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Mittwoch, 25. Juli 2007

Elternschaft als ökonomisches Entscheidungsproblem

Um den religionsdemografischen Dialog mit der Ökonomie zu vertiefen, habe ich mich auf den (begutachteten) Beitrag von Thieß Petersen und Britta Lübcke Elternschaft als ökonomisches Entscheidungsproblem: modell-theoretische Grundlagen und familienpolitische Konsequenzen in der Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft 02/2006 gestützt.

Darin wird auf Basis des Homo Oeconomicus die Entscheidung für oder gegen ein (weiteres) Kind als ökonomisch-rationale Entscheidung modelliert. Das Ergebnis ist nicht nur außerordentlich erklärungskräftig, sondern zeigt auch die Problematik "nur" rational-ökonomischer Entscheidungsfindung im Rahmen einer entwickelten Marktwirtschaft auf, in der Kinder weit mehr kosten als nutzen. So schreiben die Autoren:

„Rational entscheidende Individuen kommen deshalb nach Abwägung der Kosten und Nutzen - und nicht paradoxerweise - zu einer Entscheidung, die zur Kinderlosigkeit führt.“

Sie untersuchen, inwiefern familienpolitische und vor allem geldwerte Leistungen den demografischen Verfall entwickelter Gesellschaften aufhalten können, kommen aber zu dem Ergebnis, dass dies alleine nicht ausreichen kann. Stattdessen kommen Sie zu dem Schluss, das es auf „Werteorientierungen“ und „Werte im Sinne verbindlicher Handlungsorientierungen“ ankomme, dass „Kinder als ein sinnstiftendes Element des Lebens“ zu verkünden seien.

Der empirisch starke Zusammenhang von religiöser Vergemeinschaftung und Kinderreichtum kann auf dieser Basis eindrucksvoll erklärt werden. Denn es wird deutlich: Familien brauchen (gerade, wenn es ihnen wirtschaftlich gut geht und Kinder keinen Arbeits- oder Vorsorgenutzen mehr erbringen!) auch überökonomische und rational nicht einholbare "Argumente", wie sie (im religionsdemografischen Wettbewerb erfolgreiche) Religionen und Kulturen seit Jahrzehntausenden zur Verfügung stellen. Dass auf den ökonomisch rationalen Menschen der auch religiös befähigte Mensch folgte, ist damit auch evolutionsbiologisch stimmig.



Zumal auch ein weiterer Beitrag von Nicole Brose im gleichen Heft weitere, starke Daten zum Zusammenhang von Religiosität und (relativem) Kinderreichtum auch in Deutschland erbringt, kann ich diese Ausgabe (02/2006) der Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft nur jedem von Herzen empfehlen!

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