Erinnerungen an ein großes Land & Anteil der Religiösen in China deutlich höher als erwartet
Eine Delegationsreise mit der Jungen Union nach China zum Jahreswechsel 2001 - 2002 ist mir auch nach vielen Jahren unvergeßlich geblieben. Interessant waren neben den touristischen Aspekten auch die politischen Gespräche - so reagierten unsere chinesischen Gesprächspartner schon damals auf Fragen nach Religionsfreiheit sehr stark -landesweite Verfolgungen der Falun Gong-Bewegung waren gerade erfolgt. Sie wollten umgekehrt von uns, offensichtlich, weil wir als Christdemokraten da waren, mehr zur Vereinbarkeit von Religiosität und politischem Engagement bzw. Parteimitgliedschaft wissen - denn der kommunistischen Partei Chinas machte die abnehmende Mitgliederzahl junger Leute bei deren gleichzeitigem Zustrom in Religionsgemeinschaften Sorge.

Chinesische Religiosität bislang unterschätzt
Die Unterdrückung auch des tibetischen Buddhismus hat der Welt in diesen Monaten vor Augen geführt, dass auch im nominell "atheistischen" China Religionen wie der Buddhismus, Taoismus, Islam, Varianten des Konfuzianismus und das Christentum bestehen, erblühen und die kommunistische Partei unsicher über den richtigen Umgang ist. Meist versucht die nominell atheistische Führung, einerseits staatlich gelenkte, "harmonische", national orientierte Gemeinschaften zu etablieren, andererseits freie Religionsgemeinschaften unter verschiedensten Vorwürfen zu unterdrücken. Allerdings bestehen auch in Fragen der Religionspolitik starke, regionale Unterschiede, so dass sich gerade auch Gespräche und Informationen unterhalb der nationalen Ebene lohnen.
In einer im letzten Jahr veröffentlichten Studienbefragung unter 4.500 Chinesen befanden die Professoren Tong Shijun and Liu Zhongyu von der East China Normal University (Shanghai), dass sich 31.4 Prozent der chinesischen Bevölkerung über 16 Jahren (wieder) als religiös verstanden - mehr als drei mal soviel, wie bis dahin offiziell eingeräumt worden war. Auch waren religiöse Schwerpunkte keinesfalls nur in ländlichen Gebieten zu verzeichnen, sondern gerade unter den aufstrebenden Handels- und Industriestandorten der Küstenregionen. Die Anzahl der Christen musste sogar von bislang offiziell 10 Millionen auf jetzt ca. 40 Millionen vervierfacht werden.
Vor allem unter jungen Leuten gebe es ein steigendes Interesse an religiöser Vergemeinschaftung - ein deutlicher Unterschied gegenüber früheren Annahmen, die die Gläubigen vor allem in der älteren Generation vermutet hatten. So stellte sich heraus, dass 62 Prozent der Gläubigen 16-39 Jahre alt waren, nur 9.6 Prozent dagegen 55 Jahre und älter. Auch in China ist (wie auch deutsche Befunde z.B. des Bertelsmann Religionsmonitors 2008 anzeigen) die Rückkehr der Religionen vor allem ein Phänomen junger Generationen.
Hinzu kamen in China viele Menschen der mittleren Generation, die noch als Atheisten erzogen worden waren, sich aber zwischenzeitlich einer Religionsgemeinschaft angeschlossen hatten. Und 72 Prozent der zu einer Religion konvertierten Chinesen gaben an, jetzt glücklicher als vor ihrer Glaubensentscheidung zu leben. Auch das entspricht neueren Befunden der Glücksforschung auch in Deutschland.
Ob Religion(en) auch angesichts der Ein-Kind-Politik in China ihr demografisches Potential entfalten können ist unklar - vor dem Hintergrund internationaler Erfahrungen kann aber angenommen werden, dass beispielsweise in islamischen oder christlichen Familien weniger Abtreibungen von Mädchen erfolgen.
Ob der kommunistischen Partei ein Arrangement mit den aufstrebenden Religionen gelingt oder ob ihr Regime, wie zuvor in Polen, Ostdeutschland, Birma usw., gerade auch unter religiös-freiheitlichen Vorzeichen herausgefordert werden wird, dürfte zu den spannenden und bedeutsamsten Themen des 21. Jahrhunderts zu zählen sein...

Chinesische Religiosität bislang unterschätzt
Die Unterdrückung auch des tibetischen Buddhismus hat der Welt in diesen Monaten vor Augen geführt, dass auch im nominell "atheistischen" China Religionen wie der Buddhismus, Taoismus, Islam, Varianten des Konfuzianismus und das Christentum bestehen, erblühen und die kommunistische Partei unsicher über den richtigen Umgang ist. Meist versucht die nominell atheistische Führung, einerseits staatlich gelenkte, "harmonische", national orientierte Gemeinschaften zu etablieren, andererseits freie Religionsgemeinschaften unter verschiedensten Vorwürfen zu unterdrücken. Allerdings bestehen auch in Fragen der Religionspolitik starke, regionale Unterschiede, so dass sich gerade auch Gespräche und Informationen unterhalb der nationalen Ebene lohnen.
In einer im letzten Jahr veröffentlichten Studienbefragung unter 4.500 Chinesen befanden die Professoren Tong Shijun and Liu Zhongyu von der East China Normal University (Shanghai), dass sich 31.4 Prozent der chinesischen Bevölkerung über 16 Jahren (wieder) als religiös verstanden - mehr als drei mal soviel, wie bis dahin offiziell eingeräumt worden war. Auch waren religiöse Schwerpunkte keinesfalls nur in ländlichen Gebieten zu verzeichnen, sondern gerade unter den aufstrebenden Handels- und Industriestandorten der Küstenregionen. Die Anzahl der Christen musste sogar von bislang offiziell 10 Millionen auf jetzt ca. 40 Millionen vervierfacht werden.
Vor allem unter jungen Leuten gebe es ein steigendes Interesse an religiöser Vergemeinschaftung - ein deutlicher Unterschied gegenüber früheren Annahmen, die die Gläubigen vor allem in der älteren Generation vermutet hatten. So stellte sich heraus, dass 62 Prozent der Gläubigen 16-39 Jahre alt waren, nur 9.6 Prozent dagegen 55 Jahre und älter. Auch in China ist (wie auch deutsche Befunde z.B. des Bertelsmann Religionsmonitors 2008 anzeigen) die Rückkehr der Religionen vor allem ein Phänomen junger Generationen.
Hinzu kamen in China viele Menschen der mittleren Generation, die noch als Atheisten erzogen worden waren, sich aber zwischenzeitlich einer Religionsgemeinschaft angeschlossen hatten. Und 72 Prozent der zu einer Religion konvertierten Chinesen gaben an, jetzt glücklicher als vor ihrer Glaubensentscheidung zu leben. Auch das entspricht neueren Befunden der Glücksforschung auch in Deutschland.
Ob Religion(en) auch angesichts der Ein-Kind-Politik in China ihr demografisches Potential entfalten können ist unklar - vor dem Hintergrund internationaler Erfahrungen kann aber angenommen werden, dass beispielsweise in islamischen oder christlichen Familien weniger Abtreibungen von Mädchen erfolgen.
Ob der kommunistischen Partei ein Arrangement mit den aufstrebenden Religionen gelingt oder ob ihr Regime, wie zuvor in Polen, Ostdeutschland, Birma usw., gerade auch unter religiös-freiheitlichen Vorzeichen herausgefordert werden wird, dürfte zu den spannenden und bedeutsamsten Themen des 21. Jahrhunderts zu zählen sein...
blume-religionswissenschaft - 12. Mai, 01:17
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