Rückkehr der Religion - wohin? Gedanken zum Bertelsmann Religionsmonitor 2008
In Deutschland scheint es immer noch sehr schwierig, über Religion und Religionen vertieft zu diskutieren. Ein Beispiel dafür ist der Umgang mit der Bertelsmann Religionsmonitor 2008: immerhin eine faktenreiche, wissenschaftliche Erhebung und Studie in 21 Ländern mit 21.000 Befragten!
Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung
Und was passiert? Es werden bislang immerhin schon mal die Überschriften gelesen - und zwar tendenziell so, wie es in das eigene Weltbild passt. Ein "Hinweis auf religiöse Erwartungen" - so freuen sich die einen, "70% der Bundesbürger religiös? Nein." halten die anderen dagegen. Dabei ist die letztgenannte Kritik des humanistischen Pressedienstes an Begriffsverwendungen durchaus nachvollziehbar (75% des möglichen Antwortvolumens sind als "religiös" verortet) - aber es ist schade, dass auch der hpd gar nicht tiefer in die Materie eindringt, sondern sich in seiner gesamten "Rezension" auf eine Auswertung von Pressemitteilung und pdf-Kurzfassung beschränkt...
Religiosität in der jungen Generation
Bei so viel Zerzupfen der Überschriften sind (wie schon in einer aktuellen BMI-Studie z.B. zum Thema Kopftuch) die wirklich spannenden Befunde noch kaum ins Blickfeld geraten. So geht der Anteil der "Hochreligiösen" in Deutschland von den ab 60jährigen (28%) bis zu den 30-39jährigen (10%) linear zurück - um dann bei den 18-30jährigen wieder auf 14% anzusteigen.
Vielleicht nur ein Ausrutscher aufgrund unscharfer Begriffe? Dann legen wir doch einfach überprüfend ein Sachthema an - beispielsweise die Frage, wer "sehr" an ein Leben nach dem Tode glaubt.

Auch bei der Frage, ob es einen persönlichen Gott gibt, findet sich eine Zunahme unter den jüngsten: Stark und sehr stark bejahen dies 34% der 18-29jährigen, aber nur 30% der 30-39jährigen.
Auch diese Daten stärken nicht nur die These einer Rückkehr der Religion(en) - eine ganze Menge gängiger Theorien (etwa die, dass Religiosität vor allem aus der Angst vor dem Tod entspringe) halten dem Befund nicht statt. Hand aufs Herz: Wer hätte damit gerechnet, dass in Deutschland Jüngere inzwischen häufiger an ein Jenseits glauben als Senioren?
Auch problematische Seiten könnte das Ganze dabei durchaus auch aufzeigen: Während 80% der über 50-jährigen der Aussage zustimmen, dass das Leben durch Naturgesetze bestimmt wird - sind es bei den 40-49jährigen noch 79%, bei den 30-39jährigen nur 75% und bei den 18-29jährigen gar nur noch 68%!
Auch hier wäre natürlich weiter zu differenzieren, was eine Nichtzustimmung hier bedeutet; es könnte auch nur einen aufgeklärten Zweifel an einem allzu mechanistischen Weltbild ausdrücken. Allerdings findet sich auch ein Rückgang der religiösen Toleranz unter den Jüngeren... Mindestens teilweise dürften wir auch in Deutschland schon eine Entwicklung sehen, die europäischer Dünkel bislang nur auf die USA projizierte: Säkulare Darwinisten mögen mehr wissenschaftliche Argumente haben - aber verbindlich Religiöse (und damit auch Kreationisten) haben deutlich mehr Kinder. (Die Ironie in diesem Befund, dass sich nämlich Kritiker der Evolutionstheorie sehr viel biologisch erfolgreicher verhalten als die meisten selbsternannten "Ultradarwinisten", ist noch gar nicht aufgearbeitet...)

Leider bezieht auch der Bertelsmann Religionsmonitor 2008 den Zusammenhang von Religion & Demografie noch nicht ein. So habe ich es auch nicht beim Bloggen belassen, sondern mit "Rückkehr der Religion - wohin?" in der Katholischen Sonntagszeitung dieser Woche auch für die demografisch-biografische Perspektive plädiert.
Denn mein persönliches Fazit: Wenn wir das Phänomen Religion wissenschaftlich und gesellschaftlich zunehmend besser verstehen und beschreiben wollen, müssten sowohl Hochreligiöse wie Nichtreligiöse stärker die Fakten sprechen lassen. Das Lesen und Diskutieren von Überschriften und Pressemeldungen ist ein Anfang, aber zum echten Verstehen wird es nicht reichen - Studien wie der Bertelsmann Religionsmonitor haben mehr vertiefte Beachtung verdient.
Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung
Und was passiert? Es werden bislang immerhin schon mal die Überschriften gelesen - und zwar tendenziell so, wie es in das eigene Weltbild passt. Ein "Hinweis auf religiöse Erwartungen" - so freuen sich die einen, "70% der Bundesbürger religiös? Nein." halten die anderen dagegen. Dabei ist die letztgenannte Kritik des humanistischen Pressedienstes an Begriffsverwendungen durchaus nachvollziehbar (75% des möglichen Antwortvolumens sind als "religiös" verortet) - aber es ist schade, dass auch der hpd gar nicht tiefer in die Materie eindringt, sondern sich in seiner gesamten "Rezension" auf eine Auswertung von Pressemitteilung und pdf-Kurzfassung beschränkt...
Religiosität in der jungen Generation
Bei so viel Zerzupfen der Überschriften sind (wie schon in einer aktuellen BMI-Studie z.B. zum Thema Kopftuch) die wirklich spannenden Befunde noch kaum ins Blickfeld geraten. So geht der Anteil der "Hochreligiösen" in Deutschland von den ab 60jährigen (28%) bis zu den 30-39jährigen (10%) linear zurück - um dann bei den 18-30jährigen wieder auf 14% anzusteigen.
Vielleicht nur ein Ausrutscher aufgrund unscharfer Begriffe? Dann legen wir doch einfach überprüfend ein Sachthema an - beispielsweise die Frage, wer "sehr" an ein Leben nach dem Tode glaubt.

Auch bei der Frage, ob es einen persönlichen Gott gibt, findet sich eine Zunahme unter den jüngsten: Stark und sehr stark bejahen dies 34% der 18-29jährigen, aber nur 30% der 30-39jährigen.
Auch diese Daten stärken nicht nur die These einer Rückkehr der Religion(en) - eine ganze Menge gängiger Theorien (etwa die, dass Religiosität vor allem aus der Angst vor dem Tod entspringe) halten dem Befund nicht statt. Hand aufs Herz: Wer hätte damit gerechnet, dass in Deutschland Jüngere inzwischen häufiger an ein Jenseits glauben als Senioren?
Auch problematische Seiten könnte das Ganze dabei durchaus auch aufzeigen: Während 80% der über 50-jährigen der Aussage zustimmen, dass das Leben durch Naturgesetze bestimmt wird - sind es bei den 40-49jährigen noch 79%, bei den 30-39jährigen nur 75% und bei den 18-29jährigen gar nur noch 68%!
Auch hier wäre natürlich weiter zu differenzieren, was eine Nichtzustimmung hier bedeutet; es könnte auch nur einen aufgeklärten Zweifel an einem allzu mechanistischen Weltbild ausdrücken. Allerdings findet sich auch ein Rückgang der religiösen Toleranz unter den Jüngeren... Mindestens teilweise dürften wir auch in Deutschland schon eine Entwicklung sehen, die europäischer Dünkel bislang nur auf die USA projizierte: Säkulare Darwinisten mögen mehr wissenschaftliche Argumente haben - aber verbindlich Religiöse (und damit auch Kreationisten) haben deutlich mehr Kinder. (Die Ironie in diesem Befund, dass sich nämlich Kritiker der Evolutionstheorie sehr viel biologisch erfolgreicher verhalten als die meisten selbsternannten "Ultradarwinisten", ist noch gar nicht aufgearbeitet...)

Leider bezieht auch der Bertelsmann Religionsmonitor 2008 den Zusammenhang von Religion & Demografie noch nicht ein. So habe ich es auch nicht beim Bloggen belassen, sondern mit "Rückkehr der Religion - wohin?" in der Katholischen Sonntagszeitung dieser Woche auch für die demografisch-biografische Perspektive plädiert.
Denn mein persönliches Fazit: Wenn wir das Phänomen Religion wissenschaftlich und gesellschaftlich zunehmend besser verstehen und beschreiben wollen, müssten sowohl Hochreligiöse wie Nichtreligiöse stärker die Fakten sprechen lassen. Das Lesen und Diskutieren von Überschriften und Pressemeldungen ist ein Anfang, aber zum echten Verstehen wird es nicht reichen - Studien wie der Bertelsmann Religionsmonitor haben mehr vertiefte Beachtung verdient.
blume-religionswissenschaft - 8. Feb, 06:26
16 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Ingo Bading - 7. Feb, 20:07
Kirchenaustrittszahlen SINKEN?
Was ich (noch) nicht so ganz verstehe:
Überall wird von Kirchenschließungen berichtet, neuerdings wieder will die katholische Kirche in Südniedersachsen eine handvoll Kirchen verkaufen.
Es fehlt in der katholischen Kirche der Priesternachwuchs in Deutschland, weil keiner mehr Theologie studieren will.
Was will es also besagen, wenn fortlaufend die "Rückkehr der Religion" beschworen wird? Ist das wirklich statisch abzusichern?
Sind die Kirchenaustrittszahlen denn in den letzten Jahren gesunken? Treten die Leute wieder vermehrt in die Kirchen ein? Habe ich NIRGENDS gehört. DAS wäre doch für mich das beste Kennzeichen für eine "Rückkehr" zumindest christlicher "Religion".
Überall wird von Kirchenschließungen berichtet, neuerdings wieder will die katholische Kirche in Südniedersachsen eine handvoll Kirchen verkaufen.
Es fehlt in der katholischen Kirche der Priesternachwuchs in Deutschland, weil keiner mehr Theologie studieren will.
Was will es also besagen, wenn fortlaufend die "Rückkehr der Religion" beschworen wird? Ist das wirklich statisch abzusichern?
Sind die Kirchenaustrittszahlen denn in den letzten Jahren gesunken? Treten die Leute wieder vermehrt in die Kirchen ein? Habe ich NIRGENDS gehört. DAS wäre doch für mich das beste Kennzeichen für eine "Rückkehr" zumindest christlicher "Religion".
blume-religionswissenschaft - 8. Feb, 07:26
Rückkehr der Religion - wohin?
Hallo Ingo,
im KS-Artikel habe ich genau das ja angesprochen. Siehe http://www.blume-religionswissenschaft.de/pdf/RueckkehrReligionBlumeKS0508.pdf
In Kurzform: die Rückkehr der Religion(en) findet derzeit ausdrücklich in den "religiösen Markt" statt - es wachsen Islam, jüngere christliche Freikirchen, Buddhismus, Judentum etc. Bei den Großkirchen gibt es zwar auch eine gewisse Zunahme der Neu- und Wiedereintrittszahlen, aber das schwächt deren Abbröckeln derzeit nur ab. Vor allem schlägt hier auch die Demografie zu: die kinderreichen Familien sind häufiger in islamischen, freikirchlichen, hinduistischen und jüdischen Gemeinden zu finden, wogegen viele großkirchliche Gemeinden überaltern.
Ich bin übrigens immer wieder überrascht, wie selten Demografie in den Kirchen und von der Theologie bisher diskutiert wurde...
Herzliche Grüße
Michael
im KS-Artikel habe ich genau das ja angesprochen. Siehe http://www.blume-religionswissenschaft.de/pdf/RueckkehrReligionBlumeKS0508.pdf
In Kurzform: die Rückkehr der Religion(en) findet derzeit ausdrücklich in den "religiösen Markt" statt - es wachsen Islam, jüngere christliche Freikirchen, Buddhismus, Judentum etc. Bei den Großkirchen gibt es zwar auch eine gewisse Zunahme der Neu- und Wiedereintrittszahlen, aber das schwächt deren Abbröckeln derzeit nur ab. Vor allem schlägt hier auch die Demografie zu: die kinderreichen Familien sind häufiger in islamischen, freikirchlichen, hinduistischen und jüdischen Gemeinden zu finden, wogegen viele großkirchliche Gemeinden überaltern.
Ich bin übrigens immer wieder überrascht, wie selten Demografie in den Kirchen und von der Theologie bisher diskutiert wurde...
Herzliche Grüße
Michael
Edgar (anonym) - 7. Feb, 21:36
Religion und Demografie
Lieber Michael,
vielen Dank für Deinen Hinweis auf die "Klippen", die es im Leben zu bewältigen gibt! Das Leben 25 bis 35 jähriger Menschen als "Stoßzeit" zu beschreiben, trifft den Nagel auf den Kopf!!!
Gleich nach dem lesen Deines Leserbriefs habe ich nach der Quelle des Begriffs "rush hour of life" gesucht und im 7. Familienbericht der Bundesregierung, 2006 (Familien in Europa) gefunden:
http://www.bmfsfj.de/doku/familienbericht/a-02.html
Interessant auch der Vergleich Deutschlands mit den Niederlanden. Dort gibt es seit 2006 Zeit- und Geldkonten , die es jedem fest angestellten Niederländer erlauben, seine Lebenszeit flexibel zu gestalten, die sog. "Levensloopregeling".
http://www.geo.de/GEO/kultur/gesellschaft/4774.html?p=3&pageview=&pageview=
vielen Dank für Deinen Hinweis auf die "Klippen", die es im Leben zu bewältigen gibt! Das Leben 25 bis 35 jähriger Menschen als "Stoßzeit" zu beschreiben, trifft den Nagel auf den Kopf!!!
Gleich nach dem lesen Deines Leserbriefs habe ich nach der Quelle des Begriffs "rush hour of life" gesucht und im 7. Familienbericht der Bundesregierung, 2006 (Familien in Europa) gefunden:
http://www.bmfsfj.de/doku/familienbericht/a-02.html
Interessant auch der Vergleich Deutschlands mit den Niederlanden. Dort gibt es seit 2006 Zeit- und Geldkonten , die es jedem fest angestellten Niederländer erlauben, seine Lebenszeit flexibel zu gestalten, die sog. "Levensloopregeling".
http://www.geo.de/GEO/kultur/gesellschaft/4774.html?p=3&pageview=&pageview=
blume-religionswissenschaft - 8. Feb, 10:03
Danke...
...gute Tips! Vielleicht mag ja mal Ingo den aktuellen Familienbericht und das Rush-Hour-Thema aufgreifen? Ich komme kaum noch nach...
Herzliche Grüße
Michael
PS: Der Artikel war kein Leserbrief, sondern wurde von der Redaktion des Sonntagsblatts bestellt. Es macht übrigens immer wieder viel Freude, für sie zu schreiben, weil es ein aufmerksames und religiös interessiertes Publikum findet.
Herzliche Grüße
Michael
PS: Der Artikel war kein Leserbrief, sondern wurde von der Redaktion des Sonntagsblatts bestellt. Es macht übrigens immer wieder viel Freude, für sie zu schreiben, weil es ein aufmerksames und religiös interessiertes Publikum findet.
kp (anonym) - 8. Feb, 08:05
Religionsmonitor
Ich habe mir den Religionsmonitor damals auch schon mal angeschaut und auch hpd dazu gelesen. Dabei fand ich den folgenden kritischen Beitrag dort schon ziemlich bedenkenswert: http://hpd-online.de/node/3483.
blume-religionswissenschaft - 8. Feb, 09:59
Ja...
...ich habe oben deshalb auch hpd-online verlinkt. Man kann und sollte über die Spannweite des Begriffs "religiös" da wirklich nochmal nachdenken.
Aber mich bestürzt, wie wenig die Diskussion weiter geht. Oben sind die Zahlen zum Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod, aber auch z.B. zum Anteil "Hochreligiöser" (und die Definition ist sattelfest), zur Einschätzung von Naturgesetzen, weitere, doch ganz interessante Themen wären die interreligiöse Toleranz und die internationalen Vergleiche.
Und da bestürzt mich schon etwas, dass es in unserer Videoclip-Gesellschaft offenbar kaum jemand für nötig hält, tiefer in die Materie einzusteigen. Wenn ich mich z.B. über Dawkins äußere, dann reicht es doch nicht, auf die fehlende Definition von "Mem" zu verweisen und nur die Pressemitteilung und den Klappentext gelesen zu haben. Aber selbst große, umfassende Studien, an denen Top-Leute verschiedener Disziplinen mitgewirkt haben, werden bei uns leider immer noch auf diesem Niveau abgehandelt.
Ich glaube, da sind wir Wissenschaftsblogger gefragt, Schätze zu bergen - und hoffentlich werden wir endlich mehr! (-:
Herzliche Grüße
Michael
Aber mich bestürzt, wie wenig die Diskussion weiter geht. Oben sind die Zahlen zum Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod, aber auch z.B. zum Anteil "Hochreligiöser" (und die Definition ist sattelfest), zur Einschätzung von Naturgesetzen, weitere, doch ganz interessante Themen wären die interreligiöse Toleranz und die internationalen Vergleiche.
Und da bestürzt mich schon etwas, dass es in unserer Videoclip-Gesellschaft offenbar kaum jemand für nötig hält, tiefer in die Materie einzusteigen. Wenn ich mich z.B. über Dawkins äußere, dann reicht es doch nicht, auf die fehlende Definition von "Mem" zu verweisen und nur die Pressemitteilung und den Klappentext gelesen zu haben. Aber selbst große, umfassende Studien, an denen Top-Leute verschiedener Disziplinen mitgewirkt haben, werden bei uns leider immer noch auf diesem Niveau abgehandelt.
Ich glaube, da sind wir Wissenschaftsblogger gefragt, Schätze zu bergen - und hoffentlich werden wir endlich mehr! (-:
Herzliche Grüße
Michael
Monika (anonym) - 8. Feb, 11:04
Steigende Religiosität bei jungen Menschen
Lieber Michael,
bin ja mehr "Leserin" Deiner exzellenten Beiträge. Als (ehemalige) Religionslehrerin mit zugegebenermaßen "schwacher" theoretischer Basis "konsumiere" ich hier eher. Die steigende Religiosität konnte ich allerdings während meiner Unterrichtstätigkeit (2002-2005) in einer Hauptschule deutlich beobachten. Als kirchenfeindliche ;-)) Christin mit einer "fundamental-religiösen" Einstellung (z.B. wer keine Nächstenliebe pflegt, ist für mich kein Christ, d.h. die Institution Kirche ist glaubensfeindlich, so wie sie sich präsentiert und ihre Mitglieder behandelt...) war mein Religionsunterricht "kritisch-religiös" gehalten und viele Kids "outeten" sich in einem solchen Sinne als "gläubig". Dabei lehnten sie die althergebrachten institutionellen Vorgaben weitgehend ab...;-))
P.S.: Ich habe eine Metadiskussions-Blog zur Frage: Was sind Wissenschaftsblogs eingerichtet und würde mich sehr über Deine Gedanken bzw. Deiner kompetenten Besucher, zu diesem Thema freuen.... (http://wissenschaftsblogs.blogspot.com/)
bin ja mehr "Leserin" Deiner exzellenten Beiträge. Als (ehemalige) Religionslehrerin mit zugegebenermaßen "schwacher" theoretischer Basis "konsumiere" ich hier eher. Die steigende Religiosität konnte ich allerdings während meiner Unterrichtstätigkeit (2002-2005) in einer Hauptschule deutlich beobachten. Als kirchenfeindliche ;-)) Christin mit einer "fundamental-religiösen" Einstellung (z.B. wer keine Nächstenliebe pflegt, ist für mich kein Christ, d.h. die Institution Kirche ist glaubensfeindlich, so wie sie sich präsentiert und ihre Mitglieder behandelt...) war mein Religionsunterricht "kritisch-religiös" gehalten und viele Kids "outeten" sich in einem solchen Sinne als "gläubig". Dabei lehnten sie die althergebrachten institutionellen Vorgaben weitgehend ab...;-))
P.S.: Ich habe eine Metadiskussions-Blog zur Frage: Was sind Wissenschaftsblogs eingerichtet und würde mich sehr über Deine Gedanken bzw. Deiner kompetenten Besucher, zu diesem Thema freuen.... (http://wissenschaftsblogs.blogspot.com/)
Ingo Bading - 8. Feb, 14:29
Kirchenaustrittszahlen STEIGEN?
Michael,
in dem angebenen pdf.-Artikel schreibst Du mit Bezug auf die Großkirchen: "Die Austrittszahlen klettern". Aber sonst ist der Artikel "zahlenfrei".
Freikirchen gehört doch nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der deutschen (oder Schweizer) Bevölkerung an. Ebenso Buddhismus und Judentum. Allerdings wären absolute Zahlen mal ganz sinnvoll, denn - z.B. - die Hutterer übernehmen ja in Kanada schon bald so die eine oder andere Provinz. *Bald*. (Aufgrund internen Wachstums.) Aber in Deutschland? Wenn diese kleinen Grüppchen rein demographisch wachsen, was wir ja alle hier auf dem Blog wohl so mehr oder weniger "recht interessant" finden (sonst wären wir wohl nicht hier), so kann man doch allein DARAUS noch gesamtgesellschaftlich keine Rückkehr der Religionen manifestieren.
Und irgendwie im Gegensatz zum Artikel schreibst Du im Blog-Kommentar: "Bei den Großkirchen gibt es zwar auch eine gewisse Zunahme der Neu- und Wiedereintrittszahlen, aber das schwächt deren Abbröckeln derzeit nur ab."
Wenn ich alle Deine Aussagen richtig kombiniere, komme ich auf die Schlußfolgerung: Die Austrittszahlen aus den Großkirchen wachsen NOCH schneller als die wachsenden (Wieder-)Eintrittszahlen. Aber das kann man doch gesamtgesellschaftlich nicht als ein besonders starkes Anzeichen für "Rückkehr der Religion" bezeichnen!
Ehrlich gesagt, habe ich schon bessere Artikel von Dir gelesen als diesen in der Kirchenzeitung.
Das Anwachsen des Islams sagt doch ebenfalls ÜBERHAUPT nichts aus über eine Rückkehr von Religion in der Nicht-Migranten-Bevölkerung (- oh, wie toll pc-mäßig ausgedrück!!!!). Das magst DU ja familiär einigermaßen zu spüren bekommen. Ich glaube, der durchschnittliche Deutsche bekommt das höchstens zu spüren in der Fußgängerzone seiner Einkaufsstadt. Und da outet sich niemand als religiös, sondern höchstens als "anatolisch" oder "südländisch".
In der ethnischen DEUTSCHEN Bevölkerung kann ich KEINE breite Rückkehr der Religion erkennen, die auch nur *etwas* mehr wäre als Medien-"Gedöns". Und da hätte ich von Dir eine etwas differenziertere Darstellung erwartet.
in dem angebenen pdf.-Artikel schreibst Du mit Bezug auf die Großkirchen: "Die Austrittszahlen klettern". Aber sonst ist der Artikel "zahlenfrei".
Freikirchen gehört doch nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der deutschen (oder Schweizer) Bevölkerung an. Ebenso Buddhismus und Judentum. Allerdings wären absolute Zahlen mal ganz sinnvoll, denn - z.B. - die Hutterer übernehmen ja in Kanada schon bald so die eine oder andere Provinz. *Bald*. (Aufgrund internen Wachstums.) Aber in Deutschland? Wenn diese kleinen Grüppchen rein demographisch wachsen, was wir ja alle hier auf dem Blog wohl so mehr oder weniger "recht interessant" finden (sonst wären wir wohl nicht hier), so kann man doch allein DARAUS noch gesamtgesellschaftlich keine Rückkehr der Religionen manifestieren.
Und irgendwie im Gegensatz zum Artikel schreibst Du im Blog-Kommentar: "Bei den Großkirchen gibt es zwar auch eine gewisse Zunahme der Neu- und Wiedereintrittszahlen, aber das schwächt deren Abbröckeln derzeit nur ab."
Wenn ich alle Deine Aussagen richtig kombiniere, komme ich auf die Schlußfolgerung: Die Austrittszahlen aus den Großkirchen wachsen NOCH schneller als die wachsenden (Wieder-)Eintrittszahlen. Aber das kann man doch gesamtgesellschaftlich nicht als ein besonders starkes Anzeichen für "Rückkehr der Religion" bezeichnen!
Ehrlich gesagt, habe ich schon bessere Artikel von Dir gelesen als diesen in der Kirchenzeitung.
Das Anwachsen des Islams sagt doch ebenfalls ÜBERHAUPT nichts aus über eine Rückkehr von Religion in der Nicht-Migranten-Bevölkerung (- oh, wie toll pc-mäßig ausgedrück!!!!). Das magst DU ja familiär einigermaßen zu spüren bekommen. Ich glaube, der durchschnittliche Deutsche bekommt das höchstens zu spüren in der Fußgängerzone seiner Einkaufsstadt. Und da outet sich niemand als religiös, sondern höchstens als "anatolisch" oder "südländisch".
In der ethnischen DEUTSCHEN Bevölkerung kann ich KEINE breite Rückkehr der Religion erkennen, die auch nur *etwas* mehr wäre als Medien-"Gedöns". Und da hätte ich von Dir eine etwas differenziertere Darstellung erwartet.
blume-religionswissenschaft - 8. Feb, 15:30
Oh...
Hallo Ingo,
ich glaube, da haben wir etwas aneinander vorbei geschrieben. Mit "Rückkehr der Religion" ist keine allgemeine Rückkehr der Menschen in die etablierten Kirchen gemeint (dafür finden sich tatsächlich kaum Belege) - sondern das empirisch meßbar wieder anwachsende, religiöse Interesse junger Generationen, das m.E. vor allem auch demografische Ursachen hat.
Dazu findest Du oben eine ganze Menge Daten: das (Wieder-)Anwachsen der Hochreligiösen, der An-ein-Weiterleben-Glaubenden etc. insbesondere in der jüngeren Generation u.a. Auch zu Freikirchlern, jungen Muslimen etc. habe ich hier im Blog schon einiges geschrieben. Weitere Anzeichen für eine breitere Veränderung haben wir z.B. im Freiwilligensurvey: junge Leute mit, aber auch ohne Migrationshintergrund besuchen offensichtlich nicht nur häufiger religiöse Events, sondern engagieren sich auch zu etwas höheren Prozentzahlen im kirchlichen Bereich als ihre Vorgängergenerationen. Alles für sich noch keine Beweise, aber Indizien, die sich verdichten.
Im KS-Artikel gehe ich einfach nur darauf ein, warum die Großkirchen bislang nicht (oder kaum) dauerhaft von diesem höheren Interesse der jüngeren Generation profitieren. Und da zeigt sich eben, dass sie auch junge Erwachsene weiter und wieder verlieren - sei es an religiöse Wettbewerber, sei es an die religiöse Indifferenz (wegen fehlender Angebote in der "Rush Hour"). Auch das ist übrigens gar nicht ungewöhnlich: auch z.B. in den USA ging ein Aufschwung der Religiosität mit einem Bröckeln der sog. "Mainstream-Kirchen" einher.
Was Du mit Unterscheidungen wie "ethnisch Deutsch", "religiös", "anatolisch", "südländisch" und den Hinweisen auf meine Familie sagen willst, erschließt sich mir nicht ganz. Wie definierst Du z.B. "ethnisch Deutsch"? Zählt Schimanski noch dazu? Lafontaine und de Maiziere? Russlanddeutsche ja, aber Eingebürgerte in dritter Generation und deutsche Sorben nicht? Und was haben solche Unterscheidungen mit der Frage zu tun, ob es in der jungen Generation unserer Gesellschaft ein insgesamt anwachsendes Interesse an Religion gibt (das ist zumindest die Frage, die mich hier interessiert)?
Wenn Du seriöse Daten hast, die für irgendeine Gruppe hier einen grundsätzlich anderen Verlauf nahelegen als für andere, bringe diese doch einfach in die Diskussion ein. So aber bleibt der Eindruck, dass Dir einfach die Daten oder Gesamtentwicklungen nicht passen - deswegen muss man aber noch lange nicht auf den Boten schießen. (-:
Herzliche Grüße
Michael
ich glaube, da haben wir etwas aneinander vorbei geschrieben. Mit "Rückkehr der Religion" ist keine allgemeine Rückkehr der Menschen in die etablierten Kirchen gemeint (dafür finden sich tatsächlich kaum Belege) - sondern das empirisch meßbar wieder anwachsende, religiöse Interesse junger Generationen, das m.E. vor allem auch demografische Ursachen hat.
Dazu findest Du oben eine ganze Menge Daten: das (Wieder-)Anwachsen der Hochreligiösen, der An-ein-Weiterleben-Glaubenden etc. insbesondere in der jüngeren Generation u.a. Auch zu Freikirchlern, jungen Muslimen etc. habe ich hier im Blog schon einiges geschrieben. Weitere Anzeichen für eine breitere Veränderung haben wir z.B. im Freiwilligensurvey: junge Leute mit, aber auch ohne Migrationshintergrund besuchen offensichtlich nicht nur häufiger religiöse Events, sondern engagieren sich auch zu etwas höheren Prozentzahlen im kirchlichen Bereich als ihre Vorgängergenerationen. Alles für sich noch keine Beweise, aber Indizien, die sich verdichten.
Im KS-Artikel gehe ich einfach nur darauf ein, warum die Großkirchen bislang nicht (oder kaum) dauerhaft von diesem höheren Interesse der jüngeren Generation profitieren. Und da zeigt sich eben, dass sie auch junge Erwachsene weiter und wieder verlieren - sei es an religiöse Wettbewerber, sei es an die religiöse Indifferenz (wegen fehlender Angebote in der "Rush Hour"). Auch das ist übrigens gar nicht ungewöhnlich: auch z.B. in den USA ging ein Aufschwung der Religiosität mit einem Bröckeln der sog. "Mainstream-Kirchen" einher.
Was Du mit Unterscheidungen wie "ethnisch Deutsch", "religiös", "anatolisch", "südländisch" und den Hinweisen auf meine Familie sagen willst, erschließt sich mir nicht ganz. Wie definierst Du z.B. "ethnisch Deutsch"? Zählt Schimanski noch dazu? Lafontaine und de Maiziere? Russlanddeutsche ja, aber Eingebürgerte in dritter Generation und deutsche Sorben nicht? Und was haben solche Unterscheidungen mit der Frage zu tun, ob es in der jungen Generation unserer Gesellschaft ein insgesamt anwachsendes Interesse an Religion gibt (das ist zumindest die Frage, die mich hier interessiert)?
Wenn Du seriöse Daten hast, die für irgendeine Gruppe hier einen grundsätzlich anderen Verlauf nahelegen als für andere, bringe diese doch einfach in die Diskussion ein. So aber bleibt der Eindruck, dass Dir einfach die Daten oder Gesamtentwicklungen nicht passen - deswegen muss man aber noch lange nicht auf den Boten schießen. (-:
Herzliche Grüße
Michael
Ingo Bading - 8. Feb, 17:38
Ethnische Verschiebungen in Deutschland
Naja, Michael,
WENN stärkere religiöse Verbundenheit die Geburtenrate heben kann, dann sollte man doch alle Anzeichen, die auf eine Wiederkehr von religiöser Verbundenheit hindeuten in einem Volk, das mit einer Geburtenrate von 1,3 so "dahinvegetiert", mit sehr großem Interesse zur Kenntnis nehmen.
Mich als Deutschen interessieren da - ich weiß vielleicht nicht so ganz, warum - die Zahlen, die sich auf die religiöse Verbundenheit von Menschen beziehen, von denen als Gruppe erwartet werden kann, daß sie die Kultur von Goethe, Schiller, Hölderlin und Lessing weiterführen, MEHR als von Gruppen, von denen ich letzteres viel weniger erwarten kann.
So weiß ich aus geschichtlicher Erfahrung, daß die Schimanski's, Lafontaine's und Maiziere's in der bisherigen Geschichte des deutschen Volkes noch niemals eine so ausschlaggebende Minderheiten-Gruppe, bzw. "Parallelgesellschaft" ausgebildet haben, daß von ihnen hätte erwartet werden können, daß sie die Ausgangspopulation einer ganz NEUEN Ethnie sein werden oder könnten.
Bei den derzeitigen ethnischen Verschiebungen in Deutschland kann man eine solche Erwartung aber sehr wohl haben. Die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken fühlen sich mehr der Türkei als Deutschland verbunden, las ich grade in der Zeitschrift "Max PlanckForschung" 4/07, S. 62ff. (Kostenlos herunterladbar hier: www.magazin-dt.mpg.de , Tagungsbericht über "Bundeswehr und demographischer Wandel; es war dort Necla Kelek, die darüber referierte). Und ehrlich gesagt, kann ich ihnen das gar nicht verübeln. Wahrscheinlich würde ich an ihrer Stelle ähnlich fühlen.
Nur darf man dann eben von solchen Migrantengruppen nicht erwarten, daß ihnen das "Recht und die Freiheit des deutschen Volkes" ein besonders hoher Wert darstellen werden, daß ihnen "das Wohl des deutschen Volkes" als jenes Volk, als das es in der Geschichte bislang bestanden hat und seine kulturellen Leistungen von welthistorischer Bedeutung erbracht hat, daß ihnen das besonders groß am Herzen liegen muß. Wie gesagt, ich nehme ihnen das in keiner Weise übel.
Nur sage ich mir als Deutscher, daß ich in der GESAMTHEIT von ihnen nicht allzu viel für die Zukunft der deutschen Kultur erwarten darf. Ich könnte von ihnen höchstens etwas erwarten in Richtung einer "Nachfolgekultur" gegenüber der heutigen deutschen Kultur. Sagen wir so wie die neugriechische Kultur gegenüber der klassischen griechischen Kultur oder die Kultur der Sasaaniden gegenüber der altpersischen, womit ich natürlich keine Wertung verbunden haben möchte. Auch Nachfolgekulturen haben wieder ihre unverwechselbare Einzigartigkeit.
Aber ich liebe nun mal besonders diese meine deutsche Kultur. Und ich glaube, diese Liebe könnte einen eben besonders an der Wiederkehr religiöser Verbundenheit als breite Strömung in der deutschen Bevölkerung interessiert sein lassen.
- - - Zu den Daten noch mal: Ich finde halt so Meinungsumfragen viel weniger aussagekräftig als Ein- und Austrittszahlen von Großkirchen, wenn es um gesamtgesellschaftliche Entwicklungen geht. Du nicht auch?
WENN stärkere religiöse Verbundenheit die Geburtenrate heben kann, dann sollte man doch alle Anzeichen, die auf eine Wiederkehr von religiöser Verbundenheit hindeuten in einem Volk, das mit einer Geburtenrate von 1,3 so "dahinvegetiert", mit sehr großem Interesse zur Kenntnis nehmen.
Mich als Deutschen interessieren da - ich weiß vielleicht nicht so ganz, warum - die Zahlen, die sich auf die religiöse Verbundenheit von Menschen beziehen, von denen als Gruppe erwartet werden kann, daß sie die Kultur von Goethe, Schiller, Hölderlin und Lessing weiterführen, MEHR als von Gruppen, von denen ich letzteres viel weniger erwarten kann.
So weiß ich aus geschichtlicher Erfahrung, daß die Schimanski's, Lafontaine's und Maiziere's in der bisherigen Geschichte des deutschen Volkes noch niemals eine so ausschlaggebende Minderheiten-Gruppe, bzw. "Parallelgesellschaft" ausgebildet haben, daß von ihnen hätte erwartet werden können, daß sie die Ausgangspopulation einer ganz NEUEN Ethnie sein werden oder könnten.
Bei den derzeitigen ethnischen Verschiebungen in Deutschland kann man eine solche Erwartung aber sehr wohl haben. Die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken fühlen sich mehr der Türkei als Deutschland verbunden, las ich grade in der Zeitschrift "Max PlanckForschung" 4/07, S. 62ff. (Kostenlos herunterladbar hier: www.magazin-dt.mpg.de , Tagungsbericht über "Bundeswehr und demographischer Wandel; es war dort Necla Kelek, die darüber referierte). Und ehrlich gesagt, kann ich ihnen das gar nicht verübeln. Wahrscheinlich würde ich an ihrer Stelle ähnlich fühlen.
Nur darf man dann eben von solchen Migrantengruppen nicht erwarten, daß ihnen das "Recht und die Freiheit des deutschen Volkes" ein besonders hoher Wert darstellen werden, daß ihnen "das Wohl des deutschen Volkes" als jenes Volk, als das es in der Geschichte bislang bestanden hat und seine kulturellen Leistungen von welthistorischer Bedeutung erbracht hat, daß ihnen das besonders groß am Herzen liegen muß. Wie gesagt, ich nehme ihnen das in keiner Weise übel.
Nur sage ich mir als Deutscher, daß ich in der GESAMTHEIT von ihnen nicht allzu viel für die Zukunft der deutschen Kultur erwarten darf. Ich könnte von ihnen höchstens etwas erwarten in Richtung einer "Nachfolgekultur" gegenüber der heutigen deutschen Kultur. Sagen wir so wie die neugriechische Kultur gegenüber der klassischen griechischen Kultur oder die Kultur der Sasaaniden gegenüber der altpersischen, womit ich natürlich keine Wertung verbunden haben möchte. Auch Nachfolgekulturen haben wieder ihre unverwechselbare Einzigartigkeit.
Aber ich liebe nun mal besonders diese meine deutsche Kultur. Und ich glaube, diese Liebe könnte einen eben besonders an der Wiederkehr religiöser Verbundenheit als breite Strömung in der deutschen Bevölkerung interessiert sein lassen.
- - - Zu den Daten noch mal: Ich finde halt so Meinungsumfragen viel weniger aussagekräftig als Ein- und Austrittszahlen von Großkirchen, wenn es um gesamtgesellschaftliche Entwicklungen geht. Du nicht auch?
blume-religionswissenschaft - 8. Feb, 19:32
Naja...
Für unsere niedrige Geburtenrate inmitten von Wohlstand, Frieden und Freiheit, wie ihn noch kaum eine Generation zuvor genoss, können wir kaum die Zuwanderer verantwortlich machen. Und Freunde der deutschen Kultur haben doch alle Möglichkeiten: selber mehr Kinder in stabilen Familien großzuziehen, sich um ein gutes Bildungssystem bemühen, die Staatsverschuldung nicht ausufern lassen usw. usf. Kultur ist immer im Wandel, für den ja gerade Goethe, Schiller und Lessing auch stehen - und an der Erhaltung und Tradierung wertvoller Kulturgüter kann sich jeder beteiligen.
Im Kern scheint hier in Deutschland nichts anderes passieren als in sehr vielen anderen entwickelten Gesellschaften auch - der Übergang von der ethnischen und religiösen Monokultur in eine Vielfalt, das Schrumpfen säkularer Bildungsschichten zugunsten verschiedenster religiöser Gemeinschaften. Klar ist das auch schmerzhaft, für alle Beteiligten. Kann man gut oder schlecht finden, aber wie Du weißt, lege ich Wert auf die Trennung von Beschreibung und Bewertung.
Das mit den Kirchenzahlen verwundert mich jetzt schon, weil es bis vor kurzem doch immer geheißen hat, die hohen Mitgliederzahlen besagten doch gar nichts, viele Leute seien doch nur pro forma in den Kirchen. Nun klammern sich die säkularen Hoffnungen also doch an die schrumpfenden Mainstream-Kirchen? Mein Vorschlag war und ist: nach Möglichkeit alle verfügbaren Daten einbeziehen - Mitgliederzahlen, Befragungsdaten, Fallstudien. Internationale Vergleiche, wie sie die Bertelsmann-Studie zum Beispiel ermöglicht, sind schon aufgrund der verschiedenen Staat-Kirchen-Systeme über Mitgliederzahlen kaum möglich. Und eine echte Volkszählung wie die Schweiz ist ja wahrscheinlich nicht mehr zu erwarten - auch die Schweiz wird 2010 mit der Tradition der Vollerhebung von über einem Jahrhundert brechen. *Seufz*
Dir alles Liebe
Michael
Im Kern scheint hier in Deutschland nichts anderes passieren als in sehr vielen anderen entwickelten Gesellschaften auch - der Übergang von der ethnischen und religiösen Monokultur in eine Vielfalt, das Schrumpfen säkularer Bildungsschichten zugunsten verschiedenster religiöser Gemeinschaften. Klar ist das auch schmerzhaft, für alle Beteiligten. Kann man gut oder schlecht finden, aber wie Du weißt, lege ich Wert auf die Trennung von Beschreibung und Bewertung.
Das mit den Kirchenzahlen verwundert mich jetzt schon, weil es bis vor kurzem doch immer geheißen hat, die hohen Mitgliederzahlen besagten doch gar nichts, viele Leute seien doch nur pro forma in den Kirchen. Nun klammern sich die säkularen Hoffnungen also doch an die schrumpfenden Mainstream-Kirchen? Mein Vorschlag war und ist: nach Möglichkeit alle verfügbaren Daten einbeziehen - Mitgliederzahlen, Befragungsdaten, Fallstudien. Internationale Vergleiche, wie sie die Bertelsmann-Studie zum Beispiel ermöglicht, sind schon aufgrund der verschiedenen Staat-Kirchen-Systeme über Mitgliederzahlen kaum möglich. Und eine echte Volkszählung wie die Schweiz ist ja wahrscheinlich nicht mehr zu erwarten - auch die Schweiz wird 2010 mit der Tradition der Vollerhebung von über einem Jahrhundert brechen. *Seufz*
Dir alles Liebe
Michael
kp (anonym) - 9. Feb, 11:02
Nochmal Religionsmonitor
Ich mir die Fragen im Religionsmonitor ja auch etwas angeschaut und fand einige Fragen schon diskussionswürdig. Der Kritik an dem Aufbau des Religionsmonitors, wie sie von der hpd kommt kann ich mich in Teilen schon anschließen. Die Macher des Religionsmonitors müssen sich - meine ich - schon die Frage gefallen lassen, wie es sein kann, dass Atheisten als zumindest gering religiös "aus dem Test herauskommen". Zweifelhafte Fragen fand ich u.a. die folgenden
Wie oft denken Sie über religiöse Themen nach?
- Wie oft lesen Sie religiöse oder spirituelle Bücher?
- Wie oft setzen Sie sich kritisch mit religiösen Lehren auseinander, denen Sie grundsätzlich zustimmen?
Es gibt keine Frage, die da lauten würde: Wie oft setzen Sie sich kritisch mit religiösen Lehren auseinander?
- Ich möchte ein außergewöhnliches Leben führen.
Kann man das nicht auch ohne religiösen Bezug wollen?
- Ich bemühe mich unter allen Umständen, Gesetz und Ordnung zu respektieren.
Was bedeutet unter allen Umständen? Hat das tatsächlich etwas mit einer religiösen Grundeinstellung zu tun?
Zugegebenermaßen bin ich in Statistik keine Leute. Aber warum fängt die Skalierung bei 1 und nicht bei 0 an? Was soll in diesem Zusammenhang "geringe Religiosität" bedeuten. Das "nicht" so wird mir zumindest suggeriert kommt nicht vor - oder seh ich das falsch? Das heißt doch, dass "man" aus diesem Fragebogen grundsätzlich als "gering religiös" herauskommt.
Es gibt auch einen Unterschied zwischen der Befragung vorher und den Vorgaben für die Interviewer (Religionsmonitor - Fragebogen). Diese sind unter
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/35603_35614.htm
zu finden. Vorgabe war die Antwortoption "weiß nicht / keine Angabe" nicht vorzulesen. Aus meiner Sicht kann diese Angabe schon zu Verfälschungen im Ergebnis führen, denn immerhin ist man mit 2 ja schon im mittleren religiösen Bereich.
Wie oft denken Sie über religiöse Themen nach?
- Wie oft lesen Sie religiöse oder spirituelle Bücher?
- Wie oft setzen Sie sich kritisch mit religiösen Lehren auseinander, denen Sie grundsätzlich zustimmen?
Es gibt keine Frage, die da lauten würde: Wie oft setzen Sie sich kritisch mit religiösen Lehren auseinander?
- Ich möchte ein außergewöhnliches Leben führen.
Kann man das nicht auch ohne religiösen Bezug wollen?
- Ich bemühe mich unter allen Umständen, Gesetz und Ordnung zu respektieren.
Was bedeutet unter allen Umständen? Hat das tatsächlich etwas mit einer religiösen Grundeinstellung zu tun?
Zugegebenermaßen bin ich in Statistik keine Leute. Aber warum fängt die Skalierung bei 1 und nicht bei 0 an? Was soll in diesem Zusammenhang "geringe Religiosität" bedeuten. Das "nicht" so wird mir zumindest suggeriert kommt nicht vor - oder seh ich das falsch? Das heißt doch, dass "man" aus diesem Fragebogen grundsätzlich als "gering religiös" herauskommt.
Es gibt auch einen Unterschied zwischen der Befragung vorher und den Vorgaben für die Interviewer (Religionsmonitor - Fragebogen). Diese sind unter
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/bst/hs.xsl/35603_35614.htm
zu finden. Vorgabe war die Antwortoption "weiß nicht / keine Angabe" nicht vorzulesen. Aus meiner Sicht kann diese Angabe schon zu Verfälschungen im Ergebnis führen, denn immerhin ist man mit 2 ja schon im mittleren religiösen Bereich.
blume-religionswissenschaft - 9. Feb, 13:59
Skala
Hallo Kerstin,
wie mehrfach geschrieben: den sehr weiten Begriffsumfang von "religiös" halte ich auch für kritikwürdig. Auf die hpd habe ich daher auch hingewiesen und verlinkt. Und wie Du oben siehst, habe ich mich selbst daher mit Aussagen auf "Hochreligiöse" beschränkt. Als Carsten Ramsel, Sven Graupner und ich mit ALLBUS 2002 gearbeitet haben, haben auch wir darauf geachtet, dass die Benennungen ausgewogen sind. Nur macht doch das noch nicht die ganze Studie aus.
Schade finde ich zum Beispiel, dass noch kaum eine Debatte über die weiteren Items geführt wurde. Oben geht es z.B. um das Leben nach dem Tod, es gibt Fragen zur Toleranz gegenüber anderen Religionen, zur Einschätzung von Naturgesetzen usw. Mich würden hierfür zum Beispiel internationale Vergleiche brennend interessieren. In welchen Ländern nimmt die interreligiöse Toleranz zu bzw. ab? Gibt es hierbei Generationenunterschiede? Wie verhält es sich mit der Zustimmung bzw. Ablehnung von Naturgesetzen?
Hier liegen meines Erachtens schon noch Schätze, die geborgen werden sollten. Das kann und darf kritisch sein. Aber wegen einzelner Fehler gleich eine ganze Studie und Arbeit von Jahren ad acta zu legen, wie es viele fordern, kann ich nicht nachvollziehen. Da ist meines Erachtens bei einigen ebensoviel Ideologie im Spiel, wie sie Bertelsmann vorwerfen. Und das ist für die Wissenschaft schade.
Herzliche Grüße!
Michael
wie mehrfach geschrieben: den sehr weiten Begriffsumfang von "religiös" halte ich auch für kritikwürdig. Auf die hpd habe ich daher auch hingewiesen und verlinkt. Und wie Du oben siehst, habe ich mich selbst daher mit Aussagen auf "Hochreligiöse" beschränkt. Als Carsten Ramsel, Sven Graupner und ich mit ALLBUS 2002 gearbeitet haben, haben auch wir darauf geachtet, dass die Benennungen ausgewogen sind. Nur macht doch das noch nicht die ganze Studie aus.
Schade finde ich zum Beispiel, dass noch kaum eine Debatte über die weiteren Items geführt wurde. Oben geht es z.B. um das Leben nach dem Tod, es gibt Fragen zur Toleranz gegenüber anderen Religionen, zur Einschätzung von Naturgesetzen usw. Mich würden hierfür zum Beispiel internationale Vergleiche brennend interessieren. In welchen Ländern nimmt die interreligiöse Toleranz zu bzw. ab? Gibt es hierbei Generationenunterschiede? Wie verhält es sich mit der Zustimmung bzw. Ablehnung von Naturgesetzen?
Hier liegen meines Erachtens schon noch Schätze, die geborgen werden sollten. Das kann und darf kritisch sein. Aber wegen einzelner Fehler gleich eine ganze Studie und Arbeit von Jahren ad acta zu legen, wie es viele fordern, kann ich nicht nachvollziehen. Da ist meines Erachtens bei einigen ebensoviel Ideologie im Spiel, wie sie Bertelsmann vorwerfen. Und das ist für die Wissenschaft schade.
Herzliche Grüße!
Michael
KP (anonym) - 9. Feb, 22:32
Ich stimme Dir zu, dass man sich intensiver mit dem Religionsmonitor auseinandersetzen sollte. Diese Auseinandersetzung schließt - aber ich denke da sind wir einer Meinung - sowohl die Ergebnisse als auch die Auseinandersetzung mit der Methodik ein. Ich will jetzt nicht zu tief in die Testtheorie einsteigen, zumal meine Beschäftigung damit schon verdammt lang her ist, jedoch habe ich schon so manche Frage an den Religionsmonitor. Ob und wie wurde der Effekt der sozialen / kulturellen Erwünschtheit kontrolliert, wurde Halo-Effekte vermieden, wurden Vortests durchgeführt und wenn ja mit wem. Die Items wurden ja in zig Sprachen übersetzt. Wie wurde sichergestellt, dass ich nach der Übersetzung noch das gleiche frage? Es gab außerdem noch Intensivbefragungen, die "teilweise mehrere Stunden"! gingen. Da Du ja gerade eine Marathondiskussion in einem anderen Blog hinter Dir hast, will ich Dich aber nicht in eine weitere solche verwickeln. Spannend finde ich den Religionsmonitor allemal. Eine intensive Auseinandersetzung damit finde ich allein schon deswegen wichtig, da er ja in regelmäßigen Abständen wiederholt wird.
blume-religionswissenschaft - 12. Feb, 10:22
Liebe Kerstin...
...da kann ich nur jeden Satz unterschreiben. Genau so sehe ich das auch!
Dir Dank für Dein Blogengagement & alles Gute!
Michael
Dir Dank für Dein Blogengagement & alles Gute!
Michael
Edgar (anonym) - 22. Mrz, 13:16
Hans Joas über Religiosität
Berlin (AFP) - Der Erfurter Soziologe Hans Joas glaubt nicht an einen Trend zu mehr Religiosität in Deutschland. Es gebe vielmehr eine größer gewordene Aufmerksamkeit für alles Religiöse, sagte Joas der Nachrichtenagentur AFP.
http://de.news.yahoo.com/afp/20080321/tts-d-religion-kirche-infografik-c1b2fc3.html
http://de.news.yahoo.com/afp/20080321/tts-d-religion-kirche-c1b2fc3.html
http://de.news.yahoo.com/afp/20080321/tts-d-religion-kirche-infografik-c1b2fc3.html
http://de.news.yahoo.com/afp/20080321/tts-d-religion-kirche-c1b2fc3.html


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