Kopftuch - Zwang oder Wahl? Befunde der BMI-Studie zu Muslimen in Deutschland
Werden muslimische Frauen von Männern meistens zum Tragen des Kopftuchs gezwungen? Oder tragen sie es aus religiösen Gründen freiwillig?
Die Studie "Muslime in Deutschland" 2007, erstellt im Juli 2007 an der Universität Hamburg im Auftrag des Bundesministeriums des Inneren (BMI) enthält dazu Befragungsdaten.
Demnach antworteten 26,3% der muslimischen Männer in Deutschland, es sei ihnen "ein Bedürfnis, dass Frauen aus ihrer Familie in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen". Aber sogar 32,9% der Musliminnen gaben an, es sei ihnen "ein Bedürfnis, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen."
Nicht weniger interessant ist der Anteil der Bejahung o.g. Fragen nach Geschlecht (weiblich rot, männlich grün) und Alter:

Die Studie ist hier abrufbar, die Daten finden sich auf S. 135 - 137.
Der Befund ist eindeutig (und dürfte Necla Kelek et al. nicht gefallen): vor allem junge Frauen bejahen das Kopftuchtragen deutlich häufiger als die gleichaltrigen Männer, nur in der Seniorengeneration lässt sich noch ein patriarchales Gefälle erkennen.
Für mache soziologische oder psychologische These dürfte (auch) dieser Befund eine harte Nuss sein - weswegen er bisher auch kaum rezipiert wurde. Evolutionsbiologisch lässt er sich jedoch gut beschreiben: vor allem Frauen tragen die (Welt-)Religionen, in denen Sozial- und Familienbeziehungen stabilisiert werden (siehe Gretchenfrage) - und auch die christlichen Kirchen erweisen sich gelegentlich als (Zitat) "Kirche(n) von Frauen, die von Männern geleitet" werden. Hier liegt ein Tausch im Rahmen der sexuellen Selektion vor: im Austausch für familiäres und gemeinschaftliches Engagement erhalten Männer anerkannte, soziale Rollen. (Siehe auch vertiefende Debatte zu Glaube & Zölibat hier.)
Insofern enthält auch die verdienstvolle Studie des BMI einen weiteren Fingerzeig, weniger "über" religiöse Frauen und mehr "mit" ihnen zu sprechen - sie also endlich als zur Vernunft und eigenen Entscheidung begabte Menschen in Religion, Politik, Wissenschaft und Medien in ihren Selbstaussagen ernst zu nehmen.
Die Studie "Muslime in Deutschland" 2007, erstellt im Juli 2007 an der Universität Hamburg im Auftrag des Bundesministeriums des Inneren (BMI) enthält dazu Befragungsdaten.
Demnach antworteten 26,3% der muslimischen Männer in Deutschland, es sei ihnen "ein Bedürfnis, dass Frauen aus ihrer Familie in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen". Aber sogar 32,9% der Musliminnen gaben an, es sei ihnen "ein Bedürfnis, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen."
Nicht weniger interessant ist der Anteil der Bejahung o.g. Fragen nach Geschlecht (weiblich rot, männlich grün) und Alter:

Die Studie ist hier abrufbar, die Daten finden sich auf S. 135 - 137.
Der Befund ist eindeutig (und dürfte Necla Kelek et al. nicht gefallen): vor allem junge Frauen bejahen das Kopftuchtragen deutlich häufiger als die gleichaltrigen Männer, nur in der Seniorengeneration lässt sich noch ein patriarchales Gefälle erkennen.
Für mache soziologische oder psychologische These dürfte (auch) dieser Befund eine harte Nuss sein - weswegen er bisher auch kaum rezipiert wurde. Evolutionsbiologisch lässt er sich jedoch gut beschreiben: vor allem Frauen tragen die (Welt-)Religionen, in denen Sozial- und Familienbeziehungen stabilisiert werden (siehe Gretchenfrage) - und auch die christlichen Kirchen erweisen sich gelegentlich als (Zitat) "Kirche(n) von Frauen, die von Männern geleitet" werden. Hier liegt ein Tausch im Rahmen der sexuellen Selektion vor: im Austausch für familiäres und gemeinschaftliches Engagement erhalten Männer anerkannte, soziale Rollen. (Siehe auch vertiefende Debatte zu Glaube & Zölibat hier.)
Insofern enthält auch die verdienstvolle Studie des BMI einen weiteren Fingerzeig, weniger "über" religiöse Frauen und mehr "mit" ihnen zu sprechen - sie also endlich als zur Vernunft und eigenen Entscheidung begabte Menschen in Religion, Politik, Wissenschaft und Medien in ihren Selbstaussagen ernst zu nehmen.
blume-religionswissenschaft - 25. Jan, 06:40
Nachtblau - 24. Jan, 12:22
Aber wo fängt die Freiwilligkeit an? Wenn dem Kind von kleinauf erklärt wird, dass man ohne Kopftuch eine Hure ist (drastisch ausgedrückt)? Freiwilligkeit und Verinnerlichung irgendwelcher Regeln sind für mich 2 Paar Stiefel.
blume-religionswissenschaft - 24. Jan, 14:14
Ja, nur...
Ich warne nur davor, jungen, auch gebildeten Frauen von vornherein zu unterstellen, sie seien naiv, leichtgläubig, hätten keinen eigenen Willen. Das müßten wir dann übrigens ebenso von katholischen Frauen annehmen, die sich ja schließlich auch in einer männlich dominierten Kirche engagieren - und überhaupt von Frauen, die durchschnittlich deutlich religiöser sind als Männer.
Im übrigen spricht ja gegen die populäre These "Mit Religion unterdrücken fiese Männer dumme Frauen" dass die Mehrheiten gerade anders herum verteilt sind: in den gewachsenen Religionen überwiegen in Mitgliederstruktur und Engagement ganz klar die Frauen. Und auch in der o.g. Umfrage war das Kopftuchtragen keinesfalls eine mehrheitliche Angelegenheit der Männer - denn es impliziert religiöse Sexual- und Familienregeln (z.B. Enthaltsamkeit bis zur Ehe), die eben nicht von allen Männern als unbedingt erstrebenswert angesehen werden. Nach Deinem (sehr drastischen) Beispiel müßte es doch anders herum sein, oder!?
Wer also nicht nur seine jeweilige (religiöse oder säkulare) Weltanschauung den Frauen überstülpen will, sondern wirklich mehr Rechte, Freiheit und Verständnis auch zwischen den Geschlechtern anstrebt, der sollte m.E. vor allem eines: zuhören, Pauschalisierungen vermeiden, Einzelfälle unterscheiden. Und Frauen auch als Akteure ihres eigenen Lebens achten, statt über sie hinweg zu forschen.
Im übrigen spricht ja gegen die populäre These "Mit Religion unterdrücken fiese Männer dumme Frauen" dass die Mehrheiten gerade anders herum verteilt sind: in den gewachsenen Religionen überwiegen in Mitgliederstruktur und Engagement ganz klar die Frauen. Und auch in der o.g. Umfrage war das Kopftuchtragen keinesfalls eine mehrheitliche Angelegenheit der Männer - denn es impliziert religiöse Sexual- und Familienregeln (z.B. Enthaltsamkeit bis zur Ehe), die eben nicht von allen Männern als unbedingt erstrebenswert angesehen werden. Nach Deinem (sehr drastischen) Beispiel müßte es doch anders herum sein, oder!?
Wer also nicht nur seine jeweilige (religiöse oder säkulare) Weltanschauung den Frauen überstülpen will, sondern wirklich mehr Rechte, Freiheit und Verständnis auch zwischen den Geschlechtern anstrebt, der sollte m.E. vor allem eines: zuhören, Pauschalisierungen vermeiden, Einzelfälle unterscheiden. Und Frauen auch als Akteure ihres eigenen Lebens achten, statt über sie hinweg zu forschen.
Nachtblau - 24. Jan, 15:28
Mag sein, dass die Mitgliederzahl von Religionen weiblich dominiert wird, aber es ist doch so wie in der freien Wirtschaft: diejenigen, die ganz oben sind, das sind dann doch Männer, die sich durchaus nicht gerne von Frauen ins Handwerk pfuschen lassen, egal ob bei der katholischen Kirche oder sonstwo. Und ehrlich gesagt sehe ich schon die Tendenz, dass Frauen in Religionen unterdrückt werden, Frauen werden zu Enthaltsamkeit vor der Ehe angehalten (wohlwissentlich, dass man Männern eh nicht nachweisen kann, ob sie Sex hatten, Frauen aber sehr wohl), ihnen wird das Recht zur Geburtenkontrolle genommen, sie sollen ein Kopftuch tragen, weil Männer scharf auf Haare sind. Sollte es nicht eher sein, dass man Männer dazu erzieht, rücksichtsvoll, höflich mit Frauen umzugehen, anstatt sie als bloßes Sexobjekt zu sehen?
blume-religionswissenschaft - 24. Jan, 20:49
Absolut!
Als evangelischer Christ gehöre ich persönlich zu den Befürwortern voller Gleichberechtigung und befürworte z.B. die Berufung von Pfarrerinnen und Bischöfinnen. Nur bin ich auch kein Fan der "Manipulationsthese", die letztlich auch gebildeten, jungen Frauen unterstellt, sie könnten nicht selber fühlen und denken.
Die Daten weisen eben deutlich darauf hin, dass Frauen am stärksten in den Gemeinschaften anzutreffen sind, in denen stabile Ehen, gemeinsam erzogene Kinder, wenig Scheidungen etc. vorkommen. Und die eben gerade das Gefühl nicht haben, dass säkulare Menschen per se rücksichtsvoller, höflicher und familienfreundlicher sind.
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/3151868/
Mir scheint es zumindest, dass z.B. in unseren Kirchen Frauen weit weniger als "bloßes Sexobjekt" betrachtet werden als z.B. in der Fernseh- oder Bandenwerbung. Und gerade auch Frauen mit Kopftuch betonen, dass sie eben nicht auf äußerliche Reize beschränkt werden wollen (sich also eben nicht Männern andienen wollen, die "scharf auf Haare sind", wie Du schreibst). Diese Meinungen muss man nicht teilen. Aber registrieren und ernst nehmen sollte man sie m.E. schon.
Die Daten weisen eben deutlich darauf hin, dass Frauen am stärksten in den Gemeinschaften anzutreffen sind, in denen stabile Ehen, gemeinsam erzogene Kinder, wenig Scheidungen etc. vorkommen. Und die eben gerade das Gefühl nicht haben, dass säkulare Menschen per se rücksichtsvoller, höflicher und familienfreundlicher sind.
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/3151868/
Mir scheint es zumindest, dass z.B. in unseren Kirchen Frauen weit weniger als "bloßes Sexobjekt" betrachtet werden als z.B. in der Fernseh- oder Bandenwerbung. Und gerade auch Frauen mit Kopftuch betonen, dass sie eben nicht auf äußerliche Reize beschränkt werden wollen (sich also eben nicht Männern andienen wollen, die "scharf auf Haare sind", wie Du schreibst). Diese Meinungen muss man nicht teilen. Aber registrieren und ernst nehmen sollte man sie m.E. schon.
mammarazzi - 26. Jan, 00:14
mit wie vielen solcher frauen habt ihr persönlich schon gesprochen?
falls ihr männlich seid, werdet ihr sowieso keine wirklichen antworten bekommen.
meine freundin ist kopftuchträgerin, ihre beiden töchter auch. sie werden es weit von sich weisen, dass sie unterdrückt werden...
ihre freundinnen , studierte frauen (informatikerin, politikwissenschaftlerin...), auch mit kopftuch, hatte ich schon zu einer gesprächsrunde bei mir.
es ist erschreckend, wenn man unter die oberfläche schaut...
sie wissen, dass sie von der mehrheitsgesellschaft abgelehnt werden, sie stellen sich als frauen mit besserer moral dar, in dem sie das kopftuch tragen, sex vor der ehe (offiziell) verabscheuen und männer als die verursacher, warum sie sich verhüllen müssen...
ihre töchter dürfen NUR muslime heiraten...auf die frage, was sonst passiert, wird nicht geantwortet...
falls ihr männlich seid, werdet ihr sowieso keine wirklichen antworten bekommen.
meine freundin ist kopftuchträgerin, ihre beiden töchter auch. sie werden es weit von sich weisen, dass sie unterdrückt werden...
ihre freundinnen , studierte frauen (informatikerin, politikwissenschaftlerin...), auch mit kopftuch, hatte ich schon zu einer gesprächsrunde bei mir.
es ist erschreckend, wenn man unter die oberfläche schaut...
sie wissen, dass sie von der mehrheitsgesellschaft abgelehnt werden, sie stellen sich als frauen mit besserer moral dar, in dem sie das kopftuch tragen, sex vor der ehe (offiziell) verabscheuen und männer als die verursacher, warum sie sich verhüllen müssen...
ihre töchter dürfen NUR muslime heiraten...auf die frage, was sonst passiert, wird nicht geantwortet...
blume-religionswissenschaft - 27. Jan, 08:10
Antwort
Ich habe "solche Frauen" sowohl in meiner Familie wie im Freundeskreis. Bin übrigens als Christ mit einer Muslimin (ohne Kopftuch) verheiratet. Soviel zu Verallgemeinerungen...
Ich kenne Fälle, in denen Frauen gezwungen wurden - und andere, in denen sie sich gegen den Willen der Familie für das Kopftuch entschieden. Wir haben im Freundeskreis Fälle, in denen interreligiöse Ehen von beiden Eltern akzeptiert wurden (z.B. uns), und andere, die von der islamischen oder auch christlichen Seiten abgelehnt wurden. Ganz abgesehen davon dass z.B. orthodoxe Juden oder Zeugen Jehovas auch fast nur in ihrer Gemeinschaft heiraten. So what?
Was ich nicht akzeptieren kann, sind allgemeine Aussagen, die den Menschen übergestülpt werden und in denen Vorurteile aufgrund von Religion, Geschlecht und Bildungshintergrund munter vermischt werden. Auch muslimische Frauen haben ein Recht, in ihren Selbstaussagen Ernst genommen zu werden. Wem es wirklich um die Menschen geht (und nicht nur um die eigene Weltanschauung), der schaut sich differenziert auch die Einzelnen an, statt zu pauschalisieren.
Ich kenne Fälle, in denen Frauen gezwungen wurden - und andere, in denen sie sich gegen den Willen der Familie für das Kopftuch entschieden. Wir haben im Freundeskreis Fälle, in denen interreligiöse Ehen von beiden Eltern akzeptiert wurden (z.B. uns), und andere, die von der islamischen oder auch christlichen Seiten abgelehnt wurden. Ganz abgesehen davon dass z.B. orthodoxe Juden oder Zeugen Jehovas auch fast nur in ihrer Gemeinschaft heiraten. So what?
Was ich nicht akzeptieren kann, sind allgemeine Aussagen, die den Menschen übergestülpt werden und in denen Vorurteile aufgrund von Religion, Geschlecht und Bildungshintergrund munter vermischt werden. Auch muslimische Frauen haben ein Recht, in ihren Selbstaussagen Ernst genommen zu werden. Wem es wirklich um die Menschen geht (und nicht nur um die eigene Weltanschauung), der schaut sich differenziert auch die Einzelnen an, statt zu pauschalisieren.
mammarazzi - 27. Jan, 18:55
deshalb veranstalte ich in meinem stadtbezirk neukölln solche frauenrunden und musste mich mehr und mehr der meinung von frau kelek anschließen, vielleicht oder gerade weil ich ihre meinung zuerst und nach einer gesprächsrunde mit ihr ebenfalls weit von mir gewiesen habe. natürlich gibt es auch andere beispiele, aber sie sind anscheinend hier in berlin-neukölln rar gesät.
blume-religionswissenschaft - 27. Jan, 20:06
Ja...
...ich würde auch sagen, dass wir bereits in Deutschland regional große Unterschiede haben dürften - beispielsweise nach Wohngebieten unterschiedlicher Zusammensetzung, Bildungserfolgen, Arbeitslosigkeit etc. Deswegen scheinen mir solche lokalen Ansätze sehr wichtig - und es wäre eine Aufgabe der Wissenschaft, da mehr in die Tiefe zu schürfen und z.B. Prozesse zu vergleichen. Wir haben z.B. in Stuttgart einen insgesamt sehr erfolgreichen Integrationsprozess, da die Wirtschaft (und damit auch viele Selbständige ausländischer Herkunft) reüssieren, das Bildungssystem bei allem Verbesserungsbedarf doch auch Aufstiegschancen bietet (z.B. auch Hauptschüler Lehrstellen finden) und die Muslime in Kontakt mit einer ebenfalls noch häufig religiös geprägten Bevölkerung stehen. Längst ist nicht alles rosig, aber ich würde wetten, dass Sie hier auch andere Erfahrungen als in Berlin-Neukölln machen würden.
PS: Sowohl für Ihr Engagement wie für frisch-kreative Gestaltung - willkommen auf meiner Blogroll! (-:
PS: Sowohl für Ihr Engagement wie für frisch-kreative Gestaltung - willkommen auf meiner Blogroll! (-:
mammarazzi - 28. Jan, 00:14
ein herzliches willkommen zurück!
das mit den unterschieden ist mir völlig klar. berlin ist "arm aber sexy", wie unser bürgermeister unlängst meinte;-)
übrigens ich sehe gerade, sie sind im alter meiner ältesten tochter, sie hat allerdings noch drei brüder (ein vorteil der bloggerei, man bleibt beim diskutieren nicht nur in der gleichen altersgruppe, was hier sowieso schwierig ist...habe nämlich noch keine großmutter entdeckt!).
das mit den unterschieden ist mir völlig klar. berlin ist "arm aber sexy", wie unser bürgermeister unlängst meinte;-)
übrigens ich sehe gerade, sie sind im alter meiner ältesten tochter, sie hat allerdings noch drei brüder (ein vorteil der bloggerei, man bleibt beim diskutieren nicht nur in der gleichen altersgruppe, was hier sowieso schwierig ist...habe nämlich noch keine großmutter entdeckt!).
Michaela (Gast) - 6. Feb, 08:57
BMI-Studie zu Muslimen in Deutschland
Alles nichts neues nur das Fazit finde ich etwas arm.... denn nicht wir sollten mehr mit ihnen an statt über sie regen .... sie sollten mehr mit uns reden wenn sie mehr tolleranz erwarten..... wenn ich immer wieder Frauen treffe die nach 30 JAhren Deutschland immer noch kein Wort Deutsch sprechen dann stört mich nicht das Kopftuch sondern der Blaken vor dem Kopf, der leider oft mit dem Tuch einher geht.
blume-religionswissenschaft - 6. Feb, 09:07
Pauschalisiert?
Hallo Michaela,
danke für Deinen Beitrag. Meine Alltagserfahrung ist aber etwas verschieden. Ich habe z.B. einige Kopftuchträgerinnen im Freundeskreis und unter meinen Studentinnen, die sehr gut deutsch sprechen, häufig längst Deutsche sind, teilweise promovieren etc.
Natürlich haben wir gerade im muslimischen Bereich noch insgesamt viel Bildung aufzuholen - im Gegensatz z.B. zu den USA, die von vornherein vor allem gebildete Zuwanderer aus islamischen Ländern gewonnen haben. Aber das gilt in Deutschland laut Statistik z.B. für italienische Zuwanderer nicht weniger. Und gerade im islamisch-religiösen Bereich treffe ich auf eine oft sehr hohe Wertschätzung von Bildung - und übrigens auch auf einen durchschnittlich deutlich höheren Bildungserfolg von Musliminnen im Durchschnittsvergleich zu ihren Brüdern.
Herzliche Grüße
Michael Blume
danke für Deinen Beitrag. Meine Alltagserfahrung ist aber etwas verschieden. Ich habe z.B. einige Kopftuchträgerinnen im Freundeskreis und unter meinen Studentinnen, die sehr gut deutsch sprechen, häufig längst Deutsche sind, teilweise promovieren etc.
Natürlich haben wir gerade im muslimischen Bereich noch insgesamt viel Bildung aufzuholen - im Gegensatz z.B. zu den USA, die von vornherein vor allem gebildete Zuwanderer aus islamischen Ländern gewonnen haben. Aber das gilt in Deutschland laut Statistik z.B. für italienische Zuwanderer nicht weniger. Und gerade im islamisch-religiösen Bereich treffe ich auf eine oft sehr hohe Wertschätzung von Bildung - und übrigens auch auf einen durchschnittlich deutlich höheren Bildungserfolg von Musliminnen im Durchschnittsvergleich zu ihren Brüdern.
Herzliche Grüße
Michael Blume




Harte Nuß für Schulministerien ;-))
schön, dass du hier mit einem gängigen Vorurteil - dank empirischer Fakten - aufräumst. Ich hatte mir schon überlegt, aus Solidarität mit dieser Diskriminierung (Nonnen dürfen ihr "Glaubenskennzeichen" tragen -Muslime nicht...)selbst ein Kopftuch zu tragen...allerdings "wirkt" dies nur, wenn man als Lehrerin tätig ist, so dass für mich nur "innerer" Protest übrig bleibt ;-))
Eigentlich hört man - außer von dir -kaum noch etwas über das sog. "Kopftuchverbot" . Oder hab ich da was verpasst?
Die Zusammenhänge...
Gemeinsam auch mit sehr vielen Musliminnen und Muslimen bin ich daher der Meinung, dass es von Frau Ludin und einigen islamischen Verbänden eine Katastrophe war, statt auf Kompromißbereitschaft auf das Einklagen des Kopftuchtragens zu setzen. Das hat Ängste enorm geschürt und war letztlich für unsere gemeinsame Gesellschaft und Demokratie, vor allem aber für muslimische Frauen ein Bärendienst.
Viele, gerade auch religiös-konservative Politiker hatten mit dem Verbot religiöser Symbole Bauchschmerzen. Aber hätten z.B. die bürgerlichen Parteien die Emotionen und auch begründbaren Rechtsauffassungen von verunsicherten Eltern ignoriert, hätten wir heute deutlich mehr rechtsextreme Parteien auch in westdeutschen Parlamenten. Dialog und letztlich Demokratie gelingen nur, wenn wir die Menschen aller Seiten (und damit auch z.B. die Älteren sowohl unter den Einheimischen wie Zuwanderern) auch mit ihren Ängsten und Fragen ernst nehmen und nicht verachten.
Nun gilt es, die Scherben aufzusammeln und in einem Prozess, der sicher Jahre, vielleicht Jahrzehnte dauert, auf allen Seiten aufzuklären und Verständnis für die Ängste und Bedürfnisse der je anderen zu wecken. Dazu kann und soll die Wissenschaft ihren Beitrag leisten. Ich finde es gut und bemerkenswert, dass eine Studie gerade auch des Bundesinnenministeriums dazu wertvolle Daten enthält. Und ich hoffe, dass sich genügend Menschen finden, die sorgsam und differenziert damit umgehen.