Der Gesang der Siamang
Die Siamang Gibbons leben am Südzipfel Südostasiens (Malaiische Halbinsel bis Sumatra) und sind ein interessanter Fall für die Evolutionswissenschaften insgesamt und besonders für die auch für die Religionswissenschaft interessante Evolutionsforschung zur Musikalität.
So spielt bei den Siamang der Gesang eine große, soziale Verbindlichkeit stiftende Rolle: Er dient der Markierung von Revieren, vor allem aber der Paarbindung. Denn auch bei den Siamang Gibbons zeigt sich die häufige Verknüpfung von Musikalität und Monogamie - sie leben in Kleinfamilien, zwischen denen Rufe und Gesang Verbindung zu pflegen scheinen. Wie wichtig Musikalität in ihrer Entwicklung geworden ist, lässt sich auch am eindrucksvollen Kehlsack beobachten.
Hier ein Siamang-Paargesang, ein Gibbon-Duett:
Die Idee, auch mal einen Blick auf diese Fähigkeiten unserer Verwandten zu werfen, entstand aus einem Gespräch mit Wolfgang Bossinger.
So spielt bei den Siamang der Gesang eine große, soziale Verbindlichkeit stiftende Rolle: Er dient der Markierung von Revieren, vor allem aber der Paarbindung. Denn auch bei den Siamang Gibbons zeigt sich die häufige Verknüpfung von Musikalität und Monogamie - sie leben in Kleinfamilien, zwischen denen Rufe und Gesang Verbindung zu pflegen scheinen. Wie wichtig Musikalität in ihrer Entwicklung geworden ist, lässt sich auch am eindrucksvollen Kehlsack beobachten.
Hier ein Siamang-Paargesang, ein Gibbon-Duett:
Die Idee, auch mal einen Blick auf diese Fähigkeiten unserer Verwandten zu werfen, entstand aus einem Gespräch mit Wolfgang Bossinger.
blume-religionswissenschaft - 10. Sep, 06:50
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Ingo Bading - 12. Sep, 16:57
Musik?
Interessant! Aber ist das wirklich, ähm ... "Musik" (in meinen und Deinen Ohren), was die da produzieren???
Und kann man dann darin deshalb tatsächlich Ansätze von Religiosität drin erkennen?
Auf dem englischen Wikipedia zu dieser Art wird nicht die paarbindende Funktion des "calling" hervorgehoben (die sicherlich eine Rolle spielt), sondern mehr noch die territoriale Abgrenzung zu anderen Gruppen, Paaren, bzw. auch Arten:
"Most of the Siamang's calls are directed to its neighbours rather than to inside its home range. This means that the Siamang's calling is in response to disturbances and is to defend its territory. Calls in the late morning typically happen when it meets or sees another Siamang group. The edge of the Siamang's home range, which may overlap another, is often the places where calling is made. Counter-call (co-response calling) occasionally happens near the border or in the overlap area. Calls are numerous when fruit is more abundant rather than when fruit is less available. Branch shaking, swinging, and moving around the tree crowns accompany the calling. This movement might be to show the other groups where they are."
http://en.wikipedia.org/wiki/Siamang#Role_of_calling
Ich glaube dennoch nicht daran, daß die Kooperation zwischen Paaren und in Gruppen vornehmlich darauf beruht, daß sie in Konkurrenz zu anderen Paaren und Gruppen leben, wie das neuerdings im Rahmen der Theorie der Gruppenselektion formuliert wird, hier z.B. anhand der südafrikanischen Baumhopfe, und OBWOHL diese innerhalb der Gruppe zu 90 % familiär genetisch miteinander verwandt sind:
http://studgendeutsch.blogspot.com/2008/09/gruppenselektion-ein-neuer-beitrag-aus.html
Ansätze von Religiosität und Altruismus würde ich bei diesem - leider in einem sehr trostlosen Käfig - gehaltenen Paar eher in dem doch scheinbar recht fürsorglichen Verhalten sehen, das sie beide füreinander haben und das doch - zumindest auch noch - deutlich andere Wurzeln haben muß, als Konkurrenz.
Dieses fürsorgliche Verhalten in Paarbeziehungen und daß es offenbar Intelligenz-fördernd ist, erforscht ja neuerdings der immer wieder mit innovativen Ansätzen überraschende britische Anthropologe Robin Dunbar mit umfassenden empirischen Datensätzen:
http://studgendeutsch.blogspot.com/2007/11/ist-die-monogame-bindung-der-kern-aller.html
Und kann man dann darin deshalb tatsächlich Ansätze von Religiosität drin erkennen?
Auf dem englischen Wikipedia zu dieser Art wird nicht die paarbindende Funktion des "calling" hervorgehoben (die sicherlich eine Rolle spielt), sondern mehr noch die territoriale Abgrenzung zu anderen Gruppen, Paaren, bzw. auch Arten:
"Most of the Siamang's calls are directed to its neighbours rather than to inside its home range. This means that the Siamang's calling is in response to disturbances and is to defend its territory. Calls in the late morning typically happen when it meets or sees another Siamang group. The edge of the Siamang's home range, which may overlap another, is often the places where calling is made. Counter-call (co-response calling) occasionally happens near the border or in the overlap area. Calls are numerous when fruit is more abundant rather than when fruit is less available. Branch shaking, swinging, and moving around the tree crowns accompany the calling. This movement might be to show the other groups where they are."
http://en.wikipedia.org/wiki/Siamang#Role_of_calling
Ich glaube dennoch nicht daran, daß die Kooperation zwischen Paaren und in Gruppen vornehmlich darauf beruht, daß sie in Konkurrenz zu anderen Paaren und Gruppen leben, wie das neuerdings im Rahmen der Theorie der Gruppenselektion formuliert wird, hier z.B. anhand der südafrikanischen Baumhopfe, und OBWOHL diese innerhalb der Gruppe zu 90 % familiär genetisch miteinander verwandt sind:
http://studgendeutsch.blogspot.com/2008/09/gruppenselektion-ein-neuer-beitrag-aus.html
Ansätze von Religiosität und Altruismus würde ich bei diesem - leider in einem sehr trostlosen Käfig - gehaltenen Paar eher in dem doch scheinbar recht fürsorglichen Verhalten sehen, das sie beide füreinander haben und das doch - zumindest auch noch - deutlich andere Wurzeln haben muß, als Konkurrenz.
Dieses fürsorgliche Verhalten in Paarbeziehungen und daß es offenbar Intelligenz-fördernd ist, erforscht ja neuerdings der immer wieder mit innovativen Ansätzen überraschende britische Anthropologe Robin Dunbar mit umfassenden empirischen Datensätzen:
http://studgendeutsch.blogspot.com/2007/11/ist-die-monogame-bindung-der-kern-aller.html
Noah K. (Gast) - 12. Sep, 19:03
Ingo,
in Kulturzeiträumen gedacht gibt es Musik ja schon sehr lange.
http://www.evolution-mensch.de/thema/eiszeit/eiszeitkunst_musik.php
Musik denken wir üblicherweise als Kulturleistung. Ich vermute jedoch, dass sie präkulturelle Wurzeln hat und eine (nahtlose?) Entwicklung in "Kultur" hinein nahm.
Nur am Rande erwähnt zwei Artikel, die man in diesem Zusammenhang vielleicht auch mal (ergebnisoffen) zusammendenken könnte:
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/966741
http://science.orf.at/science/news/144009
in Kulturzeiträumen gedacht gibt es Musik ja schon sehr lange.
http://www.evolution-mensch.de/thema/eiszeit/eiszeitkunst_musik.php
Musik denken wir üblicherweise als Kulturleistung. Ich vermute jedoch, dass sie präkulturelle Wurzeln hat und eine (nahtlose?) Entwicklung in "Kultur" hinein nahm.
Nur am Rande erwähnt zwei Artikel, die man in diesem Zusammenhang vielleicht auch mal (ergebnisoffen) zusammendenken könnte:
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/966741
http://science.orf.at/science/news/144009
blume-religionswissenschaft - 12. Sep, 19:37
Musik
Lieber Ingo,
danke für Deine Mitwirkung - das Video habe ich gleich mit Deinem deutlich schöneren ausgetauscht.
Zu Musik als Paarbindung oder Revierverhalten: M.E. liegt hier kein Widerspruch vor - denn gerade die Markierung des Reviers gegenüber anderen Gibbons bekräftigt wiederum auch die "Exklusivität" der monogamen Paarbindung bzw. Kleinfamilie. Die Siamang bilden z.B. keine Harems, wie es Gorillas tun.
Auch würde ich die Musikalität nicht unbedingt als notwendigen Vorläufer von Religiosität, aber als evolutionswissenschaftlich hoch interessanten Vergleichsfall betrachten: In beiden Fällen haben wir es mit kommunikativ orientierten Bündeln aus Fähigkeiten zu tun, die das soziale Verhalten mit der Tendenz zu höherer Verbindlichkeit prägen.
@ Noah K.
Ja, da würde ich zustimmen. Die Gesänge von Walen, Vögeln oder auch Affen mögen uns fremdartig erscheinen, sie können aber von großer Komplexität und auch überlieferbarer Formbarkeit, dass ich sie als Musik bezeichnen würde. Und den (Wal-, Vögel-, Affen-)Damen gefällt es ja meist auch! :-)
danke für Deine Mitwirkung - das Video habe ich gleich mit Deinem deutlich schöneren ausgetauscht.
Zu Musik als Paarbindung oder Revierverhalten: M.E. liegt hier kein Widerspruch vor - denn gerade die Markierung des Reviers gegenüber anderen Gibbons bekräftigt wiederum auch die "Exklusivität" der monogamen Paarbindung bzw. Kleinfamilie. Die Siamang bilden z.B. keine Harems, wie es Gorillas tun.
Auch würde ich die Musikalität nicht unbedingt als notwendigen Vorläufer von Religiosität, aber als evolutionswissenschaftlich hoch interessanten Vergleichsfall betrachten: In beiden Fällen haben wir es mit kommunikativ orientierten Bündeln aus Fähigkeiten zu tun, die das soziale Verhalten mit der Tendenz zu höherer Verbindlichkeit prägen.
@ Noah K.
Ja, da würde ich zustimmen. Die Gesänge von Walen, Vögeln oder auch Affen mögen uns fremdartig erscheinen, sie können aber von großer Komplexität und auch überlieferbarer Formbarkeit, dass ich sie als Musik bezeichnen würde. Und den (Wal-, Vögel-, Affen-)Damen gefällt es ja meist auch! :-)
Ingo Bading - 12. Sep, 19:46
Eher Sprache als Musik, oder?
Ehrlich gesagt, wundere ich mich, daß diese "Lautäußerungen" "Musik", bzw. "Gesang" genannt werden. Englisch "Call" finde ich da noch am angemessensten.
Irgendwo kam mir neulich auch eine Studie unter, in der die Fülle des Lautrepertoirs bei Primaten in Bezug gesetzt wurde zu ihrer Gehirn- bzw. Gruppengröße.
Nach der These von Dunbar haben ja die Lautäußerungen, (also sozial beruhigendes Klatschen und Tratschen) schrittweise die soziale Fellpflege abgelöst, waren ein Ersatz dafür.
Insofern sollte man vielleicht sagen, daß diese Rufe einfach Vorläufer menschlicher Sprache repräsenteren?
Irgendwo kam mir neulich auch eine Studie unter, in der die Fülle des Lautrepertoirs bei Primaten in Bezug gesetzt wurde zu ihrer Gehirn- bzw. Gruppengröße.
Nach der These von Dunbar haben ja die Lautäußerungen, (also sozial beruhigendes Klatschen und Tratschen) schrittweise die soziale Fellpflege abgelöst, waren ein Ersatz dafür.
Insofern sollte man vielleicht sagen, daß diese Rufe einfach Vorläufer menschlicher Sprache repräsenteren?
blume-religionswissenschaft - 16. Sep, 10:25
Musik - Sprache ( & Religion)
Lieber Ingo,
in der aktuellen Gehirn und Geist ist ein Artikel von Jan Dönges genau zu unserem Thema - die Evolution der Sprachfähigkeit mutmaßlich aus der Musikalität!
Kostenloser Download hier:
http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/963209
Alle drei unsererseits diskutierten Merkmale (Sprachfähigkeit, Musikalität und Religiosität) weisen übrigens die gleiche Struktur auf: Sie sind klar biologisch veranlagt, entfalten ihren biologischen Nutzen aber erst in der kulturellen Ausprägung - den Sprachen, Musiken und Religionen. Und insbesondere wer als Kind keine entsprechende Frühförderung erhält, wird häufiger das betreffende Merkmal kaum oder gar nicht ausbilden.
Aber dazu mal mehr an anderer Stelle...
Hier einfach ein Danke für die Diskussion - wir bleiben dran, versprochen!
Liebe Grüße
Michael
in der aktuellen Gehirn und Geist ist ein Artikel von Jan Dönges genau zu unserem Thema - die Evolution der Sprachfähigkeit mutmaßlich aus der Musikalität!
Kostenloser Download hier:
http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/963209
Alle drei unsererseits diskutierten Merkmale (Sprachfähigkeit, Musikalität und Religiosität) weisen übrigens die gleiche Struktur auf: Sie sind klar biologisch veranlagt, entfalten ihren biologischen Nutzen aber erst in der kulturellen Ausprägung - den Sprachen, Musiken und Religionen. Und insbesondere wer als Kind keine entsprechende Frühförderung erhält, wird häufiger das betreffende Merkmal kaum oder gar nicht ausbilden.
Aber dazu mal mehr an anderer Stelle...
Hier einfach ein Danke für die Diskussion - wir bleiben dran, versprochen!
Liebe Grüße
Michael
blume-religionswissenschaft - 18. Sep, 18:02
@ Ingo & all
Zu Deinen Anregungen und dem Dönges-Artikel habe ich einen Chronologs-Beitrag gemacht, siehe hier:
http://www.chronologs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens/grundlagen/2008-09-16/sprachf-higkeit-musikalit-t-religiosit-t-die-soziale-perspektive
Danke für Deine so oft wertvollen Anregungen, Ingo!
http://www.chronologs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens/grundlagen/2008-09-16/sprachf-higkeit-musikalit-t-religiosit-t-die-soziale-perspektive
Danke für Deine so oft wertvollen Anregungen, Ingo!
Noah K. - 30. Sep, 19:31
Hier auch nochmal kurz der Hinweis auf die heutige Sendung Quarks & Co. - "Die Macht der Musik" (WDR 21.00 Uhr). In der Ankündigung ist zu lesen, dass für das Singen anscheinend andere Hirnareale zuständig seien als für das Sprechen.
http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0930/000_musik.jsp
http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0930/000_musik.jsp




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