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Samstag, 22. Dezember 2007

Die Familienüberweisungen von Migranten - und ihre demografischen Folgen

Langsam spricht sich herum, dass von Migration nicht nur Aufnahmeländer, die Arbeitskräfte benötigen, profitieren - sondern auch die Herkunftsländer, in die neben dann wachsenden Einnahmen aus Handel und Tourismus auch Rücküberweisungen fließen.

Die zur dpa-Gruppe gehörende Globus Infografik GmbH veröffentlichte diese Woche eine Auswertung von Daten der EU-Kommission. Demnach wurden in 2004 aus EU-Ländern insgesamt 26,8 Milliarden Euro überwiesen. 6,0 Milliarden Euro flossen aus Deutschland, 5,3 Milliarden aus Frankreich, 4,4 Milliarden aus Spanien und 4,1 Milliarden aus Großbritannien.

7,6 Milliarden Euro gingen nach Afrika. 6,9 Milliarden Euro flossen an europäische Nicht-EU Länder einschließlich der Türkei. Lateinamerika bekam 2,9 Milliarden, Asien 2,4 Milliarden.

Die wichtigsten "Finanzkorridore" wiesen aus Deutschland in die Türkei und nach Polen, aus Frankreich nach Marokko und Portugal und aus Spanien nach Marokko und Lateinamerika.

Volkswirtschaftlich ist dabei natürlich immer zu beachten, dass diesen Geldern ein vielfaches an Arbeitsleistung und europäischem Konsum gegenüberstand - erfolgreich integrierte Migranten bereichern sowohl die neue wie die ehemalige Heimat.

Religionsdemografische Folgen

Uns interessieren aber vor allem die demografischen Folgen. Und auch da ist der Befund eindeutig: mit zunehmender Integration nimmt die Geburtenrate z.B. auch von Muslimen in Deutschland ab.

Die Geburtenziffern muslimischer Zuwanderer passen sich massiv den familienfeindlichen Strukturen Deutschlands an. Von einer Islamisierung Deutschlands kann also keine Rede sein, vielmehr steigen Zuwanderer per Integration derzeit in das gesamtdeutsche, demografisch sinkende Boot.

Zusätzlich tragen die Migranten aber auch zur ökonomischen Entwicklung ihrer Herkunftsgesellschaften bei - und sie lassen Bildung als umso wertvoller erscheinen, umso bessere Chancen sich damit auf auch dem internationalen Arbeitsmarkt bieten. Die Migration stärkt damit auch in den islamischen Ländern den Trend zu weniger, dafür aber besser ausgebildeten Kindern.

Mit der sozioökonomischen Entwicklung sinken auch die Geburtenraten islamischer Länder. Da allerdings bereits große Jugendkohorten geboren wurden ist für Länder wie z.B. Pakistan noch eine Zeit demografischer Spannung (sog. "Jugendberg") zu erwarten. Die Türkei hat diese Entwicklung gerade hinter sich.

Fazit

Die auch wirtschaftlich erfolgreiche Integration von Zuwanderern ist ein wertvoller Beitrag zu globaler Entwicklungs- und Friedenspolitik. Herkunftsländer werden vom abschwellenden Bevölkerungswachstum entlastet, Aufnahmeländer demografisch (wenn auch nur zeitweise!) stabilisiert und sowohl der wirtschaftliche wie reproduktive und auch soziokulturelle Unterschied gemildert.

Da aber Bevölkerungswachstum weltweit fast nur noch von religiösen Populationen ausgeht, dürften auch in Fragen der internationalen Migration und Wirtschaftsbeziehungen religiöse Aspekte eine (weiter) wachsende Rolle spielen.

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Kunar - 22. Dez, 01:38

Integration - ganz oder gar nicht

"Die auch wirtschaftlich erfolgreiche Integration von Zuwanderern ist ein wertvoller Beitrag zu globaler Entwicklungs- und Friedenspolitik."

Es ist hier sicherlich nicht so gemeint, aber manche Leute scheinen zu glauben, dass wirtschaftlicher Erfolg und Integration zwei verschiedene Dinge sind. Dabei gilt m. E. viel eher, dass beides verschiedene Einzelaspekte derselben Sache sind. Man kann nicht verlangen, dass sich Ausländer erst integrieren und dann mit weniger zufrieden geben. Wie kann sich jemand erfolgreich angleichen und dennoch ungleich bleiben?

Bei den Geburtenraten islamischer Länder stört, dass der Abstand zwischen den Jahreszahlen nicht gleichmäßig ist. Zwischen 2000 und 2005 ist ebensoviel Platz wie zwischen 1990 und 2000. Dadurch werden besonders die gleichbeibende Bevölkerung Pakistans und der Türkei künstlich in die Länge gezogen. Schade, denn optische Täuschungen haben diese Zahlen sicherlich nicht nötig.

Integration

Kann ich nur zustimmen - und ist auch so gemeint. Die wirtschaftliche Integration ist eine notwendige, aber keine hinreichende Integration. Wer auf Dauer in absoluter Armut lebt und von Aufstiegschancen ausgeschlossen wähnt, wird sich schwer als Teil einer neuen Gesellschaft empfinden können.

Aber umgekehrt kann man schon wohlhabend sein, sich aber gesellschaftlich oder politisch ausgegrenzt fühlen oder auch selbst ausgrenzen. Generell aber ist zu beobachten, dass in den Gesellschaften auch das politische und religiös-weltanschauliche Zusammenwachsen schneller gelingt, in denen gezielt qualifizierte Zuwanderer gewonnen werden. Dies stärkt im übrigen auch die Bildungsanstrengungen in den Herkunftsländern, da jeder erfolgreiche Migrant die Botschaft in die Herkunftsgesellschaft sendet, dass sich Bildung auch lohnt.

Zu den Geburtenraten: leider habe ich die Daten von 2010 einfach noch nicht (-; - aber sobald sie da sind, überarbeite ich die Grafik entsprechend.

Gesegnete Feiertage, Kunar!

Dr. Blume

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