Rainer Hermann: Wohin geht die türkische Gesellschaft? Kulturkampf in der Türkei

Das politische Verhalten der Türken in der Türkei wie auch in ihren neuen Heimatländern hat längst große Bedeutung gewonnen, erschließt sich dem Blick von außen aber nicht gleich. Warum würden manche westlich gekleidete und gebildete Türken am liebsten die demokratisch gewählte Regierung ihres Landes stürzen? Warum hat das Militär dort eine so starke Stellung und wird das Verbot religiöser Kleidung und Symbole sowie von Minderheitensprachen oder auch nur -namen so massiv durchgesetzt? Und warum wiederum loben Deutschland, die EU und auch die Kirchen in der Türkei die Reformanstrengungen ausgerechnet der regierenden, islamisch geprägten Partei? Sind deren Demokratisierungsinitiativen ernsthaft gemeint, oder nur Teil einer verborgenen Agenda?
Seitdem ich das Buch von Rainer Hermann gelesen habe, kann ich Menschen mit solchen Fragen endlich guten Wissens ein einziges Buch empfehlen, das den inneren Konflikt der Türkei zwischen nationalistisch-säkularen Oberschichten und aufstrebenden Mittel- und Unterschichten von der Endzeit des Osmanischen Reiches über Atatürk bis in die heutige Zeit hinein nachvollziehbar schildert. Dabei beschränkt sich der langjährige FAZ-Korrespondent nicht auf die Politik, sondern bietet spannende Einblicke in Wirtschaft, Kultur und die Situation auch der Minderheiten. Vermisst habe ich lediglich ein paar wenige Grafiken beispielsweise zum (zunehmenden) Wirtschafts- und (abschmelzenden) Bevölkerungswachstum, der Arbeitslosigkeit, Wahlbeteiligung u.ä., um dem Leser die Entwicklungsdynamik und Herausforderungen des Landes aufzuzeigen. Nach praktischer wie wissenschaftlicher Erfahrung sowie der Lektüre Dutzender Türkeibücher darf ich schließen: Wer über das Land und seine derzeitige Entwicklung ernsthaft diskutieren will, sollte Hermann gelesen haben!
blume-religionswissenschaft - 14. Dez, 06:33
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Serdar (Gast) - 14. Dez, 07:51
Ich würde auch Günter Seuferts "Cafe Istanbul" empfehlen! Weiß aber nicht obs davon noch eine Auflage gibt.




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