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Donnerstag, 29. November 2007

Welche Eigenschaften US-Wähler bei Präsidenten nicht tolerieren

In keinem westlichen Land sind Kirchen und Staat so strikt getrennt wie in den USA - und wohl in keinem westlichen Land spielt (auch deshalb!) Religion eine so große Rolle in der Politik. Es gibt keine Amts- oder gar Staatskirchen, keine direkten, finanziellen Zuschüsse an Religionsgemeinschaften, keine Kirchensteuer, nicht einmal konfessionellen Religionsunterricht in den Schulen - auch als Folge davon aber den entwickeltsten religiösen Markt mit den höchsten Levels an Religiosität in der westlichen Welt.

So gaben in der repräsentativen Umfrage des Pew Research Center US-Wähler 2007 an, wie eine Reihe von Eigenschaften ihr Wahlverhalten beeinflussen würde. Die TOP 10 der Eigenschaften, die auf Ablehnung stoßen, habe ich Ihnen im Folgenden aufgelistet:



Wir sehen: buchstäblich "ganz unten" finden sich Kandidaten, die nicht an Gott glauben - 63% der Wahlberechtigten würden ihnen "eher nicht" die Stimme geben. Die von Richard Dawkins geforderte "atheistische Lobby in der Politik" hat dagegen noch Arbeit vor sich: nur 3% würden einen nichtglaubenden Kandidaten bevorzugen, nur 4% einen Christen "eher nicht" wählen.

Religiöse Identität und Zivilreligion

Im Gottesbild herrscht dagegen mehr zivilreligiöse Großzügigkeit, "Gott" ist kein Exklusivbesitz: Andersglaubende wie Muslime und Mormonen (im US-Kongress bereits als Abgeordnete vertreten ) treffen zwar durchaus auf massive Vorbehalte gerade auch im Hinblick auf das Präsidentenamt, knappe Mehrheiten würden ihre Wahlentscheidung aber nicht (oder sehr selten auch positiv) von ihrer Religionszugehörigkeit abhängig machen. Das gleiche gilt für Kandidaten jenseits der 70, Homosexuelle, frühere Drogenkonsumenten oder frühere Ehebrecher - massive Skepsis, aber keine mehrheitliche Ablehnung.

Übrigens: Frauen werden nur noch von 11%, Geschiedene von 9%, Behinderte von 7% und Schwarze von 4% der US-Wähler grundsätzlich abgelehnt.

Fazit: Religion - Staat - Politik

Wie z.B. der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek (1899-1992) bereits richtig vermutete, stehen "Freiheit, Religion und demografische Entwicklung" in einem wechselwirkenden Zusammenhang zueinander. Heute können wir auch empirisch beobachten: Wo Staat und Religionen materiell und etwa auch in Theologie und Schule miteinander verschränkt werden, entwickeln sich religiöser Markt und damit Kirchen und Religionsgemeinschaften tendenziell "gezähmter", theologisch auch nach innen differenzierter und weniger politisch.

Religionsgemeinschaften, die sich dagegen ohne staatliche Kooperation ausschließlich am religiösen Markt behaupten und finanzieren müssen, werden nur mit höherer Verbindlichkeit auch in weltanschaulichen und demografischen Fragen bestehen - und auf lange Sicht (und nicht zuletzt durch reproduktiven Erfolg) damit mehr religiöse Vielfalt, Wettbewerb und religiös-politische Wählererwartungen prägen.

Wer privilegiert (wird), stellt (sich) also politisch tendenziell still. Wer aber ausgrenzt, regt den religiösen Wettbewerb erst richtig an. Es lassen sich also in Demokratien durchaus Religionen vom Staat oder von der Politik einigermaßen trennen - nicht aber beides gleichzeitig.

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Dr. Blume

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