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Dienstag, 27. Januar 2009

Eissturm in Tulsa, Oklahoma

Von den sonnengefluteten Stränden Miamis in einem Flugtag (mit Umstieg über Dallas) eine Zeit- und Klimazone weiter in einen Eissturm in Oklahoma - was für ein vielfältiges Land! Leider mußten heute einige Programmpunkte ausfallen, weil Straßen und Wege unpassierbar wurden, auch die Stromversorgung und Internetverbindung fiel zeitweise aus (daher das späte Einstellen des Beitrags, sorry). Und doch hätte das Erlebte und Erlernte wieder für einige Blogbeiträge gereicht.

So lernten wir die Stadt Tulsa kennen, deren Aufstieg im 20. Jahrhundert Ölfunden und damit verbundenem Maschinenbau zu verdanken war, verewigt u.a. im Standbild eines Ölbohrers. Im Vordergrund Muhanned Al Munaizel, der beeindruckend junge PR-Chef des Premierministers aus dem schönen (und heute noch ölreichen) Königreich Bahrain - der Chance zu dieser Bildkomposition konnte ich nicht widerstehen. ;-)

Tulsa war laut Selbstbezeichnung einmal die "Ölhauptstadt der Welt" und an diese Zeit erinnert u.a. das Monument eines Ölbohrers. Im Vordergrund Muhanned, ein Freund aus Bahrain.

Oklahoma ist ein tiefroter (d.h. hier republikanischer) Staat des südlichen Bibelgürtels - die eigentlichen politischen Kontroversen finden hier zwischen moderaten und rechtskonservativen Republikanern statt. Hispanische Zuwanderer, häufig illegal eingereist und teilweise seit Jahrzehnten ohne stabilen Rechtsstatus, tragen maßgeblich zur Wirtschaftskraft bei und bilden bereits ein knappes Fünftel der Gesamtbevölkerung, werden aber zugleich fehlender Bildung und der Entstehung von Parallelgesellschaften geziehen. Im Bild eine Ausgabe der Hispano de Tulsa - eine zweisprachige (englisch-spanische) Lokalzeitung.

Die Hispano de Tulsa ist eine zweisprachige (englisch-spanische) Lokalzeitung in Tulsa, Oklahoma, USA.

Die afroamerikanische Bevölkerung geht maßgeblich auf Sklaven zurück, die von Native Americans erworben und (zum Teil auf deren Flucht vor weißen Siedlern) in die Region gebracht wurden - aus den zahlreichen Mischehen zwischen Indianern und schwarzen Sklaven ging gar eine eigenständige Schicht der Freedmen ("befreite Leute") hervor. Zumal viele afroamerikanische und Freedmen-Familien vor der Ankunft weiterer , v.a. weißer Zuwanderer bereits Land und Zugang zu Bildung besaßen, entstand hier in Tulsa im Rahmen der Segregation ein besonders erfolgreicher, schwarzer Stadtteil: Greenwood wies (neben einiger Armut) auch eine Rekordzahl schwarzer Unternehmer, Künstler, Mediziner und Anwälte auf und wurde als "schwarze Wallstreet" bekannt. Aber 1921 kam es zu schweren Rassenunruhen, den Tulsa Race Riots, in deren Verlauf die (weiße) Polizei auf Seiten der Mehrheit eingriff und große Teile Greenwoods zerstört, zahlreiche Menschen getötet wurden. Die folgende "Stadtentwicklung", zu der die Neuordnung des Grundbesitzes und der Bau einer Autobahn mitten durch Greenwood gehörten, besiegelte das Schicksal des einmaligen Stadtteils endgültig - heute erinnert nur noch eine kleine Stiftung und ein erhaltenes Haus der afroamerikanischen Oberschicht an eine einstmals besonders erfolgreiche, schwarze Gemeinde im Süden der USA. Allerdings berichten diese von einem wachsenden Interesse an der Geschichte Greenwoods sowohl von Schulklassen aus dem Nahbereich wie auch von historisch Interessierten aus dem In- und Ausland.

Greenwood war einmal eine besonders erfolgreiche, afroamerikanische Gemeinde in den USA, bevor sie 1921 durch Rassenunruhen zerstört wurde. Die Besichtigung des letzten erhaltenen (Oberschicht-)Hauses, das heute von einer Stiftung erhalten wird, empfand ich als sehr beeindruckend.

Dass sich trotz aller Konflikte ein gewisser Zusammenhalt der Stadt entwickelt hat, wurde von mehreren Gesprächspartnern vor allem den Kirchen zugesprochen, die sowohl in ethnisch getrennten wie gemischten Gemeinden auftreten und in Kontakten miteinander wie auch der Lokalverwaltung stehen. Sowohl persönliche Kontakte religiöser Funktionäre wie auch gemeinsame, spirituelle Erfahrungen (z.B. an Feiertagen) begründen einen Dialog des Alltags, der Grenzen nicht aufhebt, aber aufweicht. So befindet sich Tulsas große Universität nicht nur in privater Hand und beruft sich auf christliche Traditionen, sondern hat außer einer Kirche auch eine Moschee für seine Studenten errichtet. Unter dem Eindruck fremdenfeindlicher Gesetzgebungen haben sich zudem seit kurzem Hispanics, Afroamerikaner, Native Americans, Juden, Muslime, weitere Minderheiten mit aufgeschlossenen Weißen zu Allianzen wie der American Dream Coalition u.a. zusammen geschlossen - deren Arbeit u.a. erheblich dazu beitrug, dass Barack Hussein Obama (entgegen den Erwartungen vieler) auch Mehrheiten hispanisch-amerikanischer und jüdischer Stimmen gewinnen konnte. Und eine deutschsprachige Schilderung Tulsas wäre nicht komplett ohne den Hinweis auf eine immer noch lebendige deutsch-amerikanische Tradition in der Stadt, die u.a. in einer Anzahl (auch) deutschsprachiger Einwohner, einer deutsch-amerikanischen Gesellschaft und einer Partnerschaft mit der Stadt Celle ihren Ausdruck findet.

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