Ulrich Schnabel: Warum wir glauben müssen, in: ZEIT Wissen 01/2008
Offen geschrieben: sehr viele populärwissenschaftliche Artikel über die so genannte "Neurotheologie" (also die Erforschung und Deutung religiöser Phänomene mit Methoden der Neurowissenschaften) sind nicht wirklich lesenwerte Lektüre. Allzuoft werden dubiose "Befunde" kritiklos wiedergegeben oder vermeintliche "Sensationen" aneinander geklebt, ohne das Thema ernsthafter zu reflektieren.
Außerordentlich positiv überrascht hat jedoch die aktuelle Ausgabe von Die ZEIT Wissen 01/2008 zum Thema "Warum wir glauben müssen".

Hier gelang dem Wissenschaftsjournalisten Ulrich Schnabel eine kompakte und dennoch sachgerechte Zusammenfassung des neurowissenschaftlichen Erkenntnisstandes zum Phänomen der Religion, das durch Statements verschiedener Personen aufgelockt wird. Oliver Schwarzwald steuerte eine recht eindrucksvolle Bebilderung bei.
Besonders verdienstvoll ist, dass Ulrich Schnabel die (jeweils desaströsen) Ergebnisse von Überprüfungsstudien dem deutschen Publikum zugänglich machte: etwa die Doppelblind-Studie zu Persingers Religionshelm von Pehr Granqvist und die Wiederholung der Newberg-Meditationsstudie durch Mario Beauregard. Zumal Ulrich Schnabels diesbezüglicher Artikelteil hier kostenfrei abrufbar ist, besteht die Hoffnung, dass Persinger und Newberg zukünftig etwas kritischer gelesen werden und das Niveau der Diskussionen zum Zusammenhang von Religion und Hirnforschung im deutschsprachigen Raum weiter steigt. Ein Dienst an der Wissenschaft, diese Titelgeschichte.
Also gar nichts zu meckern? Nun, schade fand ich es, dass Schnabel nur den Ist-Zustand diskutiert, sich aber kaum mit den Befunden zur Evolutionsgeschichte des Glaubens befasst. Warum entwickelte das menschliche Gehirn die (auch) religiösen Fähigkeiten, die es besitzt? Andererseits ist zuzugeben, dass solches kaum kurz abzuhandeln gewesen wäre und den Artikel wohl überladen und damit Qualität gekostet hätte. So bleibt als vorläufiges Fazit also: eine sehr lesenswerte Titelgeschichte, die Lust auf weitere Ausgaben zum Themenkreis Naturwissenschaft & Glauben macht!
Außerordentlich positiv überrascht hat jedoch die aktuelle Ausgabe von Die ZEIT Wissen 01/2008 zum Thema "Warum wir glauben müssen".

Hier gelang dem Wissenschaftsjournalisten Ulrich Schnabel eine kompakte und dennoch sachgerechte Zusammenfassung des neurowissenschaftlichen Erkenntnisstandes zum Phänomen der Religion, das durch Statements verschiedener Personen aufgelockt wird. Oliver Schwarzwald steuerte eine recht eindrucksvolle Bebilderung bei.
Besonders verdienstvoll ist, dass Ulrich Schnabel die (jeweils desaströsen) Ergebnisse von Überprüfungsstudien dem deutschen Publikum zugänglich machte: etwa die Doppelblind-Studie zu Persingers Religionshelm von Pehr Granqvist und die Wiederholung der Newberg-Meditationsstudie durch Mario Beauregard. Zumal Ulrich Schnabels diesbezüglicher Artikelteil hier kostenfrei abrufbar ist, besteht die Hoffnung, dass Persinger und Newberg zukünftig etwas kritischer gelesen werden und das Niveau der Diskussionen zum Zusammenhang von Religion und Hirnforschung im deutschsprachigen Raum weiter steigt. Ein Dienst an der Wissenschaft, diese Titelgeschichte.
Also gar nichts zu meckern? Nun, schade fand ich es, dass Schnabel nur den Ist-Zustand diskutiert, sich aber kaum mit den Befunden zur Evolutionsgeschichte des Glaubens befasst. Warum entwickelte das menschliche Gehirn die (auch) religiösen Fähigkeiten, die es besitzt? Andererseits ist zuzugeben, dass solches kaum kurz abzuhandeln gewesen wäre und den Artikel wohl überladen und damit Qualität gekostet hätte. So bleibt als vorläufiges Fazit also: eine sehr lesenswerte Titelgeschichte, die Lust auf weitere Ausgaben zum Themenkreis Naturwissenschaft & Glauben macht!
blume-religionswissenschaft - 27. Dez, 06:46
11 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Monika Armand (anonym) - 26. Dez, 17:29
Danke - wieder ein Beweis - Nicht-Existenz des freien Willens - Neurotheologie - alles nur heiße Luft
Hallo Herr Dr. Blume,
Danke für den Hinweis. Und wieder wurden übereifrige Interpretationskünster der Neurowissenschaft ins Abseits gestellt ;-)) Ist es nicht peinlich, dass immer irgendwelche Forscher vor lauter Eifer den Boden unter den Füßen verlieren, um dann um so härter wieder zu landen ?
Dann wünsche ich Ihnen erfolgreiches Zinngießen ;-))
Oder vielleicht lieber einfach meine besten Wünsche für ein gesundes und glückliches Neues Jahr 2008.
Monika Armand
Danke für den Hinweis. Und wieder wurden übereifrige Interpretationskünster der Neurowissenschaft ins Abseits gestellt ;-)) Ist es nicht peinlich, dass immer irgendwelche Forscher vor lauter Eifer den Boden unter den Füßen verlieren, um dann um so härter wieder zu landen ?
Dann wünsche ich Ihnen erfolgreiches Zinngießen ;-))
Oder vielleicht lieber einfach meine besten Wünsche für ein gesundes und glückliches Neues Jahr 2008.
Monika Armand
blume-religionswissenschaft - 1. Jan, 18:37
Kommentar
Herr Kittel bat mich, folgenden, längeren Kommentar für ihn einzustellen. Dem Wunsch komme ich gerne nach, zumal sich viele Aspekte (gerade auch begrifflicher Art) zu vertiefen lohnten. Nur bitte ich um Verständnis, das eigene Zeitbudget derzeit kaum im Web einsetzen zu können - und daher um ein wenig Geduld bis zu den notwendig mehreren, ausführlichere Antworten... (-;
Kommentar Herr Kittel:
Ihre Darstellung, Herr Blume, lässt nicht recht erkennen, dass Herr Schnabel genau besehen zwei Artikel in der neuen Ausgabe von ZEIT-Wissen verfasst hat: den eigentlichen Leitartikel "Zum Glauben verdammt" auf den
Seiten 12-25 und den genau eine Seite umfassenden Persinger-Artikel dazwischen auf S. 24. (s. http://www.zeit.de/zeit-wissen/2008/01/Inhalt -
dort wird für ihn fälschlicherweise S. 27 angegeben)
Es ist dieser zweite Text, der online zu haben ist, so dass Sie auf ihn verlinken konnten.
Zum Wesentlichen: Ich möchte auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam machen! Es wird allenthalben wie selbstverständlich von "religiösen Erfahrungen" oder "Gotteserfahrungen" u.ä. gesprochen, so wie Sie oben sogar
von "religiösen Fähigkeiten" reden. Derartige Begriffsbildungen sind zwar weithin üblich, aber m.E. wissenschaftlich unzulässig.
Psychologisch gesehen ist sowieso klar: es gibt keine per se, dh. von vornherein religiösen Erfahrungen oder Fähigkeiten. Es gibt nur als solche bezeichnete oder gedeutete Erfahrungen. Sie werden damit entweder per schlichter Benennung a priori in einen religiösen Deutungsrahmen gestellt oder gleich innerhalb eines solchen interpretiert. Beides ist wissenschaftsmethodisch zumindest unreflektiert und sachlich unseriös: jede Art der Erfahrung ist zunächst unabhängig von ihrer Bezeichnung und weiter gehenden Deutung zu bestimmen. Besonders ist dies bei sog. "inneren
Erfahrungen" vonnöten; denn hier gibt es traditionell - um es vorsichtig auszudrücken - die größten Unklarheiten, mithin die meisten Spekulationen.
(Zum Grundsätzlichen: Dirk Hartmann "Philosophische Grundlagen der Psychologie." WGB, Darmstadt 1998)
Aus psychologischer Perspektive, die ich als Fachmann am besten kenne, handelt es sich bei sog. "religiösen Erfahrungen" in der Regel um gefühlsmäßige Wahrnehmungen (Stimmungen, gefühlsmäßige Reaktionen), die gemeinhin und damit "üblicherweise" bzw. allein der Traditon nach als für religiöses Erleben "typisch" gehalten werden. Oder es handelt sich um wie immer geartete - nur zum Teil visuelle - Vorstellungen. (Zu unserer
Vorstellungsfähigkeit neuerdings: Colin McGinn "Das innere Auge." Primus, Darmstadt 2007)
Was gegenüber Wahrnehmungen sogar "religiöse Fähigkeiten" sein sollen, müssten Sie angeben. Ich kenne aus jahrzehntelanger lebens- und berufserfahren keine. Ich kann deswegen aufs erste nur vermuten, dass Sie
sog. "veränderte Bewusstseinszustände" meinen könnten. Solche psychischen "Funktionszustände" sind mitnichten in irgendeiner Weise religiös, werden jedoch wegen ihrer Seltenheit und scheinbaren Fremdartigkeit gerne für alle
möglichen Mystifikationen in Anspruch genommen. (Realiter handelt es sich um verschiedene Konzentrationszustände; s. Postskriptum S. 13ff hier:
http://www.integraleweltsicht.de/Veranstaltungen/Kittel.pdf .) Ohne psychologische Detailkenntnisse insb. zu Trancephänomenen ist jede Diskussion hierüber aber sinnlos. Eben deswegen sind hierzu beliebige Behauptungen und erst recht Phantasien möglich. Ohne psychologischem
Sachverstand kann gerade auf diesem Gebiet keine Stellungnahme und erst reicht keine Diskussion wissenschaftliche auch nur annhähernd seriös sein
oder werden.
Mit freundlichen Grüßen
I N G O - W O L F K I T T E L
Facharzt für Psychother. Medizin
Kommentar Herr Kittel:
Ihre Darstellung, Herr Blume, lässt nicht recht erkennen, dass Herr Schnabel genau besehen zwei Artikel in der neuen Ausgabe von ZEIT-Wissen verfasst hat: den eigentlichen Leitartikel "Zum Glauben verdammt" auf den
Seiten 12-25 und den genau eine Seite umfassenden Persinger-Artikel dazwischen auf S. 24. (s. http://www.zeit.de/zeit-wissen/2008/01/Inhalt -
dort wird für ihn fälschlicherweise S. 27 angegeben)
Es ist dieser zweite Text, der online zu haben ist, so dass Sie auf ihn verlinken konnten.
Zum Wesentlichen: Ich möchte auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam machen! Es wird allenthalben wie selbstverständlich von "religiösen Erfahrungen" oder "Gotteserfahrungen" u.ä. gesprochen, so wie Sie oben sogar
von "religiösen Fähigkeiten" reden. Derartige Begriffsbildungen sind zwar weithin üblich, aber m.E. wissenschaftlich unzulässig.
Psychologisch gesehen ist sowieso klar: es gibt keine per se, dh. von vornherein religiösen Erfahrungen oder Fähigkeiten. Es gibt nur als solche bezeichnete oder gedeutete Erfahrungen. Sie werden damit entweder per schlichter Benennung a priori in einen religiösen Deutungsrahmen gestellt oder gleich innerhalb eines solchen interpretiert. Beides ist wissenschaftsmethodisch zumindest unreflektiert und sachlich unseriös: jede Art der Erfahrung ist zunächst unabhängig von ihrer Bezeichnung und weiter gehenden Deutung zu bestimmen. Besonders ist dies bei sog. "inneren
Erfahrungen" vonnöten; denn hier gibt es traditionell - um es vorsichtig auszudrücken - die größten Unklarheiten, mithin die meisten Spekulationen.
(Zum Grundsätzlichen: Dirk Hartmann "Philosophische Grundlagen der Psychologie." WGB, Darmstadt 1998)
Aus psychologischer Perspektive, die ich als Fachmann am besten kenne, handelt es sich bei sog. "religiösen Erfahrungen" in der Regel um gefühlsmäßige Wahrnehmungen (Stimmungen, gefühlsmäßige Reaktionen), die gemeinhin und damit "üblicherweise" bzw. allein der Traditon nach als für religiöses Erleben "typisch" gehalten werden. Oder es handelt sich um wie immer geartete - nur zum Teil visuelle - Vorstellungen. (Zu unserer
Vorstellungsfähigkeit neuerdings: Colin McGinn "Das innere Auge." Primus, Darmstadt 2007)
Was gegenüber Wahrnehmungen sogar "religiöse Fähigkeiten" sein sollen, müssten Sie angeben. Ich kenne aus jahrzehntelanger lebens- und berufserfahren keine. Ich kann deswegen aufs erste nur vermuten, dass Sie
sog. "veränderte Bewusstseinszustände" meinen könnten. Solche psychischen "Funktionszustände" sind mitnichten in irgendeiner Weise religiös, werden jedoch wegen ihrer Seltenheit und scheinbaren Fremdartigkeit gerne für alle
möglichen Mystifikationen in Anspruch genommen. (Realiter handelt es sich um verschiedene Konzentrationszustände; s. Postskriptum S. 13ff hier:
http://www.integraleweltsicht.de/Veranstaltungen/Kittel.pdf .) Ohne psychologische Detailkenntnisse insb. zu Trancephänomenen ist jede Diskussion hierüber aber sinnlos. Eben deswegen sind hierzu beliebige Behauptungen und erst recht Phantasien möglich. Ohne psychologischem
Sachverstand kann gerade auf diesem Gebiet keine Stellungnahme und erst reicht keine Diskussion wissenschaftliche auch nur annhähernd seriös sein
oder werden.
Mit freundlichen Grüßen
I N G O - W O L F K I T T E L
Facharzt für Psychother. Medizin
blume-religionswissenschaft - 1. Jan, 18:49
Begrifflichkeiten - Versuch einer kurzen Antwort
Sehr geehrter Herr Kittel,
danke für Ihren Beitrag. Das Problem mit den Begrifflichkeiten sehe ich ebenso: in den meisten Fällen erhalten "religiöse Erfahrungen" ihre "religiöse" Qualität erst durch Deutung.
Dass aber eine solche überhaupt möglich ist, d.h. dass Erfahrungen in Bezug zu Transzendenz oder übernatürlichen Akteuren gesetzt werden können, verweist bereits auf ein Set von eigenständigen "Fähigkeiten", über das nicht jedes Nervensystem verfügt, analog z.B. zu "musikalischen Fähigkeiten", die erst aus einer (zufälligen oder induzierten) Ansammlung von Tönen ein zusammenhängendes "Musikstück" macht.
Hinzu kommen auch Verhaltensausprägungen wie z.B. Beten, Meditieren, Trancetänze etc., die ebenfalls als Fähigkeiten zu betrachten sind (und auch bei unseren nächsten Verwandten, den Primaten, bislang unbelegt blieben) und wiederum eigenständig zu klassifizierende Erfahrungen (wie das "Zwiegespräch mit Gott", "die Erfahrung absoluten Einsseins", "das Verschmelzen mit den Ahnen" etc.) hervorbringen.
Ebensowenig wie bei der Analyse musikalischer Fähigkeiten und Erfahrungen müssen wir annehmen, dass es sich hierbei um un- oder übernatürliche Veranlagungen handelt - sie dürften evolutiv aus anderen heraus evolviert sein. Aber ihnen scheinen dann doch auch eigenständige Verhaltens-, Deutungs- und Erfahrungsqualitäten zugewachsen zu sein.
Als einen immer noch unerreichten Überblick empfinde ich Gerhard Brom, "Religionspsychologie", seit Juli 2007 in einer (weiteren) Neuauflage.
Mit herzlichem Gruß!
Michael Blume
danke für Ihren Beitrag. Das Problem mit den Begrifflichkeiten sehe ich ebenso: in den meisten Fällen erhalten "religiöse Erfahrungen" ihre "religiöse" Qualität erst durch Deutung.
Dass aber eine solche überhaupt möglich ist, d.h. dass Erfahrungen in Bezug zu Transzendenz oder übernatürlichen Akteuren gesetzt werden können, verweist bereits auf ein Set von eigenständigen "Fähigkeiten", über das nicht jedes Nervensystem verfügt, analog z.B. zu "musikalischen Fähigkeiten", die erst aus einer (zufälligen oder induzierten) Ansammlung von Tönen ein zusammenhängendes "Musikstück" macht.
Hinzu kommen auch Verhaltensausprägungen wie z.B. Beten, Meditieren, Trancetänze etc., die ebenfalls als Fähigkeiten zu betrachten sind (und auch bei unseren nächsten Verwandten, den Primaten, bislang unbelegt blieben) und wiederum eigenständig zu klassifizierende Erfahrungen (wie das "Zwiegespräch mit Gott", "die Erfahrung absoluten Einsseins", "das Verschmelzen mit den Ahnen" etc.) hervorbringen.
Ebensowenig wie bei der Analyse musikalischer Fähigkeiten und Erfahrungen müssen wir annehmen, dass es sich hierbei um un- oder übernatürliche Veranlagungen handelt - sie dürften evolutiv aus anderen heraus evolviert sein. Aber ihnen scheinen dann doch auch eigenständige Verhaltens-, Deutungs- und Erfahrungsqualitäten zugewachsen zu sein.
Als einen immer noch unerreichten Überblick empfinde ich Gerhard Brom, "Religionspsychologie", seit Juli 2007 in einer (weiteren) Neuauflage.
Mit herzlichem Gruß!
Michael Blume
iwk - 9. Jan, 00:11
Hinweise
Danke, lieber Herr Blume, für Ihre erste Replik; wenn ich recht verstehe, denken Sie daran, ihr noch weitere folgen zu lassen. Danke dafür schon jetzt!
Ich bin Ihrem Hinweis nachgegangen und habe auf http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=250053 eine sehr informative Vorstellung des Buches Religionspsychologie von Bernhard Grom gefunden, das Sie offenbar meinen; denn der Verlag hat dort die ersten 42 Seiten davon online gestellt.
Am interessantesten fand ich dort auf S. 16 folgende Angabe: "religiös" ist das "Erleben, Denken und Verhalten", das "in seiner kognitiven Komponente ausdrücklich etwas Übermenschliches und Überweltliches annimmt". Ich übersetze das ins Alltagsdeutsch mit der Umschreibung, dass als religiös alles bezeichnet werden kann, was mit Vorstellungen irgendwelcher Art von etwas Jenseitigem verbunden ist, also dem, was landläufig "Glaube" genannt wird..
Nach diesem, so der Autor, "in einer langen Forschungstradition" für gut befundenen "substanziellen Religionsbegriff" oder dem darin zum Ausdruck kommenden Religionsverständnis gibt es kein religiöses Handeln als solches. Denn wenn ein Tun nur dann als religiös gelten kann, wenn damit ein Glaube an Überweltliches verbunden ist, bestimmt allein die persönliche oder subjektive Einstellung, wie ein von anderen beobachtetes Verhalten aufzufassen ist.
Dies heisst umgekehrt aber auch, dass kein Verhalten von aussen mit Sicherheit als religiöses Verhalten bestimmt werden kann. "Religiöser" Glaube bestimmt, was religiöses Tun ist.
Wenn einzig und allein die religiöse Einstellung ein Tun zu einem religiösen Tun "macht", kann dieses Tun immer auch ohne diese "kognitive Komponente" ausgeführt werden. Das aber hiesse, dass es immer auch eine andere Bedeutung haben könnte, und aus anderen als religiösen Gründen ausgeführt werden könnte - um nur die wichtigsten Folgerungen aus diesem "substantiellen Religionsbegriff" anzusprechen.
Ich bin Ihrem Hinweis nachgegangen und habe auf http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=250053 eine sehr informative Vorstellung des Buches Religionspsychologie von Bernhard Grom gefunden, das Sie offenbar meinen; denn der Verlag hat dort die ersten 42 Seiten davon online gestellt.
Am interessantesten fand ich dort auf S. 16 folgende Angabe: "religiös" ist das "Erleben, Denken und Verhalten", das "in seiner kognitiven Komponente ausdrücklich etwas Übermenschliches und Überweltliches annimmt". Ich übersetze das ins Alltagsdeutsch mit der Umschreibung, dass als religiös alles bezeichnet werden kann, was mit Vorstellungen irgendwelcher Art von etwas Jenseitigem verbunden ist, also dem, was landläufig "Glaube" genannt wird..
Nach diesem, so der Autor, "in einer langen Forschungstradition" für gut befundenen "substanziellen Religionsbegriff" oder dem darin zum Ausdruck kommenden Religionsverständnis gibt es kein religiöses Handeln als solches. Denn wenn ein Tun nur dann als religiös gelten kann, wenn damit ein Glaube an Überweltliches verbunden ist, bestimmt allein die persönliche oder subjektive Einstellung, wie ein von anderen beobachtetes Verhalten aufzufassen ist.
Dies heisst umgekehrt aber auch, dass kein Verhalten von aussen mit Sicherheit als religiöses Verhalten bestimmt werden kann. "Religiöser" Glaube bestimmt, was religiöses Tun ist.
Wenn einzig und allein die religiöse Einstellung ein Tun zu einem religiösen Tun "macht", kann dieses Tun immer auch ohne diese "kognitive Komponente" ausgeführt werden. Das aber hiesse, dass es immer auch eine andere Bedeutung haben könnte, und aus anderen als religiösen Gründen ausgeführt werden könnte - um nur die wichtigsten Folgerungen aus diesem "substantiellen Religionsbegriff" anzusprechen.
blume-religionswissenschaft - 9. Jan, 08:47
Klar!
Lieber Herr Kittel,
genau so ist es: eine der großen Sorgen von etablierten Religionsgemeinschaften ist es stets, dass z.B. Rituale nur noch mechanisch, ohne innere Anteilnahme abgespult würden. Denn das führt dann natürlich dazu, dass die Beteiligten selbst darin keinen Sinn bzw. Nutzen mehr erkennen, es als Belastung empfinden und sich zurück ziehen oder auch (wenn sie z.B. sozial gezwungen werden) in eine Haltung inneren Widerstands abgleiten. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist z.B. der Iran.
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4076084/
Vielleicht hilft ein Beispiel: wir können heute schon einen Roboter problemlos programmieren, eine erkennbar religiöse Handlung zu vollziehen - z.B. zu knien und ein Vaterunser zu sprechen. Die meisten Beobachter würden dies sofort als religiöse Handlung erkennen und klassifizieren ("Der Roboter betet!"), aber auf Nachfrage erklären, dass er nicht "eigentlich" bete, weil nur ein Programm abgespielt werde, ohne "inneren Entschluss". Das Gleiche gilt auch für Ihre Beispiele z.B. von Tanz (tanzt ein Roboter wirklich ergriffen zur Musik? Verhalten ja, aber "weiß" er unabhängig? "Erfährt" er den Swing?).
Um "Religiosität" von Menschen zu messen empfiehlt es sich daher immer, Fragen der Praxis, Erfahrung und religiösen Überzeugung miteinander zu verknüpfen - wie es auch Grom tut.
Dass die religiöse Praxis dabei heute regelmäßig der stärkere Indikator (auch im Hinblick auf reproduktives Verhalten) ist, ist leicht erklärbar: auch hochreligiöse Menschen können mit dem Angebot religiöser Rituale u.ä. unzufrieden sein und sich also eigene, private Formen schaffen. In einer freiheitlichen Gesellschaft sinkt aber der (soziale, wirtschaftliche u.ä.) Nutzen religiöser Ritualhandlungen schnell, weswegen sich diese Kosten regelmäßiger nur jene antun, die auch überweltliche Gründe dafür erfahren.
Mit herzlichem Gruß
Michael Blume
genau so ist es: eine der großen Sorgen von etablierten Religionsgemeinschaften ist es stets, dass z.B. Rituale nur noch mechanisch, ohne innere Anteilnahme abgespult würden. Denn das führt dann natürlich dazu, dass die Beteiligten selbst darin keinen Sinn bzw. Nutzen mehr erkennen, es als Belastung empfinden und sich zurück ziehen oder auch (wenn sie z.B. sozial gezwungen werden) in eine Haltung inneren Widerstands abgleiten. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist z.B. der Iran.
http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4076084/
Vielleicht hilft ein Beispiel: wir können heute schon einen Roboter problemlos programmieren, eine erkennbar religiöse Handlung zu vollziehen - z.B. zu knien und ein Vaterunser zu sprechen. Die meisten Beobachter würden dies sofort als religiöse Handlung erkennen und klassifizieren ("Der Roboter betet!"), aber auf Nachfrage erklären, dass er nicht "eigentlich" bete, weil nur ein Programm abgespielt werde, ohne "inneren Entschluss". Das Gleiche gilt auch für Ihre Beispiele z.B. von Tanz (tanzt ein Roboter wirklich ergriffen zur Musik? Verhalten ja, aber "weiß" er unabhängig? "Erfährt" er den Swing?).
Um "Religiosität" von Menschen zu messen empfiehlt es sich daher immer, Fragen der Praxis, Erfahrung und religiösen Überzeugung miteinander zu verknüpfen - wie es auch Grom tut.
Dass die religiöse Praxis dabei heute regelmäßig der stärkere Indikator (auch im Hinblick auf reproduktives Verhalten) ist, ist leicht erklärbar: auch hochreligiöse Menschen können mit dem Angebot religiöser Rituale u.ä. unzufrieden sein und sich also eigene, private Formen schaffen. In einer freiheitlichen Gesellschaft sinkt aber der (soziale, wirtschaftliche u.ä.) Nutzen religiöser Ritualhandlungen schnell, weswegen sich diese Kosten regelmäßiger nur jene antun, die auch überweltliche Gründe dafür erfahren.
Mit herzlichem Gruß
Michael Blume
iwk - 10. Jan, 05:33
Wenn das klar ist,
lieber Herr Blume,
und von Ihnen auch so gesehen wird, dann müssten Sie eigentlich wie ich äußerst weitreichende Konsequenzen ziehen.
Meine Hinweise in dem Diskussionsbeitrag hier, in dem ich das von Ihnen am Beispiel des Roboters Illustrierte am Beispiel des Tanzens durchgespielt habe (in Fortführung des zunächst hier und dann hier Gesagten), laufen ja auf folgende Behauptung hinaus:
Erst der (noch dazu eigene!) Gedanke an etwas Übernatürliches - die kognitive Komponente Groms! -, also allein zu denken oder sich persönlich oder subjektiv vorzustellen, das eigene Tun und Erleben oder das von anderen habe etwas mit Überweltlichem zu tun, "macht" aus einem Tun und Erleben ein "religiöses" Tun und Erleben, was heisst, dass es nicht von vornherein schon "religiös" ist. Anders formuliert:
Alles Religiöse ist einzig und allein und nur deswegen "religiös", weil oder wenn jemand denkt, es sei religiös.
Wenn dies korrekt ist (und daran zu zweifeln habe ich nicht den geringsten Grund, weil dieser logischen Analyse auch meine gesamte psychologische Analyse wie auch Erfahrung als seit Jahrzehnten tätiger Psychiater und Psychotherapeut entspricht), erklärt sich aus genau diesem Umstand sowohl die "Vielfalt religiöser Erfahrungen" (W.James) als auch die "Vielfalt" aller sonstigen für religiös gehaltenen(!) Phänomene: es handelt sich dabei samt und sonders um real vorkommene und aus ihrerseits ebenfalls realen Umständen entstandene oder jeweils entstehende Phänomene, im Hinblick auf die irgendjemand lediglich irgendwann die Kognition gehabt hat oder umgangssprachlich: "auf den Gedanken gekommen ist", sie für religiös zu halten und sie deswegen "dazu zu erklären"; man braucht ja - wie gesagt - bloß zu denken, etwas sei religiös, und deswegen zu behaupten, es "ist" so, wie man denkt, dass es sei, oder zu erklären, "es sei" so, wie man denkt, dass es ist...
(Es gibt ja nicht nur "die Macht" der Gewohnheit/en; es gibt auch eine noch weit darüber hinaus reichende "Macht" der Sprache: wir "machen" mit Sprache nicht nur vieles; wir "erschaffen" mit ihr sogar, etwa Phantasiegestalten oder -geschichten wie das "Einhorn" und "die Sage" oder Legende - von lat. legere für lesen, weil man zunächst Erzähltes irgendwann auch schriftlich aufgezeichnet hat - um diese Sagengestalt herum, die in den berühmten Tapisserien "La Dame à la Licorne" dann sogar "verwirklicht" wurde, oder wir zaubern sogar regelrecht: aus der Präposition "jenseits" ein Substantiv mit dazu gehörigem Artikel und schreiben das dann so: "das Jenseits"... )
Es ist genau dieser und soweit ich sehe allein dieser geistige Umstand, der die bunte Vielfalt der geistlichen Gottes-"Bilder" und Jenseits-Vorstellungen erklärt ebenso wie alle anderen nur noch historischen oder nach wie vor gehegten Geistes- und Geistervorstellungen, Dämonen-, Teufels- und Engel- oder Götzen- und Götter-Vorstellungen aller Art und Provenienz - samt deren Kommen und Gehen oder Wechsel im Laufe der Geschichte.
Deswegen können interessanterweise sogar Sie in Ihrer Antwort jetzt von "überweltlichen Gründen" reden!
Die haben Sie m.E. selbst "erfunden"; denn ich lese davon zum ersten Mal in meinem Leben. Ich kann mir mangels Phantasie "überweltlichen Gründen" gar nicht vorstellen. Ich kenne "Gründe" als Elemente in Argumentationen oder "Überlegungen" und weiss um den Umstand, dass in der Umgangssprache z.B. auch Anlässe oder Ziele und Zwecke, ja sogar bloße Gesichtspunkte oft so genannt werden.
Deswegen kann ich mir vorerst nur vorstellen, dass Sie daran gedacht haben, dass man ja auch etwas für religiös Erklärtes oder für überweltlich Gehaltenes in irgendeiner Argumentation als Grund anführen kann - und auch noch, dass Sie just das vielleicht meinen, mehr jedoch nicht. In Argumentationen kommt es allerdings darauf an, ob ein Argumentationspartner Grund sieht, Erklärungen dieser Art oder subjektive Überzeugungen als triftige und daher akzeptable Gründe anzusehen.
und von Ihnen auch so gesehen wird, dann müssten Sie eigentlich wie ich äußerst weitreichende Konsequenzen ziehen.
Meine Hinweise in dem Diskussionsbeitrag hier, in dem ich das von Ihnen am Beispiel des Roboters Illustrierte am Beispiel des Tanzens durchgespielt habe (in Fortführung des zunächst hier und dann hier Gesagten), laufen ja auf folgende Behauptung hinaus:
Erst der (noch dazu eigene!) Gedanke an etwas Übernatürliches - die kognitive Komponente Groms! -, also allein zu denken oder sich persönlich oder subjektiv vorzustellen, das eigene Tun und Erleben oder das von anderen habe etwas mit Überweltlichem zu tun, "macht" aus einem Tun und Erleben ein "religiöses" Tun und Erleben, was heisst, dass es nicht von vornherein schon "religiös" ist. Anders formuliert:
Alles Religiöse ist einzig und allein und nur deswegen "religiös", weil oder wenn jemand denkt, es sei religiös.
Wenn dies korrekt ist (und daran zu zweifeln habe ich nicht den geringsten Grund, weil dieser logischen Analyse auch meine gesamte psychologische Analyse wie auch Erfahrung als seit Jahrzehnten tätiger Psychiater und Psychotherapeut entspricht), erklärt sich aus genau diesem Umstand sowohl die "Vielfalt religiöser Erfahrungen" (W.James) als auch die "Vielfalt" aller sonstigen für religiös gehaltenen(!) Phänomene: es handelt sich dabei samt und sonders um real vorkommene und aus ihrerseits ebenfalls realen Umständen entstandene oder jeweils entstehende Phänomene, im Hinblick auf die irgendjemand lediglich irgendwann die Kognition gehabt hat oder umgangssprachlich: "auf den Gedanken gekommen ist", sie für religiös zu halten und sie deswegen "dazu zu erklären"; man braucht ja - wie gesagt - bloß zu denken, etwas sei religiös, und deswegen zu behaupten, es "ist" so, wie man denkt, dass es sei, oder zu erklären, "es sei" so, wie man denkt, dass es ist...
(Es gibt ja nicht nur "die Macht" der Gewohnheit/en; es gibt auch eine noch weit darüber hinaus reichende "Macht" der Sprache: wir "machen" mit Sprache nicht nur vieles; wir "erschaffen" mit ihr sogar, etwa Phantasiegestalten oder -geschichten wie das "Einhorn" und "die Sage" oder Legende - von lat. legere für lesen, weil man zunächst Erzähltes irgendwann auch schriftlich aufgezeichnet hat - um diese Sagengestalt herum, die in den berühmten Tapisserien "La Dame à la Licorne" dann sogar "verwirklicht" wurde, oder wir zaubern sogar regelrecht: aus der Präposition "jenseits" ein Substantiv mit dazu gehörigem Artikel und schreiben das dann so: "das Jenseits"... )
Es ist genau dieser und soweit ich sehe allein dieser geistige Umstand, der die bunte Vielfalt der geistlichen Gottes-"Bilder" und Jenseits-Vorstellungen erklärt ebenso wie alle anderen nur noch historischen oder nach wie vor gehegten Geistes- und Geistervorstellungen, Dämonen-, Teufels- und Engel- oder Götzen- und Götter-Vorstellungen aller Art und Provenienz - samt deren Kommen und Gehen oder Wechsel im Laufe der Geschichte.
Deswegen können interessanterweise sogar Sie in Ihrer Antwort jetzt von "überweltlichen Gründen" reden!
Die haben Sie m.E. selbst "erfunden"; denn ich lese davon zum ersten Mal in meinem Leben. Ich kann mir mangels Phantasie "überweltlichen Gründen" gar nicht vorstellen. Ich kenne "Gründe" als Elemente in Argumentationen oder "Überlegungen" und weiss um den Umstand, dass in der Umgangssprache z.B. auch Anlässe oder Ziele und Zwecke, ja sogar bloße Gesichtspunkte oft so genannt werden.
Deswegen kann ich mir vorerst nur vorstellen, dass Sie daran gedacht haben, dass man ja auch etwas für religiös Erklärtes oder für überweltlich Gehaltenes in irgendeiner Argumentation als Grund anführen kann - und auch noch, dass Sie just das vielleicht meinen, mehr jedoch nicht. In Argumentationen kommt es allerdings darauf an, ob ein Argumentationspartner Grund sieht, Erklärungen dieser Art oder subjektive Überzeugungen als triftige und daher akzeptable Gründe anzusehen.
blume-religionswissenschaft - 10. Jan, 15:00
Soweit...
...ich Ihren Ausführungen folgen kann, scheinen sie mir schlüssig. Erlauben Sie mir nur den ergänzenden Hinweis, dass ja sowohl das religiöse Deuten (als gedankliches und damit neurobiologisches Tun) bereits eine eigene Handlung umschreibt, die sich dann wiederum in weiteren Handlungen und Erfahrungen niederschlagen kann wie z.B. dem Ritualgebet oder der Meditation.
Genau wie Grom definiert: religiöses Denken, Handeln und Erfahrung sind unaufgebbar miteinander verbunden und lassen sich nicht völlig trennen. Einen Aspekt (bzw. das Ritualgebet) ohne kognitive Überzeugung und Erfahrungsbezug zu simulieren wird auch nach dem Selbstverständnis religiöser Menschen als nicht "wirklich religiös" erkannt.
Und völlig richtig: natürlich sind mit "überweltlichen Gründen" "überweltlich >legitimierte< Gründe" gemeint wie z.B. das Argument, etwas (nur oder auch) deshalb zu tun, weil die Ahnen oder Gott es fordern. Konkret geben z.B. religiöse Menschen bei der Abwägung für oder gegen (weitere) Kinder häufig das Argument "Kinder sind Geschenke Gottes" an und kommen damit bei ansonsten gleichen Rahmenbedingungen und Argumenten statistisch häufiger zu (weiteren) Kindeswünschen.
Genau wie Grom definiert: religiöses Denken, Handeln und Erfahrung sind unaufgebbar miteinander verbunden und lassen sich nicht völlig trennen. Einen Aspekt (bzw. das Ritualgebet) ohne kognitive Überzeugung und Erfahrungsbezug zu simulieren wird auch nach dem Selbstverständnis religiöser Menschen als nicht "wirklich religiös" erkannt.
Und völlig richtig: natürlich sind mit "überweltlichen Gründen" "überweltlich >legitimierte< Gründe" gemeint wie z.B. das Argument, etwas (nur oder auch) deshalb zu tun, weil die Ahnen oder Gott es fordern. Konkret geben z.B. religiöse Menschen bei der Abwägung für oder gegen (weitere) Kinder häufig das Argument "Kinder sind Geschenke Gottes" an und kommen damit bei ansonsten gleichen Rahmenbedingungen und Argumenten statistisch häufiger zu (weiteren) Kindeswünschen.
ingo_34 - 11. Jan, 17:02
Religiosität also nur "Wahn"???
Über die hier behandelte Thematik bin ich mit Herrn Kittel gerade selbst in einen umfangreichen, bislang nur privat geführten Mail-Wechsel geraten, dem ich aber doch bisher schon viele interessante Aspekte entnehmen konnte.
Ich glaube (und habe das in diesem privaten Mail-Wechsel schon umfangreicher zu erläutern versucht), früher oder später wird die naturwissenschaftliche Erforschung von Religiosität auch vor die Frage gestellt: haben wir einigermaßen objektive Anhaltspunkte dafür, daß subjektiv erlebte Religiosität objektiv gegebenen Umständen in unserer Welt entsprechen? Oder BLEIBT alles subjektiv? (Bleibt alles subjektiv deutbar?)
Und da ist es eben doch hilfreich, sich (wie Konrad Lorenz und andere) mit Philosophen wie Kant oder Nicolai Hartmann zu beschäftigen, die eben genau DAS herausarbeiten: die klare Grenze zwischen unserem rationalen Denken und dem "Jenseits" dessen, was das rationale Denken erfaßt. Die moderne Astro- und Quantenphysik überzeugen uns davon, daß es ein solches "Jenseits" jenseits des rationalen Denkens tatsächlich gibt, daß das nicht nur eine "Chimäre" ist. Das, was ein Lichtquantum eigentlich ist, kann unser rationales Denken nicht vollständig erfassen. Das heißt, es GIBT de facto ein "Jenseits", eine Welt "jenseits" unseres rein rationalen Erfahrungsbereiches.
Ich denke, dieser Umstand müßte nicht unbedingt besonders unwichtig sein, wenn man sich die Frage stellt, ob Religiosität eigentlich mehr ist als bloßer "Wahn". Wenn auch - wie neuerdings zugestanden wird - als ein "Wahn", der sich für das darwinische Überleben des Menschen nicht gerade als unnützlich herausgestellt hat.
Ich glaube (und habe das in diesem privaten Mail-Wechsel schon umfangreicher zu erläutern versucht), früher oder später wird die naturwissenschaftliche Erforschung von Religiosität auch vor die Frage gestellt: haben wir einigermaßen objektive Anhaltspunkte dafür, daß subjektiv erlebte Religiosität objektiv gegebenen Umständen in unserer Welt entsprechen? Oder BLEIBT alles subjektiv? (Bleibt alles subjektiv deutbar?)
Und da ist es eben doch hilfreich, sich (wie Konrad Lorenz und andere) mit Philosophen wie Kant oder Nicolai Hartmann zu beschäftigen, die eben genau DAS herausarbeiten: die klare Grenze zwischen unserem rationalen Denken und dem "Jenseits" dessen, was das rationale Denken erfaßt. Die moderne Astro- und Quantenphysik überzeugen uns davon, daß es ein solches "Jenseits" jenseits des rationalen Denkens tatsächlich gibt, daß das nicht nur eine "Chimäre" ist. Das, was ein Lichtquantum eigentlich ist, kann unser rationales Denken nicht vollständig erfassen. Das heißt, es GIBT de facto ein "Jenseits", eine Welt "jenseits" unseres rein rationalen Erfahrungsbereiches.
Ich denke, dieser Umstand müßte nicht unbedingt besonders unwichtig sein, wenn man sich die Frage stellt, ob Religiosität eigentlich mehr ist als bloßer "Wahn". Wenn auch - wie neuerdings zugestanden wird - als ein "Wahn", der sich für das darwinische Überleben des Menschen nicht gerade als unnützlich herausgestellt hat.
iwk - 11. Jan, 18:27
Folgen kann ich Ihnen logisch nu' nicht mehr,
lieber Herr Blume.
Meinem Wissen und Verständnis nach ist "Deuten" ein Tun, das darin besteht, Aussagen zu interpretieren und sie dabei - vielleicht systematisch oder erratisch, eng logisch oder locker assoziativ oder wie immer - zu erläutern oder in eigenen evtl. "weiter" ausholenden Überlegungen weiterzuführen. Dieses hermeneutische Textdeuten ist zwar schon lange weit darüber hinaus ausgedehnt worden, so dass es heute möglich ist, beliebige "Gedanken zu" (oder "über") irgend etwas eine Deutung zu nennen. Aber selbst das beliebigste Deuten wandelt sich nach meinem Verständnis nicht zu einer ganz "eigenen Handlung", wie Sie schreiben, wenn es um die Deutung "religiöser" Aussagen geht: auch hierbei handelt es sich m.W. um ein Deuten, halt dann ein Deuten von Aussagen, die nach Grom in irgendeiner Weise mit dem "kognitiven Element" der Annahme oder Unterstellung von "etwas Übermenschlichem oder Überweltlichen" verbunden sind. Anders ausgedrückt: Deuten wird nicht zu einer eigenen Vorgehens- oder Verfahrensweise bzw. Methode ("Weg"), die dann "religiöses Deuten" zu nennen wäre, wenn es um die Deutung religiöser Aussagen und Verhaltensweisen geht.
Noch größere Probleme habe ich mit Ihrem Ausdruck "überweltlich >legitimierte< Gründe".
Gründe sind meines Wissens und meinem Verständnis nach Elemente in Dialogen, speziell in Argumentationen, oder in ähnlich strukturierten eigenen Überlegungen, z.B. beim Abwägen "des Für und Wider" in einer persönlichen Angelegenheit. Etwas als Grund anführen ist deswegen eine Art Schachzug in einem allgemein üblichen und akzeptierten, wenn nicht sogar allgemein geforderten (dann als "vernünftig" bezeichneten) Verfahren bei sprachlich geführten Auseinandersetzungen. Als Dialogelemente werden sie schlicht angeführt, akzeptiert oder zurückgewiesen, mit oder ohne (weitere) Gründe auch verworfen oder umgekehrt zu stützen oder ihre Verwendung zu rechtfertigen versucht, aber doch nicht "legitimiert". Nachweisen muss man allenfalls die Richtigkeit, Wahrheit, Gülltigkeit, das Zutreffen oder was immer von dem, was jeweils als ein Grund in einem Dialog angeführt wird. Die Redeweise von "legitimen Gründen" (und nicht legitimiert) bringt m.W. nur die Akzeptanz von Sachverhalten, die als Gründe angeführt werden, zum Ausdruck; sie ist nach meinen Sprachkenntnissen gleichbedeutend mit Ausdrücken wie "akzeptable Gründe", anerkannte, berechtigte und (deswegen) allgemein akzeptierte Gründe.
Was Sie allerdings dabei auch noch mit "überweltlich legitimiert" meinen, das kann ich mir nicht mehr verständlich machen. Da muss ich passen und Sie bitten zu erläutern, was Sie meinen. -
Daneben könnte es auch sein, dass wir von Definitionen (reinen sprachlichen Festsetzungen oder Festlegungen, soviel ich in der Logik gelernt habe) eine unterschiedliche Auffassung haben. Danach behauptet oder "definiert" Grom nicht, was "festliegt", sondern weiter nichts als die Sprachregel, dass von "relgiösem Denken" nur dann geredet werden soll, wenn es die schon mehrfach angeführte "kognitive Komponente" aufweist. Religiöses Denken wird deswegen nicht zu einem anderen Denken, sondern bleibt ein Denken wie jedes andere; es muss lediglich irgendwo zusätzlich jene "kognitive Komponente" aufweisen, schlichter ausgedrückt: es muss irgendwie mit irgendwelchen Gedanken "an" irgendetwas "religiös" Genanntes u.d.h. als "überweltlich" Gedachtes in Zusammenhang stehen - mehr nicht. Gleiches gilt über Denkhandlungen hinaus auch für alle anderen Handlungen, wobei Denken ja bereits ein Tun ist, ein halt traditionell "geistig" genanntes Tun: vollzieht jemand irgendeine Handlungen "in der Gesinnung", also mit dem ernsthaften Gedanken, sich damit auf Übersinnliches oder gar Überweltliches zu beziehen, "macht" er allein damit und nur deswegen aus beliebigem Tun ein spirituelles oder "religös" zu nennendes Tun (wobei viele auch noch meinen, beides sei dasselbe).
Meinem Wissen und Verständnis nach ist "Deuten" ein Tun, das darin besteht, Aussagen zu interpretieren und sie dabei - vielleicht systematisch oder erratisch, eng logisch oder locker assoziativ oder wie immer - zu erläutern oder in eigenen evtl. "weiter" ausholenden Überlegungen weiterzuführen. Dieses hermeneutische Textdeuten ist zwar schon lange weit darüber hinaus ausgedehnt worden, so dass es heute möglich ist, beliebige "Gedanken zu" (oder "über") irgend etwas eine Deutung zu nennen. Aber selbst das beliebigste Deuten wandelt sich nach meinem Verständnis nicht zu einer ganz "eigenen Handlung", wie Sie schreiben, wenn es um die Deutung "religiöser" Aussagen geht: auch hierbei handelt es sich m.W. um ein Deuten, halt dann ein Deuten von Aussagen, die nach Grom in irgendeiner Weise mit dem "kognitiven Element" der Annahme oder Unterstellung von "etwas Übermenschlichem oder Überweltlichen" verbunden sind. Anders ausgedrückt: Deuten wird nicht zu einer eigenen Vorgehens- oder Verfahrensweise bzw. Methode ("Weg"), die dann "religiöses Deuten" zu nennen wäre, wenn es um die Deutung religiöser Aussagen und Verhaltensweisen geht.
Noch größere Probleme habe ich mit Ihrem Ausdruck "überweltlich >legitimierte< Gründe".
Gründe sind meines Wissens und meinem Verständnis nach Elemente in Dialogen, speziell in Argumentationen, oder in ähnlich strukturierten eigenen Überlegungen, z.B. beim Abwägen "des Für und Wider" in einer persönlichen Angelegenheit. Etwas als Grund anführen ist deswegen eine Art Schachzug in einem allgemein üblichen und akzeptierten, wenn nicht sogar allgemein geforderten (dann als "vernünftig" bezeichneten) Verfahren bei sprachlich geführten Auseinandersetzungen. Als Dialogelemente werden sie schlicht angeführt, akzeptiert oder zurückgewiesen, mit oder ohne (weitere) Gründe auch verworfen oder umgekehrt zu stützen oder ihre Verwendung zu rechtfertigen versucht, aber doch nicht "legitimiert". Nachweisen muss man allenfalls die Richtigkeit, Wahrheit, Gülltigkeit, das Zutreffen oder was immer von dem, was jeweils als ein Grund in einem Dialog angeführt wird. Die Redeweise von "legitimen Gründen" (und nicht legitimiert) bringt m.W. nur die Akzeptanz von Sachverhalten, die als Gründe angeführt werden, zum Ausdruck; sie ist nach meinen Sprachkenntnissen gleichbedeutend mit Ausdrücken wie "akzeptable Gründe", anerkannte, berechtigte und (deswegen) allgemein akzeptierte Gründe.
Was Sie allerdings dabei auch noch mit "überweltlich legitimiert" meinen, das kann ich mir nicht mehr verständlich machen. Da muss ich passen und Sie bitten zu erläutern, was Sie meinen. -
Daneben könnte es auch sein, dass wir von Definitionen (reinen sprachlichen Festsetzungen oder Festlegungen, soviel ich in der Logik gelernt habe) eine unterschiedliche Auffassung haben. Danach behauptet oder "definiert" Grom nicht, was "festliegt", sondern weiter nichts als die Sprachregel, dass von "relgiösem Denken" nur dann geredet werden soll, wenn es die schon mehrfach angeführte "kognitive Komponente" aufweist. Religiöses Denken wird deswegen nicht zu einem anderen Denken, sondern bleibt ein Denken wie jedes andere; es muss lediglich irgendwo zusätzlich jene "kognitive Komponente" aufweisen, schlichter ausgedrückt: es muss irgendwie mit irgendwelchen Gedanken "an" irgendetwas "religiös" Genanntes u.d.h. als "überweltlich" Gedachtes in Zusammenhang stehen - mehr nicht. Gleiches gilt über Denkhandlungen hinaus auch für alle anderen Handlungen, wobei Denken ja bereits ein Tun ist, ein halt traditionell "geistig" genanntes Tun: vollzieht jemand irgendeine Handlungen "in der Gesinnung", also mit dem ernsthaften Gedanken, sich damit auf Übersinnliches oder gar Überweltliches zu beziehen, "macht" er allein damit und nur deswegen aus beliebigem Tun ein spirituelles oder "religös" zu nennendes Tun (wobei viele auch noch meinen, beides sei dasselbe).
iwk - 12. Jan, 10:57
Hallo, Herr Bading
In Konsequenz zu dem eben von mir eben Erläuterten ist es nicht sinnvoll, von "erlebter Religiosität" zu sprechen. Wenn man Grom als Experten ernst nimmt, und das tue ich als psychologischer Experte auch noch aus ganz anderen Gründen, nämlich aufgrund eigener Fachkenntnisse, gibt es "nur" religiös konnotierte Erlebnisse, also Erlebnisse, die für religiös gehalten oder noch einfacher: "zu religiösen erklärt" oder deklariert werden!
Nach Grom genügt es ja, irgendetwas in einen "religiösen" Zusammenhang mit definitionsgemäß für "übermenschlich oder überweltlich" Gehaltenem zu stellen, um ein beliebiges Denken und Handeln ein "religiöses Denken und Handeln" nennen zu dürfen oder umgangssprachlich ausgedrückt: um es dann für "religiöses Denken und Handeln" halten zu können. ("Alles" für beseelt zu halten ergibt dabei bekanntlich das als "animistisch" bezeichnete Denken, "alles" für "geistig" zu erklären den simplen Spiritualismus - mit der Unterart des konkretistischen Spiritismus... -, alles für "göttlich" zu erklären den naturhaften Pantheismus, alles aus "einem" entstanden sich vorzustellen: wie "von" oder direkter: "aus" einer "Großen Mutter" - lat. mater - und dann "natürlich" und sachlich konsequent oder realistisch: "geboren" - lat. natus... - oder von "Einem", dann männlich vorgestellten Gott - griech. theos - gemacht oder geschaffen, ergibt dies: den naturalistischen Materialismus und den dazu logisch identischen Monotheismus... - der momentan beliebte "philosophische" Naturalismus ist real ein Szientismus!) Hier handelt es sich noch keinesweges um "Deutung" im üblichen Sinn, sondern um schlichte Benennungsregeln, die ihrerseits zunächst nichts weiter als die Grundlage für Einordnungen und Klassifizierungen abgeben. - Was Sie beschäftigt, scheint mir jedoch etwas ganz anderes zu sein: der Unterschied zwischen "rationalem Denken" und Erleben als Spezialfall des Unterschieds zwischen Denken und Erleben überhaupt. Beides zu einem "rationalen Erfahrungsbereich" zusammenzuziehen, wie Sie das am Ende Ihres vorletzten Abschnittes machen, vermengt beides und verunklart ein wenig das, was Sie zuvor ausgeführt haben.
Wenn Sie jedoch konsequent bleiben und Denken von Erlebnissen, über die nachgedacht wird, exakt aus- und gegeneinander halten, dann scheint mir die "Lösung" des Ihnen problematischen Verhältnisses von auf der einen Seite "Rationalität" oder allgemeiner von Denken und Vorstellen überhaupt und Erleben auf der anderen Seite relativ einfach (der Seite des bloßen Empfindens, Fühlens, sinnlichen Registrierens oder allgemein: der des Wahrnehmens - mindestens! Umgangssprachlich wird nämlich in der Auffassung von "Erleben" das reflexhafte oder gewohnheitsmäßige Reagieren auf etwas von dem jeweils Wahrgenommenen, das Mitreagieren darauf, und zwar wenigstens in Form des "inneren Mitgehens" meist mitgedacht oder miteingeschlossen): jedes reale oder tatsächliche Erleben gleich welcher Art ist für sich "diesseits" allen Denkens - entwicklungspsychologisch gesehen sogar "vor" allem Denken und umgekehrt: Denken "jenseits" allen Erlebens, ein Jenseits, das zunächst nur ein Gegenüber ist; denn Erinnerungen an Erlebtes sind noch auf ganz anderes Art "jenseits" aller Erlebnisse: Erinnerungen bestehen "bloß" noch in Vorstellungen, in Vorstellungen von einmal Erlebtem, das selbst gar nicht mehr "existiert", das vorbei ist, das "nicht (mehr) ist", das Vergangenheit ist, real: Nichts...
Einmal Erlebtes und noch Erinnertes sprachlich zu beschreiben ist noch weitaus "jenseitiger" (wenn ich das sprachlich mal so ausdrücken und auf die Spitze treiben darf); denn Beschreibungen von Erlebten und Erklärungen dazu "sind" ja trivialerweise nicht das Erlebte selbst! "In Sprache" dargestellte Erlebnisse - logisch stimmig und realistisch genau (in "wissenschaftlich exakter" psychologischer Prosa...) oder assoziativ locker und an Anspielungen reich (in frei gestalteter literarischer Lyrik und Epik...) - können zwar ihrerseits wieder zu Erlebnissen werden, etwa wenn Jemand reale - oder phantasierte... - Erlebnisse in wohlgesetzten und anregenden oder verlockenden, verführerischen, anstachelnden oder anfeuernden, flammenden, zündenden, fesselnden oder mitreißenden, entzückenden, begeisternden, berauschenden gar - oder wie immer - beeindruckenden Worten mit ausdrucksstarker Stimme und lebhafter Mimik und Gestik begeistert-begeisternd, inbrünstig vielleicht, glühend oder sogar leidenschaftlich, enthusiastisch, ja fanatisch nachgerade hinreißend zu erzählen weiss, eine Darstellungskunst, die ja bis zur Schau-Spielkunst hochstilisiert werden kann und worden ist...
Gerade die begeisterndste, überwältigendste Imitationskunst im Theater oder wo immer - in religionswissenschaftlichen Zusammenhängen ist naheliegend, woran noch alles zu denken ist - macht am Ende jeder Vorstellung aber immer auch klar, dass auf Vorstellungen beruhendes Erleben auf anderer Grundlage ruht als das im realen Leben: dass nämlich mit Vorstellungen in Zusammenhang stehendes Erleben ein Erleben ist, das zwar in allem genau dasselbe Erleben ist wie im täglichen Leben, in dem wir aber "darüber hinaus" auch noch auf das reagieren, was von uns selbst dazu getan wird, von uns selbst gemacht ist, von uns selbst geschaffen wurde: auf alles in Wort und Tat von uns Kreiertes - "hohe Kunst" oft, die gleichzeitig immer aber auch das ist und bleibt: künstlich!
Exakt dasselbe gilt auch für "innere" Vorstellungen, die wir uns so leicht - und deswegen so oft leichthin und meist gänzlich unkontrolliert - und jeder für sich auf unterschiedlichste Weise "machen", Grundlage aller "subjektiven", also persönlichen Selbst- und Welt-"Bilder" wie von Selbsttäuschungen, Irrungen und Wirrungen aller Art.
Im deswegen gewohnten "Durcheinander" von realem Erleben und Hinzugedachtem klingt es zwar irgendwie "einleuchtend", wenn Sie von "subjektiv erlebter Religiosität" sprechen. Grom folgend müsste jedoch - wissenschaftlich präzise... - von "subjektiv" (anders geht das ja gar nicht...) für religiös gehaltenen Erlebnissen geredet werden.
Das alles verkomplizierend kommt noch folgendes hinzu: Bekanntlich ist es möglich Erlebnisse generell in einen religiösen Zusammenhang zu stellen und das sogar zur Gewohnheit zu machen: durch bloßes Vorleben oder sogar gezielte "Erziehung" dazu von klein auf ist dies seit Jahrtausenden auch faktisch (v. lat. facere machen!) zur "eingefleischten Gewohnheit" gemacht worden und auf diese Weise weithin kulturbestimmend geworden. Man kann das dann sprachlich auch eine "religiöse Erlebnisweise" nennen, weil ein Erleben für religiös zu halten als Gewohnheit und damit als zusätzliche und quasiautomatische Mitreaktion ihrerseits gleich "miterlebt" wird; nur wird auch dann aus diesem Erleben deswegen kein anderes Erleben, speziell ein religiöses Erleben. Es bleibt was es ist: schlichtes Erleben; nur schließt es dann etwas mehr ein: die eigenen gewohnheitsmäßigen Mitreaktionen auf - auch Mitgedachtes!
(NB: Sprachliche Genauigkeit ist keine herausragende Eigenheit unserer Alltags- oder Umgangssprache. Gerade die eingeschliffenen - um nicht wieder "eingefleischt" oder latinisiert "inkarniert" zu sagen; genau das ist aber, weil real, gemeint -, die üblichen also, die eingeübten und deswegen gewohnten oder gewöhnlichen, die gewohnheitsmäßig verwendeten Redeweisen weisen auch die vielfältigsten "Konnotationen" auf, den berühmten "Bedeutungshof". Auch diesen immer mit "im Auge zu behalten" ist zugegebenermaßen nicht selbstverständlich, leider aber nötig, wenn sprachlich "Ausgedrücktes" oder Dargestelltes "richtig" verstanden werden soll, nämlich so, wie "es" gemeint ist - was in vielen, wenn nicht den meisten Fällten heisst und heissen soll: wie das realiter "ist", worauf da sprachlich eigentlich hingewiesen oder hingegedeutet wird. Sprache ersetzt in realen Situationen ja den Finger, mit dem dabei auf etwas gedeutet werden kann; in allen anderen Fällen müssen wir uns genau das wieder: vorstellen, auf was sprachlich verwiesen wird... )
Nach Grom genügt es ja, irgendetwas in einen "religiösen" Zusammenhang mit definitionsgemäß für "übermenschlich oder überweltlich" Gehaltenem zu stellen, um ein beliebiges Denken und Handeln ein "religiöses Denken und Handeln" nennen zu dürfen oder umgangssprachlich ausgedrückt: um es dann für "religiöses Denken und Handeln" halten zu können. ("Alles" für beseelt zu halten ergibt dabei bekanntlich das als "animistisch" bezeichnete Denken, "alles" für "geistig" zu erklären den simplen Spiritualismus - mit der Unterart des konkretistischen Spiritismus... -, alles für "göttlich" zu erklären den naturhaften Pantheismus, alles aus "einem" entstanden sich vorzustellen: wie "von" oder direkter: "aus" einer "Großen Mutter" - lat. mater - und dann "natürlich" und sachlich konsequent oder realistisch: "geboren" - lat. natus... - oder von "Einem", dann männlich vorgestellten Gott - griech. theos - gemacht oder geschaffen, ergibt dies: den naturalistischen Materialismus und den dazu logisch identischen Monotheismus... - der momentan beliebte "philosophische" Naturalismus ist real ein Szientismus!) Hier handelt es sich noch keinesweges um "Deutung" im üblichen Sinn, sondern um schlichte Benennungsregeln, die ihrerseits zunächst nichts weiter als die Grundlage für Einordnungen und Klassifizierungen abgeben. - Was Sie beschäftigt, scheint mir jedoch etwas ganz anderes zu sein: der Unterschied zwischen "rationalem Denken" und Erleben als Spezialfall des Unterschieds zwischen Denken und Erleben überhaupt. Beides zu einem "rationalen Erfahrungsbereich" zusammenzuziehen, wie Sie das am Ende Ihres vorletzten Abschnittes machen, vermengt beides und verunklart ein wenig das, was Sie zuvor ausgeführt haben.
Wenn Sie jedoch konsequent bleiben und Denken von Erlebnissen, über die nachgedacht wird, exakt aus- und gegeneinander halten, dann scheint mir die "Lösung" des Ihnen problematischen Verhältnisses von auf der einen Seite "Rationalität" oder allgemeiner von Denken und Vorstellen überhaupt und Erleben auf der anderen Seite relativ einfach (der Seite des bloßen Empfindens, Fühlens, sinnlichen Registrierens oder allgemein: der des Wahrnehmens - mindestens! Umgangssprachlich wird nämlich in der Auffassung von "Erleben" das reflexhafte oder gewohnheitsmäßige Reagieren auf etwas von dem jeweils Wahrgenommenen, das Mitreagieren darauf, und zwar wenigstens in Form des "inneren Mitgehens" meist mitgedacht oder miteingeschlossen): jedes reale oder tatsächliche Erleben gleich welcher Art ist für sich "diesseits" allen Denkens - entwicklungspsychologisch gesehen sogar "vor" allem Denken und umgekehrt: Denken "jenseits" allen Erlebens, ein Jenseits, das zunächst nur ein Gegenüber ist; denn Erinnerungen an Erlebtes sind noch auf ganz anderes Art "jenseits" aller Erlebnisse: Erinnerungen bestehen "bloß" noch in Vorstellungen, in Vorstellungen von einmal Erlebtem, das selbst gar nicht mehr "existiert", das vorbei ist, das "nicht (mehr) ist", das Vergangenheit ist, real: Nichts...
Einmal Erlebtes und noch Erinnertes sprachlich zu beschreiben ist noch weitaus "jenseitiger" (wenn ich das sprachlich mal so ausdrücken und auf die Spitze treiben darf); denn Beschreibungen von Erlebten und Erklärungen dazu "sind" ja trivialerweise nicht das Erlebte selbst! "In Sprache" dargestellte Erlebnisse - logisch stimmig und realistisch genau (in "wissenschaftlich exakter" psychologischer Prosa...) oder assoziativ locker und an Anspielungen reich (in frei gestalteter literarischer Lyrik und Epik...) - können zwar ihrerseits wieder zu Erlebnissen werden, etwa wenn Jemand reale - oder phantasierte... - Erlebnisse in wohlgesetzten und anregenden oder verlockenden, verführerischen, anstachelnden oder anfeuernden, flammenden, zündenden, fesselnden oder mitreißenden, entzückenden, begeisternden, berauschenden gar - oder wie immer - beeindruckenden Worten mit ausdrucksstarker Stimme und lebhafter Mimik und Gestik begeistert-begeisternd, inbrünstig vielleicht, glühend oder sogar leidenschaftlich, enthusiastisch, ja fanatisch nachgerade hinreißend zu erzählen weiss, eine Darstellungskunst, die ja bis zur Schau-Spielkunst hochstilisiert werden kann und worden ist...
Gerade die begeisterndste, überwältigendste Imitationskunst im Theater oder wo immer - in religionswissenschaftlichen Zusammenhängen ist naheliegend, woran noch alles zu denken ist - macht am Ende jeder Vorstellung aber immer auch klar, dass auf Vorstellungen beruhendes Erleben auf anderer Grundlage ruht als das im realen Leben: dass nämlich mit Vorstellungen in Zusammenhang stehendes Erleben ein Erleben ist, das zwar in allem genau dasselbe Erleben ist wie im täglichen Leben, in dem wir aber "darüber hinaus" auch noch auf das reagieren, was von uns selbst dazu getan wird, von uns selbst gemacht ist, von uns selbst geschaffen wurde: auf alles in Wort und Tat von uns Kreiertes - "hohe Kunst" oft, die gleichzeitig immer aber auch das ist und bleibt: künstlich!
Exakt dasselbe gilt auch für "innere" Vorstellungen, die wir uns so leicht - und deswegen so oft leichthin und meist gänzlich unkontrolliert - und jeder für sich auf unterschiedlichste Weise "machen", Grundlage aller "subjektiven", also persönlichen Selbst- und Welt-"Bilder" wie von Selbsttäuschungen, Irrungen und Wirrungen aller Art.
Im deswegen gewohnten "Durcheinander" von realem Erleben und Hinzugedachtem klingt es zwar irgendwie "einleuchtend", wenn Sie von "subjektiv erlebter Religiosität" sprechen. Grom folgend müsste jedoch - wissenschaftlich präzise... - von "subjektiv" (anders geht das ja gar nicht...) für religiös gehaltenen Erlebnissen geredet werden.
Das alles verkomplizierend kommt noch folgendes hinzu: Bekanntlich ist es möglich Erlebnisse generell in einen religiösen Zusammenhang zu stellen und das sogar zur Gewohnheit zu machen: durch bloßes Vorleben oder sogar gezielte "Erziehung" dazu von klein auf ist dies seit Jahrtausenden auch faktisch (v. lat. facere machen!) zur "eingefleischten Gewohnheit" gemacht worden und auf diese Weise weithin kulturbestimmend geworden. Man kann das dann sprachlich auch eine "religiöse Erlebnisweise" nennen, weil ein Erleben für religiös zu halten als Gewohnheit und damit als zusätzliche und quasiautomatische Mitreaktion ihrerseits gleich "miterlebt" wird; nur wird auch dann aus diesem Erleben deswegen kein anderes Erleben, speziell ein religiöses Erleben. Es bleibt was es ist: schlichtes Erleben; nur schließt es dann etwas mehr ein: die eigenen gewohnheitsmäßigen Mitreaktionen auf - auch Mitgedachtes!
(NB: Sprachliche Genauigkeit ist keine herausragende Eigenheit unserer Alltags- oder Umgangssprache. Gerade die eingeschliffenen - um nicht wieder "eingefleischt" oder latinisiert "inkarniert" zu sagen; genau das ist aber, weil real, gemeint -, die üblichen also, die eingeübten und deswegen gewohnten oder gewöhnlichen, die gewohnheitsmäßig verwendeten Redeweisen weisen auch die vielfältigsten "Konnotationen" auf, den berühmten "Bedeutungshof". Auch diesen immer mit "im Auge zu behalten" ist zugegebenermaßen nicht selbstverständlich, leider aber nötig, wenn sprachlich "Ausgedrücktes" oder Dargestelltes "richtig" verstanden werden soll, nämlich so, wie "es" gemeint ist - was in vielen, wenn nicht den meisten Fällten heisst und heissen soll: wie das realiter "ist", worauf da sprachlich eigentlich hingewiesen oder hingegedeutet wird. Sprache ersetzt in realen Situationen ja den Finger, mit dem dabei auf etwas gedeutet werden kann; in allen anderen Fällen müssen wir uns genau das wieder: vorstellen, auf was sprachlich verwiesen wird... )
iwk - 13. Jan, 12:44
Mir scheint es sinnvoll,
auch das hier ausgeführte mitzuberücksichtigen: http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4564859/#4589353



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