Angela Merkel: Technologie, Talente, Toleranz
Auf den Beitrag Freiheitlich - warum?, in dem ich für den Wert der Freiheit einschließlich der Religionsfreiheit argumentiert hatte, erhielt ich einen netten Hinweis auf diese lesenswerte Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor der Jüdischen Hochschule in Heidelberg.
Darin stellt sie, Richard Florida folgend, die Bedeutung der Toleranz neben die der Technologie und Talente. Sie reflektiert die Rolle der Religionen im Staat, plädiert für Dialog und Religionsfreiheit und bezieht klug in ihrer Rede vor christlich-jüdischem Publikum ausdrücklich auch den Islam und die Muslime ein.
Die bedrohte Religionsfreiheit
Noch vor einigen Jahren hätte diese Rede eine politische Stimmung ausgedrückt. Heute aber wirkt sie mutig, weil die Religionsfreiheit von verschiedenen Stellen in Frage gestellt wird.
Am massivsten angegangen werden Muslime, denn im säkularen Deutschland werden -weit stärker als in den USA- bestehende Probleme besonders eilfertig auf die Religion(en) zurückgeführt. Islamophobie bedient sich der gleichen Verschwörungs"argumentationen" wie der Antisemitismus und ist längst wieder salonfähig geworden.

Antichristliche und antiamerikanische Ressentiments gehen ebenfalls Hand in Hand und es gehört an vielen Orten längst zum guten Ton, engagierte Christen mit evangelikalen Fundamentalisten in einen Topf zu werfen - die sehr viel größeren Freiheitsräume der Vereinigten Staaten übersehend oder gar verachtend.
Und schließlich stößt Richard Dawkins weder auf Widerspruch, wenn er für neues Nachdenken über Menschenzucht plädiert, noch, wenn er im Gotteswahn religiöse Erziehung mit sexuellem Kindesmissbrauch auf eine Stufe stellt.
Besteht also Anlass, um die Religionsfreiheit zu fürchten? Ich glaube, nicht. Denn dass Dawkins gezielt die religiösen Familien angreift, deutet m.E. doch schon darauf hin, dass er den Zusammenhang von religiöser Vergemeinschaftung und Kinderreichtum wenigstens ahnt. Auch in globaler Perspektive zeigt sich, dass freiheitliche Gesellschaften auf Dauer eher mehr religiöse Vielfalt erfahren, als dass sie auf Dauer Säkularisierung erzwingen könnten.
Freiheit, Religion(en) und demografische Entwicklung stehen in einer sich verstärkenden Wechselwirkung zueinander. Nur Toleranz führt zu Talenten und Technologien.
Eine wirklich anregende Rede, Frau Merkel!
Darin stellt sie, Richard Florida folgend, die Bedeutung der Toleranz neben die der Technologie und Talente. Sie reflektiert die Rolle der Religionen im Staat, plädiert für Dialog und Religionsfreiheit und bezieht klug in ihrer Rede vor christlich-jüdischem Publikum ausdrücklich auch den Islam und die Muslime ein.
Die bedrohte Religionsfreiheit
Noch vor einigen Jahren hätte diese Rede eine politische Stimmung ausgedrückt. Heute aber wirkt sie mutig, weil die Religionsfreiheit von verschiedenen Stellen in Frage gestellt wird.
Am massivsten angegangen werden Muslime, denn im säkularen Deutschland werden -weit stärker als in den USA- bestehende Probleme besonders eilfertig auf die Religion(en) zurückgeführt. Islamophobie bedient sich der gleichen Verschwörungs"argumentationen" wie der Antisemitismus und ist längst wieder salonfähig geworden.

Antichristliche und antiamerikanische Ressentiments gehen ebenfalls Hand in Hand und es gehört an vielen Orten längst zum guten Ton, engagierte Christen mit evangelikalen Fundamentalisten in einen Topf zu werfen - die sehr viel größeren Freiheitsräume der Vereinigten Staaten übersehend oder gar verachtend.
Und schließlich stößt Richard Dawkins weder auf Widerspruch, wenn er für neues Nachdenken über Menschenzucht plädiert, noch, wenn er im Gotteswahn religiöse Erziehung mit sexuellem Kindesmissbrauch auf eine Stufe stellt.
Besteht also Anlass, um die Religionsfreiheit zu fürchten? Ich glaube, nicht. Denn dass Dawkins gezielt die religiösen Familien angreift, deutet m.E. doch schon darauf hin, dass er den Zusammenhang von religiöser Vergemeinschaftung und Kinderreichtum wenigstens ahnt. Auch in globaler Perspektive zeigt sich, dass freiheitliche Gesellschaften auf Dauer eher mehr religiöse Vielfalt erfahren, als dass sie auf Dauer Säkularisierung erzwingen könnten.
Freiheit, Religion(en) und demografische Entwicklung stehen in einer sich verstärkenden Wechselwirkung zueinander. Nur Toleranz führt zu Talenten und Technologien.
Eine wirklich anregende Rede, Frau Merkel!
blume-religionswissenschaft - 7. Okt, 05:41
3 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Edgar (Gast) - 24. Nov, 23:53
Richard Florida im Netz
Siehe auch:
"Talente, Technologie und Toleranz. Wo Deutschland Zukunft hat." Studie des Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung. (September 2007)
- http://www.berlin-institut.org/studien/talente_technologie_und_toleranz.html
und
Die "Kreative Klasse"
- http://de.wikipedia.org/wiki/Kreative_Klasse#Weblinks
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Gruß,
Edgar
"Talente, Technologie und Toleranz. Wo Deutschland Zukunft hat." Studie des Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung. (September 2007)
- http://www.berlin-institut.org/studien/talente_technologie_und_toleranz.html
und
Die "Kreative Klasse"
- http://de.wikipedia.org/wiki/Kreative_Klasse#Weblinks
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Gruß,
Edgar
blume-religionswissenschaft - 25. Nov, 20:51
Danke für den Tip!
Da das Berlin-Institut eine Menge guter Sachen macht, werden die morgen das Montagsthema! (-:
Herzliche Grüße
Michael
Herzliche Grüße
Michael
Edgar (Gast) - 12. Jan, 12:11
Nur Wissensindustrien sind für die Globalisierung gewappnet
Nur Wissensindustrien sind für die Globalisierung gewappnet: Das hat der Norden begriffen
Von Richard Florida
Wir erleben gerade die größte ökonomische Umwälzung der Geschichte. Wir leben in einer Phase wirtschaftlicher Veränderung, die wesentlich größer, umfassender und faszinierender ist als die des Übergangs von der landwirtschaftlichen zur industriellen Gesellschaft. Wir erleben den Übergang von der industriellen zur kreativen Wirtschaft.
(Kulturaustausch online. Zeitschrift für internationale Perspektiven.)
- http://cms.ifa.de/?id=4625
Von Richard Florida
Wir erleben gerade die größte ökonomische Umwälzung der Geschichte. Wir leben in einer Phase wirtschaftlicher Veränderung, die wesentlich größer, umfassender und faszinierender ist als die des Übergangs von der landwirtschaftlichen zur industriellen Gesellschaft. Wir erleben den Übergang von der industriellen zur kreativen Wirtschaft.
(Kulturaustausch online. Zeitschrift für internationale Perspektiven.)
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