Eheliche Treue und der Faktor Religion
Im Rahmen einer humorvollen Blog-Balgerei mit dem von mir sehr geschätzten Kamenin stellte dieser u.a. auch eine empirisch beantwortbare Frage: Die durchschnittlich höhere Geburtenzahl von religiös vergemeinschafteten Menschen möge ja sein - aber könne ich den ausschließen, dass es dort vermehrt zu Untreue komme und religiösen (Ehe-)Männern also ein größerer Teil ihres reproduktiven Vorteils entzogen würde?
Das lässt sich überprüfen. So enthielt die deutsche ALLBUS-Studie 2002 auch eine Frage nach der Bewertung ehelicher Untreue, hier des Mannes. Hier der Anteil der Befragten, die ein Fremdgehen "schlimm" oder "sehr schlimm" fanden, nach Geschlecht und Konfession.
Finden Sie Ehebruch schlimm?

Wie erwartet finden hier Männer das Vergehen durchschnittlich seltener schlimm als Frauen. Die Antworten unterscheiden sich allerdings auch deutlich nach der Konfessionszugehörigkeit: Konfessionslose finden Ehebruch seltener schlimm oder sehr schlimm als landeskirchliche Protestanten, Katholiken und schließlich Mitglieder von Freikirchen.
Angst vor Sünde?
In der gleichen Studie wurde auch gefragt, ob Tätigkeiten (wie z.B. Ehebruch) auch nur schon deswegen unterlassen wurden, weil sie "Sünde" seien. Wenig überraschend bejahten dies verbindlich religiöse Befragte sehr viel häufiger.

Unterschiede im Beziehungsverhalten?
Äußern sich die Bekenntnisse zu Ehe und ehelicher Treue aber auch im Verhalten? An den Daten z.B. der Schweizer Volkszählung können wir ersehen, dass religiös vergemeinschaftete Menschen tatsächlich seltener unverheiratet zusammenleben, häufiger Gleichglaubende als Ehepartner bevorzugen und häufiger Kinder gemeinsam aufziehen. Bei den Konfessionslosen fällt auf, dass sie trotz der niedrigsten Geburtenzahl die höchste Quote an Alleinerziehenden aufweisen. Insofern sprechen auch diese Befunde für eine durchschnittlich höhere Eheverbindlichkeit unter religiös vergemeinschafteten Menschen.

Um Kamenins Hypothese, wonach religiöse Frauen aber gerade doch auch unter dem Schutz des Ehevertrages dennoch untreuer sein könnten als ihre konfessionslosen Schwestern direkt zu testen, bräuchten wir jedoch auch Gentests. Und - die haben wir.
Genetische Treue?
In "The God Gene" von Dean Hamer (2004, S. 186 ff.) stellte dieser u.a. die berühmten Studien zum inzwischen so genannten CMH, dem Cohen modal haplotype vor. Dabei geht es um die Kohanim, eine Priestergruppe innerhalb des Judentums, zu dem die Zugehörigkeit stets nur vom Vater auf den Sohn weitergegeben wird. Karl Skorecki, Michael Hammer, Neil Bradman und (in einer zweiten Studie) auch David Goldstein fanden nicht nur, dass eine ansonsten sehr seltene und väterlich vererbte Mutation (die CMH) tatsächlich bei 95% der heutigen aschkenasischen und 87% der sephardischen Kohanim auftrat. Sie entdeckten auch, dass diese Mutation tatsächlich zwischen 2.100 und 3.250 Jahren alt sein dürfte. Die durchschnittliche Rate von Söhnen, die während dieser Jahrtausende den Namen, aber nicht die Gene eines Kohanim-Vaters erhalten hatten, lag bei 0,1 Prozent - im Gegensatz zu den 5-10 Prozent sonst vermuteter Untreue (Hamer), bzw. den von Kamenin veranschlagten 10 bis 15 Prozent.
Auch hier: Evolutionsbiologische Vorteile religiöser Vergemeinschaftung
Mindestens für diese Gruppe des Judentums haben wir also auch bereits den genetischen Beleg, dass die religiöse Vergemeinschaftung und der Glaube an einen allsehenden (und ggf. strafenden) Gott hier nicht nur die männliche, sondern auch die weibliche Ehetreue über mehr als hundert Generationen hinweg signifikant gesteigert hat.
Religiöse Vergemeinschaftung bietet damit über den Vorteil höherer Geburtenzahlen (siehe hier) hinaus einen weiteren, biologischen Erfolgsfaktor: Eine statistisch höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder ggf. auch innerhalb der Ehe gezeugt wurden, die dann auch signifikant häufiger gemeinsam erzogen werden.
Verbindlich religiös zu sein bringt vielerlei Kosten mit sich. Aber gerade aus evolutionswissenschaftlicher Sicht sind die beobachtbaren, biologischen Vorteile enorm.
Das lässt sich überprüfen. So enthielt die deutsche ALLBUS-Studie 2002 auch eine Frage nach der Bewertung ehelicher Untreue, hier des Mannes. Hier der Anteil der Befragten, die ein Fremdgehen "schlimm" oder "sehr schlimm" fanden, nach Geschlecht und Konfession.
Finden Sie Ehebruch schlimm?

Wie erwartet finden hier Männer das Vergehen durchschnittlich seltener schlimm als Frauen. Die Antworten unterscheiden sich allerdings auch deutlich nach der Konfessionszugehörigkeit: Konfessionslose finden Ehebruch seltener schlimm oder sehr schlimm als landeskirchliche Protestanten, Katholiken und schließlich Mitglieder von Freikirchen.
Angst vor Sünde?
In der gleichen Studie wurde auch gefragt, ob Tätigkeiten (wie z.B. Ehebruch) auch nur schon deswegen unterlassen wurden, weil sie "Sünde" seien. Wenig überraschend bejahten dies verbindlich religiöse Befragte sehr viel häufiger.

Unterschiede im Beziehungsverhalten?
Äußern sich die Bekenntnisse zu Ehe und ehelicher Treue aber auch im Verhalten? An den Daten z.B. der Schweizer Volkszählung können wir ersehen, dass religiös vergemeinschaftete Menschen tatsächlich seltener unverheiratet zusammenleben, häufiger Gleichglaubende als Ehepartner bevorzugen und häufiger Kinder gemeinsam aufziehen. Bei den Konfessionslosen fällt auf, dass sie trotz der niedrigsten Geburtenzahl die höchste Quote an Alleinerziehenden aufweisen. Insofern sprechen auch diese Befunde für eine durchschnittlich höhere Eheverbindlichkeit unter religiös vergemeinschafteten Menschen.

Um Kamenins Hypothese, wonach religiöse Frauen aber gerade doch auch unter dem Schutz des Ehevertrages dennoch untreuer sein könnten als ihre konfessionslosen Schwestern direkt zu testen, bräuchten wir jedoch auch Gentests. Und - die haben wir.
Genetische Treue?
In "The God Gene" von Dean Hamer (2004, S. 186 ff.) stellte dieser u.a. die berühmten Studien zum inzwischen so genannten CMH, dem Cohen modal haplotype vor. Dabei geht es um die Kohanim, eine Priestergruppe innerhalb des Judentums, zu dem die Zugehörigkeit stets nur vom Vater auf den Sohn weitergegeben wird. Karl Skorecki, Michael Hammer, Neil Bradman und (in einer zweiten Studie) auch David Goldstein fanden nicht nur, dass eine ansonsten sehr seltene und väterlich vererbte Mutation (die CMH) tatsächlich bei 95% der heutigen aschkenasischen und 87% der sephardischen Kohanim auftrat. Sie entdeckten auch, dass diese Mutation tatsächlich zwischen 2.100 und 3.250 Jahren alt sein dürfte. Die durchschnittliche Rate von Söhnen, die während dieser Jahrtausende den Namen, aber nicht die Gene eines Kohanim-Vaters erhalten hatten, lag bei 0,1 Prozent - im Gegensatz zu den 5-10 Prozent sonst vermuteter Untreue (Hamer), bzw. den von Kamenin veranschlagten 10 bis 15 Prozent.
Auch hier: Evolutionsbiologische Vorteile religiöser Vergemeinschaftung
Mindestens für diese Gruppe des Judentums haben wir also auch bereits den genetischen Beleg, dass die religiöse Vergemeinschaftung und der Glaube an einen allsehenden (und ggf. strafenden) Gott hier nicht nur die männliche, sondern auch die weibliche Ehetreue über mehr als hundert Generationen hinweg signifikant gesteigert hat.
Religiöse Vergemeinschaftung bietet damit über den Vorteil höherer Geburtenzahlen (siehe hier) hinaus einen weiteren, biologischen Erfolgsfaktor: Eine statistisch höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder ggf. auch innerhalb der Ehe gezeugt wurden, die dann auch signifikant häufiger gemeinsam erzogen werden.
Verbindlich religiös zu sein bringt vielerlei Kosten mit sich. Aber gerade aus evolutionswissenschaftlicher Sicht sind die beobachtbaren, biologischen Vorteile enorm.
blume-religionswissenschaft - 10. Mrz, 06:09
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