraft der Bilder? Mit welchen Bildern hast du denn persönliche Glaubenseerfahrung?
Shalom
Kraft der Bilder? Mit welchen Bildern hast du denn persönliche Glaubenseerfahrung?
Shalom
Christian Schenk (Gast) - 19. Mrz, 07:54
Kraft der Bilder
@Erdlicht: Ich vermutete lediglich, dass Bilder/Filme eher dazu geeignet sein könnten das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Glaubensgemeinschaft zu stärken, als dies mit kleinen Phrasen über Twitter möglich ist.
Tatsächlich weiß ich es nicht und habe auch keine persönlichen Erfahrungen damit.
Tatsächlich weiß ich es nicht und habe auch keine persönlichen Erfahrungen damit.
blume-religionswissenschaft - 19. Mrz, 08:30
@ Erdlicht
Nun, der Wissenschaftler (auch der Religionswissenschaftler) würde natürlich am liebsten alles besser verstehen - auch die Protestantin, Individuell-Spirituellen, Blogkommentatoren/Innen... ;-)
Und so ist natürlich auch jede Religionsgemeinschaft Forschungsgegenstand, ob sie sich nun dezentral oder zentral, hierarchisch oder von der Basis her organisiert. Eine "Hermeneutik des Verdachts", die bestimmten oder allen religiösen Stimmen von vornherein Täuschung oder Selbsttäuschung vorwirft, trägt zum Erkenntnis m.W. wenig bei, sondern immunisiert nur die Weltanschauung des Urteilenden. Ich erlebe das verblüffenderweise immer wieder im Bezug auf religiöses Verhalten und religiöse Aussagen von Frauen - wenn ich diese präsentiere, wird oft vermutet, diese ließen sich ja nur manipulieren, wüßten gar nicht, was sie sagen oder tun etc.
Dagegen vertrete ich die simple These, dass wir zunächst einmal Aussagen auch von religiösen Menschen (inkl. Funktionären von Religionsgemeinschaften) Ernst nehmen sollten, bevor wir sie be- oder abwerten.
Und so ist natürlich auch jede Religionsgemeinschaft Forschungsgegenstand, ob sie sich nun dezentral oder zentral, hierarchisch oder von der Basis her organisiert. Eine "Hermeneutik des Verdachts", die bestimmten oder allen religiösen Stimmen von vornherein Täuschung oder Selbsttäuschung vorwirft, trägt zum Erkenntnis m.W. wenig bei, sondern immunisiert nur die Weltanschauung des Urteilenden. Ich erlebe das verblüffenderweise immer wieder im Bezug auf religiöses Verhalten und religiöse Aussagen von Frauen - wenn ich diese präsentiere, wird oft vermutet, diese ließen sich ja nur manipulieren, wüßten gar nicht, was sie sagen oder tun etc.
Dagegen vertrete ich die simple These, dass wir zunächst einmal Aussagen auch von religiösen Menschen (inkl. Funktionären von Religionsgemeinschaften) Ernst nehmen sollten, bevor wir sie be- oder abwerten.
blume-religionswissenschaft - 19. Mrz, 08:33
@ "Sprengkraft Internet"
Damit meine ich, dass das Internet Kommunikations-, Diskussions- und damit Kulturformen grundlegend verändert, vorhandene Strukturen (beispielsweise in den Medien, aber auch in den Jugendkulturen) aufsprengt und neue Formen hervorbringt.
Sehr gestaunt habe ich in diesem Zusammenhang über neuere Entwicklungen in den USA, gerade auch auf dem Gebiet der politischen Kultur!
(Reisebericht hier: http://religionswissenschaft.twoday.net/topics/USA+IVLP+2009/ )
Sehr gestaunt habe ich in diesem Zusammenhang über neuere Entwicklungen in den USA, gerade auch auf dem Gebiet der politischen Kultur!
(Reisebericht hier: http://religionswissenschaft.twoday.net/topics/USA+IVLP+2009/ )
Erdlicht (Gast) - 19. Mrz, 14:56
Kulturformen
Hallo Michael,
„Kirche verstehen“ weiß ich wirklich nicht, wo und wie ansetzen. Aber das scheint dir, in Anbetracht ein paar vorstellten Möglichkeiten, auch nicht anders zu gehen. Eine Lehre wissen, bedeutet nicht unbedingt verstehen, bzw. Einklang erleben. Reibung ist wie Salz in der Suppe. Nur versalzen taugt nicht. Und ich habe das Wollen, nicht deinerseits erwähnte Schnitzer zu bringen. Humoriges, wie „Explosionsgefahr“ zur Sprengkraft nimmst du mir hoffentlich nicht übel. Das bedeutete nämlich nicht, dass ich dich in dem was du mitteilen wolltest, nicht ernst genommen habe. Äußerungen von Frauen...? Ich weiß nicht! Bspw. Körperausstiegserfahrungen, ggf. auslösend durch Gewalterfahrung ...und dann ist MystikerIn? Vorbehaltlos bin ich zu Solchem nicht. Noten von Gott braucht auch erst mal eine von Menschen gemachte Gottesvorstellung. Es hat kein Mann im Mond Steintafeln diktiert, auf Herzen geschrieben. Gesetze und Ordnungen ergaben sich immer von realem und sinnbildlichem Klima, Gefahren, etc., wurden teilweise abgewandelt zum Ritual, werden weiter praktiziert, wobei das Ursächliche oft in Vergessenheit geraten ist. Es gilt u. a. auch für Taufe. Johannes war kein Täufer. Jüdisch war Selbstuntertauchen. Apostel tauften dann anders, wie überlieferter Jesus vorgeblich beauftragte. Begießung war gemäß apogryphem Text zunächst nur als Alternative bei fehlendem Wasser, wurde aber nach Katakombenfeststellungen nicht an Säuglingen praktiziert. Das war Folge der Juden unbekannten Erbsündenlehren, nach der die Säuglinge unbewässert verloren gehen. Christentum steht auf vielen Lügen, Drohung, Zwang, was nie ein Gott veranlasst hat.
Hindus können inzwischen, statt im Ganges, auch virtuell Sünden abwaschen. Früher hatte man keine Wasserleitungen, Badewannen, aber Krankheitsgefährdung durch mangelnde Hygiene. Hin- und Her waren sicher immer dank Kriege, Heiraten, Beeinflussungen, Übernahme von Gedankengut. Insoweit sind heutige Abschottungen, zur Reinerhaltung jeweliger Religion witzig. Keiner wird es besser wissen, wie du selbst, in Anbetracht regulärem Studium.
Shalom
„Kirche verstehen“ weiß ich wirklich nicht, wo und wie ansetzen. Aber das scheint dir, in Anbetracht ein paar vorstellten Möglichkeiten, auch nicht anders zu gehen. Eine Lehre wissen, bedeutet nicht unbedingt verstehen, bzw. Einklang erleben. Reibung ist wie Salz in der Suppe. Nur versalzen taugt nicht. Und ich habe das Wollen, nicht deinerseits erwähnte Schnitzer zu bringen. Humoriges, wie „Explosionsgefahr“ zur Sprengkraft nimmst du mir hoffentlich nicht übel. Das bedeutete nämlich nicht, dass ich dich in dem was du mitteilen wolltest, nicht ernst genommen habe. Äußerungen von Frauen...? Ich weiß nicht! Bspw. Körperausstiegserfahrungen, ggf. auslösend durch Gewalterfahrung ...und dann ist MystikerIn? Vorbehaltlos bin ich zu Solchem nicht. Noten von Gott braucht auch erst mal eine von Menschen gemachte Gottesvorstellung. Es hat kein Mann im Mond Steintafeln diktiert, auf Herzen geschrieben. Gesetze und Ordnungen ergaben sich immer von realem und sinnbildlichem Klima, Gefahren, etc., wurden teilweise abgewandelt zum Ritual, werden weiter praktiziert, wobei das Ursächliche oft in Vergessenheit geraten ist. Es gilt u. a. auch für Taufe. Johannes war kein Täufer. Jüdisch war Selbstuntertauchen. Apostel tauften dann anders, wie überlieferter Jesus vorgeblich beauftragte. Begießung war gemäß apogryphem Text zunächst nur als Alternative bei fehlendem Wasser, wurde aber nach Katakombenfeststellungen nicht an Säuglingen praktiziert. Das war Folge der Juden unbekannten Erbsündenlehren, nach der die Säuglinge unbewässert verloren gehen. Christentum steht auf vielen Lügen, Drohung, Zwang, was nie ein Gott veranlasst hat.
Hindus können inzwischen, statt im Ganges, auch virtuell Sünden abwaschen. Früher hatte man keine Wasserleitungen, Badewannen, aber Krankheitsgefährdung durch mangelnde Hygiene. Hin- und Her waren sicher immer dank Kriege, Heiraten, Beeinflussungen, Übernahme von Gedankengut. Insoweit sind heutige Abschottungen, zur Reinerhaltung jeweliger Religion witzig. Keiner wird es besser wissen, wie du selbst, in Anbetracht regulärem Studium.
Shalom
Erdlicht (Gast) - 19. Mrz, 20:26
Ingo Sprache
Deine Kapierunfähigkeit fällt absolut nicht in meinen Zuständigkeitsbereich.. Spar dir deine Mühe.
Shalom
Shalom
kp (Gast) - 19. Mrz, 08:05
re: @christianschenk
Web mehr als Informationsvermittlung oder Informationsquelle?
Es gibt sehr viele Beispiele, die zeigen, dass das Web von Gläubigen schon recht früh - auch für das Praktizieren ihrer jeweiligen Religion - entdeckt wurden. So feierten Wicca schon in den 90er Jahren z.B. Lammas online. Ebenfalls in den 90er Jahren gab es bereits im Web erste Wallfahrten, man konnte eine Online Puja buchen, in virtuellen Tempeln eine Kerze anzünden oder online beichten. Heute gibt es natürlich noch mehr. All dies wird auch von einigen (wenigen) Religionswissenschaftlern darauf hin erforscht, ob und welche Bedeutung dies für religiöse Menschen hat. Sicherlich ist dies etwas anderes als eine direkte Teilnahme an Ritualen. Das muss aber nicht heißen, dass nur weil es etwas anderes ist, es nicht Ausdruck von Religiosität ist.
Welchen Stellenwert dies dann im gelebten Glauben der jeweiligen Menschen insgesamt hat muss sicherlich weiter erforscht werden. Das passiert auch schon. Es fanden bereits einige Tagungen rund um "Online-Religion und Ritual online" statt und gerade bei Religionen, die auch missionieren stellt sich durchaus die Frage, ob ein Webangebot bloßen "Informationscharakter" hat oder schon "missionarischen Charakter" hat? Die Grenzen sind sicherlich fließend. Wenn z.B. Funktionsträger von Religionen Predigten und Reden nach YouTube hochladen: ist das dann ein reines Informationsangebot oder erfüllt es zumindest einen ähnlichen Zweck, wie die gleiche Predigt, wenn sie im sogennanten RL verfolgt wird?
Es gibt sehr viele Beispiele, die zeigen, dass das Web von Gläubigen schon recht früh - auch für das Praktizieren ihrer jeweiligen Religion - entdeckt wurden. So feierten Wicca schon in den 90er Jahren z.B. Lammas online. Ebenfalls in den 90er Jahren gab es bereits im Web erste Wallfahrten, man konnte eine Online Puja buchen, in virtuellen Tempeln eine Kerze anzünden oder online beichten. Heute gibt es natürlich noch mehr. All dies wird auch von einigen (wenigen) Religionswissenschaftlern darauf hin erforscht, ob und welche Bedeutung dies für religiöse Menschen hat. Sicherlich ist dies etwas anderes als eine direkte Teilnahme an Ritualen. Das muss aber nicht heißen, dass nur weil es etwas anderes ist, es nicht Ausdruck von Religiosität ist.
Welchen Stellenwert dies dann im gelebten Glauben der jeweiligen Menschen insgesamt hat muss sicherlich weiter erforscht werden. Das passiert auch schon. Es fanden bereits einige Tagungen rund um "Online-Religion und Ritual online" statt und gerade bei Religionen, die auch missionieren stellt sich durchaus die Frage, ob ein Webangebot bloßen "Informationscharakter" hat oder schon "missionarischen Charakter" hat? Die Grenzen sind sicherlich fließend. Wenn z.B. Funktionsträger von Religionen Predigten und Reden nach YouTube hochladen: ist das dann ein reines Informationsangebot oder erfüllt es zumindest einen ähnlichen Zweck, wie die gleiche Predigt, wenn sie im sogennanten RL verfolgt wird?
Christian Schenk (Gast) - 19. Mrz, 14:38
re: @kp
Tatsächlich bin ich kein Religionswissenschaftler und weiß auf dem Gebiet natürlich nicht so ausführlich bescheid wie ihr. Ich lerne aber gerne dazu ;) und freue mich, wenn meine Vermutungen widerlegt werden und davon erzählt wird, wie es tatsächlich um einen Sachverhalt bestellt ist. Diese Informationen helfen mir weniger vermuten zu müssen und tragen zu einer (etwas) fundierteren Meinung bei.
Um ein bisschen auszuholen, war ich über einen Tweet auf ein Forum aufmerksam geworden, mit dem die Senatorin für Bildung und Wissenschaft von Bremen Renate Jürgens-Pieper zum einen die politischen Parteien ihre Meinung zum Fach Religion ("Biblischer Geschichtsunterricht"), Philosophie und Islamkunde in der Schule darstellen lässt, aber auch an den Meinungen und Vorschlägen der Bürger interessiert ist.
Was ich dort teilweise gelesen habe, fand ich in sofern erschreckend, als mancher Atheist - die Weisheit gepachtet - den Religionsunterricht von der Schule am liebsten ganz verbannen oder doch zumindest durch einen - wie auch immer gearteten - Ethikunterricht ersetzen würde. Dies baute oft auf mehr oder weniger guten Informationen auf, die schnell als Unwissen und reine Aus-dem-Bauch-heraus-Entscheidung gepaart mit Ich-bin-einfach-mal-dagegen-Stimmung entlarvt werden konnte. Mir ist unklar, wie schnell offenbar Meinungen gebildet werden - nachfragen oder verbessert werden von Experten halte ich da für sinnvoller.
Ganz im Sinne eines vorherigen Kommentars von Dr. Blume bin ich davon überzeugt, dass eine Diskussion - wie sie meiner Meinung nach bspw. in dem Forum geführt werden sollte und an manchen Stellen tatsächlich auch geführt wird - am meisten bringt, wenn nicht festgefahrene Standpunkte aufeinanderprallen, sondern man möglichst vorurteilsfrei (Stichwort "Unterstellte Täuschung") gemeinsam überlegend eine Lösung/einen Kompromiss findet.
Um ein bisschen auszuholen, war ich über einen Tweet auf ein Forum aufmerksam geworden, mit dem die Senatorin für Bildung und Wissenschaft von Bremen Renate Jürgens-Pieper zum einen die politischen Parteien ihre Meinung zum Fach Religion ("Biblischer Geschichtsunterricht"), Philosophie und Islamkunde in der Schule darstellen lässt, aber auch an den Meinungen und Vorschlägen der Bürger interessiert ist.
Was ich dort teilweise gelesen habe, fand ich in sofern erschreckend, als mancher Atheist - die Weisheit gepachtet - den Religionsunterricht von der Schule am liebsten ganz verbannen oder doch zumindest durch einen - wie auch immer gearteten - Ethikunterricht ersetzen würde. Dies baute oft auf mehr oder weniger guten Informationen auf, die schnell als Unwissen und reine Aus-dem-Bauch-heraus-Entscheidung gepaart mit Ich-bin-einfach-mal-dagegen-Stimmung entlarvt werden konnte. Mir ist unklar, wie schnell offenbar Meinungen gebildet werden - nachfragen oder verbessert werden von Experten halte ich da für sinnvoller.
Ganz im Sinne eines vorherigen Kommentars von Dr. Blume bin ich davon überzeugt, dass eine Diskussion - wie sie meiner Meinung nach bspw. in dem Forum geführt werden sollte und an manchen Stellen tatsächlich auch geführt wird - am meisten bringt, wenn nicht festgefahrene Standpunkte aufeinanderprallen, sondern man möglichst vorurteilsfrei (Stichwort "Unterstellte Täuschung") gemeinsam überlegend eine Lösung/einen Kompromiss findet.
kp (Gast) - 19. Mrz, 16:14
Religionsunterricht
Das geht jetzt etwas OT (sorry @Michael Blume): ich habe mir leider dieses bremische Diskussionsforum noch nicht anschauen können und rechne auch nicht ernsthaft damit, dass ich in den kommenden Wochen dazu kommen werde. Deswegen kann ich mir natürlich kein Urteil dazu erlauben.
Ob es in der Frage des Religionsunterrichts tatsächlich einen Kompromiss der unterschiedlichen Ansichten geben kann ist sicher fraglich, denn es ist eine Grundsatzfrage, ob man einen religiösen Religionsunterricht haben möchte oder einen konfessionsfreien Religionenunterricht (natürlich gibt es immer auch welche, die nichts dergleichen wollen) unterrichtet von Lehrern, die gerade keine Theologen sind. Auch das Konzept eines Ethikunterrichts als "Ersatzunterricht" könnte man durchaus in Frage stellen. Vor einigen Jahren gab es dazu auch mal eine Stellungnahme (entweder von den Grünen oder sogar von der DVRW - ich erinnere mich aber nicht mehr genau). Dort wurde bemängelt, dass die Schüler, die den Ethikunterricht besuchen immer über das "nicht" definiert werden und der Eindruck vermittelt würde, dass ein konfessioneller Religionsunterricht so aussehen würde als sei es ein Recht der Kirchen, obwohl es ein Privileg sei und kein Recht. Beim Ethikunterricht stellt sich sicherlich die Frage, ob da nicht das Christentum durch die Hintertür doch wieder hineinkommt, z.B. innerhalb der Ausbildung der Ethiklehrer. Aber ich bin da beileibe keine Fachfrau für.
Ansonsten stimme ich dir natürlich zu, dass Mutmaßen immer etwas kritisch ist.
Ob es in der Frage des Religionsunterrichts tatsächlich einen Kompromiss der unterschiedlichen Ansichten geben kann ist sicher fraglich, denn es ist eine Grundsatzfrage, ob man einen religiösen Religionsunterricht haben möchte oder einen konfessionsfreien Religionenunterricht (natürlich gibt es immer auch welche, die nichts dergleichen wollen) unterrichtet von Lehrern, die gerade keine Theologen sind. Auch das Konzept eines Ethikunterrichts als "Ersatzunterricht" könnte man durchaus in Frage stellen. Vor einigen Jahren gab es dazu auch mal eine Stellungnahme (entweder von den Grünen oder sogar von der DVRW - ich erinnere mich aber nicht mehr genau). Dort wurde bemängelt, dass die Schüler, die den Ethikunterricht besuchen immer über das "nicht" definiert werden und der Eindruck vermittelt würde, dass ein konfessioneller Religionsunterricht so aussehen würde als sei es ein Recht der Kirchen, obwohl es ein Privileg sei und kein Recht. Beim Ethikunterricht stellt sich sicherlich die Frage, ob da nicht das Christentum durch die Hintertür doch wieder hineinkommt, z.B. innerhalb der Ausbildung der Ethiklehrer. Aber ich bin da beileibe keine Fachfrau für.
Ansonsten stimme ich dir natürlich zu, dass Mutmaßen immer etwas kritisch ist.
Erdlicht (Gast) - 19. Mrz, 21:37
http://snipurl.com/desk4
Kp
Beim Ethikunterricht stellt sich sicherlich die Frage, ob da nicht das Christentum durch die Hintertür doch wieder hineinkommt, z.B. innerhalb der Ausbildung der Ethiklehrer.
Kerstin, genau das habe ich, inhaltlich in deinerseits unverstandem Kommentar mitgeteilt. "Die" Objektivität, "die" Supjektivität, "die" Neutralität, gibt es nicht.
Verleugnung kann nicht zur Echtheit führen, soll auch nicht sein. Besser bemühen, wie perfekt.
Beim Ethikunterricht stellt sich sicherlich die Frage, ob da nicht das Christentum durch die Hintertür doch wieder hineinkommt, z.B. innerhalb der Ausbildung der Ethiklehrer.
Kerstin, genau das habe ich, inhaltlich in deinerseits unverstandem Kommentar mitgeteilt. "Die" Objektivität, "die" Supjektivität, "die" Neutralität, gibt es nicht.
Verleugnung kann nicht zur Echtheit führen, soll auch nicht sein. Besser bemühen, wie perfekt.
blume-religionswissenschaft - 20. Mrz, 16:41
@ Christian Schenk
Ich finde es klasse, dass Sie sich die Mühe machen, sich zu informieren, zu recherchieren etc. Denn Sie haben Recht: Gerade bei religionsbezogenen und also stets auch emotionalen Themen besteht immer die Gefahr, dass sich die Lager schnell sortieren und nur noch Schlagworte austauschen. Inseln der Reflektion und des echten Gedankenaustauschs werden daher zunehmend selten & wertvoll.
Christian Schenk (Gast) - 21. Mrz, 15:54
re:
Ich finde es klasse, dass Sie sich die Mühe machen, sich zu informieren, zu recherchieren etc.Über das Buch "Die Vermessung des Glaubens" bin ich überhaupt erst auf diesen Blog aufmerksam geworden. Nebenbei gesagt gefällt mir das Buch sehr gut und ich werde es bei Gelegenheit Interessierten weiter empfehlen.
Letztlich bleibt natürlich die Frage, wann man mit der Informationsbeschaffung aufhören möchte. Aktuell beschäftige ich mich sehr gerne mit allem, was Glaube, Religion, etc. anbelangt und somit lese ich fleißig die etlichen Bücher, die alleine von DVdG referenziert werden.
blume-religionswissenschaft - 21. Mrz, 17:07
Vermessung des Glaubens
Ja, das Buch von Schnabel fand ich auch sehr gut und habe es auch hier auf dem Blog und in amazon mit besten Empfehlungen rezensiert.
Danke auch für die schöne Leseliste, da sind interessante Titel dabei! Der von Rüdiger Vaas und mir (Gott, Gene und Gehirn) hat es leider bisher nicht geschafft... ;-)
Nochmal: Danke für Ihr Interesse an Religionswissenschaft, das ist sehr ermutigend!
Danke auch für die schöne Leseliste, da sind interessante Titel dabei! Der von Rüdiger Vaas und mir (Gott, Gene und Gehirn) hat es leider bisher nicht geschafft... ;-)
Nochmal: Danke für Ihr Interesse an Religionswissenschaft, das ist sehr ermutigend!
Christian Schenk (Gast) - 21. Mrz, 18:08
re: Leseliste
Die Liste enthält nur Bücher, die explizit in Vermessung des Glaubens erwähnt werden. Meine allgemeine Noch-zu-lesen-Liste ist viel länger und enthält nun - recht weit oben - auch ihr Buch ;)
Nochmal: Danke für Ihr Interesse an Religionswissenschaft, das ist sehr ermutigend!Ich habe für die interessanten Informationen zu danken. Von meiner Seite aus also: machen Sie weiter so, ich lese gerne mit.
kp (Gast) - 21. Mrz, 11:46
Passend zum Thema
"Evangelization 2.0" (http://is.gd/ojas) in der Catholic Sun.
Kunar - 27. Mrz, 21:48
Ohren zu hören und Augen zu sehen...
...muss man schon haben. Es ist kurios, dass es im Internet als eigentlich "freiheitlichen" Medium nicht geklappt hat, den Sachverhalt nach einiger Aufregung richtig darzustellen. Das spricht gegen die Idee der automatischen Selbstkorrektur oder dass Offenheit immer zur Wahrheit führt.
Der wesentliche Fehler des Papstes bestand darin, die Bedeutung heutiger Kommunikationswege nicht sofort richtig eingeschätzt zu haben. Früher konnte man Entscheidungen verkünden. Heute muss man sie auch erklären.
Ich hätte allerdings nicht gedacht, das Eingeständnis dieses Fehlers so direkt und deutlich in meiner Tageszeitung lesen zu können. Für viele andere ist das natürlich irrelevant: Wenn der Papst etwas richtiges macht, dann ist das eben "zu wenig, zu spät". Dass Leute nicht offen für solche ungewöhnlichen Meldungen sind, ist m.E. der entscheidende Grund, warum es nicht reicht, ein offenes Medium zu haben. Entscheidend ist, dass man Botschaften, die gegen die persönliche Überzeugung (hier: pauschale Papstablehnung) sind, auch wahrzunehmen bereit ist.
Der wesentliche Fehler des Papstes bestand darin, die Bedeutung heutiger Kommunikationswege nicht sofort richtig eingeschätzt zu haben. Früher konnte man Entscheidungen verkünden. Heute muss man sie auch erklären.
Ich hätte allerdings nicht gedacht, das Eingeständnis dieses Fehlers so direkt und deutlich in meiner Tageszeitung lesen zu können. Für viele andere ist das natürlich irrelevant: Wenn der Papst etwas richtiges macht, dann ist das eben "zu wenig, zu spät". Dass Leute nicht offen für solche ungewöhnlichen Meldungen sind, ist m.E. der entscheidende Grund, warum es nicht reicht, ein offenes Medium zu haben. Entscheidend ist, dass man Botschaften, die gegen die persönliche Überzeugung (hier: pauschale Papstablehnung) sind, auch wahrzunehmen bereit ist.



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