Stephan Kramer vor dem Bundestag zu Holocaust, Kollektivschuld, Schuldkomplex
Am 16. Juni 2008 fand im Reichstagsgebäude des Deutschen Bundestages eine öffentliche Anhörung von Sachverständigen zum Thema "Antisemitismus in Deutschland" statt. Das Wortprotokoll finden Sie hier.
Zu den Sachverständigen gehörte auch der Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden. Er führte u.a. aus:
Zitat:
"In den letzten 10 bis 20 Jahren ist die Holocaust Education, so muss man leider sagen, in die völlig falsche Richtung gegangen. Das Ergebnis davon ist, dass ein Schuldkomplex erzeugt wurde, dass mit der sog. Kollektivschuld auf der Seite operiert wurde, die man erreicht hat. Was dazu geführt hat, damit sind wir auch bei der Identitätsfrage, dass wir eine zerstörte Selbstidentität haben, nicht nur bei muslimischen, sondern auch bei deutschen Jugendlichen, und das führt dann zu entsprechenden Problemen.
Ich sage immer und ganz deutlich: Es kann nicht um Schuld gehen. Das müssen wir als jüdische Gemeinschaft auch vor allen Dingen immer wieder in Diskussionen deutlich machen. Es kann nur um Verantwortung gehen. Aus dem Wissen um das, was zwischen 1933 und 1945 passiert ist, muss die Verantwortung für jeden von uns erwachsen, für jeden in dieser Gesellschaft – Juden, Nicht-Juden, Muslime, Christen, Nichtgläubige – dafür einzutreten, dass Gleiches nicht wieder geschieht, und zwar nicht nur, wenn es um
Juden geht, sondern um jede andere Form von Diskriminierung in dieser Gesellschaft."
Zitiert aus: Wortprotokoll des Bundestages, S. 57
Anmerkung:
Es ist zu hoffen, dass die klaren Aussagen von Herrn Kramer gegenüber Bundestag und Öffentlichkeit dazu beitragen, die vagabundierenden Mythen über vermeintliche Kollektivschuldthesen des Zentralrats oder gar "der Juden" zu zerstreuen. Denn auch als Religionswissenschaftler macht man immer wieder die ernüchternde Erfahrung, dass einige Menschen mangelndes Wissen über Religionen wie das Judentum mit dumpfen Stereotypen und Vorurteilen "auffüllen".
Zu den Sachverständigen gehörte auch der Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden. Er führte u.a. aus:
Zitat:
"In den letzten 10 bis 20 Jahren ist die Holocaust Education, so muss man leider sagen, in die völlig falsche Richtung gegangen. Das Ergebnis davon ist, dass ein Schuldkomplex erzeugt wurde, dass mit der sog. Kollektivschuld auf der Seite operiert wurde, die man erreicht hat. Was dazu geführt hat, damit sind wir auch bei der Identitätsfrage, dass wir eine zerstörte Selbstidentität haben, nicht nur bei muslimischen, sondern auch bei deutschen Jugendlichen, und das führt dann zu entsprechenden Problemen.
Ich sage immer und ganz deutlich: Es kann nicht um Schuld gehen. Das müssen wir als jüdische Gemeinschaft auch vor allen Dingen immer wieder in Diskussionen deutlich machen. Es kann nur um Verantwortung gehen. Aus dem Wissen um das, was zwischen 1933 und 1945 passiert ist, muss die Verantwortung für jeden von uns erwachsen, für jeden in dieser Gesellschaft – Juden, Nicht-Juden, Muslime, Christen, Nichtgläubige – dafür einzutreten, dass Gleiches nicht wieder geschieht, und zwar nicht nur, wenn es um
Juden geht, sondern um jede andere Form von Diskriminierung in dieser Gesellschaft."
Zitiert aus: Wortprotokoll des Bundestages, S. 57
Anmerkung:
Es ist zu hoffen, dass die klaren Aussagen von Herrn Kramer gegenüber Bundestag und Öffentlichkeit dazu beitragen, die vagabundierenden Mythen über vermeintliche Kollektivschuldthesen des Zentralrats oder gar "der Juden" zu zerstreuen. Denn auch als Religionswissenschaftler macht man immer wieder die ernüchternde Erfahrung, dass einige Menschen mangelndes Wissen über Religionen wie das Judentum mit dumpfen Stereotypen und Vorurteilen "auffüllen".
blume-religionswissenschaft - 3. Okt, 06:41
5 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Ingo Bading - 4. Okt, 10:10
Wirklich gewollt?
Da kann nur durch praktisches - und vorbildliches - Tun etwas verbessert werden. Wenn Völkermorde der Vergangenheit im Bewußtsein der Öffentlichkeit stärker präsent sind und Mentalitäten und Handeln prägen, als Völkermorde der Gegenwart, dann läuft etwas ganz, ganz gewaltig schief.
Ebenso, wenn Völkermorde der Vergangenheit unterschiedlich starke Behandlung erfahren, etwa wenn 100 Millionen Ermordete durch 80 Jahre Kommunismus viel weniger im geschichtlichen Bewußtsein der Bevölkerung verankert sind, als andere Völkermorde, wenn den einen umfangreiche Gedenkstätten und Museen gewidmet sind, das Gedenken an andere aber in politisch nicht wirklich erwünschte Ecken geschoben wird.
Ich glaube, der Zentralrat der Juden könnte daran eine GANZE Menge ändern, wenn er wollte. - Will er es wirklich? Er würde sich ja selbst marginalisieren, oder? Und die Vertretungen anderer gesellschaftlicher Gruppen aufwerten. Also will er das?
Schon der Begriff "Holocaust Education" spricht - - - BÄNDE.
Ebenso, wenn Völkermorde der Vergangenheit unterschiedlich starke Behandlung erfahren, etwa wenn 100 Millionen Ermordete durch 80 Jahre Kommunismus viel weniger im geschichtlichen Bewußtsein der Bevölkerung verankert sind, als andere Völkermorde, wenn den einen umfangreiche Gedenkstätten und Museen gewidmet sind, das Gedenken an andere aber in politisch nicht wirklich erwünschte Ecken geschoben wird.
Ich glaube, der Zentralrat der Juden könnte daran eine GANZE Menge ändern, wenn er wollte. - Will er es wirklich? Er würde sich ja selbst marginalisieren, oder? Und die Vertretungen anderer gesellschaftlicher Gruppen aufwerten. Also will er das?
Schon der Begriff "Holocaust Education" spricht - - - BÄNDE.
blume-religionswissenschaft - 4. Okt, 11:34
Wer ist "er"?
Lieber Ingo,
ich erlebe den Zentralrat der Juden ebensowenig als eine geschlossene Körperschaft wie andere Gremien auch. In den Zentralrat werden sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichsten Biografien, Interessen etc. gewählt, die eines der anspruchsvollsten Ehrenämter unserer Republik (nur der Generalsekretär ist hauptamtlich) ausfüllen. Und natürlich besteht eine vordringliche Erwartung der jüdischen Gemeinden darin, dass der Zentralrat der Juden antijüdischer Verbrechen gestern und heute erinnert und entgegen wirkt. Ebenso wie z.B. Verbände von Sinti und Roma, Homosexuellen, Christen, Muslimen, Deutschen, Türken, Armeniern, Native Americans etc. ebenfalls zunächst ihre Geschichte im Auge haben und erst in zweiter Linie andere einbeziehen. Und natürlich sind auch all diese an der Vermittlung entsprechenden Wissens interessiert - beispielsweise an der Information über das Leben der Indianer und ihr grausames Schicksal, dem Unrecht in Tschetschenien, Intoleranz und Gewalt gegen Homosexuelle, den Christenverfolgungen gestern und heute usw. Dem Vertreter eines Indianerstammes oder eines Verbandes, der gegen die Hinrichtung von Homosexuellen im Iran protestiert zu erwidern, es habe doch andernorts noch viel mehr Tote gegeben, hielte ich für unangebracht.
Und m.E. macht es genau so wenig Sinn, an den Zentralrat der Juden immer wieder Erwartungen in einer Höhe zu formulieren, wie wir sie an kaum eine andere Institution stellen würden. Ist es denn wirklich so schwer, endlich aufzuhören, Juden wahlweise zu dämonisieren oder zu idealisieren - sondern als normalen Bestandteil auch der deutschen Gesellschaft anzuerkennen? Ich freue mich über jeden Menschen und Verbandsvertreter, der auch über die eigenen Perspektiven hinausdenkt - und würde zugleich doch auch von einem katholischen, islamischen oder sonstigen Gremium nicht erwarten, dass es die eigenen Interessen und Perspektiven völlig aufgibt und verkündet, anderen sei es doch auch schlimm ergangen, nicht der Rede wert... Die o.g. Worte von Stephan Kramer - immerhin vor dem Deutschen Bundestag vorgetragen! - finde ich schon sehr beachtlich und der Würdigung wert. Vom Generalsekretär eines Verbandes aber zu erwarten, dass er das eigene Gremium und die Vertretung des ihm anvertrauten Gedenkens an mehrere Millionen unschuldiger Opfer marginalisiere, erscheint mir überzogen - und zwar völlig unabhängig davon, von welchem Verband wir dabei sprechen!
Mit herzlichen Grüßen
Michael
ich erlebe den Zentralrat der Juden ebensowenig als eine geschlossene Körperschaft wie andere Gremien auch. In den Zentralrat werden sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichsten Biografien, Interessen etc. gewählt, die eines der anspruchsvollsten Ehrenämter unserer Republik (nur der Generalsekretär ist hauptamtlich) ausfüllen. Und natürlich besteht eine vordringliche Erwartung der jüdischen Gemeinden darin, dass der Zentralrat der Juden antijüdischer Verbrechen gestern und heute erinnert und entgegen wirkt. Ebenso wie z.B. Verbände von Sinti und Roma, Homosexuellen, Christen, Muslimen, Deutschen, Türken, Armeniern, Native Americans etc. ebenfalls zunächst ihre Geschichte im Auge haben und erst in zweiter Linie andere einbeziehen. Und natürlich sind auch all diese an der Vermittlung entsprechenden Wissens interessiert - beispielsweise an der Information über das Leben der Indianer und ihr grausames Schicksal, dem Unrecht in Tschetschenien, Intoleranz und Gewalt gegen Homosexuelle, den Christenverfolgungen gestern und heute usw. Dem Vertreter eines Indianerstammes oder eines Verbandes, der gegen die Hinrichtung von Homosexuellen im Iran protestiert zu erwidern, es habe doch andernorts noch viel mehr Tote gegeben, hielte ich für unangebracht.
Und m.E. macht es genau so wenig Sinn, an den Zentralrat der Juden immer wieder Erwartungen in einer Höhe zu formulieren, wie wir sie an kaum eine andere Institution stellen würden. Ist es denn wirklich so schwer, endlich aufzuhören, Juden wahlweise zu dämonisieren oder zu idealisieren - sondern als normalen Bestandteil auch der deutschen Gesellschaft anzuerkennen? Ich freue mich über jeden Menschen und Verbandsvertreter, der auch über die eigenen Perspektiven hinausdenkt - und würde zugleich doch auch von einem katholischen, islamischen oder sonstigen Gremium nicht erwarten, dass es die eigenen Interessen und Perspektiven völlig aufgibt und verkündet, anderen sei es doch auch schlimm ergangen, nicht der Rede wert... Die o.g. Worte von Stephan Kramer - immerhin vor dem Deutschen Bundestag vorgetragen! - finde ich schon sehr beachtlich und der Würdigung wert. Vom Generalsekretär eines Verbandes aber zu erwarten, dass er das eigene Gremium und die Vertretung des ihm anvertrauten Gedenkens an mehrere Millionen unschuldiger Opfer marginalisiere, erscheint mir überzogen - und zwar völlig unabhängig davon, von welchem Verband wir dabei sprechen!
Mit herzlichen Grüßen
Michael
Ingo Bading - 4. Okt, 19:58
zu hohe Erwartungen?
LIEBER Michael,
das ist - fast - unredlich, wie Du antwortest. Wo und warum stelle ich an den Zentralrat Erwartungen, die ich an keine andere gesellschaftliche Gruppierung stelle??? Und warum kannst Du dann gleich im nächsten Satz NOCH weiter gehen und mir letztlich unterstellen, ich würde mit meinen Worten NICHT "normal" auf die Arbeit dieser Vereinigung reagieren???
Ich habe ganz normale Dinge geäußert. Wenn diese Dinge, die ich äußerte, NICHT als normal angesehen werden (können?), bzw. wenn Deine Reaktion darauf gleich derartig ist, wie es scheint, dann wäre exakt DAS (Deine Reaktion) (nämlich, mir etwas derartiges zu unterstellen) für mich ein Zeichen dafür, daß hier dämonisiert oder idealisiert wird. Aber NICHT von mir.
("Marginalisieren" war übrigens ein falscher Ausdruck von mir, eher einfach angemessen allem anderen zuordnen in Vergangenheit und Gegenwart.)
Wie gesagt: Besser als Worte sind Taten.
Der Begriff Holocaust-Education ist meiner Meinung nach ein ganz falscher, weil er EINE Opfergruppe in den Vordergrund stellt. Wer denkt denn dabei an den ukrainischen Hungerholocaust von 1932, der sich (im Buchtitel von Robert Conquest) des gleichen Begriffs bedienen muß, um überhaupt nur "irgendwie" wahrgenommen zu werden, was ebenfalls Bände spricht.
Hast Du letzteren in gleicher Weise wahrgenommen wie "den" eigentlichen - - - "Holocaust"? Und ist auch dieser für Dich Verpflichtung, Dich für eine humanere Gesellschaft einzusetzen im 21. Jahrhundert? Ich glaube, eher nicht. Und doch war auch dieser absolut kaltblütig von einem erbarmungslosen Regime geplant und durchgeführt.
Es ist doch offensichtlich, daß eine Vergangenheits- und eine "Einmaligkeits"-Fixierung geradezu ziemlich psychisch bequem ist, daß sie den Widerstand gegen HEUTIGE Inhumanität weltweit geradezu paralysiert, daß die humanitären Wirkungen, die im Holocaust-Gedenken stecken KÖNNTEN, sich NICHT genügend auswirken.
Und außerdem: Es geht doch hier nicht nur um "Schuldkomplex" oder so allgemein um "Verantwortung". Das ist doch Pipifax. Damit werden doch die Millionen Traumatisierten und Ermordeten allein der letzten zehn Jahre nicht wieder lebendig und enttraumatisiert. Denn es ist - WIEDER EINMAL! - "vergangenheitspolitisch" VÖLLIG auf Deutschland fixiert, statt auf die Gegenwart und Aktualität des Völkermordes weltweit.
Wer interessiert sich denn, wenn er heute weltweit die Völkermorde sieht, noch für irgendeinen Schuldkomplex der Deutschen??? Was für ein Irrsinn! Wir haben doch ganz andere Probleme. Warum hat die UNO nicht rechtzeitig eingegriffen im Kongo, TROTZ Jahrzehnte langer "Holocaust-Education"??? Warum wurde Joschka Fischer plötzlich so still bezüglich Tschetscheniens, als er Außenminister wurde, obwohl er zuvor so viele kritische Worte zu dem Thema hatte. Etc. etc. pp. pp..
das ist - fast - unredlich, wie Du antwortest. Wo und warum stelle ich an den Zentralrat Erwartungen, die ich an keine andere gesellschaftliche Gruppierung stelle??? Und warum kannst Du dann gleich im nächsten Satz NOCH weiter gehen und mir letztlich unterstellen, ich würde mit meinen Worten NICHT "normal" auf die Arbeit dieser Vereinigung reagieren???
Ich habe ganz normale Dinge geäußert. Wenn diese Dinge, die ich äußerte, NICHT als normal angesehen werden (können?), bzw. wenn Deine Reaktion darauf gleich derartig ist, wie es scheint, dann wäre exakt DAS (Deine Reaktion) (nämlich, mir etwas derartiges zu unterstellen) für mich ein Zeichen dafür, daß hier dämonisiert oder idealisiert wird. Aber NICHT von mir.
("Marginalisieren" war übrigens ein falscher Ausdruck von mir, eher einfach angemessen allem anderen zuordnen in Vergangenheit und Gegenwart.)
Wie gesagt: Besser als Worte sind Taten.
Der Begriff Holocaust-Education ist meiner Meinung nach ein ganz falscher, weil er EINE Opfergruppe in den Vordergrund stellt. Wer denkt denn dabei an den ukrainischen Hungerholocaust von 1932, der sich (im Buchtitel von Robert Conquest) des gleichen Begriffs bedienen muß, um überhaupt nur "irgendwie" wahrgenommen zu werden, was ebenfalls Bände spricht.
Hast Du letzteren in gleicher Weise wahrgenommen wie "den" eigentlichen - - - "Holocaust"? Und ist auch dieser für Dich Verpflichtung, Dich für eine humanere Gesellschaft einzusetzen im 21. Jahrhundert? Ich glaube, eher nicht. Und doch war auch dieser absolut kaltblütig von einem erbarmungslosen Regime geplant und durchgeführt.
Es ist doch offensichtlich, daß eine Vergangenheits- und eine "Einmaligkeits"-Fixierung geradezu ziemlich psychisch bequem ist, daß sie den Widerstand gegen HEUTIGE Inhumanität weltweit geradezu paralysiert, daß die humanitären Wirkungen, die im Holocaust-Gedenken stecken KÖNNTEN, sich NICHT genügend auswirken.
Und außerdem: Es geht doch hier nicht nur um "Schuldkomplex" oder so allgemein um "Verantwortung". Das ist doch Pipifax. Damit werden doch die Millionen Traumatisierten und Ermordeten allein der letzten zehn Jahre nicht wieder lebendig und enttraumatisiert. Denn es ist - WIEDER EINMAL! - "vergangenheitspolitisch" VÖLLIG auf Deutschland fixiert, statt auf die Gegenwart und Aktualität des Völkermordes weltweit.
Wer interessiert sich denn, wenn er heute weltweit die Völkermorde sieht, noch für irgendeinen Schuldkomplex der Deutschen??? Was für ein Irrsinn! Wir haben doch ganz andere Probleme. Warum hat die UNO nicht rechtzeitig eingegriffen im Kongo, TROTZ Jahrzehnte langer "Holocaust-Education"??? Warum wurde Joschka Fischer plötzlich so still bezüglich Tschetscheniens, als er Außenminister wurde, obwohl er zuvor so viele kritische Worte zu dem Thema hatte. Etc. etc. pp. pp..
Ingo Bading - 4. Okt, 20:15
Noch klarer:
Wahrhaftige "Holocaust-Education" HEUTE kann es weder um "Schuldkomplexe" noch um "Verantwortung" irgendeines einzelnen herausgegriffenen Volkes gehen, sie kann nur eines machen: Der Menschenrechts-Arbeit weltweit Gehör verschaffen. Das wäre für mich wahrhaftig. Nichts anderes. Ist das SO schwer?
Wahrhaftige "Holocaust-Education" HEUTE kann es weder um "Schuldkomplexe" noch um "Verantwortung" irgendeines einzelnen herausgegriffenen Volkes gehen, sie kann nur eines machen: Der Menschenrechts-Arbeit weltweit Gehör verschaffen. Das wäre für mich wahrhaftig. Nichts anderes. Ist das SO schwer?
blume-religionswissenschaft - 5. Okt, 00:15
Nochmal...
Lieber Ingo,
ich diskutiere immer wieder gerne mit Dir, aber manchmal kann ich Dir einfach nicht folgen. Das ist so ein Beispiel.
Im von Dir kritisierten Zitat setzt sich ein Vertreter des Zentralrats der Juden mit unfaßbaren Verbrechen auseinander, denen Millionen Menschen vor weniger als siebzig Jahren in genau diesem unserem gemeinsamen Land zum Opfer gefallen sind. Er tut das differenziert, warnt vor Schuldkomplexen und ruft zur Verantwortung für Menschenrechte und gegen Diskriminierung.
Und wenn Dir das auch nicht passt und Du stattdessen alle möglichen anderen Verbrechen in anderen Ländern anführst, die der Zentralrat der Juden in Deutschland (!) doch auch hätte anführen müssen, endet mein Verständnis. Was willst Du uns damit sagen? Dass ein südamerikanischer Indianer nicht mehr an das Leid durch die Conquistadoren erinnern darf, ein nordamerikanischer nicht mehr an die Vernichtung indianischer Völker? Ein Verband von Homosexuellen nicht mehr an Todesurteile im Iran, ukrainische oder polnische Patrioten nicht an die Massenmorde durch Stalin, Deutsche nicht an die Opfer der Mauer usw.?
Würdest Du den Verzicht auf Mahnung und Erinnerung denn tatsächlich von indianischen, homosexuellen, ukrainischen, polnischen u.v.m. Verbänden fordern - weil es ja jeweils auch viele andere Verbrechen gab? Nein, natürlich nicht. Nur von den Juden, da forderst Du es. Die Vertreter der Juden in Deutschland sollen sich bitteschön nicht mit den Geschehnissen der deutsch-jüdischen Geschichte beschäftigen, sondern mit anderen Massenmorden in anderen Ländern. Und DAS finde ich grotesk, diese Forderung, die Du an keinen anderen Verband und keine Gemeinschaft so stellen würdest, die löst bei mir Kopfschütteln aus.
Natürlich soll Wissen um die Schoa der Menschenrechts-Arbeit Gehör verschaffen - genau das sagt Kramer doch! Nochmal wörtlich zitiert:
"Aus dem Wissen um das, was zwischen 1933 und 1945 passiert ist, muss die Verantwortung für jeden von uns erwachsen, für jeden in dieser Gesellschaft – Juden, Nicht-Juden, Muslime, Christen, Nichtgläubige – dafür einzutreten, dass Gleiches nicht wieder geschieht, und zwar nicht nur, wenn es um Juden geht, sondern um jede andere Form von Diskriminierung in dieser Gesellschaft."
Wenn das ein Indianerhäuptling mit Bezug auf das Schicksal seines Stammes gesagt hätte - man hätte ihn hier ob seiner mitfühlenden Weisheit sicher gerühmt. Aber da es ein Jude sagte, springen bei einigen wieder die üblichen Reflexe an. Daher die Rückfrage: Ist es wirklich SO schwer, jüdische Stimmen einfach genau so fair zu betrachten wie andere auch?
ich diskutiere immer wieder gerne mit Dir, aber manchmal kann ich Dir einfach nicht folgen. Das ist so ein Beispiel.
Im von Dir kritisierten Zitat setzt sich ein Vertreter des Zentralrats der Juden mit unfaßbaren Verbrechen auseinander, denen Millionen Menschen vor weniger als siebzig Jahren in genau diesem unserem gemeinsamen Land zum Opfer gefallen sind. Er tut das differenziert, warnt vor Schuldkomplexen und ruft zur Verantwortung für Menschenrechte und gegen Diskriminierung.
Und wenn Dir das auch nicht passt und Du stattdessen alle möglichen anderen Verbrechen in anderen Ländern anführst, die der Zentralrat der Juden in Deutschland (!) doch auch hätte anführen müssen, endet mein Verständnis. Was willst Du uns damit sagen? Dass ein südamerikanischer Indianer nicht mehr an das Leid durch die Conquistadoren erinnern darf, ein nordamerikanischer nicht mehr an die Vernichtung indianischer Völker? Ein Verband von Homosexuellen nicht mehr an Todesurteile im Iran, ukrainische oder polnische Patrioten nicht an die Massenmorde durch Stalin, Deutsche nicht an die Opfer der Mauer usw.?
Würdest Du den Verzicht auf Mahnung und Erinnerung denn tatsächlich von indianischen, homosexuellen, ukrainischen, polnischen u.v.m. Verbänden fordern - weil es ja jeweils auch viele andere Verbrechen gab? Nein, natürlich nicht. Nur von den Juden, da forderst Du es. Die Vertreter der Juden in Deutschland sollen sich bitteschön nicht mit den Geschehnissen der deutsch-jüdischen Geschichte beschäftigen, sondern mit anderen Massenmorden in anderen Ländern. Und DAS finde ich grotesk, diese Forderung, die Du an keinen anderen Verband und keine Gemeinschaft so stellen würdest, die löst bei mir Kopfschütteln aus.
Natürlich soll Wissen um die Schoa der Menschenrechts-Arbeit Gehör verschaffen - genau das sagt Kramer doch! Nochmal wörtlich zitiert:
"Aus dem Wissen um das, was zwischen 1933 und 1945 passiert ist, muss die Verantwortung für jeden von uns erwachsen, für jeden in dieser Gesellschaft – Juden, Nicht-Juden, Muslime, Christen, Nichtgläubige – dafür einzutreten, dass Gleiches nicht wieder geschieht, und zwar nicht nur, wenn es um Juden geht, sondern um jede andere Form von Diskriminierung in dieser Gesellschaft."
Wenn das ein Indianerhäuptling mit Bezug auf das Schicksal seines Stammes gesagt hätte - man hätte ihn hier ob seiner mitfühlenden Weisheit sicher gerühmt. Aber da es ein Jude sagte, springen bei einigen wieder die üblichen Reflexe an. Daher die Rückfrage: Ist es wirklich SO schwer, jüdische Stimmen einfach genau so fair zu betrachten wie andere auch?



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