Aygül Özkan: CDU-Politikerin, Wirtschaftsexpertin, Muslimin
Immer und immer wieder begegne ich Klischees, wonach es unüberwindbare Hürden für religiöse Minderheiten in demokratischen Parteien gebe. Oft herrscht Überraschung, wenn ich darauf hinweise, dass es bisher keinerlei Belege für die Unvereinbarkeit irgendeiner Weltreligion mit der Demokratie gebe - und dass in modernen Gesellschaften religiös vielfältige Fraktionen längst zur Regel werden. Vor einem Jahr hatte ich beispielsweise in diesem Beitrag den demokratischen US-Abgeordneten Keith Ellison vorgestellt, der einen überwiegend katholischen Wahlkreis gewonnen und seinen Amtseid selbstverständlich auf den Koran abgelegt hatte. Auf Veranstaltungen wurde ich damals noch gefragt, ob gläubige Muslime denn auch in deutschen Parteien erfolgreich sein könnten.
Natürlich können sie - und sind es längst.
Aygül Özkan
Heute möchte ich Ihnen eine deutsch-muslimische Politikerin türkischer Herkunft vorstellen: Die Hamburger Wirtschaftsexpertin Aygül Özkan (37) stieg neben einer Karriere in der Wirtschaft auch zur stellvertretenden CDU-Landesvorsitzenden auf und wurde 2008 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt.

In die CDU trat die gläubige, schiitische Muslimin und Mutter gerade auch wegen des "C" ein. Dem Hamburger Abendblatt sagte sie: "Die CDU steht für Werte wie Familie und Zusammenhalt. Da finde ich mich am besten wieder."
Aygül Özkan engagiert sich durchaus für Integrations-, Dialog- und Frauenthemen, ist aber vor allem auch Fachsprecherin der CDU-Fraktion für Industrie und Wirtschaft. Als deutsche Bürgerin muslimischen Glaubens gestaltet sie demokratische Politik selbstverständlich mit.
Natürlich können sie - und sind es längst.
Aygül Özkan
Heute möchte ich Ihnen eine deutsch-muslimische Politikerin türkischer Herkunft vorstellen: Die Hamburger Wirtschaftsexpertin Aygül Özkan (37) stieg neben einer Karriere in der Wirtschaft auch zur stellvertretenden CDU-Landesvorsitzenden auf und wurde 2008 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt.

In die CDU trat die gläubige, schiitische Muslimin und Mutter gerade auch wegen des "C" ein. Dem Hamburger Abendblatt sagte sie: "Die CDU steht für Werte wie Familie und Zusammenhalt. Da finde ich mich am besten wieder."
Aygül Özkan engagiert sich durchaus für Integrations-, Dialog- und Frauenthemen, ist aber vor allem auch Fachsprecherin der CDU-Fraktion für Industrie und Wirtschaft. Als deutsche Bürgerin muslimischen Glaubens gestaltet sie demokratische Politik selbstverständlich mit.
blume-religionswissenschaft - 6. Sep, 06:47
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Marcel (Gast) - 7. Sep, 08:39
Das Zitat zu Religionen, Familien, Zusammenhalt, passt gut zu Ihren Daten und Ihrer Religion-Demografie-These:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4047705/
Haben Sie Frau Özkan deswegen als Beispiel gewählt?
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4047705/
Haben Sie Frau Özkan deswegen als Beispiel gewählt?
blume-religionswissenschaft - 7. Sep, 12:19
Nein... ;-)
Lieber Marcel,
danke für den Beitrag und Hinweis. Und, nein, obwohl ich mich natürlich über das ("religionsdemografische") Zitat gefreut hatte, war es nicht der Auslöser. Ich habe es ehrlich erst während der Recherche gefunden, mich aber (zugegeben) gefreut. :-)
Vielmehr ging es mir hier darum, zu zeigen, dass
1. in Demokratien Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen auch dann erfolgreich zusammenarbeiten können, wenn sie sich zu ihrem jeweiligen Glauben bekennen. Denn manchmal wird angenommen, dies sei nur auf säkularer Grundlage möglich - und viele Abgeordnete mit muslimischem Hintergrund auf der parlamentarischen Linken geben sich ja tatsächlich betont säkular und religionskritisch. In Großbritannien oder den USA ist religiöse Vielfalt aber auch in den bürgerlichen und konservativen Parteien längst etabliert - und auch in Deutschland, Frankreich etc. findet das inzwischen statt.
2. Manche Deutungen sprechen auch von den "ethnischen Stimmen", nach dem Motto: Kandidaten profilieren sich als Vermittler "russischer" oder "türkischer" Interessen und Interessenverbände. Frau Özkan hat ihre Herkunft nicht geleugnet (warum auch?), sich aber vor allem als Wirtschaftsexpertin bewährt. Auch das ist ein schönes Beispiel für eine längst einsetzende Normalisierung: So wenig jede Frau nur "Expertin" für Frauen- und Familienfragen sein muss, so wenig müssen Deutsche mit Migrationshintergrund sich ausschließlich auf Integrationsthemen festlegen lassen.
3. Und zuletzt: Der schiitisch-muslimische Hintergrund von Frau Özkan widerspricht den allzu simplen Gleichsetzungen Türke = Sunnit, die leider auch heute noch von türkisch
(-säkularen) Nationalisten immer wieder gebraucht werden, um z.B. den verpflichtenden, staatlich-sunnitischen Religionsunterricht in der Türkei zu rechtfertigen. In Wirklichkeit war und ist die Türkei und die deutschtürkische Bevölkerung auch konfessionell sehr vielfältig: Neben Sunniten gibt es Aleviten und Schiiten sowie eine Vielzahl nichtislamischer Religionen (Christen, Juden, Yeziden, Bahai etc.) und es gibt keinerlei Begründung dafür, dass die vermeintlich "laizistische" Türkei die Religionsfreiheit massiv einschränkt.
Zuletzt sei noch der Hinweis erlaubt, dass die religiös vielfältige Mitarbeit in der CDU nicht historisch einmalig ist. Schon in der Unions-Gründungsphase waren selbstverständlich auch Konfessionslose und Juden willkommen, vor allem aber wirkten in der Partei Protestanten und Katholiken zusammen, noch "bevor" sich die großen, ökumenischen Bewegungen von Seiten der Kirchen in Gang gesetzt hatten. Gerade Demokratien können auch Impulsgeber zu einem besseren Miteinander der Religionsgemeinschaften sein. Da gäbe es m.E. gerade im Hinblick auf Friedenspolitik, Nation-Building etc. noch sehr viel zu forschen und zu publizieren - leider hält sich aber nach meiner Beobachtung die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Religions- und Politikwissenschaftlern bisher noch in sehr argen Grenzen...
Mit Dank für das Interesse und herzlichen Grüßen!
Michael Blume
danke für den Beitrag und Hinweis. Und, nein, obwohl ich mich natürlich über das ("religionsdemografische") Zitat gefreut hatte, war es nicht der Auslöser. Ich habe es ehrlich erst während der Recherche gefunden, mich aber (zugegeben) gefreut. :-)
Vielmehr ging es mir hier darum, zu zeigen, dass
1. in Demokratien Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen auch dann erfolgreich zusammenarbeiten können, wenn sie sich zu ihrem jeweiligen Glauben bekennen. Denn manchmal wird angenommen, dies sei nur auf säkularer Grundlage möglich - und viele Abgeordnete mit muslimischem Hintergrund auf der parlamentarischen Linken geben sich ja tatsächlich betont säkular und religionskritisch. In Großbritannien oder den USA ist religiöse Vielfalt aber auch in den bürgerlichen und konservativen Parteien längst etabliert - und auch in Deutschland, Frankreich etc. findet das inzwischen statt.
2. Manche Deutungen sprechen auch von den "ethnischen Stimmen", nach dem Motto: Kandidaten profilieren sich als Vermittler "russischer" oder "türkischer" Interessen und Interessenverbände. Frau Özkan hat ihre Herkunft nicht geleugnet (warum auch?), sich aber vor allem als Wirtschaftsexpertin bewährt. Auch das ist ein schönes Beispiel für eine längst einsetzende Normalisierung: So wenig jede Frau nur "Expertin" für Frauen- und Familienfragen sein muss, so wenig müssen Deutsche mit Migrationshintergrund sich ausschließlich auf Integrationsthemen festlegen lassen.
3. Und zuletzt: Der schiitisch-muslimische Hintergrund von Frau Özkan widerspricht den allzu simplen Gleichsetzungen Türke = Sunnit, die leider auch heute noch von türkisch
(-säkularen) Nationalisten immer wieder gebraucht werden, um z.B. den verpflichtenden, staatlich-sunnitischen Religionsunterricht in der Türkei zu rechtfertigen. In Wirklichkeit war und ist die Türkei und die deutschtürkische Bevölkerung auch konfessionell sehr vielfältig: Neben Sunniten gibt es Aleviten und Schiiten sowie eine Vielzahl nichtislamischer Religionen (Christen, Juden, Yeziden, Bahai etc.) und es gibt keinerlei Begründung dafür, dass die vermeintlich "laizistische" Türkei die Religionsfreiheit massiv einschränkt.
Zuletzt sei noch der Hinweis erlaubt, dass die religiös vielfältige Mitarbeit in der CDU nicht historisch einmalig ist. Schon in der Unions-Gründungsphase waren selbstverständlich auch Konfessionslose und Juden willkommen, vor allem aber wirkten in der Partei Protestanten und Katholiken zusammen, noch "bevor" sich die großen, ökumenischen Bewegungen von Seiten der Kirchen in Gang gesetzt hatten. Gerade Demokratien können auch Impulsgeber zu einem besseren Miteinander der Religionsgemeinschaften sein. Da gäbe es m.E. gerade im Hinblick auf Friedenspolitik, Nation-Building etc. noch sehr viel zu forschen und zu publizieren - leider hält sich aber nach meiner Beobachtung die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Religions- und Politikwissenschaftlern bisher noch in sehr argen Grenzen...
Mit Dank für das Interesse und herzlichen Grüßen!
Michael Blume




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