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Freitag, 18. Juli 2008

Zitat des Zen-Mönches Suzuki Shosan zu Marktwirtschaft und Freiheit

Dass Marktwirtschaft und Religionsfreiheit einander bedingen, haben im 20. Jahrhundert im Gefolge von Adam Smith vor allem die ökonomische Freiburger Schule und zuletzt Friedrich August von Hayek ausgearbeitet. Aber auch sehr viel früher und in anderen Kulturen wurden die Zusammenhänge wirtschaftlicher und aller weiteren Freiheiten erkannt und beschrieben.

So begrüßte der japanische Zen-Mönch Suzuki Shosan (1579 - 1655) die langsame Ablösung der Feudalordnung durch die Entstehung von Stadtkulturen und Handel. Die traditionelle Geringschätzung der Kaufleute versuchte er dagegen zu überwinden.

Zitat:

"Sei vielmehr davon überzeugt, dass dir der Beruf des Kaufmanns vom Himmel aufgetragen worden ist, um das ganze Land frei zu machen. Ohne Kaufleute kann es keine Freiheit der Welt geben."

Gefunden in: Josef Schüßlburner,
"Japan. Gründe für den kapitalistischen Erfolg. Pluralismus als Voraussetzung für Marktdynamik.", ef-magazin 84 (2008), S. 44 ff.

Trackback URL:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/5042864/modTrackback

Basty Castellio (Gast) - 18. Jul, 12:51

Na ja,

Luther sieht etwas mehr - das Positive UND das Negative.
Aber er drückt es so scharf aus, dass vielleicht nur das Negative hängen bleibt.

Aus "Von Kaufhandel und Wucher", 1527:

Das kann man nicht leugnen, daß Kaufen und Verkaufen ein nötig Ding ist, das man nicht entberen und wol christlich brauchen kann, sonderlich in Dingen, die zur Not und Ehre dienen. Denn also haben auch die Patriarchen verkauft und gekauft: Vieh, Wolle, Getreide, Butter, Milch, und andre Güter. Es sind Gottes Gaben, die er aus der Erde gibt, und unter die Menschen teilt. Aber der ausländische Kaufhandel...[unnötiger Luxuswaren, der ] Land und Leuten das Geld aussaugt sollte nicht zugelassen werden.

Zu Überfällen durch Raubritter auf Kaufleute:
[So bestraft Gott] einen Buben [=Schurken] mit dem andern, ohn dass er dadurch zu verstehen giebt, dass Reuter [Ritter] geringre Räuber sind dann die Kaufleut: sintemal die Kaufleut täglich die ganze Welt rauben, wo ein Reuter im Jahr einmal oder zwei, einen oder zween beraubt.

Ich wäre also für differenzierte UND kritische Betrachtungsweise.

Bei allen Betrachtungen dazu muss man auch immer fragen, WEM welche Freiheit nützt. Irgendwo las ich mal eine gute Bemerkung in der Richtung: Die Starken und Reichen loben die Freiheit, die Armen möchten/müssen sich aber auf den Schutz durch das Gesetz berufen.

Basty

Wobei...

...die "unfreien" Systeme in rotem oder braunem Gewand (jeweils "sozialistisch") ihre Versprechen ("Schutz durch das Gesetz") regelmäßig nicht wahr gemacht haben. Erst freiheitliche Wirtschaftssysteme haben Abermillionen aus der Armut geführt. Insofern spricht hier die Empirie für die Freiheit.

Dass Luther das noch nicht wusste, ist ihm nicht vorzuwerfen. Nach dem, was Luther u.a. über Juden, Katholiken, Türken und Bauern geschrieben hat, sind die Kaufleute hier ja in bester Gesellschaft bzw. kommen noch recht geschont davon... ;-)
Basty Castellio (Gast) - 19. Jul, 09:43

Dachte ich mir doch gleich...

... dass das Negative leichter hängen bleibt.
Bei Luther blieb auch über die Türken, Juden, Bauern ff das Negative eher hängen - *obwohl* er für differenziertere Betrachtungsweise plädiert, und gerade gegenüber den Türken *meint*, man solle diese andern nicht nur schlecht machen. Und er müsste zuerst den Koran besser gelesen haben. Aber dann...[- hier stünde er und könnte auch anders und dann Gnade euch Gott]
Na ja, das ist der Mensch in seinem Widerspruch. Und irgendwo - bei Jonathan Haidt? - las ich in den letzten Tagen, es sei eben in der (kulturellen) Evolution erfolgreicher, wenn man zuerst das Schlechte annehme. Aber man kann auch drin hängen bleiben.
Differenzieren wir also deshalb oder trotzdem weiter. Auch zwischen den gerade wirtschaftspolitisch unterschiedlich gestalteten Unfreiheiten in den System, die das "sozialistisch" im Namen hatten/haben. Und zwischen den unterschiedlichen Nutznießern von Freiheiten. Beispielsweise zwischen den Millionen der Industrieländer, die in wirtschaftlicher Freiheit billige Bananen kaufen können (reicht bei Hartz IV oft nicht) und den Bananpflückern und den unweit von ihnen verhungernden Kindern. Da geht auch was in die Millionen.

Na ja, das ist jetzt moralisierend. Auch Luther moralisiert gewaltig - u.a. gegen wirtschaftliche Monopolisierung und das, was wir heute Globalisierung nennen. Moralisieren nützt allein nichts. Aber ohne Moral ist alles nichts. Hayek hat es betont. Und das merkten selbst gelegentlich die Marxisten, die meinten, alles mit wissenschaftlich eherner Logik hinzubekommen.
Religion ist sicher nicht deckungsgleich mit Moral. Aber Moral ist eine Aufgabe, der sich auch Religionsvertreter nicht entziehen können. Deshalb...
Aber wende ich mich - hier - lieber wieder religionswissenschaftlichen Themen zu.

Basty

@ Basty

Du schriebst:

"Moralisieren nützt allein nichts. Aber ohne Moral ist alles nichts. Hayek hat es betont. Und das merkten selbst gelegentlich die Marxisten, die meinten, alles mit wissenschaftlich eherner Logik hinzubekommen.
Religion ist sicher nicht deckungsgleich mit Moral. Aber Moral ist eine Aufgabe, der sich auch Religionsvertreter nicht entziehen können. Deshalb..."

...brauchen sie Freiheit! Selbstverständlich lösen Demokratie und Marktwirtschaft nicht alle Probleme - aber sie erlauben uns, sich für deren Lösung zu engagieren! In nicht-freiheitlichen Systemen gab und gibt es dagegen kaum Möglichkeiten, Unrecht zu benennen, Alternativen zu erproben, über die eigene Zeit zu verfügen, auch Transfair-Produkte zu handeln etc. All dies war und ist in sozialistischen oder anderen totalitären Systemen unmöglich.

Erst in Freiheit werden wir verantwortlich.
Edgar (Gast) - 19. Jul, 15:14

Max Weber

Mich würde interessieren, wie Max Webers Frage von 1905 nach der Entstehung des "bürgerlichen Betriebskapitalismus" inzwischen aus religionswissenschaftlicher Sicht beantwortet wird:

"Welche Verkettung von Umständen hat dazu geführt, daß gerade auf dem Boden des Okzidents, und nur hier, Kulturerscheinungen auftraten, welche doch - wie wenigstens wir uns gerne vorstellen - in einer Entwicklungsrichtung von universeller Bedeutung und Gültigkeit lagen?"
(...)
"In einer Universalgeschichte der Kultur ist also für uns, rein wirtschaftlich, das zentrale Problem letztlich (...) die Entstehung des bürgerlichen Betriebskapitalismus mit seiner rationalen Organisation der freien Arbeit. Oder, kulturgeschichtlich gewendet, die Entstehung des abendländischen Bürgertums und seiner Eigenart (...)"

Aus:
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, 2007/1905

Edgar (Gast) - 19. Jul, 15:47

Weiterentwicklung der Reformationsbewegung?

Der Soziologe Max Weber stellte in seinem Buch Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus die These auf, dass der Kapitalismus in Europa aus religiösen Gründen entstanden sei und eine – im geistigen Sinne – Weiterentwicklung der Reformationsbewegung darstelle (vgl. das protestantische Arbeitsethos und die protestantische Ethik allgemein).
http://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalismus#Politische_Soziologie

Riesen-Thema

Lieber Edgar,

die Weber-Rezeption ist ein Riesenthema, über das ganze Bücher geschrieben wurden und werden. In neuerer Zeit kommen viele empirische Forschungen dazu.

In Kurzfassung lässt sich sagen, dass Webers Beiträge immer noch sehr geschätzt werden, aber nicht mehr monokausal anerkannt werden. So hat der Protestantismus häufig wirtschaftlich vitalisierend gewirkt, manche evangelische (steuerfinanzierte) Landeskirche aber auch privatwirtschaftliches Engagement eher kritisch betrachtet. Heute beobachten wir wirtschaftlich belebende Prozesse z.B. auch bei Jains, Konfuzianern und einigen katholischen, islamischen und hinduistischen Gemeinschaften, vor allem Minderheiten. Wie sich Religionen ausprägen, hängt also keineswegs essentiell nur von einigen Glaubenslehren ab, sondern immer von einer Vielzahl von Faktoren. Max Weber hat den Blick darauf gelenkt, das ist sein bleibendes Verdienst. Bis heute inspiriert er Forscher, ohne dass sich eine neue Metatheorie schon abzeichnet.
Edgar (Gast) - 21. Jul, 00:29

Religion und Wirtschaftsethik

Hallo Michael,
Danke für Deine Antwort. Ich freue mich, daß Du Dir Zeit für dieses Blog nimmst. Was mich im Verhältnis von Religion und Wirtschaft beschäftigt, wann und wo die "reine Lehre" dem wirtschaftlichen Handeln Spielräume läßt und wo sie Grenzen setzt. Fordert zum Beispiel die Bibel von ihren Gläubigen eine bestimmte Wirtschaftsethik? Der Papst soll jüngst in Australien die "Bewahrung der Schöpfung" gefordert haben. Aber fordert die Bibel eine bestimmte, z.B. "nachhaltige" Bewirtschaftung der Welt? Bezogen auf die alttestamentarische Forderung "Dominium terrae" (Genesis 1,28: Macht euch die Erde untertan) lese ich bei Wikipedia auch die Frage, ob die ökologische Krise eine Folge des Christentums ist. Dort steht allerdings auch, daß es im Laufe der Geschichte unterschiedliche Interpretationen gab, und daß die hebräischen Verben 'kabasch' und 'radah' in der Vergangenheit unangemessen übersetzt worden wären.
( http://de.wikipedia.org/wiki/Dominium_terrae )

Danke für...

...die nette Rückmeldung. Ja, es ist schon zeitaufwändig - heute gebe ich z.B. einen Teil eines Urlaubstages dran. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich die Blogaktivität auf Dauer so intensiv aufrecht erhalten kann. Aber nicht nur die Nachfrage, auch die Anregungen und Hinweise sind m.E. auch sehr wertvoll. Und nette Rückmeldungen tun natürlich auch gut! :-)

Herzliche Grüße

Michael
Edgar (Gast) - 22. Jul, 15:11

Nachhaltige verbindliche Lebensführung

Lieber Michael,
Du schreibst in "Die Bio-Logik der 10 Gebote / Warum verbindlicher Glaube nützt" über Vor- und Nachteile von verbindlicher ("kooperationstreuer") Lebensführung.
Dabei weist Du auf den hohen Stellenwert reproduktiver Kooperationen in der Bibel hin: „Seid fruchtbar und mehret euch!“ (Genesis 1,28). Außerdem schreibst Du "Religionsgemeinschaften, die zu evolvieren aufhören, fallen Umweltveränderungen zum Opfer."
Meine Frage ist nun, ob und wie sich der Stellenwert JHWs Auftrag "Macht Euch die Erde untertan" (ebenfalls Genesis 1,28) für „bibeltreue“ Menschen entwickelt hat.
Dabei nehme ich an, daß die Befolgung biblischer Gebote nicht zwangsläufig zu "biologischem Erfolg" führen muß. Genau so könnte sie aus evolutionsgeschichtlicher Sicht "kurzfristig" zwar einen Reproduktionserfolg bewirken, dieser wäre aber nicht nachhaltig, da die Kooperationstreue "langfristig" selbstzerstörerisch wirken kann.
Kurz, wenn Reproduktionserfolg auch eine zeitliche Dimension hat, dann denke ich daß er nicht nur vom Umgang der Menschen untereinander, sondern auch von deren Umgang mit dem Rest der Schöpfung abhängt. Mich würde also interessieren, was die Religionswissenschaft über Religion und ökologische Lebensführung sagen kann.















.

Oh, großes Thema...

...ich werde gerne mal bei Gelegenheit darüber etwas ausarbeiten, denn eine Rolle spielt das schon und macht ja gerade auch im Hinblick auf das intergenerationale Geschehen durchaus Sinn. Auch in den Sabbat-Geboten waren z.B. bereits ökologische Aspekte wie Brachzeiten etc. eingeflochten, aber das Ganze ist, wie gesagt, eigentlich ein Riesen-Forschungsthema für sich. *Seufz* Ein paar Leben bräuchte man...
Edgar (Gast) - 26. Jul, 23:42

Ökologie und Religion

Ich bin gespannt auf die Ausarbeitung zur ökologischen Dimension des Reproduktionserfolgs!
Angeregt durch diesen Austausch habe ich inzwischen in bei Max Webers religionssoziologischen Ausführungen etwas spannendes gefunden:

- Die Erlösungswege und ihr Einfluß auf die Lebensführung
- Religiöse Ethik und »Welt«
- Die Kulturreligionen und die »Welt«

aus: Max Weber; Wirtschaft und Gesellschaft. (1922)
http://www.textlog.de/7747.html

Allerdings habe ich inzwischen auch gelesen, daß Webers Ergebnisse von Anhängern der "Österreichischen Schule" und anderen kritisiert wurden.
( http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber#Kritik )

Das Thema Ökologie dürfte ja nicht zuletzt auch für eine "Natur des Glaubens" von Bedeutung sein, zum Beispiel im Hinblick auf den Naturbegriff der Religion.

Danke...

...Sie sind ja ein unermüdlicher Rechercheur! Wenn sich die Gelegenheit zu einem Religion-Ökologie-Vortrag, Artikel oder Paper ergibt, gebe ich sofort Bescheid und greife die genannten Punkte auf, versprochen!
Ingo Bading - 7. Sep, 23:14

In der Schweiz ...

... gibt es offenbar kaum ETHNISCHE Unterschiede hinsichtlich es Bruttosozialproduktes - Franzosen und Deutsche liegen da durchschnittlich etwa gleich - aber - - - (heute immer noch) RELIGIÖSE.

Die protestantischen Kantone haben offenbar insgesamt ein deutlich höheres Bruttosozialprodukt als die katholischen:

http://www.gnxp.com/blog/2008/09/cantons-of-switzerland-per-capita-gdp.php

(Ich denke aber, daß das weltweit heute nicht mehr so ausgeprägt ist wie etwa am Anfang des 20. Jahrhunderts. Man denke etwa an das katholische Bayern im Verhältnis zum protestantischen Norddeutschland.)

Edgar (Gast) - 18. Sep, 22:13

Islam und Ökologie

Habe in der "Islamischen Zeitung" eine Stellungnahme von Fazlun Khalid zum Verhältnis des Islams zur Ökologie gefunden:

"Islam und die ökologische Frage"
http://www.islamische-zeitung.de/?id=8872

Auch bei islam.de gab es etwas:

"Islam und Ökologie: Wie verstehen wir Natur und wie gehen wir mit ihr um? Von Sulaiman Wilms"
http://islam.de/5132.php

Edgar (Gast) - 18. Sep, 22:32

Religion und Ökologie

"Ökologie und Religionen. Eine religionswissenschaftliche Darstellung"

Ein Bericht in dem "Weltverständnis und Weltverhalten in verschiedenen religiösen Traditionen" dargestellt werden soll: Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus, Indianerreligionen

http://web.uni-marburg.de/religionswissenschaft/journal/mjr/oekologie.html

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