Religiosität & Altruismus - Ein Vergleich der Spendenbereitschaft religiöser und nichtreligiöser Deutscher
"Aus der Kirche bin ich ausgetreten, das Geld kann ich auch so spenden!" - Solche und ähnliche Sätze hört man in Deutschland immer wieder. Und tatsächlich würde kein Soziobiologe bestreiten, dass wechselseitig hilfsbereites Verhalten (bei Vormensch und Tier) auch vor bzw. unabhängig von Religiosität evolviert ist. Erinnern darf ich bei dieser Gelegenheit auch an die theologisch-biologische Dissertation von Hubert Meisinger, der Altruismustheorien und das biblische Liebesgebot verglichen hat.
Gibt es aber auch harte, empirische Daten, die einen Zusammenhang von religiösem und altruistischem (also bewusst prosozialem) Verhalten belegen? Ja, diese gibt es inzwischen auch.
Religiöse spendenbereiter
Eckhard Priller und Jana Sommerfeld vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) haben auf Basis von Daten des Familiensurvey 2004 eine sozialstrukturelle Analyse von (Geld-)Spendern in Deutschland erstellt: "Wer spendet?" (als pdf-Download hier)
Religiosität erweist sich dabei als erstaunlich starker Faktor für Spendenbereitschaft:

Auffällig ist auch, dass religiöse Deutsche in Ost- wie Westdeutschland nahezu gleich hohe Spendenbereitschaften aufweisen, dass aber die Konfessionslosen in Ostdeutschland, wo religiöse Menschen eine Minderheit bilden und religiöse Traditionen staatlich bekämpft wurden, am seltensten spenden.
Diese Befunde sind auch deswegen erstaunlich, weil in Deutschland von Kirchenmitgliedern eigene Kirchensteuern erhoben werden, die Konfessionslose nicht betreffen.
Die empirischen Daten weisen immer deutlich darauf hin: Religiöse Menschen sind durchschnittlich freigiebiger - und dabei auch glücklicher...
Übrigens hat bereits Charles Darwin...
...einen entsprechenden Zusammenhang der Evolution von Altruismus ("Moralität") und Religion vermutet, der sich nun auch empirisch erhärtet. Dazu möchte ich in naher Zukunft einen Beitrag in den Wissenslogs erstellen.
Gibt es aber auch harte, empirische Daten, die einen Zusammenhang von religiösem und altruistischem (also bewusst prosozialem) Verhalten belegen? Ja, diese gibt es inzwischen auch.
Religiöse spendenbereiter
Eckhard Priller und Jana Sommerfeld vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) haben auf Basis von Daten des Familiensurvey 2004 eine sozialstrukturelle Analyse von (Geld-)Spendern in Deutschland erstellt: "Wer spendet?" (als pdf-Download hier)
Religiosität erweist sich dabei als erstaunlich starker Faktor für Spendenbereitschaft:

Auffällig ist auch, dass religiöse Deutsche in Ost- wie Westdeutschland nahezu gleich hohe Spendenbereitschaften aufweisen, dass aber die Konfessionslosen in Ostdeutschland, wo religiöse Menschen eine Minderheit bilden und religiöse Traditionen staatlich bekämpft wurden, am seltensten spenden.
Diese Befunde sind auch deswegen erstaunlich, weil in Deutschland von Kirchenmitgliedern eigene Kirchensteuern erhoben werden, die Konfessionslose nicht betreffen.
Die empirischen Daten weisen immer deutlich darauf hin: Religiöse Menschen sind durchschnittlich freigiebiger - und dabei auch glücklicher...
Übrigens hat bereits Charles Darwin...
...einen entsprechenden Zusammenhang der Evolution von Altruismus ("Moralität") und Religion vermutet, der sich nun auch empirisch erhärtet. Dazu möchte ich in naher Zukunft einen Beitrag in den Wissenslogs erstellen.
blume-religionswissenschaft - 15. Mai, 06:59
4 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
zuckerwattewolkenmond - 17. Mai, 10:53
Letztendlich
ist es in der Praxis zwar egal, aus welchem Grund jemand spendet, aber die Höhe der Spendenbereitschaft als Indikator und Beleg für altruistisches Verhalten zu verwenden, finde ich doch etwas zweifelhaft. Dabei fehlt völlig die Betrachtung der Motivation, die zum Spenden angeregt hat. Es gibt so viele verschiedene Motivationen zum Spenden, die nicht unbedingt etwas mit bewußtem sozialen Denken zu tun haben müssen, wie es Möglichkeiten gibt, Altruismus zu leben.
blume-religionswissenschaft - 18. Mai, 08:59
Ich finde schon...
...dass das Abgeben von Geld an (oft nicht persönlich Bekannte) ein Indikator für Altruismus ist - wenn auch noch kein abschließender Beleg. Und auch beim freiwilligen Engagement schneiden Religiöse deutlich stärker ab. Und in modernen Marktgesellschaften bekommen sie auch noch mehr Kinder, obwohl das für sie sehr teuer ist und von den Renten- und Zinszahlungen v.a. andere (darunter Kinderlose) ökonomisch profitieren. Dazu werde ich später mal einen eigenen Beitrag schreiben.
Aber wenn das alles (einzeln und in der Summe) keine Hinweise auf einen Zusammenhang von Religiosität und Altruismus sind - was dann?
Aber wenn das alles (einzeln und in der Summe) keine Hinweise auf einen Zusammenhang von Religiosität und Altruismus sind - was dann?
zuckerwattewolkenmond - 18. Mai, 11:24
Persönliches soziales Engagement wäre extra zu betrachten. Mir ging es allein um das Spenden.
Und wenn ich da so skeptisch bin, liegt das wohl an den Beispielen meiner unmittelbaren Umgebung, wo ich beobachte, daß oftmals Spenden als eine Aktivität entdeckt wird, mit der man Lob, Anerkennung oder Geschenke einheimsen kann. Das kann, muß aber nicht mit einer altruistischen Einstellung einhergehen. Gerade was diese Motivation betrifft, kann man sogar bemerken, daß eher Menschen, die im unmittelbaren Umfeld als unsozial und nur an sich denkend eingeschätzt werden und deshalb nicht allzu beliebt sind, zu so einer Möglichkeit greifen. Das ist zwar vollkommen menschlich und in Ordnung, aber wenn jemand hilft oder spendet im Hinblick auf eine hoffentlich erfolgende Gegenleistung, hat das noch nie etwas mit Altruismus zu tun gehabt. Und wenn jemand, krass gesagt, zu Hause Frau und Kinder schlägt, aber fleißig den hungernden Kindern im fernen Afrika spendet, vielleicht um sein Gewissen vor Gott zu beruhigen oder weil es ihm ein hohes Ansehen in der Gemeinde bringt, aus welcher Motivation auch immer, so möchte ich diesem Menschen trotzdem kein verinnerlichtes altruistisches Verhalten bescheinigen. Ich meine, Menschenliebe und darauf basierendes Handeln beginnt nicht erst tausende Kilometer entfernt bei völlig Unbekannten, sondern direkt vor und hinter der eigenen Haustür.
Und wenn ich da so skeptisch bin, liegt das wohl an den Beispielen meiner unmittelbaren Umgebung, wo ich beobachte, daß oftmals Spenden als eine Aktivität entdeckt wird, mit der man Lob, Anerkennung oder Geschenke einheimsen kann. Das kann, muß aber nicht mit einer altruistischen Einstellung einhergehen. Gerade was diese Motivation betrifft, kann man sogar bemerken, daß eher Menschen, die im unmittelbaren Umfeld als unsozial und nur an sich denkend eingeschätzt werden und deshalb nicht allzu beliebt sind, zu so einer Möglichkeit greifen. Das ist zwar vollkommen menschlich und in Ordnung, aber wenn jemand hilft oder spendet im Hinblick auf eine hoffentlich erfolgende Gegenleistung, hat das noch nie etwas mit Altruismus zu tun gehabt. Und wenn jemand, krass gesagt, zu Hause Frau und Kinder schlägt, aber fleißig den hungernden Kindern im fernen Afrika spendet, vielleicht um sein Gewissen vor Gott zu beruhigen oder weil es ihm ein hohes Ansehen in der Gemeinde bringt, aus welcher Motivation auch immer, so möchte ich diesem Menschen trotzdem kein verinnerlichtes altruistisches Verhalten bescheinigen. Ich meine, Menschenliebe und darauf basierendes Handeln beginnt nicht erst tausende Kilometer entfernt bei völlig Unbekannten, sondern direkt vor und hinter der eigenen Haustür.
blume-religionswissenschaft - 18. Mai, 13:24
???
Lieber zuckerwattewolkenmond,
danke für Deine (wissenschaftlich-neutralen?) Beobachtungen. Aus meiner Sicht drei Hinweise dazu:
1. Ich stimme völlig zu, dass nicht jeder Akt des Spendens altruistisch sein muss. Allerdings ist Spenden in der Summe ein Indikator - und verteilt sich auffällig unterschiedlich zwischen Konfessionslosen und Religiösen. Das sind nun einmal die empirisch vorliegenden Fakten.
2. Inwiefern altruistisches Verhalten "verinnerlicht" sein muss, um genuin altruistisch zu sein, ist eine in der Biologie tatsächlich kaum beachtete Frage. Generell wird dort schlichtweg Verhalten beobachtet - die Ameise, die sich für ihren Staat opfert, handelt altruistisch, unabhängig davon, ob sie sich bewusst für den Märtyrertod entschieden hat. Einige Forscher (auch ich) nutzen dafür inzwischen lieber den Begriff "prosozial", da das Spenden aber regelmäßig eine bewußte Entscheidung darstellt, halte ich hier den Begriff "Altruismus" für durchaus angebracht.
3. Ja, auch in religiösen Familien gibt es Heuchelei, Vernachlässigung und Gewalt. Legen wir aber wieder nüchtern demografische Daten an, so stellen wir fest, dass in Religionsgemeinschaften eher und stabiler geheiratet, mehr Kinder überhaupt und gemeinsam aufgezogen werden, weniger Scheidungen auftreten und Alleinerziehende (meist Frauen) zurück bleiben. Sollten belastbare Befunde vorliegen, die unabhängig von Bildungs- und Einkommensschichten ein negatives Familienverhalten religiöser Menschen aufzeigen, so wäre ich daran sehr interessiert. Subjektive Beobachtungen je religiöser oder religionskritischer Art allein reichen m.E. nicht aus.
Vielleicht ist das auch einfach eine gute Gelegenheit, um noch einmal klarzustellen, dass es hier nicht um Gut-Böse oder Wahr-Unwahr-Aussagen geht, sondern um empirische (d.h. auf belastbare Daten gestützte) Evolutionsforschung.
danke für Deine (wissenschaftlich-neutralen?) Beobachtungen. Aus meiner Sicht drei Hinweise dazu:
1. Ich stimme völlig zu, dass nicht jeder Akt des Spendens altruistisch sein muss. Allerdings ist Spenden in der Summe ein Indikator - und verteilt sich auffällig unterschiedlich zwischen Konfessionslosen und Religiösen. Das sind nun einmal die empirisch vorliegenden Fakten.
2. Inwiefern altruistisches Verhalten "verinnerlicht" sein muss, um genuin altruistisch zu sein, ist eine in der Biologie tatsächlich kaum beachtete Frage. Generell wird dort schlichtweg Verhalten beobachtet - die Ameise, die sich für ihren Staat opfert, handelt altruistisch, unabhängig davon, ob sie sich bewusst für den Märtyrertod entschieden hat. Einige Forscher (auch ich) nutzen dafür inzwischen lieber den Begriff "prosozial", da das Spenden aber regelmäßig eine bewußte Entscheidung darstellt, halte ich hier den Begriff "Altruismus" für durchaus angebracht.
3. Ja, auch in religiösen Familien gibt es Heuchelei, Vernachlässigung und Gewalt. Legen wir aber wieder nüchtern demografische Daten an, so stellen wir fest, dass in Religionsgemeinschaften eher und stabiler geheiratet, mehr Kinder überhaupt und gemeinsam aufgezogen werden, weniger Scheidungen auftreten und Alleinerziehende (meist Frauen) zurück bleiben. Sollten belastbare Befunde vorliegen, die unabhängig von Bildungs- und Einkommensschichten ein negatives Familienverhalten religiöser Menschen aufzeigen, so wäre ich daran sehr interessiert. Subjektive Beobachtungen je religiöser oder religionskritischer Art allein reichen m.E. nicht aus.
Vielleicht ist das auch einfach eine gute Gelegenheit, um noch einmal klarzustellen, dass es hier nicht um Gut-Böse oder Wahr-Unwahr-Aussagen geht, sondern um empirische (d.h. auf belastbare Daten gestützte) Evolutionsforschung.


Trackback URL:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4922836/modTrackback