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Freitag, 2. Mai 2008

Kinderförderung: So kann man es auch sehen...

In der Stuttgarter Zeitung fand sich dieser Tage (29.4.) ein bemerkenswerter Leserbrief, der sehr schön aufzeigt, wie unterschiedlich sich demografische und familienpolitische Sachverhalte bewerten lassen. Der Brief bezog sich auf einen Artikel über das Verfassungsgerichtsurteil, das es Vätern nur vermeintlich eigener Kinder erleichterte, die Vaterschaft per Gentest feststellen zu lassen.

Subvention beenden

Durch das Subventionieren des Kinderhabens, einschließlich kostenloser Schulung und Krankenversicherung, sind alle steuerzahlenden Kinderlosen bzw. Kinderfreie auch einigermaßen Väter von Kuckuckskindern. In fast allen Industrieländern stellt jedes Neugeborene, aufgrund der nicht nachhaltigen Umweltbilanz seines jeweiligen Staates, eine Belastung für die Dritte Welt und für die globale Umwelt dar. Es ist insofern an der Zeit, die Subventionierung des Kinderhabens zu beenden, damit eine gesunde Senkung der Bevölkerungszahl eintritt.

George Morton, Stuttgart

Gar nicht wertend, sondern rein deskriptiv möchte ich anmerken, dass die hier zitierte und durchaus rational begründete und begründbare Meinung wunderbar zur Definition von Ichlingen passt.

Trackback URL:
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4898059/modTrackback

Noah (Gast) - 2. Mai, 15:57

Hallo Herr Blume,
die Definition von Ichlingen ("Ichlinge sind Menschen, die weder für eigene Kinder noch die Kinder anderer dauerhaftes, lebensförderliches Engagement aufzubringen bereit sind") grenzt allerdings an sich nicht so ein (bzw. aus), wie die Verbindung der Definition zu kleinzelligen Gruppen (Familie, Gesellschaft einer Nation/Kultur) es vollzöge.
Selbstredend: Ein Geburtenrückgang in Deutschland würde allein weder globale Gerechtigkeit bewirken noch die Umwelt retten. Vielleicht hat aber Herr Morton eine Denkungsart, die es ihm als höchste Zeit erscheinen lässt, weltweit endlich wirklich global und ökologisch denken zu lernen und zu handeln. Vielleicht meint er weiter, dass schließlich auch die Anthropozentrik endlich fallen gelassen werden müsste.
Global betrachtet, mag Herr Morton denken, ist die Menschheit viel zu groß geworden für diesen Planeten - sie schadet nicht nur sich selbst, sondern auch den anderen Lebensformen der Erde.
Für "die Deutschen" oder "die Europäer" (und vergleichbare Länder anderer Kontinente) würde das - zumindest übergangsweise - einen drastischen Einschnitt in den Lebensstandards bedeuten, und klaren Verzicht einfordern. Die illusorische bzw. utopische Komponente ist Herrn Morton möglicherweise dabei völlig bewusst, aber a) ist er womöglich ein recht radikal denkender (und verzichtsbereiter) Mensch, und b) wird es vlt. s.E. ohne Diskussion solcher "Ziele" langfristig keine Chance zu globalen Strukturänderungen geben, und damit noch deutlich chaotischer werden auf diesem kleinen Planeten. Vielleicht kann er c) aber auch gar nicht anders denken (s.u.).
Das faktische, tatsächliche lebensfördernde Engagement des Herrn Morton kennen wir beide nicht. Vielleicht hat er ein oder mehrere Patenschaften für Kinder in der dritten Welt. Vielleicht lebt er auch wider den Speziesismus und beweist großes Engagement für die Kinder von z.B. Eisbären oder heimischen Igeln, indem er Naturschutzorganisationen unterstützt oder gar mitarbeitet, auf ein Auto, auf Urlaubsflüge und unnötigen Konsum verzichtet (was langfristig wohl auch späteren Menschenkindern zugute kommen wird). Vielleicht lebt er vegan, um nicht dazu beizutragen, dass Kinder von Kühen oder Schweinen keine Zukunft haben; und weil er weiß, dass mit dieser Lebensweise auch die Chancen künftiger Menschenkinder besser stehen (Stichworte Energieeinsatz, Landschaftsverbrauch, CO2-Produktion, usw.).
Vielleicht denkt und empfindet Herr Morton ja sogar aus spiritueller Motivation heraus genau so - hat ständig "das Ganze" vor Augen, nicht nur das direkte Umfeld; die "innere Verbindung zur gesamten Schöpfung"; die Heiligkeit allen Lebens, auch dann, wenn es ihm nur abstrakt ist - in künftigen Generationen und weit entfernt lebend.... Vielleicht wären langfristig betrachtet Menschen wie Herr Morton, wenn er denn so denken würde, für die Evolution womöglich ja sogar am Ende das Erfolgsmodell.
Vielleicht ist aber auch der Noah bloß ein Spinner, wenn er Herrn Morton so für möglich hält. Naja, wäre ja auch wieder mal typisch, dass der Noah schon wieder an Sintflut, Regenbogen und Tiere denkt.
:-)
Einen frühlingshaften Gruß an Sie.

Ich würde...

...dem Noah da nicht widersprechen wollen - denn selbstverständlich ist schon die Haltung zum menschlichen Leben innerhalb des biologischen Lebens insgesamt eine Wertfrage, die man nachvollziehbar so oder so einnehmen kann. Und was sich am Ende evolutiv als erfolgreich herausstellen wird, können wir natürlich nicht im vorhinein wissen, sondern immer nur im nachhinein messen. Deswegen habe ich ja Herrn Morton hier zitiert: nicht, weil ich seine Haltung empörend finden würde - sondern weil ich es angemessen finde zu zeigen, dass es auch solche Meinungen gibt.

Dem Noah sind ja sieben Gebote mitgegeben worden, die auch hier im Blog schon diskutiert wurden, die aber doch deutlich eher in die Teamling-Richtung deuten. :-)
MMarheinecke - 5. Mai, 08:54

Ein altruistischer "Ichling"

Wie man es auch drehen und wenden mag: die Argumentation des "Ichlings" G. M. ist uneigenützig. Mir ist schon klar, dass "Ichling" und "Egoist" bzw. "Egozentiker" völlig unterschiedliche Begriffe sind, aber die "normale" Argumentation gegen "Ichlinge" zielt auf deren (angeblichen) Egoismus ab - und daher oft argumentativ weit am Ziel vorbei.
Umgekehrt erscheinen mir viele, die aufgrund demographischer Überlegugen "mehr Kinder für Deutschland" fordern, keine ausgesprochenen "Teamlinge" zu sein; ihr Mitgefühl gilt nicht den Kindern, sondern "nationalen" Zielen - so, wie einst Familienpolitik betrieben wurde, damit dem deutsche Heer die Rekruten nicht ausgehen, so setzt sich diese Sorte "Famlienfreude" für künftige Rentenzahler und Facharbeiternachwuchs ein. Gemäß Deiner Definition wären das "kollektivistische Ichlinge".
Ich führe das hier so ausfühlich an, weil ich in Fragen des "Geburtenvorsprungs" religiöser Menschen außer der Mentalität des "Teamlings" immer wieder die Mentalität des "kollektivistischen Ichlings" am Werke sehe.

Naja...

...Herr Morton berief sich eingangs ganz klar auf sein Interesse als Steuerzahler - er möchte auch in dieser Hinsicht "kinderlos bzw. kinderfrei" sein (man beachte die interessante Wortentsprechung zu konfessionslos bzw. konfessionsfrei!)

Auch gebe ich Dir Recht, dass die normative und also Motive bewertende Perspektive von der empirischen Beobachtung zu trennen ist. Und hier sei der Hinweis gestattet, dass sich sowohl Ich- wie Teamling auf das konkrete Handeln beziehen: Der Teamling engagiert sich über das gesetzlich gebotene Maß für die Kinder (auch) anderer, der Ichling nicht. Aus welcher subjektiven Motivation das jeweilige Engagement bzw. Nichtengagement erfolgt, ist eine andere Baustelle.

Dr. Blume

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