Auch Politik Sache der Gene?
Die Evolutionsbiologie verändert unseren Blick auf das gesamte Spektrum menschlichen Verhaltens: Die Religion und zunehmend auch die Politik.
In jüngster Zeit haben zwei Studien den Blick auf die biologischen Wurzeln auch politischen Verhaltens gelenkt.
Der Politikwissenschaftler John Hibbing (University Nebraska-Lincoln) zeigte in einer Studie auf, dass sich politisch sehr "liberale" und sehr "autoritäre" Personen auch in physiologischen Tests unterschiedlich schreckhaft verhielten. Sprich: Wer generell vorsichtiger veranlagt war, tendierte auch dazu, politisch mehr Sicherheit, Recht und Ordnung einzufordern.
Im Beitrag "Genetic Variation in Political Participation" (deutsch: genetische Variation in politischer Beteiligung) (freier Download hier) stellten sich James H. Fowler, Laura A. Baker und Christopher T. Dawes einem alten Rätsel der Politikwissenschaft und besonders politischen Ökonomie: Warum gehen Menschen eigentlich wählen, obwohl der individuelle Nutzen (Einfluss) in keinem Verhältnis zum indivuellen Aufwand steht?
Originellerweise untersuchen sie das "rätselhafte" Verhalten anhand gleich mehrerer Datensätze so, wie auch anderes, menschliches Verhalten (einschließlich Religiosität) längst untersucht wird: Per Zwillingsstudien.
Ergebnis: Wie anderes Verhalten auch zeigt sich auch Wahlverhalten als etwa hälftig genetisch veranlagt. Dabei ist natürlich nicht an eine spezielle Evolution von Wählern zu denken, wohl aber an die Bereitschaft, (auch) im rituellen Rahmen Verantwortung für das Gemeinschaftsganze zu übernehmen. Einigen Menschen ist das offenkundig stärker in die Wiege gelegt als anderen.
Einschränkend ist diesen Studien selbstverständlich entgegen zu halten, dass in beiden Fällen der soziokulturelle Einfluss mindestens gleichwertig bestehen bleibt: Eine stärker von Ängsten geprägte Weltanschauung wie auch ein System, das zu politischer Beteiligung aufruft entstehen nie im erziehungs- und kulturfreien Raum. Der Mensch ist und bleibt ein Produkt biokultureller Evolution und praktisch nie durch ein Entweder-Oder, sondern fast immer durch eine Wechselwirkung biologischer und kultureller Faktoren zur je individuellen Persönlichkeit ausgeprägt.
In jüngster Zeit haben zwei Studien den Blick auf die biologischen Wurzeln auch politischen Verhaltens gelenkt.
Der Politikwissenschaftler John Hibbing (University Nebraska-Lincoln) zeigte in einer Studie auf, dass sich politisch sehr "liberale" und sehr "autoritäre" Personen auch in physiologischen Tests unterschiedlich schreckhaft verhielten. Sprich: Wer generell vorsichtiger veranlagt war, tendierte auch dazu, politisch mehr Sicherheit, Recht und Ordnung einzufordern.
Im Beitrag "Genetic Variation in Political Participation" (deutsch: genetische Variation in politischer Beteiligung) (freier Download hier) stellten sich James H. Fowler, Laura A. Baker und Christopher T. Dawes einem alten Rätsel der Politikwissenschaft und besonders politischen Ökonomie: Warum gehen Menschen eigentlich wählen, obwohl der individuelle Nutzen (Einfluss) in keinem Verhältnis zum indivuellen Aufwand steht?
Originellerweise untersuchen sie das "rätselhafte" Verhalten anhand gleich mehrerer Datensätze so, wie auch anderes, menschliches Verhalten (einschließlich Religiosität) längst untersucht wird: Per Zwillingsstudien.
Ergebnis: Wie anderes Verhalten auch zeigt sich auch Wahlverhalten als etwa hälftig genetisch veranlagt. Dabei ist natürlich nicht an eine spezielle Evolution von Wählern zu denken, wohl aber an die Bereitschaft, (auch) im rituellen Rahmen Verantwortung für das Gemeinschaftsganze zu übernehmen. Einigen Menschen ist das offenkundig stärker in die Wiege gelegt als anderen.
Einschränkend ist diesen Studien selbstverständlich entgegen zu halten, dass in beiden Fällen der soziokulturelle Einfluss mindestens gleichwertig bestehen bleibt: Eine stärker von Ängsten geprägte Weltanschauung wie auch ein System, das zu politischer Beteiligung aufruft entstehen nie im erziehungs- und kulturfreien Raum. Der Mensch ist und bleibt ein Produkt biokultureller Evolution und praktisch nie durch ein Entweder-Oder, sondern fast immer durch eine Wechselwirkung biologischer und kultureller Faktoren zur je individuellen Persönlichkeit ausgeprägt.
blume-religionswissenschaft - 20. Okt, 06:51
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Blumengast (Gast) - 20. Okt, 20:40
Wählen gehen genetisch ?
Wie soll den wählen gehen genetisch veranlagt sein ?
Das kommt mir sehr komisch vor - aber OK - vermutlich steckt es uns allen noch in den Genen, daß der Neandertaler immer zum Wählen ins Rathaus ging und seine Steintafel in die Urne geschoben hat..
Das kommt mir sehr komisch vor - aber OK - vermutlich steckt es uns allen noch in den Genen, daß der Neandertaler immer zum Wählen ins Rathaus ging und seine Steintafel in die Urne geschoben hat..
blume-religionswissenschaft - 20. Okt, 20:47
Nö, so habe ich...
...den oben verlinkten Text auch nicht verstanden: Selbstverständlich setzt das Wählen ebenso indirekt auf unseren kognitiven und sozialen Fähigkeiten auf wie das Schreiben oder Schachspielen. Genetisch veranlagt kann lediglich die Bereitschaft sein, sich generell mehr oder weniger für gemeinschaftliche Belange zu engagieren. Und dabei kommt es ja - wie sich auch heute noch beobachten lässt - auf die richtige Balance zwischen gemeinschaftszerstörendem Egoismus und Selbstausbeutung an. Und da zeigt sich eben eine Bandbreite an Verhaltenspräferenzen, die in niedrigeren oder höheren Bereitschaften auch zum politischen - sprich: im Gemeinschaftsrahmen rituell entfalteten - Engagement resultiert. Eigentlich nicht grundstürzend, nur neu gedacht und empirisch überprüft (wenn auch noch am Anfang stehend und mit Vorsicht zu genießen.) Und es löst das alte Problem, dass sich Wahlbeteiligung einerseits allein aus Homo Oeconomicus-Modellen kaum berechnen ließ und andererseits in etablierten Demokratien sich Wahlbeteiligungen zwischen 40 und 60 Prozent einpendeln.
Ach, und: Die Neandertaler gehören übrigens nicht zu unseren Vorfahren, sondern bilden eine leider ausgestorbene Homo erectus-Nachfahrenlinie. Dass sie dennoch wie unsere Homo Sapiens-Ahnen kovergent Bestattungs- und Ritualverhalten entwickelten, gehört zu den spannenden und noch wenig reflektierten Befunden der Paläoanthropologie.
Danke für den Beitrag, @Blumengast! :-)
Ach, und: Die Neandertaler gehören übrigens nicht zu unseren Vorfahren, sondern bilden eine leider ausgestorbene Homo erectus-Nachfahrenlinie. Dass sie dennoch wie unsere Homo Sapiens-Ahnen kovergent Bestattungs- und Ritualverhalten entwickelten, gehört zu den spannenden und noch wenig reflektierten Befunden der Paläoanthropologie.
Danke für den Beitrag, @Blumengast! :-)




Trackback URL:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5222106/modTrackback