Eckart Voland: Die Natur des Menschen
Ein Soziobiologe behandelt Verwandschaft, Altruismus, Moral, Gruppenbildung, Männer, Frauen, Kinder, Großeltern, Schwiegereltern, Eheleute, Glück - und auch Religion, und das alles auf nur 175 Seiten!
Kann das gutgehen? Seriös bleiben? Auch noch Freude machen? Es kann! Und mehr als das!
Das Buch ist aus einer Artikelreihe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hervorgegangen - und das merkt man ihm wohltuend an! Die einzelnen Kapitel fokussieren pointiert je ein Thema, zugespitzt und auf dem neuesten Stand der Forschung. Den Platz, den Voland gegenüber dem Zeitungsformat gewonnen hat, hat er in empirische Daten (in Form auch von Grafiken und Tabellen) sowie der Zusammenfassung aktuellster Studien investiert. So war der Rezensent positiv überrascht, auch bereits eigene, religionsdemografische Arbeiten zitiert zu finden - die sich teilweise noch im Druck befinden! Nicht oft sind auch an die Öffentlichkeit gerichtete Wissenschaftstexte so gut auf den neuesten Stand hin gepflegt! Auch fällt positiv auf, dass Voland offensichtlich Rückmeldungen wie Leserzuschriften eingearbeitet hat - die Kapitel erläutern, präzisieren Themen auf Allgemeinverständlichkeit hin. Das Buch belohnt evolutionsbiologische Vorkenntnisse, erwartet sie aber nicht.
Gibt es auch Aspekte, die mir nicht gefielen? Aber klar - bei einer ganzen Reihe von Themen würde ich Voland widersprechen - etwa der Begriffsdefinition von Altruismus, der Annahme eines (quasi-malthusianischen) biogenetischen Imperativs beim Menschen, der Kritik am Gewissen u.a. Nur spricht das in keiner Weise gegen das Buch, sondern ausdrücklich für es!
Denn hier wird uns Wissenschaft nicht als dröge, hinter Sicherheitsformeln verschanzte Veranstaltung, sondern als mutiges Ausschreiten und empirisches Thesen-testen präsentiert. "Kommt her, wenn Ihr Argumente habt!", so könnte der Untertitel lauten. Und ich möchte wetten, dass kein wissenschaftlich interessierter Leser nach diesen vergnüglichen 175 Seiten einfach zur Tagesordnung übergehen kann - sondern mindestens an der einen oder anderen Stelle zum Weiterforschen und -denken gepackt sein wird. Wer gedacht hat, Evolutionstheorie habe mit dem eigenen Leben oder Fachgebiet nichts zu tun, hat Voland noch nicht gelesen.
So bleiben bei mir nach der frischen Lektüre des Buches einige motivierende Themen und Thesen erhalten - und eine ganz große Frage offen: Wo, bitte, kann man das Wissenschaftsbuch des Jahres nominieren?
Kann das gutgehen? Seriös bleiben? Auch noch Freude machen? Es kann! Und mehr als das!
Das Buch ist aus einer Artikelreihe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hervorgegangen - und das merkt man ihm wohltuend an! Die einzelnen Kapitel fokussieren pointiert je ein Thema, zugespitzt und auf dem neuesten Stand der Forschung. Den Platz, den Voland gegenüber dem Zeitungsformat gewonnen hat, hat er in empirische Daten (in Form auch von Grafiken und Tabellen) sowie der Zusammenfassung aktuellster Studien investiert. So war der Rezensent positiv überrascht, auch bereits eigene, religionsdemografische Arbeiten zitiert zu finden - die sich teilweise noch im Druck befinden! Nicht oft sind auch an die Öffentlichkeit gerichtete Wissenschaftstexte so gut auf den neuesten Stand hin gepflegt! Auch fällt positiv auf, dass Voland offensichtlich Rückmeldungen wie Leserzuschriften eingearbeitet hat - die Kapitel erläutern, präzisieren Themen auf Allgemeinverständlichkeit hin. Das Buch belohnt evolutionsbiologische Vorkenntnisse, erwartet sie aber nicht.
Gibt es auch Aspekte, die mir nicht gefielen? Aber klar - bei einer ganzen Reihe von Themen würde ich Voland widersprechen - etwa der Begriffsdefinition von Altruismus, der Annahme eines (quasi-malthusianischen) biogenetischen Imperativs beim Menschen, der Kritik am Gewissen u.a. Nur spricht das in keiner Weise gegen das Buch, sondern ausdrücklich für es!
Denn hier wird uns Wissenschaft nicht als dröge, hinter Sicherheitsformeln verschanzte Veranstaltung, sondern als mutiges Ausschreiten und empirisches Thesen-testen präsentiert. "Kommt her, wenn Ihr Argumente habt!", so könnte der Untertitel lauten. Und ich möchte wetten, dass kein wissenschaftlich interessierter Leser nach diesen vergnüglichen 175 Seiten einfach zur Tagesordnung übergehen kann - sondern mindestens an der einen oder anderen Stelle zum Weiterforschen und -denken gepackt sein wird. Wer gedacht hat, Evolutionstheorie habe mit dem eigenen Leben oder Fachgebiet nichts zu tun, hat Voland noch nicht gelesen.
So bleiben bei mir nach der frischen Lektüre des Buches einige motivierende Themen und Thesen erhalten - und eine ganz große Frage offen: Wo, bitte, kann man das Wissenschaftsbuch des Jahres nominieren?
blume-religionswissenschaft - 9. Okt, 06:32
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