Gladiator: Die Grausamkeit der Theodizee - und die Kraft aus dem Glauben
Es soll immer noch Leute geben, die das Erfolgsrezept des Films Gladiator nur in der Aneinanderreihung gewalttätiger Szenen vermuten. Wer sich jedoch Komposition des Films wie auch die Rezeption durch Fanseiten und -projekte anschaut, wird auf ein ganz anderes Faszinosum treffen: die Frage nach der Theodizee, der Existenz und dem (scheinbaren) Triumph des Bösen.
Der Held Maximus, gespielt von Russell Crowe, wird uns als treuer und (in der römischen Ahnenverehrung) frommer Soldat Roms vorgestellt, der keine Freude am Blutvergießen hat, sondern von einem friedlichen Leben mit seiner Familie auf dem Landgut träumt. Doch gerade seine Popularität beim Kaiser und der Armee macht ihn zu einer Bedrohung des sich buchstäblich selbst vergottenden Commodus, der sowohl seinen Vater - den Kaiser -, wie auch Maximus und seine Familie auslöschen will. Maximus entkommt - und kann seinen Kaiser, Rang, seine Frau und seinen Sohn doch nicht mehr retten, sie nur noch begraben. Der Zusammenbruch vor diesem nicht mehr einholbaren Sieg des Bösen führt ihn in die Sklaverei.
Warum aber gibt Maximus hier nicht auf? Was macht ihn zum Helden? Er findet zu dem Glauben zurück, dass Gerechtigkeit wieder her gestellt wird "in diesem Leben oder im nächsten", wie er Commodus entgegen schleudert. Diese Haltung des glaubenden Menschen wird auch gezielt interkulturell verankert: als treuester Mitglaubender und damit Mitkämpfer des Römers erweist sich ein Schwarzafrikaner.
Entsprechend besteht auch der Siegeslohn des Helden diesmal nicht in Reichtum oder Macht - sondern in einem Tod, der andere lehrt und Maximus in ein Jenseits zu seinen Lieben, zu seinem ganz persönlichen Paradies, führt.
Der Grundton des Films: Weil das Leben eine Prüfung vor der eigentlichen, jenseitigen Realität ist, kann auch der Sieg des Bösen nur vorläufig, nie endgültig sein. "Now we are free - Jetzt sind wir frei" so lautet die Schlusshymne des Films, die dem gewalttätigen Diesseits und seinen Fesseln das letzte Wort nimmt.
In der ungeschnittenen Fassung des Films (auf DVD enthalten) war auch eine Szene zur Verfolgung und Hinrichtung der frühen Christen enthalten, die dem geschichtskundigen Zuschauer den Punkt parallelisiert: die weltliche Macht triumphiert nur scheinbar und zeitlich über jene, die lieben und glauben.
Ja, Gladiator ist grausam und blutig. Aber gerade darin wirkt er auch ehrlich erschütternd - denn nicht selten war und ist die Welt, waren und sind wir Menschen genau so. Das Aufführen dieser Grausamkeit allein aber macht das Geheimnis des Filmes nicht aus. Erst die Fragen, die Maximus in die Verzweiflung und Sklaverei stürzen und die Antworten, die ihn wieder hinaus führen, haben dem Film die auch emotionale Wucht verliehen, die ihn zum Welterfolg machte.
blume-religionswissenschaft - 3. Mrz, 06:51
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