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Montag, 17. Dezember 2007

Einwanderung als Lösung demografischer Probleme?

Auf dem linksgerichteten Schweineherbst-Blog bin ich folgendem Arte-Video begegnet, in dem einige Grundaussagen der Demografie sehr einfach dargestellt werden und Zuwanderung als Lösung der demografischen Probleme Europas angepriesen wird.



Richtig ist, dass Migration der historische Normalfall ist und nicht selten aufnehmende Länder wirtschaftlich begünstigt hat. Allerdings schießen die Macher meines Erachtens auch über das Ziel hinaus:

So wird, erstens, nur in einem Nebensatz erwähnt, dass eine aktive Familienpolitik durchaus auch Geburtenraten (wieder) anheben und damit die Unterjüngung abschwächen kann. Der Text streift diese Möglichkeit nur, um dann zu "oder eine kontrollierte Zuwanderung" überzugehen. Aber warum denn "oder"? Schon weil alle Länder auch qualifizierte Arbeitskräfte an den internationalen Arbeitsmarkt verlieren werden, dürfte doch nur ein "und" realistisch sein: qualifizierte Zuwanderung und eine Politik der Geburten- und Kinderförderung - die im übrigen auch erst einmal dafür sorgen müßte, dass nicht weiterhin hohe Prozentanteile von Kindern unterqualifiziert das Schulsystem verlassen.

Vor allem aber wird in dem Beitrag, zweitens, auch verschwiegen, dass sich auch das Geburtenverhalten von Zuwanderern, beispielsweise auch von Muslimen der jeweiligen Umgebung anzugleichen tendiert - was eben auch bedeutet, dass die Unterjüngung dann zum gemeinsamen Problem der Einwohner mit und ohne Migrationshintergrund wird. "Nur" durch Zuwanderung lässt sich also die demografische Schieflage, sprich: der Geburtenmangel, europäischer Gesellschaften nicht beheben, wenn das allgemeine Geburtenniveau nicht wieder steigt.

Auch fallen argumentatorische Unsicherheiten auf: einerseits wirbt der Filmtext für eine "kontrollierte" Zuwanderung - andererseits wird die Bekämpfung illegaler Migration ausdrücklich angeprangert und verurteilt. Also doch eine Open-Door-Politik? Und warum dann kein Wort zu Integrations- und Bildungsfragen, Sprachproblemen und Arbeitslosigkeit? Halten die Macher die Zuschauer wirklich für so unterbelichtet, dass sie mit diesen Fragen nicht würden umgehen können?

Fazit
Es ist gut und sehenswert, dass auch einmal (wieder) die demografisch und wirtschaftlich positiven Aspekte von Zuwanderung in die Debatte geworfen werden. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die unterjüngenden Gesellschaften dringend qualifizierte Arbeitskräfte benötigen werden - aber die Betonung liegt eben auch auf "qualifiziert".

Wie legale Migration gestaltet und illegale Migrationsprozesse gebremst, wie Gesellschaften durch Integration sowohl wirtschaftlich wie innerlich wachsen können und einige andere Aspekte mehr haben tatsächlich mehr Betrachtung verdient. Stellenweise wirkt der Film jedoch zu einseitig orientiert - dann fällt auf, dass Fakten dem Ziel des Plädoyers auch für illegale Migration untergeordnet worden sind. Und dann bleibt der schale Geschmack der Manipulation, wie wir ihn gerade auch in der Blogszene auch aus dem rechtsgerichteten Bereich zu Genüge kennen...

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Dr. Blume

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