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Montag, 9. März 2009

Großes Interesse an Duisburger Moschee

Ängste, erbitterte Diskussionen, dann Interesse und Begegnung - so könnte man den Verlauf (auch) des Duisburger Moscheebauprojektes beschreiben. Nach Fertigstellung ist der Bau zu einem Besuchermagneten geworden, mehr als 50.000 Besucher waren seit der Eröffnung am 26.10.2008 durch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers bereits da.

Ein Bericht des Kölner Stadtanzeigers (Neugier auf Duisburgs große Moschee) per Klick hier.

Trackback URL:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5556777/modTrackback

Zingtoh - 9. Mrz, 19:04

mal ne ganz blöde Frage in meinem Weltbild sind Religion und Wissenschaft zwei unterschiedliche Planeten das Wort Religionswissenschaft also ein absolutes unding, denn alles was ich über wissenschaftliches Arbeiten weiss schliesst so ziemlich alles aus, was nur durch glauben erklärbar wäre allein schon die komplette Empirik würde als wissenschaftliche Methode wegfallen, magst du mir das erklären?

Es ist ganz einfach...

Religiöses Verhalten ist ein weltweit beobachtbares Phänomen, also wissenschaftlich erforschbar. Wir Religionswissenschaftler gehen (im Gegensatz z.B. zu Theologen oder einigen Philosophen) dabei gar nicht von bestimmten Glaubensannahmen aus, sondern erforschen religiöses Verhalten an sich z.B. mit Mitteln der Soziologie, Psychologie, Sprach- und Geschichtswissenschaften und zunehmend auch der Neuro- und Evolutionsbiologie. Wo kommt Religion her? Wie und warum ist sie entstanden? Wie wirkt sie sich heute aus? Wie vergleichbar oder unterschiedlich entwickeln sich Religionsgemeinschaften, und was sind die Faktoren dafür? Solche und zahlreiche andere Fragen versuchen wir zu beantworten und erheben dazu Unmengen an Beobachtungen und Daten.

Eine aktuelle Titelgeschichte dazu (auch zum kostenfreien Download) hier:
http://www.chronologs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens/allgemein/2009-03-07/zum-glauben-geboren-forscher-ergr-nden-die-evolution-der-religion

Herzliche Grüße!
Erdlicht (Gast) - 10. Mrz, 00:56

born

Probleme beginnen meines Erachtens schon damit, das nichtmals der Begriff Religion eindeutig definiert ist.
Sauber sortieren scheint schwierig. Letztlich geht es ja auch gar nicht um einen Gott, weil nie einer real gesprochen hat.
Es geht um Gottesvorstellungen.

Affen beten keine Gottvorstellung an. Entstehung war mit ziemlicher Sicherheit, mit Sprache und Denken: "Woher, warum, wohin?" Nähere Festlegung erfolgte mit Aufgabe von Nomadenleben, Verstädterung, Schreibfähigkeit, Gesetzesfestlegung auf Steintafeln, zwecks Regelung des Zusammenlebens. Hygieneprobleme in Wüstengebiete, fehlende Wasserleitungen, Salzmangel, fehlende Technik zur Himmelsbeobachtung, haben viel Beitrag geliefert. In Anbetracht der damals fehlenden Mittel, scheinen mir Erkenntnisse derzeitiger Menschen beachtenswert. Ohne diese wäre auch nicht, was heute ist.
Bestimmend für einzelnen Menschen sind letztlich seine Prägungen in Zeit und Umfeld. Selbst definiere ich Religion heute als achtgeben und prüfen, in Unabhängigkeit von Religionszugehörigkeit.
Mit Glaube "Fürwahrhalten, Überzeugung", Glaubensbekenntnissen, fange ich wenig an. Vertrauen ist nicht Gleiches und für mich maßgeblicher. Da dies aber auch für viele Mitglieder einer Religionszugehörigkeit so ist, weiß ich nicht, wie da wirklich etwas erforschbar ist.
Dann kann es doch bspw. auch sein, dass eine Frau sich viele Kinder anschafft, nur um dazuzugehören, nicht als Ungläubige zu gelten. Gewohnheit, Anpassung, ist doch überall wesentlich. Als junge Frau war ich in einer Baptistengemeinde, habe irrsinnig an Kinderlosigkeit gelitten.
In anderem Umfeld, ohne Diktat "Wachset und mehret euch!!" wäre es vielleicht weniger schlimm gewesen. Heute habe ich ca. 25 Jahre (auch zum Bekenntniskonzept) Abstand. Aber in Erinnerung desselben, brrr....dann kommt noch manchmal Ärger auf. Und das bedeutet nicht, dass ich da auch netten Menschen begegnet bin, restlos alles verworfen, vergessen habe.
Kommt aber heute bspw. ein Militärbischof mit Gebärmaschinen bin ich je nach Tagesverfassung auch mal HB-Männchen.

Ansonsten: Entweder weiß ich oder ich weiß nicht. Mein Wissen bezieht sich dann auf Erforschung von Begriffsdefinitionen, bspw. mit Ergebnis, Gott= Wasser, Kondensation, Bewegung....wohl wollen und werdend. Jüngster Tag ist heute, Jenseits der nächste Augenblick. Das ist meine Grundsubstanz, mit ca. 2/3 Wasser im Körper. Festlegung Gott =Liebe lehne ich bspw. ab. Theodizeeproblem! Dazwischen ist Hypothese, mit der ich nichts behaupten kann. Und ich lehne auch ab, wenn man mir mit Behauptungen, ohne sachlichen Beweis, mit Grundlage sogenannter religiöser Gefühle, etwas überzubraten sucht.
Das der konservative Glaubensvertreter umgekehrt Gleiches empfinden kann, wenn er mit Wissenschaft konfrontriert wird, ist mir deutlich. Mitte und Ausgleich finden ist nicht leicht.
Namaste


.

Definition Religiosität

Liebes Erdlicht,

danke für den Beitrag. In der Evolutionsforschung definieren wir Religiosität inzwischen sehr klar als (beobachtbares) "Verhalten zu übernatürlichen Akteuren", wobei letztere Ahnen, Geister, Götter, Außerirdische, Dämonen, Engel, Gott usw. umfassen.

Natürlich kann Wissenschaft immer nur Annäherung an Phänomene leisten, aber das sollte sie auch tun.

Herzliche Grüße!
mona (Gast) - 10. Mrz, 10:13

Erforscht die Religionswissenschaft auch Metaphysik (Philosophie des Seins)?
Theologie und Philosophie werden ja oft als miteinander konkurrierende Wissenschaften angesehen. Mich würde deshalb interessieren wie die Religionswissenschaft mit diesem Spagat umgeht. Ich meine der philosophische Gottesbeweis ist zwar für das religiöse Leben nicht erforderlich, wird aber von einer von wissenschaftlich-rationalem Denken geprägten Gesellschaft quasi eingefordert.

Gruß Mona
Erdlicht (Gast) - 10. Mrz, 14:12

Definition Religiiösität

Lieber Michael,
danke, jetzt ist der Knoten wenigstens mit Brille der Evolutionsforschung, für mich, gelöst. Davon abgesehen weiß ich mich auch selbst entsprechend einzuordnen. Mit realen überirdischen Akteuren hatte ich wissentlich noch keinen Kontakt. Ich führe allenfalls Selbstgespräch mit der Bewegungsenergie Wasser in mir und mein leibhaftiger B(E)ngel hat Lungenflügel. Für Teufel und Dämonen habe ich heute ohnehin keine Zeit.

Ich wünsche schönes Purimfest. :-)
Purim (pers.-hebr. "Lose“)
Erinnerung an Rettung der Juden in Persien (5. Jh. v. d. Z)
heute 14. Adar ( 10.03.09 )
Purim wird nicht zwischen Gut und Böse unterschieden.

Namaste

@ mona: Gute Frage!

Eine Kuzantwort: Religionswissenschaftler unterscheiden klar zwischen metaphysischen und empirischen Forschungsansätzen und die meisten sehen sich dem zweiten Ansatz (und also auch dem methodologischen Agnostizismus) verpflichtet. Aber zu der guten Frage mache ich nächste Woche auch einen eigenen Beitrag, okay!?

Danke für die Anregung!

@ Erdlicht

Danke, das setzt sich derzeit durch. Habe es auch in NdG nochmal gepostet.
Erdlicht (Gast) - 11. Mrz, 07:05

Wortglauberei ganz einfach?:-))

Lieber Michael,

iWeltweit beobachtbar? Welt=Universum, Hat das Universum keine Grenzen gibt es keinen Weltraum, keinen Zeitraum und dann weiß ich auch nicht was Weltanschauung, bzw. was „überirdisch“ ist. Ein noch völlig unzureichend erforschtes Gehirn, kann kein Gehirn eines Höheren (soweit es das gibt)erforschen. Die bösen Geister sollten nach alten Vorstellungen nicht überirdisch, sondern unterirdisch, im Erdinneren, d. h. in der Hölle =Göttin Hel sein.
Was ist mataphysisch =inmateriell? Die Wolke, in der Gott lt. Überlieferung aus Ägypten führte, war nicht inmateriell. Woke = Kondensation, Staub. Es ist keine Kondensation ohne Staub!

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