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Mittwoch, 24. Dezember 2008

Gottesdienstbesucher haben mehr Freunde als Nichtreligiöse

Berlin (idea, 12.12.2008) – Regelmäßige Gottesdienstbesucher haben einen größeren Freundeskreis und pflegen mehr Kontakte zu Nachbarn als nichtreligiöse Menschen. Das hat eine vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin) veröffentlichte Studie ergeben.

Dabei hat der Sozialwissenschaftler Richard Traunmüller von der Universität Konstanz erstmals empirisch untersucht, welche Bedeutung die Religion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland hat. Für seine Analyse griff er auf Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) am DIW zurück. Das SOEP ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die seit 25 Jahren läuft. Im Auftrag des DIW werden jährlich über 20.000 Personen in Deutschland befragt. Die Bedeutung der Religion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist der Studie zufolge immens. So ermögliche etwa die evangelische Kirche mit ihren flachen Hierarchien breites gesellschaftliches Engagement. Protestanten betätigten sich ehrenamtlich und in Vereinen häufiger als Katholiken und Muslime. Letztere beide Gruppen knüpften hingegen eher informelle Netzwerke, setzten also eher auf Verwandtschaft und Freundschaft.

Religion hat „starke integrative Kraft“

„Auch wenn die großen Kirchen über Mitgliederschwund klagen, hat die Religion in Deutschland nach wie vor eine überraschend starke integrative Kraft“, so Traunmüller. Die Kirche biete eine organisatorische Plattform für vielfältige Aktivitäten: „Ob Chor, Elternkreis oder Schuldnerberatung – das wirkt positiv in die Gesellschaft und fördert das, was man als das ‚Soziale Kapital’ eines Menschen beziehungsweise einer Gesellschaft bezeichnet.“ Diese positiven Wirkungen gelten laut Traunmüller aber nur für die großen Glaubensgemeinschaften, nicht aber für religiöse Splittergruppen oder Sekten. Seiner Studie zufolge bleibt aber ein Wermutstropfen: Zwar stärke die Religion den gesellschaftlichen Zusammenhalt, aber die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Gebildeten und weniger Gebildeten werde auch hier nicht überwunden, denn in den Gemeinden fänden sich nicht nur Gleichgesinnte, sondern auch Gleichgestellte. Dies zeigten die Analysen der SOEP-Daten hinsichtlich Einkommen, Bildung, Alter und Berufsstatus.

Allen Blogleserinnen und -lesern wünsche ich auf diesem Wege freudvolle Feiertage im Kreise von Verwandten und Freunden!

Und Dir, liebe Elsa, ein besonderes Danke für Deine Blogrezension zu Gott, Gene und Gehirn! Ich war wirklich gespannt, ob Dir das Buch gefallen würde - und freue mich jetzt über eine starke Rückmeldung pünktlich zu Heilig Abend! Danke! :-)

Trackback URL:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5386426/modTrackback

AxelB - 24. Dez, 14:42

Hallo Michael,

nur ein kleiner Verbesserungsvorschlag. Es wäre sicher auch in deinem Interesse (und oft genug machst du das ja auch), wenn bei Presseerklärungen über wissenschaftliche Studien / Ergebnisse die tatsächlichen Primärstudien/Fachartikel auch verlinkt werden. Im folgenden Fall scheint es sich ja um das DIW-Paper "Religion als Ressource sozialen Zusammenhalts? Eine empirische Analyse der religiösen Grundlagen sozialen Kapitals in Deutschland" von Traunmüller zu handel, was man beim DIW unter
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/90639/diw_sp0144.pdf
runterladen kann.

Du hast vor einigen Tagen auch in einem anderen Thread auf den Science-Artikel "The Origin and Evolution of Religious Prosociality" von Ara Norenzayan und Azim F. Shariff hingewiesen. Auf der Homepage von Norenzayan kann man sich den (und noch andere von ihm zum gleichen Thema) runterladen:
http://www.psych.ubc.ca/~ara/research.htm

Schöne Feiertage! (Im Januar bin ich hoffentlich mit der Re-Analyse einiger deiner Demographie-Daten fertig, um mal etwas "kritisch-konstruktive" Kritik hier zu äußern)

Absolut!

Lieber Axel,

ja, das sehe ich ganz genau so! Allerdings mache (auch) ich ja die ganze Blogarbeit "ehrenamtlich" und nicht immer finde ich die Zeit, z.B. zu interessanten Meldungen auch noch die Links zu recherchieren. Da sind solche ergänzenden Postings Gold wert, danke!

Auf kritisch-konstruktive Kritik freue ich mich, wobei bereits einige Absolvierenden mit mir Kontakt aufgenommen haben, die z.B. im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten an weiteren und unabhängigen Datensätzen die aufgezeigten Korrelationen überprüfen. Das hat dann den doppelten Vorteil, dass es den Wissensstand weiter vertieft und noch dazu zu weiteren Veröffentlichungen beiträgt. Ein herausragendes Beispiel hierfür war z.B. Dominik Enste vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln, der die These an den Daten des World Value Survey aus 82 Nationen testete - und eindeutig bestätigt fand. Bis März plane ich die Erweiterung der Homepage um eine Liste online zugänglicher Studien zu Religion-Demografie.

Herzliche Grüße!

Michael
Erdlicht (Gast) - 20. Feb, 23:36

Berlin (idea, 12.12.2008)..Die Evangelische Nachrichtenagentur Idea e.V. (eigene Schreibung idea; ehemals Informationsdienst der Evangelischen Allianz) ist eine evangelikale Nachrichtenagentur mit Sitz in Wetzlar (Hessen).

http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Nachrichtenagentur_Idea

Glaubensbekenntnis der evangelischen Allianz
http://www.ead.de/die-allianz/basis-des-glaubens.html

Jesus gehörte lt. Überlieferung der "Sekte" der Nazaräer. an. Damals war es kein abwertender Begriff. Inwieweit ist der von Traunmüller verwendete Begriff heute "integrierend" ?

Erwähnte Schuldnerberatung ist besser wie Mission. Die gibt es aber auch außerkirchlich.
In Gruppierungen im Umfeld evangelische Allianz (dazu gehört auch landeskirchliche Gemeinschaft) ist viel Programm, wie Chor, Bibelstunde, Gebetsstunde, Jungschar, usw. und viel Verwandtschaft, wie in kath. Kirche auf dem Dorf. Ansonsten ist eher Luther 15 Jh.
Der Prediger hat meist Bibelschulausbildung, wird u. U. genauso gut wie evangelischer Pfarrer bezahlt. Für soziales Handeln bleibt nicht viel. Chorlied, nach Diktat singen, macht noch keine Freunde.

Hier mal eine Seelsorgeseite, die vom Evangeliumsrundfunk
betreut wird.

Schrei.de
http://www.schrei.de/1204.0.html

Viel Kummer der Evangelikalen.

Dr. Blume

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