Mittwoch, 9. April 2008

Anti-Kreationismus-Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) grenzt sich mit ihrer neuen Denkschrift "Weltentstehung, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube in der Schule" vom Kreationismus ab. Der Text wurde von Prof. Dr. Michael Beintker und Prof. Dr. Friedrich Schweitzer im Auftrag des EKD-Rates entworfen.

Im Vorwort betont der EKD-Vorsitzende Bischof Wolfgang Huber die Unterscheidung religiöser und naturwissenschaftlicher Erkenntnis:

"Zwischen dem heute verfügbaren Wissen und der sinnstiftenden Deutung des Lebens aus der Perspektive des christlichen Glaubens wird in diesem Konzept von Bildung bewusst und deutlich unterschieden; doch diese Unterscheidung ermöglicht es gerade, beide in eine sinnvolle und geklärte Beziehung zueinander zu setzen. Viele Debattenbeiträge zum Verhältnis zwischen dem Schöpfungsglauben auf der einen und naturwissenschaftlichen Theorien über die Entstehung der Welt und des Lebens auf der anderen Seite sehen dagegen beide Seiten auf derselben Ebene. Deshalb gehen sie davon aus, dass entweder die Evolutionstheorie dem Schöpfungsglauben oder der Schöpfungsglaube der Evolutionstheorie weichen muss. Das wird jedoch weder der einen noch der anderen Seite gerecht."

Und die Verfasser stellen fest:

"Die aktuelle Auseinandersetzung um „Schöpfung und Evolution in der Schule“ hat sehr deutlich gezeigt, wie wenig die entsprechenden Fragen im Verhältnis zwischen Glaube und Naturwissenschaften tatsächlich geklärt sind. Zum Teil werden längst überwunden geglaubte Vorurteile erneut ins Feld geführt – sei es gegen die Evolutionstheorie und die Wissenschaftlichkeit der Biologie oder gegen die Theologie sowie gegen Kirche und Religionsunterricht. Es wäre jedoch ebenso unangemessen, die Erforschung von Evolutionsprozessen als Bekenntnis zum Atheismus zu verstehen, wie es umgekehrt verfehlt wäre, den in den USA verbreiteten Kreationismus einfach mit dem christlichen Schöpfungsglauben gleichzusetzen. Der Kreationismus ist vielmehr eine Verkehrung des Glaubens an den Schöpfer in eine Form der Welterklärung, die letztlich dazu führt, dass das Bündnis von Glaube und Vernunft aufgekündigt wird."

Der gesamte Text als pdf hier.

So erfreulich die deutliche Abgrenzung gegenüber vorwissenschaftlichen Kreationisten und die erste Klärung des EKD-Textes auch ist: letztlich hat sich die Kirche, ihren theologischen Fakultäten, Akademien und Gemeinden selbst eine drängende Aufgabe gestellt - endlich das Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Glaube entschlossen zu bearbeiten und die Menschen entsprechend zu informieren. Denn wie auch der Bertelsmann Religionsmonitor 2008 aufzeigte: auch unter der jüngeren und zunehmend religiöseren Generation in Deutschland wächst die Skepsis gegenüber den Naturwissenschaften und liberalen Theologien. Längst sind religiöser Fundamentalismus und Kreationismus keine rein amerikanischen Phänomene mehr, sondern haben Ableger in Europa und der islamischen Welt gefunden.



Evolutionsbiologie der Religiosität?

Und wenn Sie sich für die Erforschung jener "Evolutionsprozesse" interessieren, die zur Entstehung der menschlichen Religiosität geführt haben, ist der Wissenslog "Natur des Glaubens" vielleicht etwas für Sie:

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