Zitat Max Weber zu religiöser Musikalität
In einem Brief an den Soziologen Ferdinand Tönnies vom 19. Februar 1909 schreibt (der Religions-, Wirtschafts- und Musiksoziologe) Max Weber:
„Ich bin zwar religiös absolut unmusikalisch und habe weder Bedürfnis noch Fähigkeit, irgendwelche seelischen Bauwerke religiösen Charakters in mir zu errichten. Aber ich bin nach genauer Selbstprüfung weder antireligiös noch irreligiös.“
Gefunden in der Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler, Professor für Pastoraltheologie an der Universität Regensburg.
Die hohe Vergleichbarkeit der menschlichen Anlagen von Musikalität und Religiosität wird derzeit sowohl im Rahmen genetischer Zwillingsstudien wie biokultureller Evolutionsforschung vertieft. Verwiesen sei hierbei auf ein eigenes Kapitel in "Gott, Gene und Gehirn", wie auch auf die Arbeiten des Musikwissenschaftlers Wolfgang Bossinger.
„Ich bin zwar religiös absolut unmusikalisch und habe weder Bedürfnis noch Fähigkeit, irgendwelche seelischen Bauwerke religiösen Charakters in mir zu errichten. Aber ich bin nach genauer Selbstprüfung weder antireligiös noch irreligiös.“
Gefunden in der Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler, Professor für Pastoraltheologie an der Universität Regensburg.
Die hohe Vergleichbarkeit der menschlichen Anlagen von Musikalität und Religiosität wird derzeit sowohl im Rahmen genetischer Zwillingsstudien wie biokultureller Evolutionsforschung vertieft. Verwiesen sei hierbei auf ein eigenes Kapitel in "Gott, Gene und Gehirn", wie auch auf die Arbeiten des Musikwissenschaftlers Wolfgang Bossinger.
blume-religionswissenschaft - 10. Dez, 06:28
6 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Miriam (Gast) - 10. Dez, 21:31
Interessantes Zitat, auch wenn ich zugegeben jetzt zweimal drüber lesen musste, um den Sinn zu verstehen. Der Vergleich von Religion und Musikalität ist aber sehr treffend gewählt, wenn auch nicht ganz dem "Normalen", dem Usus entsprechend.
blume-religionswissenschaft - 11. Dez, 21:09
Ja, das ist neu...
...aber viel versprechend. Denn auch Musikalität ist ja eine biologische Veranlagung, die dann kulturell ausgeprägt wird. Und sie nimmt Funktionen wie Partnerwahl und -bindung, Wiedererkennung, Gruppen- und Revierabgrenzung wahr, die sich auch in religiösen Kontexten abbilden. Auch gehen religiöse und musikalische Formen regelmäßig Verbindungen ein, laut Befundlage mutmaßlich seit Jahrzehntausenden, und auch sprachlich werden sie verknüpft: Religiöse Virtuosen halten stimmige Predigten, in denen sie die religiösen Saiten der Glaubenden zum Schwingen bringen, Harmonie in der Gemeinschaft herzustellen versuchen usw.
Dagegen "klänge" (!) es weniger überzeugend, hätte sich Max Weber als religiös unsportlich oder religiös humorlos bezeichnet. Eine Spur, die sich m.E. im Hinblick auch auf künftige, religions- wie musikwissenschaftliche Forschungen zu verfolgen lohnt...
Dagegen "klänge" (!) es weniger überzeugend, hätte sich Max Weber als religiös unsportlich oder religiös humorlos bezeichnet. Eine Spur, die sich m.E. im Hinblick auch auf künftige, religions- wie musikwissenschaftliche Forschungen zu verfolgen lohnt...
Ingo (Gast) - 11. Dez, 17:38
Na, siehst Du,
und da hast Du exakt die Gemeinsamkeit, die Du selbst mit der Giordano-Bruno-Stiftung hast, sie und ihr Sprecher sind weder antireligiös, noch irreligiös, sie lehnen - ebenso wie R. Dawkins - nur eine ganz bestimmte Form von Religiosität ab.
(Freilich exakt auch die, um deren Erforschung sich Max Weber so viele Verdienste erworben hat: die protestantische.)
(Freilich exakt auch die, um deren Erforschung sich Max Weber so viele Verdienste erworben hat: die protestantische.)
blume-religionswissenschaft - 11. Dez, 21:04
Naja...
Also nach meinem Eindruck ist auch die Giordano-Bruno-Stiftung alles andere als ein weltanschaulich geschlossener Verband, da gibt es z.B. durchaus auch Stimmen, die pantheistischen Konzepten viel abgewinnen können und andere, die sie ablehnen. Eine Gemeinsamkeit, die ich aber sicher mit vielen Wissenschaftlern dort teile, ist die empirisch-naturalistische und evolutionsbiologische Forschungsperspektive. Und ich finde es immer wieder auch bereichernd, mit Leuten zusammen zu arbeiten (zu diskutieren, zu forschen etc.), die andere religiöse oder weltanschauliche Vorannahmen vertreten - dadurch werden die Phänomene und Daten aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und es sinkt die Gefahr des unbewussten Vorurteils.
Ingo (Gast) - 12. Dez, 17:22
Exakt!
Gut gesagt, Michael!
blume-religionswissenschaft - 12. Dez, 17:24
Danke! :-)
Du bist ein kritischer Begleiter, da freut man sich über Lob gleich doppelt! :-)




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