[>>]

Montag, 8. September 2008

Zitat zu Fans als Fundamentalisten

Dass Filmkulturen Mythen verarbeiten und erschaffen, ist nun wirklich keine religionswissenschaftliche Neuentdeckung. Spannend waren m.E. aber Beobachtungen des Spiegel-Artikels "Fundamentalisten des Films" von Lars-Olav Beier (Ausg. 34/2008), in dem dieser die steigende Macht der webvernetzten Fangemeinden - und ihre überwiegende Ausrichtung notierte.

Zitat

"Treue gegenüber dem Original - ob Comics, Fantasy-Romane oder TV-Serien - ist für die meisten Fans das oberste Gebot jeder Verfilmung. Weil sie nicht selten ihre eigene Identität an das bewunderte Werk knüpfen, das sie besser kennen als sich selbst, empfinden sie Abweichungen manchmal gar als persönliche Angriffe.

Fans wie die eingefleischten Tolkien-Anhänger sind die Fundamentalisten der Pop-Kultur, die wörtlich nehmen, was geschrieben steht, und nicht dulden, dass es von Andersgesinnten interpretiert wird."

Selbst Tolkien-Fan mit ordentlich zerlesener Altausgabe, kann ich die Beobachtung nicht von der Hand weisen... ;-)

Trackback URL:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5141625/modTrackback

zuckerwattewolkenmond - 8. Sep, 11:13

Aber ich glaube,

noch schlimmer sind die Startrek-Fans. ;o)

Und ob die...

...Star Wars-Fans nach den letzten Filmen und der jetzt kommenden Zeichentrick-Verfilmung abgehärtet wurden oder vom Glauben abgefallen sind? Hach, es gäbe hier zur Wirkung von Mythologien so viel zu erforschen! :-)
Jonas Richter (Gast) - 9. Sep, 22:19

Interessanter Gedankengang...

...wobei vielleicht der Mythos/Diskurs vom Genie bzw. Urheber hier ebenfalls hinein spielt: Nur die originale Fassung eines Werks ist die "wahre" Fassung, und bei der Übertragung in ein anderes Medium müsse man sich daher an die originale Version engstens halten.

Sehr seltsam finde ich die Aussage, dass Fans "ihre eigene Identität an das bewunderte Werk knüpfen" - was soll das heißen? Dass Abweichungen als persönlicher Angriff empfunden werden, habe ich noch nicht erlebt - wohl aber, dass die Wertschätzung einer Fassung stark auf dem Vergleich mit ihrer Vorlage beruht. Das ist nichts ungewöhnliches.

Interessant finde ich nicht zuletzt, welche Wirkung das Internet im Bereich der Popkultur hat: Fangemeinden blühen auf und können sich überregional organisieren. Popverehrung kann gemeinsam zelebriert werden - durch aktive Teilnahme (Homepage, Mailingliste, Forum...). Und natürlich kann man sich auch leichter als Fundamentalist verhalten, da die virtuelle Welt als getrennt von der "meatworld" erlebt wird, in welcher keine Konsequenzen/ Sanktionen erwartet werden...

Hervorragender Kommentar!

Lieber Jonas Richter,

danke für den hervorragenden Kommentar!

Insbesondere die Auswirkungen des Internets finde ich in diesem Zusammenhang ebenfalls außerordentlich interessant: Einerseits prägen sich Massenphänomene aus, die als Teil einer globalen Nivellierung von Kultur(en) verstanden werden könnten, andererseits aber eröffnet das Internet auch Vernetzungsmöglichkeiten und Nischenwelten, die wiederum ganz neue Vielfalt beispielsweise von Subkulturen, Fanszenen, Wissenschaftsbereichen etc. ermöglichen. M.E. dürfte dieser "Dschungel der Vielfalt" sogar schneller wuchern, als sich globale Marketingkampagnen durchsetzen lassen, die Anbieter von Kulturprodukten dürften zusehends auf den Dialog mit zentralen Akteuren (wie Fannetzwerken) angewiesen sein.

Die im Artikel getätigte Aussage, dass "Abweichungen als persönliche Angriffe" auf "die Identität" empfunden werden, kann ich teilweise schon nachvollziehen. So gibt es Fans, die über ihrer Meinung nach mißlungene "Interpretationen" der geliebten Mythen einfach achselzuckend oder gar amüsiert hinweg gehen, vielleicht gar eine Mehrheit. Aber es gibt ja durchaus auch das Phänomen von Spott, Häme und Hassbriefen, die gegen vermeintliche "Verfälscher" in Gang gesetzt werden.

Eine gemäßigte Kritik zu Herr der Ringe in einem Umfeld des Lobes: http://www.tolkienforum.de/lofiversion/index.php/t2738.html

"auch wenn ich mir jetzt viele feinde machen werde:ich finde die filme als HdR-verfilmungen eine kathastophe!betrachtet man sie als fantasy-filme sind sie ja gut gemacht,aber......nee nee...ich finde,dass die meisten charaktere ziemlich kaputtgemacht wurden und ich kann p.j. auch nicht verzeihen,dass er so an der geschichte rumgedoktort hat....."

Man beachte, dass der Kritiker dem Regisseur hier "nicht verzeihen" kann...

Oder hier ein Kommentar zu Star Wars - Clone Wars
http://www.rp-online.de/public/comments/index/aktuelles/kultur/film/kinokritiken/602070 :

"Ich habe Clone Wars gestern in der Vorpremiere gesehen und...hmmm eigentlich will ich gar nicht viel über den Film diskutieren. Ich will ihn einfach vergessen oder ihn als eine Art Zwischensequenz für irgendein Science-Fiction Videospiel betrachten. Mit Star Wars hat dieser... wirklich GROTTIG animierte Film bis auf die Charakternamen nichts, aber auch rein gar nichts zu tun.
Die in 2 Sätzen erzählbare Story, die sich hauptsächlich um Jabba's entführten Sohn dreht, befriedigt nicht mal 3 jährige. Außer den 2 Minuten Story-Elemente gibt es dann Schlacht an Schlacht gereihte ''Action''. Wenn die Technik dann noch stimmen würde und die Qualität der Animationen nicht weit unter derer des 12 Jahre alten ''Toy Story'' angesiedelt wäre - ja dann wäre Clone Wars wenigstens noch etwas fürs Auge. Das ist man ja von Star Wars zumindest schon etwas gewohnt.

Schlimm. Einfach nur schlimm. Schade.

George. Lass Star Wars und Indiana Jones bitte einfach in Ruhe."

Hier wird gegen den so empfundenen Missbrauch des Mythos angeschrieben.

Dass der Umgang mit Buch- und Filmmythen aber interessant ist, ist wohl Konsens. Findet jemand eine noch "beißendere" Mythos-Kritik?

Herzlichen Dank nochmal für den tollen Kommentar und viele Grüße!

Darth Vader wird verteidigt...

...von einem weiblichen Fan gegen die Filmversion...

""Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung" - schon der viel zu lang geratene Filmtitel verdeutlicht, dass hier etwas versprochen wird, was zu halten wohl nicht gelingen kann. In der Tat, die Fortsetzung von George Lucas' Weltraumepos, das in den 1970er Jahren einmal unter dem schlichten Titel "Krieg der Sterne" in die deutschen Kinos gelangte und weltweit Millionen Fans in seinen Bann zu ziehen fähig war, entpuppt sich als schwachmatisches und konzeptloses High Tech-Gedaddel auf Kindergartenniveau ohne jedweden erzählerischen Anspruch noch überhaupt darum bemüht, auch nur den Ansatz eines logischen roten Fadens zu wahren.
So lernen wir etwa, dass Darth Vader - DER Darth Vader, einer der wohl besten Bösewichte der Filmgeschichte - früher einmal ein echt voll nettes, naseweises und möchtegern-cooles Muttersöhnchen mit dem ohrenschmerzerregenden und nicht gerade maskulinen Spitznamen "Ani" (ausgesprochen "Änni") war, das in seiner Freizeit gerne Roboter bastelte und Kreisjugendmeister im Wüstenrennen war, wofür seine "Mom" ihm bestimmt Spaghetti mit Tomatensauce zur Belohnung gekocht hat. [...]"

;-)

http://www.amazon.de/review/product/B00005MIVY/ref=cm_cr_dp_all_helpful?%5Fencoding=UTF8&coliid=&showViewpoints=1&colid=&sortBy=bySubmissionDateDescending

Hier ein Purist...

...mit der schönen Überschrift "Der Film ist die Bedrohung an sich"

"Welche anno 99, wars glaube ich, ihren Schatten über viele "alte" Fans warf. Man möchte es eigentlich kaum glauben. Die originellen Wesen aus den alten Filmen werden durch pantoffelohrige Super-heftig-General-Möchtegern-Kabarettisten ersetzt; "Mutter" und "Vater" werden zu "Mom" und "Dad"; die allmächtige Macht wird wirkungslos, sobald man es mit einem Schrott verkaufenden Flatter-Nasenbär zu tun kriegt; der furchterregende Darth Vader wird zum lieben kleinen Ani und nervt ohne Ende; das mystische Energiefeld genannt "Macht" gibts nicht mehr, dafür gibts jetzt Midi-Chlorianer; Obi-Wan-Kenobi ist viel zu jung (die Zeit, die bis zur Episode IV vergeht, reicht niemals aus, um wie Sir Alec Guiness wie über Siebzig auszusehen, vor allem, da die Macht ja jung hält); Qui-Gon ist plötzlich Obi-Wans Meister, nicht mehr Yoda; ein verbranntes Chili-Würstchen besiegt den Jedi-Meister, aber mit dem Padawan kann ers nicht aufnehmen; im U-Boot werden die Helden gleich 2 Mal von Monsterfischen angegriffen, die, kurz bevor sie wirklich gefährlich werden, von größeren Monsterfischen verputzt werden (bei so viel Glück brauchts eigentlich keine Macht); bereits vor langer, langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis gabs den französischen Akzent; C-3PO wurde von Anakin gebaut, der auch der Boss von R2-D2 wurde, aber man hatte in den früheren Filmen zu keiner Zeit das Gefühl, dass Vader die Droiden kennt und umgekehrt (zumindest im Falle von R2); in den alten Filmen waren auch andere Droiden von C-3POs Typ zu sehen - sieht so aus, als hätte Ani als 9-jähriger Junge den Prototyp für den besten Protokolldroiden entworfen, den die Republik selbst nicht zu bauen im Stande gewesen wäre (Midi-Chlorianer machen also auch gute Ingenieure), ..."

http://www.amazon.de/review/product/B00005MIVY/ref=cm_cr_pr_link_3?%5Fencoding=UTF8&pageNumber=3&sortBy=bySubmissionDateDescending

Findet jemand eine noch beißendere Film-Mythen-Kritik?
Kurzfasser (Gast) - 11. Sep, 23:31

Tolkien?

Wie kann man bitte Tolkien zu "pop" zählen??? Wenn jemand Gustav Mahler als DEN Komponisten schlechthin bezeichnet, sagen wir dann er wäre ein fundamentalist der pop-kultur? ist mahler Pop? -nein, genausowenig ist es auch tolkien. dass tolkien-verrückte sein werk als vollkommen betrachten ist verständlich, denn hier hat ein wirkliches genie mehr als 20 Jahre an diesem Werk gearbeitet, und die Bibel des zwanzigsten Jahrhunderts geschaffen!-wobei, das ist wohl untertrieben, denn das griechisch des neuen testaments ist vielleicht auf dem niveau von Harry Potter. Ein besserer vergleich wäre wohl mit der dichtkunst des Korans angestellt. Ich bitte darum diesen vergleich zu überdenken, er verletzt meiner meinung nach das, was die verbindung zwischen rationalismus und religion herstellt, auch wenn es komisch klingt. Meiner meinung nach hat tolkien eine selten religiöse welt geschaffen, aber mit mitteln des rationalismus, des unbändigen studierens geschaffen...

Zumindest denke ich so, und ehrlich gesagt verletzt es mich, dass der zweite Faust so verunglimpft wird, und dass dieser text so tut als wäre tolkiens HdR jenes von P.J. und irgendjemand würe eine Romanfassung daraus machen...

saibot (Gast) - 13. Sep, 20:41

Fundamentalisten

in diesem Sinne fallen mir am ehesten die vielen "Mac"-User ein, die ihre "Produktwahl" zu einer Grundsatzsfrage stiliesieren. Mehr als ein "gewöhnlicher" Fan sind sie überzeugt von diesem Computer und (als Minderheit) auch überraschend geeint.
Die Herstellerfirma nutzt das auch geschickt für ihre Werbung...http://www.youtube.com/watch?v=58ZrzYtjQmo

@ Saibot

Lieber Saibot,

völlig richtig! Es gibt sogar schon ein "religionswissenschaftliches Kabarett" dazu. Echt! :-)

Schau hier:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5037131/

Herzliche Grüße!

Michael

Dr. Blume

Religionswissenschaft aus Freude
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

kostenloser Counter

Bloggeramt.de

Gott, Gene und Gehirn - Von Rüdiger Vaas und Michael Blume

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Kommentare

Danke, Elsa!
Dein Wunsch hat sich erfüllt! :-) Auch Dir ein...
blume-religionswissenschaft - 12. Apr, 20:05
Ich wünsche dir...
Ich wünsche dir Frohe Ostern und schöne Feiertage...
ElsaLaska - 12. Apr, 17:02
@itz: Sehr gerne!
Und ich würde fast sagen, dass wir beide auch...
blume-religionswissenschaft - 12. Apr, 12:01
Erkenntnis!?
Lieber Sapere Aude, es freut mich, dass Sie anfangen...
blume-religionswissenschaft - 12. Apr, 11:58
Everybody be cool,......
“Nothing does reason more right, than the coolness...
itz (Gast) - 12. Apr, 10:17
http://www.blog.dignitatis .com/wordpress/
Dass Sie sich gegenseitig mit Genuss die Flöhe...
sapere aude (Gast) - 12. Apr, 00:26
Danke, Ihr zwei!
Bin gerade aus Stuttgart zurück - so schnelle...
blume-religionswissenschaft - 11. Apr, 21:25
Doller Vortrag!
Hallo Herr Dr. Blume, vielen Dank für den ebenso...
Astrofan (Gast) - 11. Apr, 19:27

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (summary)

twoday.net AGB

Aus den Alben

Ein Grafikelement für eine Grundschule als malawisch-ägyptisch-deutsche Koproduktion.

Suche

 

Status

Online seit 1077 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2. Sep, 12:39
    Hier gehts zu Twitter