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Montag, 21. Juli 2008

Sollen sich Frauen politisch betätigen?

Oder, anders formuliert: "Finden Sie es richtig, daß die Frau sich politisch bestätigt?" - so fragte das Bielefelder Meinungsforschungsinstitut EMNID 1949 die (West-)Deutschen (wieder entdeckt im Heft Umfrage & Analyse 5/6 - 2008 von tns emnid).

Ein knappes Drittel der Männer (32,4%) lehnte die politische Betätigung von Frauen ab - aber gar 34,6% der Frauen selbst. Fragte man nach "verheirateten" Frauen, stieg die Ablehnung sogar auf 45,9% (ohne großen Geschlechterunterschied).

Und die Begründung? Im Hinblick auf unverheiratete Frauen begründeten 34,3% der Ablehnenden ihre Haltung mit der Auskunft "Politik ist Männersache": 24,6% der Männer und sogar 42,8% (!) der Frauen. Im Hinblick auf verheiratete Frauen war dagegen das häufigste Argument, "sie gehören in Haus und Familie" - 60,2% der ablehnenden Männer und 58,0% der Frauen.

Addiert man die beiden Antworten (die das Leben nach festen Geschlechterdomänen sortieren), so erfassen sie im Hinblick auf unverheiratete Frauen 46,5% der ablehnenden Männer und sogar 55,2% der ablehnenden Frauen. Im Hinblick auf verheiratete Frauen herrscht sogar fast Einigkeit: 71,8% der ablehnenden Männer und 75,4% der ablehnenden Frauen fanden sich in einer der Antworten wieder.

Und heute, sechzig Jahre später?

Aus der bürgerlichen Opposition heraus hat eine christdemokratische Kanzlerin einen sozialdemokratischen Kanzler abgelöst. Weibliches Engagement wird auch in der Politik überwiegend geschätzt und begrüßt. Gleichzeitig bleiben unterschiedliche Geschlechterpräferenzen, gerade auch im Hinblick auf kinderbezogenes, soziales, politisches und religiöses Engagement, weiterhin sichtbar und werden zunehmend auch unideologisch und wissenschaftlich diskutiert - oder gar in Kabarettstücken a la Mario Barth zelebriert.

Frauen und Männer engagieren sich freiwillig für unterschiedliche Schwerpunkte. Männer streben häufiger Macht- und Heldenrollen an, Frauen sichern ihr reproduktives Investment durch Engagement für Kinder, Soziales - und Religion.

Man mag kaum glauben, dass seit der Emnid-Umfrage erst 60 Jahre vergangen sind. Heute würde wohl kein Meinungsforschungsinstitut mehr o.g. Fragen stellen. Denn längst haben große Mehrheiten der Menschen das Nebeneinander durchaus bleibend-unterschiedlicher Präferenzen einerseits und unverzichtbarer, individueller Freiheit andererseits verinnerlicht.

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Dr. Blume

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