Frankreichs Präsident Sarkozy will "positive Laizität"
Die (vor allem demografisch bedingte) und auch in Deutschland längst meßbare "Rückkehr der Religionen" beginnt auch die Staat-Kirchen-Systeme Europas zu verändern.

Nach der Türkei gerät nun auch in Frankreich das zweite Modell eines überwiegend religionsfeindlichen Laizismus unter Druck. Sowohl in Rom, Riad wie auch in Vorträgen vor Vertretern verschiedener Religionen in Frankreich hat Staatspräsident Nicolas Sarkozy für eine "positive Laizität" geworben. Dabei solle der Staat einerseits sowohl die positive wie negative Religionsfreiheit schützen und Nichtglaubende wie auch Vertreter aller Religionen gleich behandeln, aber gläubige Menschen auch "nicht mehr als Gefahr, sondern als Gewinn" für den Staat betrachten. Zudem seien die Beiträge besonders des Christentums zur französischen Geschichte und Kultur zu würdigen.
Wie auch in der Türkei gibt es auch in Frankreich dagegen scharfe Proteste vor allem der nationalistischen Linken. Aber mit deren auch demografischer Schwäche (und Überalterung) hat sich auch der Bezugsrahmen der religionspolitischen Diskussionen in beiden Ländern verändert: das von vielen erwartete Aussterben der Religiösen ist ausgeblieben, die Tendenz geht ganz im Gegenteil zum auch demografisch dynamischen religiösen Markt. Dass auch die Integration von Muslimen in den USA weit besser als in Europa gelingt, wird zudem von immer mehr Menschen in Wissenschaft, Politik und Medien verstanden. Wo Politiker in Zukunft erstens Konflikte bewältigen und zweitens noch Wahlen gewinnen wollen, müssen sie zunehmend das faire Management auch religiöser Vielfalt beherrschen.
Ein ausführlicher NZZ-Bericht auch hier.

Nach der Türkei gerät nun auch in Frankreich das zweite Modell eines überwiegend religionsfeindlichen Laizismus unter Druck. Sowohl in Rom, Riad wie auch in Vorträgen vor Vertretern verschiedener Religionen in Frankreich hat Staatspräsident Nicolas Sarkozy für eine "positive Laizität" geworben. Dabei solle der Staat einerseits sowohl die positive wie negative Religionsfreiheit schützen und Nichtglaubende wie auch Vertreter aller Religionen gleich behandeln, aber gläubige Menschen auch "nicht mehr als Gefahr, sondern als Gewinn" für den Staat betrachten. Zudem seien die Beiträge besonders des Christentums zur französischen Geschichte und Kultur zu würdigen.
Wie auch in der Türkei gibt es auch in Frankreich dagegen scharfe Proteste vor allem der nationalistischen Linken. Aber mit deren auch demografischer Schwäche (und Überalterung) hat sich auch der Bezugsrahmen der religionspolitischen Diskussionen in beiden Ländern verändert: das von vielen erwartete Aussterben der Religiösen ist ausgeblieben, die Tendenz geht ganz im Gegenteil zum auch demografisch dynamischen religiösen Markt. Dass auch die Integration von Muslimen in den USA weit besser als in Europa gelingt, wird zudem von immer mehr Menschen in Wissenschaft, Politik und Medien verstanden. Wo Politiker in Zukunft erstens Konflikte bewältigen und zweitens noch Wahlen gewinnen wollen, müssen sie zunehmend das faire Management auch religiöser Vielfalt beherrschen.
Ein ausführlicher NZZ-Bericht auch hier.
blume-religionswissenschaft - 25. Feb, 17:37
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Ingo Bading - 22. Feb, 11:49
Polarisierung unterlaufen ...
Lieber Michael,
da ich Dir doch inzwischen sehr zustimmen muß, daß nämlich der Staat "gläubige Menschen 'nicht mehr als Gefahr, sondern als Gewinn' für sich betrachten" sollte, wird mir um so bewußter, wie wichtig solche Arbeiten wie meine zu den Anthroposophen ist.
Denn sie machen doch auf den wichtigen Umstand aufmerksam, daß es eben NICHT nur die (stetig abnehmenden) Zahlen von Kirchenmitgliedern sein müssen, die der Staat als Gewinn für sich betrachten könnte oder sollte. (So wie das ja auch übrigens auch unser "Staatsphilosoph" Jürgen Habermas inzwischen tut.)
Der Atheismus ist - in demographischer und vieler anderer Hinsicht - kein Gewinn für einen Staat. Davon, glaube ich, kann man sich selbst und andere leicht überzeugen. Aber auch nichtkirchliche Religiosität und das damit verbundene - und praktisch verwirklichte - Gefühl sozialer Verantwortung könnten einen Gewinn für einen Staat darstellen.
Darauf sollten sich die nichtkirchlichen, religiös gesinnten Menschen in Deutschland und der Welt stärker als bisher besinnen und deshalb ihre kulturellen Strukturen ausbauen, ebenso wie auch auf "Repräsentanten" wert legen, die spezifisch IHRE Anliegen in der Öffentlichkeit und auch in der Politik vertreten.
Und da man nicht einfach und überzeugend hergehen kann und sagen kann: "Leute, betet wieder mehr, damit wir mehr Kinder haben," - denn das würde ja auf reine "Gebetsmühlenhaftigkeit" hinauslaufen, besteht doch AUCH Anlaß, sich zu überlegen, wie man eigentlich Menschen in echterer Weise davon überzeugen könnte, daß es sinnvoll sein könnte, wieder religiöser zu sein. Und von welcher Form von Religiosität man Menschen überzeugen könnte, die dem Atheismus oder dem reinen "Namens-Christentum" nahe stehen.
Gibt es nicht viele Menschen, die zwar vielleicht gerne glauben würden, gerne *irgendwie* religiös wären, die nur mit dem, was in Kirchen angeboten wird, *irgendwie* überhaupt nicht zurecht kommen?
Über all das dürfen sich natürlich auch Politiker Gedanken machen und darüber sprechen (und nicht nur über jugendliche Kriminalitätsraten). Aber natürlich sind wir ALLE dazu aufgefordert. JEDER von uns, insofern uns unser Land und unsere Kultur (oder auch nur schon unsere Rente) etwas bedeuten.
Was vielleicht insbesondere noch wesentlich sein könnte: Durch solchartigen Argumentationen und Forschungen könnte man die starke Polarisierung und Konfrontation zwischen Atheisten und Monotheisten, die derzeit in der Öffentlichkeit so heftig "zelebriert" wird, etwas menschenfreundlicher, wie ich glaube, unterlaufen. - Wäre das nicht schön, wenn das gelingen könnte?
da ich Dir doch inzwischen sehr zustimmen muß, daß nämlich der Staat "gläubige Menschen 'nicht mehr als Gefahr, sondern als Gewinn' für sich betrachten" sollte, wird mir um so bewußter, wie wichtig solche Arbeiten wie meine zu den Anthroposophen ist.
Denn sie machen doch auf den wichtigen Umstand aufmerksam, daß es eben NICHT nur die (stetig abnehmenden) Zahlen von Kirchenmitgliedern sein müssen, die der Staat als Gewinn für sich betrachten könnte oder sollte. (So wie das ja auch übrigens auch unser "Staatsphilosoph" Jürgen Habermas inzwischen tut.)
Der Atheismus ist - in demographischer und vieler anderer Hinsicht - kein Gewinn für einen Staat. Davon, glaube ich, kann man sich selbst und andere leicht überzeugen. Aber auch nichtkirchliche Religiosität und das damit verbundene - und praktisch verwirklichte - Gefühl sozialer Verantwortung könnten einen Gewinn für einen Staat darstellen.
Darauf sollten sich die nichtkirchlichen, religiös gesinnten Menschen in Deutschland und der Welt stärker als bisher besinnen und deshalb ihre kulturellen Strukturen ausbauen, ebenso wie auch auf "Repräsentanten" wert legen, die spezifisch IHRE Anliegen in der Öffentlichkeit und auch in der Politik vertreten.
Und da man nicht einfach und überzeugend hergehen kann und sagen kann: "Leute, betet wieder mehr, damit wir mehr Kinder haben," - denn das würde ja auf reine "Gebetsmühlenhaftigkeit" hinauslaufen, besteht doch AUCH Anlaß, sich zu überlegen, wie man eigentlich Menschen in echterer Weise davon überzeugen könnte, daß es sinnvoll sein könnte, wieder religiöser zu sein. Und von welcher Form von Religiosität man Menschen überzeugen könnte, die dem Atheismus oder dem reinen "Namens-Christentum" nahe stehen.
Gibt es nicht viele Menschen, die zwar vielleicht gerne glauben würden, gerne *irgendwie* religiös wären, die nur mit dem, was in Kirchen angeboten wird, *irgendwie* überhaupt nicht zurecht kommen?
Über all das dürfen sich natürlich auch Politiker Gedanken machen und darüber sprechen (und nicht nur über jugendliche Kriminalitätsraten). Aber natürlich sind wir ALLE dazu aufgefordert. JEDER von uns, insofern uns unser Land und unsere Kultur (oder auch nur schon unsere Rente) etwas bedeuten.
Was vielleicht insbesondere noch wesentlich sein könnte: Durch solchartigen Argumentationen und Forschungen könnte man die starke Polarisierung und Konfrontation zwischen Atheisten und Monotheisten, die derzeit in der Öffentlichkeit so heftig "zelebriert" wird, etwas menschenfreundlicher, wie ich glaube, unterlaufen. - Wäre das nicht schön, wenn das gelingen könnte?
blume-religionswissenschaft - 23. Apr, 20:54
Ja, die Konfrontation...
...halte ich auch für einfach unnötig. Letztlich brauchen wir eine freiheitliche Gesellschaftsordnung, in der sich sowohl sichtbare Religiosität wie Nichtreligiosität leben lässt. Es betrübt mich, dass immer noch so viele extreme Leute herum laufen, die entweder das eine oder andere ggf. mit politischer Macht verdrängen wollen. Ich würde sagen: Mehr Freiheit wagen!
(-:
(-:




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