Mittwoch, 19. September 2007

Die Verschwörungstheorien von Abdalqadir As-Sufi alias Ian Dallas

Ich darf für mich in Anspruch nehmen, als Christ in Ehrenamt, Wissenschaft und auch in diesem Blog stets für ein faires und respektvolles Verständnis auch des Islam und aufklärend gegen Islamophobie eingetreten zu sein und weiter einzutreten.

Dazu gehört für mich seit Jahren, zwischen der Religion des Islam und den Ideologien des die Religion mißbrauchenden Islamismus seriös zu unterscheiden und den Muslimen den Rücken zu stärken, die sich gegen Extremismus in ihren eigenen Reihen engagieren. Dass sich Religionsgemeinschaften darüber hinaus eigene Weltwahrnehmungen konstruieren und sich auch kritisch zur Gesamtgesellschaft stellen, halte ich ebenso für normal, solange ein Mindestmaß gegenseitigen Respekts gewahrt bleibt.

Aber auf Seite 3 der aktuellen Ausgabe der Islamischen Zeitung vom September 2007 erwartete mich ein Text von so skandalöser Tendenz, dass ich darüber nicht verständnisvoll hinweglesen kann noch will. Wieder einmal wurde hier dem derzeit in Südafrika hausenden "Scheich" Abdalqadir As-Sufi, geboren in Schottland als Ian Dallas, die Möglichkeit gegeben, dermaßen groteske Verschwörungstheorien zu verbreiten, dass es jeden seriösen Muslim und auch jeden im Dialog engagierten Christen grausen muss. Besonders empörend finde ich es, dass sich dieser Text als Antwort auf die vereitelten Attentate in Deutschland geriert, die die Menschen unseres Landes (und zwar über Religionsgrenzen hinweg) bestürzt und viele verängstigt haben.

Sowohl als Leserbrief wie auch als Blogeintrag will ich hiermit gegen diese Groteske protestieren und an die "Selbstheilungskräfte" der islamischen Gemeinschaften in Deutschland appellieren. Solange solche Verschwörungstheorien von "Geistlichen" verfasst und von maßgeblichen Institutionen als "islamisch" publiziert werden, brauchen wir uns über Islamophobie wirklich nicht zu wundern!

Rezension von Zwischen den Ruinen - Ein Ramadanbrief an die deutschen Muslime
von "Schaikh Dr. Abdalqadir As-Sufi"

Der Autor beginnt ganz nett mit der Absicht, "Ihnen einen Brief zu schreiben, der Ihnen meine Gebete an den Schöpfer des Universums überbringen und zu Beginn des heiligen Fastenmonats für Sie und die große, muslimische Gemeinschaft des deutschen Staates seinen Segen erbitten sollte."

Aber dann folgt:

Verschwörungstheorie 1: Die deutschen Sicherheitsbehörden

"Man kann es nur bedauern, dass die effektive präventive Arbeit der Sondereinsatzkräfte den Beginn des Ramadan wählte, um die Verhaftung jener abscheulicher Terroristen publik zu machen; man muss hoffen, dass dies ohne Hintergedanken geschah und kann nur bedauern, dass es nicht schon einen Monat zuvor geschehen ist."

Diesen Vorwurf muss man auf sich wirken lassen: den deutschen Sicherheitsbehörden wird hier implizit unterstellt, die Festnahme der Terroristen bewusst in die Nähe des Ramadan gelegt zu haben! Dagegen kein Kommentar dazu, dass nach heutigem Stand der Erkenntnisse die "abscheulichen Terroristen" (immerhin) die Zeit um den 11. September und vor der Bundestagsentscheidung über den Afghanistaneinsatz offensichtlich gezielt ausgesucht hatten, Ramadan hin oder her. Und auch kein Wort des Mitgefühls an die Menschen, die durch diese Anschläge hätten getötet werden können, die verunsichert, verängstigt sind. Stattdessen Kritik an denjenigen, die die Morde vereitelt und Leben gerettet haben! Schäbig und zynisch!

Verschwörungstheorie 2: Schiiten

Nun geht der Autor daran, zu "beweisen", dass es einen "islamischen Terroristen" nicht geben könne. Leider aber lesen wir nicht etwa, welche religiösen Argumente die Terroristen missachteten (im ganzen Text spielen religiöse Erwägungen praktisch keine Rolle...) - sondern wir erleben einen schwer erträglichen Reigen des Abwälzens, beginnend bei der zweitgrößten Haupströmung des Islam, den Schiiten.

"Der Begriff "Terrorist" hatte sich in der islamischen Gesellschaft niemals manifestiert. Er tauchte allerdings als Nebenprodukt der Schia-Religion auf, die selbst keine Sekte des Islam, sondern eine nach-islamische Sub-Religion ist, die sich ausschließlich darauf gründet, die nach-islamische Geschichte in Metaphysik zu verwandeln. Ich meine natürlich das notorische ismailitische Phänomen des Terrorismus, dessen erneutes Erscheinen man im 20. und 21. Jahrhundert erkennen kann."

Abgesehen davon, dass dieser "Scheich" hiermit mal eben Takfir praktiziert und Millionen schiitischer Muslime zu Nichtmuslimen erklärt hat: die verhinderten Attentäter gehören der sunnitischen Tradition an und Al-Qaida hat sich sowohl in Afghanistan wie im Irak zu blutigen Attentaten auf Schiiten mehrfach bekannt. Keine Reflektion, kein Bedauern darüber, stattdessen der Hinweis, dass schon die mittelalterliche "Führung des ismailitischen Terrors [...] stets eine geheime und verborgene gewesen ist". Also wieder: alles nur Verschwörung, an der irgendwie auch die Opfer schuld sind. Schaurig.

Verschwörungstheorie 3: Der virtuelle Osama Bin Laden

Auch zu Osama Bin Laden lesen wir interessantes: dass es ihn angeblich längst nur noch virtuell gibt.

"Ein weiterer Aspekt dieser Geschichte besteht darin, dass zwar ganz Pakistan und Afghanistan weiß, dass er seit geraumer Zeit tot ist; das hinderte die Amerikaner jedoch nicht, den französíschen Polizeichef dazu zu zwingen, seine Bestätigung des Todes von Bin Laden zurückzuhalten."

Vorab: auch US-amerikanische Publizisten wie Lawrence Wright haben längst begonnen, Fehler ihrer Regierungen gerade auch im Umgang mit gegen die Sowjetunion aufgerüsteten Extremisten aufzudecken. Dass US-amerikanische Stellen aber Bin Ladens Tod verschweigen und demnach offensichtlich auch Bekennerschreiben, -videos und Terroraufrufe gezielt fingieren würden, ist eine Verschwörungstheorie, für deren Einordnung eigentlich nicht mehr die Religionswissenschaft, sondern die Psychopathologie zuständig scheint. Dass ein deutschsprachiges Medium mit dem Anspruch von Bildung so eine Behauptung ohne jeden Beleg zustimmend abdruckt ist ein Armutszeugnis.

Verschwörungstheorie 4: USA, Kapitalismus

"Der Begriff "Serienmörder" und sein Phänomen tauchte zuerst in den USA auf. Er griff dann als neue Pathologie jenes Selbsthasses um sich, der dem Kapitalismus endemisch zu eigen ist. Würde man "christliche Serienmörder" sagen, so käme es zu einem Aufschrei."

Über die Schiiten und die angebliche Nichtexistenz von Bin Laden und Al-Qaida hat der Autor nun die Schuld dort abgeladen, wo er sie in "bester" Tradition europäischer Extremisten immer vermutet: in den USA und bei den Kapitalisten. Die seien Schuld an allem und hätten den Serienmord hervorgebracht, der also zuerst sie und dann die Welt und die islamische Gesellschaft quasi "angesteckt" hat. Von den Grausamkeiten, die Menschen aller Religionen und Kulturen begangen haben -den Scheiterhaufen christlicher Inquisitoren, der Zerstörung islamischer Städte durch die Mongolen, den Brudermorden osmanischer Thronfolger, um nur drei verschiedene zu nennen- hat der "Geistliche" offensichtlich nie etwas gehört. Und es ist ihm wohl entgangen, dass selbstverständlich von "christlichen" Kriegszügen, Morden und anderem die Rede ist, wenn sich die Mörder (beispielsweise des Ku-Klux-Clans) oder Kriegszügler (beispielsweise Kreuzzugsprediger) auf das Christentum berufen haben. Es gab in der Geschichte selbstverständlich christlich, hinduistisch, jüdisch, kommunistisch, nationalistisch und eben islamisch legitimierte Gewalt, was natürlich nicht automatisch bedeutet, dass sich die Gewalttäter zu Recht auf Christus, Shiva, Moses, die Arbeiter, die Nation oder den Koran berufen konnten und schon gar nicht, dass jeder Christ, Hindu, Jude, Kommunist, Nationalist oder Muslim gewalttätig wäre. Wem es aber ernsthaft darum geht, Extremismus innerhalb der eigenen Religionsgemeinschaft oder Weltanschauung zu überwinden, der muss dessen Existenz doch zuerst einmal anerkennen und beim Namen nennen!

Nur der Vollständigkeit halber sei daran erinnert, dass der "Scheich" selbst wenige Zeilen zuvor durchaus von "ismailitischem Terror" geschrieben hat - also keinerlei Problem hatte, andere, sich auf den Propheten und Koran berufende Gemeinschaften mit Terror zu assoziieren...

Verschwörungstheorie 5: Atheistischer Humanismus, Frauen

An dieser Stelle, an der der Autor "die Soziologie der Serienmörder zu beschreiben" versucht, weiß ich nicht, ob ich weinen oder lachen soll...

"Man braucht nicht tief zu schürfen, um seine politischen Ursachen zu finden. Sie sind im Wesen des atheistischen Humanismus eingebettet, dem seit seinen Anfängen eine grimmige Frauenfeindlichkeit zu eigen war. In den USA gäbe es keine Frauenbewegung, wären die Frauen zuvor im sozialen Gefüge nicht verfolgt und gedemütigt worden. Die vielbeschworene Behauptung, dass Frauen und Männer gleichberechtigt seien, wird nach wie vor widerlegt, wenn man sieht, welch vielsagende Rolle die Frauen auf grausame Weise zu spielen gezwungen werden, wenn sie in den Bereich der Politik vordringen wollen. In der Politik wären die amerikanische Secretary of State, die deutsche Kanzlerin und die französische Justizministerin nicht in der Lage gewesen, in der reinen Männer-Domäne der Politik zu funktionieren, wenn sie sich nicht vermännlicht hätten, ganz gleich wie elegant der Schnitt ihrer männlichen Anzüge auch sein mag."

Ja, auch im Namen atheistischer Ideologien und Begriffe sind Terror und Massenmord gerechtfertigt worden. Aber dass der "atheistische Humanismus" die Wurzel aller Frauenfeindlichkeit darstellen soll (die es Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende zuvor gab), hat nun wirklich noch kein seriöser Zeitgenosse behauptet. Hier scheint der "Geistliche" beispielsweise aus dem Fehlen einer afghanischen Frauenbewegung in atemberaubender Logik zu schließen, es gebe keine Frauenunterdrückung in Afghanistan. Kein Wort findet er zu religiös verbrämten, patriarchalen Traditionen und Gewalt in den Familien, gegen die sich längst mutige Muslime und Musliminnen auflehnen.

Frauenunterdrückung beginnt laut diesem "Scheich" offensichtlich nicht mit dem Verweigern von Schulbildung und dem Zwang zur Burka, sondern wenn sich Frauen auflehnen oder es gar wagen, Hosen zu tragen. Und was wäre demnach von den muslimischen Politikerinnen zu halten, die beispielsweise bereits die Türkei, Pakistan oder Indonesien regiert haben? Müssten sich die Muslime dieser und anderer Länder etwa auch dafür schämen?

Dass ein "Geistlicher", der sich in der Tradition einer hohen und moralischen Kultur sieht, in einem "Brief zum Ramadan" keinerlei Problem damit hat, konkret benannte Frauen als "vermännlicht" zu schmähen und über ihre Kleidung zu lästern, empfinde ich zudem als beschämend. Was würden wir von einem christlichen Prediger halten, der seine "Weihnachtsbotschaft" mit solchen persönlichen Taktlosigkeiten "schmückte"? Glaubt wirklich irgendein Muslim, der Prophet hätte "Briefe zum Ramadan" mit solchen unwürdigen Inhalten versandt?

Eine Ahnung von der panischen Angst, die dieser den Islam entstellende "Scheich" vor starken Frauen zu haben scheint, bekommen wir in diesen Sätzen:

"Was die Banken-Elite angeht, so kenne ich nur eine Frau, die in die höchsten Ränge der Banker vordrang. Vielleicht ist es da nur passend, dass ihr erster Mann auf mysteriöse Weise verschwand und ihr zweiter in seinem Badezimmer ermordet wurde."

Muslime haben zu entscheiden, wie jämmerlich sich solche frauenfeindlichen Aussagen im islamischen Gewand angesichts des Vorbilds des Propheten anhören. Dieser war schon vor 13 Jahrhunderten Manns genug, mit Khadidscha eine erfolgreiche Unternehmerin und seine vorherige Arbeitegeberin zu heiraten und bei ihr (etwa nach dem Beginn der Offenbarung des Koran) Rat zu suchen.

Und noch einmal möchte ich den geneigten Leser fragen, was für Mord-, Klatsch- und Badezimmergeschichten über ihm persönlich bekannte Frauen ein "Geistlicher" in einem offiziellen "Brief zum Ramadan" verbreiten kann, bevor es seinen Anhängern endlich aufgeht und peinlich wird?

Verschwörungstheorie 6: Europäische Akademiker

"Betrachten wir nun näher den Begriff des "Terroristen". Für uns Europäer bleibt ein bestürzender Bruch zwischen dem intellektuellen Inhalt unserer Erziehung, die durch Geschichte, Literatur und Kunst geprägt worden ist einerseits und der Weltanschauung andererseits, die uns tagtäglich von den Medien und ihrem esperantoartig begrenzten Vokabular und der wackeligen Grammatik der Politiker angeboten wird. Die unsichere Grammatik der Minister in Deutschland, Frankreich und Großbritannien ist wirklich schockierend, trotzdem wird sie nirgendwo durch unsere Akademiker in Frage gestellt - vielleicht weil sie alle in das lukrative Geschäft der neu entstandenen Terror-Experten eingestiegen sind!"

Nun wissen Sie es: alle, ausnahmslos alle westlichen Akademiker haben sich irgendwie kaufen lassen. Deswegen beraten sie ihre (natürlich laut diesem "Scheich" allesamt irgendwie dümmlichen) Politiker nicht richtig und können die Weisheit des schottischen "Scheichs" nicht ermessen...

Abgesehen davon, dass diese Aussage über die Vielzahl verschiedener und oft auch widerstreitender Haltungen von Wissenschaftlern zur Religions- und Extremismusforschung hinweggeht - wer alle wissenschaftlich Andersdenkenden pauschal als gekaufte Verschwörer denunziert, stellt sich selbst ins Abseits.

Vielleicht mag einer seiner Schüler, der sich noch selbständig zu denken traut, dem Scheich ja mal den Witz von dem Autofahrer erzählen, der im Radio die Meldung hört, ein Geisterfahrer sei unterwegs - und der dann empört ausruft: "Ein Geisterfahrer? Außer mir fahren hier alle falsch!"

Verschwörungstheorie 7: Russland, Weltverschwörung

"Die gebildete europäische Elite muss verstehen, dass so wie der Terrorismus im Russland des 19. Jahrhunderts, der wahre, einzigartige und einzige moderne Vorläufer des heutigen Terrorismus ist, an einem Punkt entstand, als die polaren Extreme durch die elektrischen Ströme der Gewalt kurzgeschlossen wurden - der Zarismus und die Verzweiflung waren fatale Liebende, die sich in der Explosion vereinigten - so sind die heutigen Terroristen die unausweichlich gebundenen, hilflos selbstmörderischen, tödlichen Liebhaber der hohen Oligarchie des gewaltigen Reichtums, der sich im Kern des Bankensystems, sowie im Kern des Rohstoff-Systems von Öl und Edelmetallen befindet."

So sind wir also im Finale des "Scheichs" angekommen: irgendwie kommt aller Terrorismus auch aus Russland und die heutigen Terroristen sind zu von anderen "unausweichlich gebundene", "hilflos selbstmörderische" Opfer von dunklen Machenschaften aus der Wirtschaft. Sie selbst und die sie Umgebenden tragen nach Auffassung dieses "Scheichs" offensichtlich keinerlei Verantwortung für ihren Hass und ihre Mordpläne. Die simple "Moral" dieses "Lehrers": Alles Böse kommt von Nichtmuslimen, während Muslime, die Falsches tun, immer und ausschließlich Opfer finsterer Verschwörungen sind. Auch das kennen wir aus der "Die Gesellschaft ist schuld!" anderer Extremisten bereits zu genüge. Was für ein gleichzeitig hasserfülltes und auch intellektuell erbärmliches Weltbild! Was für ein Missbrauch religiöser Titel und des Islam!

Des "Scheichs" Endsatz

"Somit ist mein Gebet in diesem Ramadan, dass wir an dieser Weggabelung zwischen den Ruinen einer großen Zivilisation den echten politischen Diskurs zwischen den muslimischen Europäern und den Übrigen nicht mithilfe einer faschistischen Politik der Einschüchterung jener Ärzte ersticken, die mit der Medizin gekommen sind."

Immerhin macht uns der "Scheich" in seinem Abschlusssatz selbst deutlich, dass es ihm eigentlich um "politische Diskurse" geht - nicht um religiöse. Sein Text erfüllt genau die Kriterien, mit der muslimische und nichtmuslimische Wissenschaftler (natürlich laut "Scheich" allesamt gekauft, klar) die politische Ideologie des Islamismus vom Islam unterscheiden: 1. Die Anmaßung von Takfir, d.h. anderen Muslimen ihren Glauben abzusprechen. 2. Die Erklärung politischer Mißstände in islamischen Ländern durch absurde Verschwörungstheorien bei Verweigerung jeder konstruktiven Selbstkritik. 3. Die Haltung, dass "der Islam die Lösung" im politischen Sinne sei, bei gleichzeitiger Verhöhnung auch frei gewählter Politiker.

Fazit

Ich gehörte zu denjenigen, die lange und auch mit persönlichem Einsatz dafür eingetreten sind, Muslimen und auch z.B. dem Projekt der Islamischen Zeitung einen Vertrauensvorschuss, kritisch-konstruktive Begleitung und Zeit zum auch inhaltlichen Reifen zu geben. Nach dem Abdruck solcher hetzender Pamphlete, noch dazu in einer Zeit, in der Menschen Angst haben, es auf Vernunft und Mäßigung auf allen Seiten ankäme, fühle ich dieses Vertrauen durch die herfür Verantwortlichen jedoch schlicht mißbraucht und ausgenutzt.

Noch kann und will ich freilich hoffen, dass nicht alle IZ-Autoren hinter diesem zynischen Schund stehen. Der Beitrag z.B. von Sulaiman Wilms in der gleichen Ausgabe, der auf Seite 14 die verhinderten Attentäter klar und deutlich als "Kriminelle" bezeichnet und davor warnt, "im Namen falscher Brüderlichkeit irgendwelche Rechtfertigungen für solche Verbrecher finden zu müssen", lässt mich hoffen, dass es noch kritische Geister geben könnte, die das Ruder glaubwürdig herumreißen. Auch er muss sich als Chefredakteur jedoch fragen lassen, wie es zum Abdruck solch absurder Texte kommen konnte. Nicht Europa und obskure Mächte, sondern ein schottisch-islamischer Extremist im Wollpelz haben die Islamische Zeitung in eine Ruinenlandschaft zerstörten Vertrauens vieler Muslime und Nichtmuslime gestellt - in einer Zeit, in der es auf Brückenbauer angekommen wäre.

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