Christliche Geistliche prügeln sich um die Grabeskirche
Es ist der zentrale Ort des Christentums in Jerusalem: Die Grabeskirche, wo Jesu Gefangenschaft, Tod und Auferstehung stattgefunden haben sollen. Wer schon einmal dort war, wird die besondere Atmosphäre dieses Ortes nicht vergessen (auch das Covermotiv unseres Buches "Gott, Gene und Gehirn" entstammt übrigens einer Aufnahme der Grabeskirche).
Es ist aber gleichzeitig auch der Ort, an dem sich zeigt, dass auch zwischen Religionsgemeinschaften der gleichen Konfession Konflikte und Streit eskalieren können: Immer wieder - und auch erst wieder in jüngster Zeit - kommt es zwischen Geistlichen verschiedener Nationalkirchen zu handfesten Auseinandersetzungen um deren "Anteil" an der Kirche und den Ritualen. (TAZ-Bericht hier.)
Weil die Christen untereinander zu keinen Lösungen finde, werden die Schlüssel der Kirche seit mehr als einem Jahrtausend von muslimischen Familien verwaltet. Und auch das Angebot des Staates Israel, auf eigene Kosten dringend notwendige Renovierungsarbeiten durchführen zu lassen, scheitert an der Weigerung der Kirchen zum Dialog und einvernehmlichen Lösungen. Symbol für den Stillstand ist eine längst funktionslose Leiter an der Fassade, die jedoch niemand abnehmen darf, ohne neue Konflikte zu riskieren.
Was lässt sich daraus lernen? So (auch empirisch messbar) erfolgreich Religionsgemeinschaften auch Vertrauen und Kooperation nach innen zu stärken vermögen, geht dies doch häufig mit einer Abgrenzung nach außen einher - selbst dann, wenn dieses "außen" andere Gemeinschaften der gleichen Weltreligion bezeichnet. Ob als Christen um die Grabeskirche, Buddhisten zwischen Gelb- und Rotmützen oder Sozialisten zwischen Trotzkisten und Leninisten streiten; Intoleranz betrifft eben nicht immer nur "die anderen"...
Es ist aber gleichzeitig auch der Ort, an dem sich zeigt, dass auch zwischen Religionsgemeinschaften der gleichen Konfession Konflikte und Streit eskalieren können: Immer wieder - und auch erst wieder in jüngster Zeit - kommt es zwischen Geistlichen verschiedener Nationalkirchen zu handfesten Auseinandersetzungen um deren "Anteil" an der Kirche und den Ritualen. (TAZ-Bericht hier.)
Weil die Christen untereinander zu keinen Lösungen finde, werden die Schlüssel der Kirche seit mehr als einem Jahrtausend von muslimischen Familien verwaltet. Und auch das Angebot des Staates Israel, auf eigene Kosten dringend notwendige Renovierungsarbeiten durchführen zu lassen, scheitert an der Weigerung der Kirchen zum Dialog und einvernehmlichen Lösungen. Symbol für den Stillstand ist eine längst funktionslose Leiter an der Fassade, die jedoch niemand abnehmen darf, ohne neue Konflikte zu riskieren.
Was lässt sich daraus lernen? So (auch empirisch messbar) erfolgreich Religionsgemeinschaften auch Vertrauen und Kooperation nach innen zu stärken vermögen, geht dies doch häufig mit einer Abgrenzung nach außen einher - selbst dann, wenn dieses "außen" andere Gemeinschaften der gleichen Weltreligion bezeichnet. Ob als Christen um die Grabeskirche, Buddhisten zwischen Gelb- und Rotmützen oder Sozialisten zwischen Trotzkisten und Leninisten streiten; Intoleranz betrifft eben nicht immer nur "die anderen"...
blume-religionswissenschaft - 20. Dez, 06:07
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
theologie-der-vernunft.de (Gast) - 20. Dez, 08:25
Dialog setzt gemeisame Sprache/Sinn/Wort voraus
Hallo Herr Dr. Blume,
vielen Dank für den Buchtipp zu sozialethischen Überlegungen für eine "Theologie einer Vernunft", den ich leider wegen meines mangelhaften Englisch nicht verwenden kann.
Es ist schon schwer mit der gemeinsamen Sprache. Und das scheint mir auch das Problem mit der Grabeskirche zu sein. Wenn nur die Geburtsstätte eines Guru, Glaubensgründers... gesehen wird, der zu Gott erklärt wurde, dann nützt aller Ruf nach Toleranz nichts.
Doch nicht zuletzt aufgrund dessen, was ich z.B. aktuell aus den wissenschaftlichen Betrachtungen über die theologische Topographie der alten Weihnachtserzählungen ableite, bin ich mir sicher, dass der neue "König der Juden", auf den der Stern der Weisen (Heiden) verweisen sollte, ein Wechsel vom Mythos, Tradtionsgesetz zur kreativen=schöpferischen Logik war: Eine "gemeinsame" Wahrheit, Sinngebung, die in natürlichen schöpferischer Logik/Wort heutiger Welterklärung zu finden wäre.
Vor-gesetzte Buchstaben und selbstgestrickte Ideologien trennen: Wo nur Steine gesehen werden, da bewirft man sich gegenseitig damit.
vielen Dank für den Buchtipp zu sozialethischen Überlegungen für eine "Theologie einer Vernunft", den ich leider wegen meines mangelhaften Englisch nicht verwenden kann.
Es ist schon schwer mit der gemeinsamen Sprache. Und das scheint mir auch das Problem mit der Grabeskirche zu sein. Wenn nur die Geburtsstätte eines Guru, Glaubensgründers... gesehen wird, der zu Gott erklärt wurde, dann nützt aller Ruf nach Toleranz nichts.
Doch nicht zuletzt aufgrund dessen, was ich z.B. aktuell aus den wissenschaftlichen Betrachtungen über die theologische Topographie der alten Weihnachtserzählungen ableite, bin ich mir sicher, dass der neue "König der Juden", auf den der Stern der Weisen (Heiden) verweisen sollte, ein Wechsel vom Mythos, Tradtionsgesetz zur kreativen=schöpferischen Logik war: Eine "gemeinsame" Wahrheit, Sinngebung, die in natürlichen schöpferischer Logik/Wort heutiger Welterklärung zu finden wäre.
Vor-gesetzte Buchstaben und selbstgestrickte Ideologien trennen: Wo nur Steine gesehen werden, da bewirft man sich gegenseitig damit.
Basty Castellio (Gast) - 20. Dez, 22:03
Was da mitspielt...
... das nicht zu vergessen, was ich mal in Jerusalem hörte: die merkwürdigen Abgrenzungen besonders in der "Grabeskirche" hingen damit zusammen, dass die jeweiligen Konfessionen ff ihr jeweiliges Territorium (und ihre zeitlichen Abgrenzungen) brauchen, um sich durch Opfereinnahmen zu finanzieren. Hätten die nicht dieses vormittelalterliche Finanzierungssystem - vielleicht wäre es besser...? Und die jeweiligen Mönche scheinen (im Gegensatz zu ihren Kirchen) auch wirklich bettelarm bzw. auf Bettel angewiesen zu sein. Wäre vielleicht interessant, ob es für sie zu gewissen Zeiten auch unmöglich war, sich von den jeweiligen entsendenden Kirchen finanzieren zu lassen. Und trotzdem durch Bettel auf diesem Außenposten zu verharren?
Wegen des Schlüssels hörte ich, das sei erst ein dreiviertel Jahrtausend in der Hand einer moslemischen Familie - vermutlich doch erst nach den Kreuzzügen?
Gewissen Christen sage ich deshalb immer wieder: dort seien Moslems die Friedenswächter für die Christen...
Was Ähnliches muss es auch mal in Bethlehem gegeben haben: Der goldene Geburtsstern geklaut - führte zu Mord und Totschlag unter Christen - erst durch die Neustiftung eines entsprechenden Sterns durch einen Mioslem (Bürgermeister?) sei Frieden in Bethlehem eingekehrt...
Skurril ist die ganze Sache schon.
Wegen des Schlüssels hörte ich, das sei erst ein dreiviertel Jahrtausend in der Hand einer moslemischen Familie - vermutlich doch erst nach den Kreuzzügen?
Gewissen Christen sage ich deshalb immer wieder: dort seien Moslems die Friedenswächter für die Christen...
Was Ähnliches muss es auch mal in Bethlehem gegeben haben: Der goldene Geburtsstern geklaut - führte zu Mord und Totschlag unter Christen - erst durch die Neustiftung eines entsprechenden Sterns durch einen Mioslem (Bürgermeister?) sei Frieden in Bethlehem eingekehrt...
Skurril ist die ganze Sache schon.




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