...in der Wissenschaft immer geboten! Es wäre schlimm, wenn es keine gebe - und bei dem Erfolg des Instituts im übrigen seltsam, wenn keiner Contra geben würde!
Also danke für die Hinweise, so kann sich jeder ein Bild machen.
Also, einmal hat das Berlin-Institut mit der Übernahme der Annahme von der "weltweit niedrigsten Geburtenrate" schlicht einen Mediencoup gelandet, aber einen wissenschaftlichen Fehler gemacht - Deutschland hat eine niedrige, keinesfalls aber die niedrigste Geburtenrate. Gut, dass so etwas dann auch aufgedeckt und diskutiert wird, das erhöht die Qualitätsstandards. Andererseits kenne ich niemanden im Wissenschaftsbetrieb, der noch nie einen Fehler gemacht hätte - und gerade wenn man in die Öffentlichkeit geht, steigern sich natürlich die Risiken, weil man nichts mehr "unauffällig" korrigieren kann.
Der zweite Beitrag greift den Umstand an, dass die Kinderlosen-Studie von einer Biotech-Firma gesponsert wurde; was das Berlin-Institut aber in der Präsentation und im Text der Studie selbst immer transparent gemacht hat. Die Daten werden auch nicht kritisiert und keine Verzerrung aufgedeckt, zudem wird eingeräumt, dass die Demoskopie von Allensbach erledigt wurde. Hier wird also nur moniert, dass "private Geldgeber" und eben eine Firma Geld gegeben hätten. Meine Gegenfrage: wenn es z.B. ein Bundesministerium, eine Bank, Einzelperson oder Partei gewesen wäre - hätte dies dann nicht ebenfalls ein Grund für Kritik sein können? Hier ist meine Meinung ganz eindeutig: es ist gut und wichtig, dass in Deutschland verschiedenste Auftraggeber für Wissenschaft und Forschung auftreten, solange diese dann auch (wie bei der Kinderlosen-Studie vorbildlich) transparent genannt werden. Denn erst über Vielfalt und wechselseitige Prüfung entsteht ein dreidimensionales Bild, zwingt die wechselnde Kritik zu höheren Standards und neuen Einsichten.
Und damit sind wir auch schon bei der dritten Kritik: ein betont gewerkschaftsnaher Professor kritisiert das Statistische Bundesamt (bei dem er übrigens früher selber arbeitete) und das Berlin-Institut für deren Thematisierung von Demographie. Dabei reiche eine Absenkung der Arbeitslosenquote doch zur Stabilisierung z.B. der Rentenkassen aus. Wissenschaftlich hat Prof. Bosbach gegen das Berlin-Institut nur den o.g. Vergleichsfehler aus 2006 anzuführen, seine Hauptkritik zielt auf das Bundesamt. Sein eigenes Argument aber ist (bewusst?) grob verkürzt: natürlich entlastet ein Absenken der Arbeitslosenzahlen (wie wir derzeit erleben) die Kassenlage. Aber auch den zusätzlich Einzahlenden entstehen durch ihre Beiträge dann auch wieder Ansprüche - die von späteren Generationen wieder geleistet werden müssten. Umfassender begründet und lesenswert ist seine Alternativstudie zur Bevölkerungsvorausberechnung 2050 des Stat. Bundesamtes, die letztlich zu dem Ergebnis kommt, dass eine moderne Familienpolitik, eine andauernde Produktivitätssteigerung und ein höheres Renteneintrittsalter (für das Herr Bosbach natürlich nicht plädieren mag, aber so seien nun einmal die Daten... (-; ) einerseits die Geburtenrate heben und andererseits die volkswirtschaftlichen Auswirkungen des demografischen Wandels beherrschbar machen könnten. Genau dafür aber plädieren doch auch Statistisches Bundesamt und das Berlin-Institut...
Insofern zeigen auch diese erst durch Stat. Bundesamt und Berlin-Institut befeuerten Debatten und Bosbachs Statement sehr schön, dass auch verbandsnahes und aus Steuergeldern finanziertes Engagement nur bestimmte Perspektiven beleuchten kann und dass es also wichtig ist, dass Themen angestossen und bearbeitet werden.
Also, in summa, danke Bernd für das Aufzeigen der Kritikpunkte - und mit Deinem sehr spannenden Soziologieblog willkommen auf meiner Blogroll! Gleichzeitig möchte ich nach Prüfung auch dieser Kritiken an meiner positiven Wertung des Instituts ausdrücklich festhalten. Denn Kritik muss natürlich sein, letztlich brauchen wir aber m.E. vor allem mehr Mut und Vielfalt auch in der Wissenschaft! (-:
Es gibt jedoch auch ...
- Die Mär von der niedrigsten Geburtenrate
- Die bezahlte Kinderlosen-Studie
- Demographische Entwicklung – Realität und mediale Aufbereitung
(Disclaimer: Ich weiß nicht, wer "richtig" liegt. Ich werde nur bei dem Wort "Think-Tank" hellhörig :-)Kritik ist...
Also danke für die Hinweise, so kann sich jeder ein Bild machen.
Herzliche Grüße
Michael
Hab mir...
Also, einmal hat das Berlin-Institut mit der Übernahme der Annahme von der "weltweit niedrigsten Geburtenrate" schlicht einen Mediencoup gelandet, aber einen wissenschaftlichen Fehler gemacht - Deutschland hat eine niedrige, keinesfalls aber die niedrigste Geburtenrate. Gut, dass so etwas dann auch aufgedeckt und diskutiert wird, das erhöht die Qualitätsstandards. Andererseits kenne ich niemanden im Wissenschaftsbetrieb, der noch nie einen Fehler gemacht hätte - und gerade wenn man in die Öffentlichkeit geht, steigern sich natürlich die Risiken, weil man nichts mehr "unauffällig" korrigieren kann.
Der zweite Beitrag greift den Umstand an, dass die Kinderlosen-Studie von einer Biotech-Firma gesponsert wurde; was das Berlin-Institut aber in der Präsentation und im Text der Studie selbst immer transparent gemacht hat. Die Daten werden auch nicht kritisiert und keine Verzerrung aufgedeckt, zudem wird eingeräumt, dass die Demoskopie von Allensbach erledigt wurde. Hier wird also nur moniert, dass "private Geldgeber" und eben eine Firma Geld gegeben hätten. Meine Gegenfrage: wenn es z.B. ein Bundesministerium, eine Bank, Einzelperson oder Partei gewesen wäre - hätte dies dann nicht ebenfalls ein Grund für Kritik sein können? Hier ist meine Meinung ganz eindeutig: es ist gut und wichtig, dass in Deutschland verschiedenste Auftraggeber für Wissenschaft und Forschung auftreten, solange diese dann auch (wie bei der Kinderlosen-Studie vorbildlich) transparent genannt werden. Denn erst über Vielfalt und wechselseitige Prüfung entsteht ein dreidimensionales Bild, zwingt die wechselnde Kritik zu höheren Standards und neuen Einsichten.
Und damit sind wir auch schon bei der dritten Kritik: ein betont gewerkschaftsnaher Professor kritisiert das Statistische Bundesamt (bei dem er übrigens früher selber arbeitete) und das Berlin-Institut für deren Thematisierung von Demographie. Dabei reiche eine Absenkung der Arbeitslosenquote doch zur Stabilisierung z.B. der Rentenkassen aus. Wissenschaftlich hat Prof. Bosbach gegen das Berlin-Institut nur den o.g. Vergleichsfehler aus 2006 anzuführen, seine Hauptkritik zielt auf das Bundesamt. Sein eigenes Argument aber ist (bewusst?) grob verkürzt: natürlich entlastet ein Absenken der Arbeitslosenzahlen (wie wir derzeit erleben) die Kassenlage. Aber auch den zusätzlich Einzahlenden entstehen durch ihre Beiträge dann auch wieder Ansprüche - die von späteren Generationen wieder geleistet werden müssten. Umfassender begründet und lesenswert ist seine Alternativstudie zur Bevölkerungsvorausberechnung 2050 des Stat. Bundesamtes, die letztlich zu dem Ergebnis kommt, dass eine moderne Familienpolitik, eine andauernde Produktivitätssteigerung und ein höheres Renteneintrittsalter (für das Herr Bosbach natürlich nicht plädieren mag, aber so seien nun einmal die Daten... (-; ) einerseits die Geburtenrate heben und andererseits die volkswirtschaftlichen Auswirkungen des demografischen Wandels beherrschbar machen könnten. Genau dafür aber plädieren doch auch Statistisches Bundesamt und das Berlin-Institut...
Hier: http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/gbosbach_demogr.pdf
Insofern zeigen auch diese erst durch Stat. Bundesamt und Berlin-Institut befeuerten Debatten und Bosbachs Statement sehr schön, dass auch verbandsnahes und aus Steuergeldern finanziertes Engagement nur bestimmte Perspektiven beleuchten kann und dass es also wichtig ist, dass Themen angestossen und bearbeitet werden.
Also, in summa, danke Bernd für das Aufzeigen der Kritikpunkte - und mit Deinem sehr spannenden Soziologieblog willkommen auf meiner Blogroll! Gleichzeitig möchte ich nach Prüfung auch dieser Kritiken an meiner positiven Wertung des Instituts ausdrücklich festhalten. Denn Kritik muss natürlich sein, letztlich brauchen wir aber m.E. vor allem mehr Mut und Vielfalt auch in der Wissenschaft! (-:
Danke und herzliche Grüße!
Michael