Ökonomie-Demografie: Entwicklung der Geburten nach künstlicher Befruchtung in Deutschland
Manchmal trifft man auf Bestätigungen für wissenschaftliche Hypothesen, wo man sie nie vermutet hätte - und die einen doch auch zu weitergehendem Nachdenken bringen. Gestern war wieder so ein Tag, als ich die aktuelle Bild der Wissenschaft (08/2007, S. 43) durchblätterte.
Wie Leser dieses Blogs vielleicht wissen, erforsche ich den Zusammenhang menschlicher Demografie und der Evolution von Religiosität und gehe maßgeblich davon aus, dass auf den nur ökonomisch rationalen Mensch evolutiv Religion folgen musste, da religiöse Menschen auch transzendente Zusatzargumente für Kinder gelten lassen und also evolutionsbiologischen Erfolg verzeichnen.
Ein Kind als auch maßgeblich ökonomische Entscheidung?
Ökonomische Theorien der Demografie stellen also Kosten- und Nutzenfunktionen potentieller Eltern eines (weiteren) Kindes gegenüber und können vor diesem Hintergrund etwa auch Verhütung und Kindesaussetzung beginnend bei Wildbeutervölkern wie auch etwa den biblischen Bericht zum Kalkül des Onan, vor allem aber auch den starken Geburtenrückgang in freiheitlich-kapitalistischen Gesellschaften, in denen Kinder mehr Kosten als Arbeits- und Vorsorgenutzen verursachen, erklären. Es wird auf dieser Basis verstehbar, warum sich bei sonst gleichen, wirtschaftlichen Verhältnissen empirisch belegt religiöse Menschen durchschnittlich früher und häufiger für Kinder entscheiden. Religion(en) bieten Motivationen über die rationale Ökonomie hinaus.
Entwicklung von Geburten nach künstlicher Befruchtungen, vor und nach der Kostenübernahme
Nun hat das Deutsche IvF-Register (IvF = In-Vitro-Fertilisation, d.h. künstliche Befruchtung) Daten vorgelegt, die eindrucksvoll aufzeigen, wie sich ökonomische Veränderungen auf die Realisierung von Kinderwünschen auswirken können: seit Januar 2004 übernehmen die Krankenkassen nur noch die Hälfte der Behandlungskosten von durchschnittlich 10.000 Euro.
Das Ergebnis:
Wir können klar erkennen, wie zum Jahr 2003 (in dem die Kosten noch voll übernommen wurden) ein Rekordstand und also ein Vorziehen des mit medizinisch-technologischer Hilfe realisierten Kinderwunsches erfolgte. In den nachfolgenden Jahren brachen die Geburten aufgrund künstlicher Befruchtung dagegen ein.
Die Grundannahme, dass der Mensch auch ökonomisch über Kinderwünsche entscheide, wird damit eindrucksvoll bestätigt.
Zwischengedanken: Ethik
Rein deskriptiv gesehen, belegen diese Daten also eindrucksvoll, wie stark gerade auch familienbezogene Entscheidungen (weiterhin) von ökonomischen Rahmenbedingungen abhängen. Beklemmend deutlich wird aber auch, dass sich hinter diesen Zahlen je Biografien und Entscheidungen verbergen, die sich jeder vorschnellen Kategorisierung vollziehen. Haben Menschen ihre reproduktiven Entscheidungen verändert, weil sie sich die Behandlung nicht mehr leisten konnten? Weil ihnen andere Prioritäten wichtiger waren? Ist die Absenkung angesichts einer noch wachsenden Weltbevölkerung zu tolerieren? Oder wären nicht gerade Wunschkinder häufiger lohnende "Investitionen" auch für die Gesellschaft und sogar die Kassen? Was würden Sie davon halten, wenn Religionsgemeinschaften den Kinderwunsch ihrer Mitglieder bezuschussen würden? Wäre das ein skandalöses Verzwecken menschlichen Lebens auf die eigene Mitgliederbasis hin? Oder mitmenschliche und zusätzlich gemeinschaftlich kluge Hilfe?
Fazit
Da dieser Blog der empirischen Wissenschaft gewidmet und ist und auch mangels entsprechenden, medizinisch-psychologischen Sachverstandes möchte ich die hier beschriebende Entwicklung nicht abschließend werten. Aber er erscheint mir doch als ein weiterer, starker Beleg dafür, dass der Mensch (und aufgrund seiner Hirnentwicklung nur der Mensch) reproduktive Entscheidungen nach auch ökonomischer Vorabwägung trifft.
Religiosität und religiöse Vergemeinschaftung werden auf dieser Basis als biologische Erfolgsfaktoren verstehbar.
Gleichzeitig wird aber (so hoffe ich) auch deutlich, dass jedes Nachdenken über die menschliche Biologie und Demografie auch immer mit ethisch-normativen Fragen verbunden bleibt und bleiben sollte.
Wie Leser dieses Blogs vielleicht wissen, erforsche ich den Zusammenhang menschlicher Demografie und der Evolution von Religiosität und gehe maßgeblich davon aus, dass auf den nur ökonomisch rationalen Mensch evolutiv Religion folgen musste, da religiöse Menschen auch transzendente Zusatzargumente für Kinder gelten lassen und also evolutionsbiologischen Erfolg verzeichnen.
Ein Kind als auch maßgeblich ökonomische Entscheidung?
Ökonomische Theorien der Demografie stellen also Kosten- und Nutzenfunktionen potentieller Eltern eines (weiteren) Kindes gegenüber und können vor diesem Hintergrund etwa auch Verhütung und Kindesaussetzung beginnend bei Wildbeutervölkern wie auch etwa den biblischen Bericht zum Kalkül des Onan, vor allem aber auch den starken Geburtenrückgang in freiheitlich-kapitalistischen Gesellschaften, in denen Kinder mehr Kosten als Arbeits- und Vorsorgenutzen verursachen, erklären. Es wird auf dieser Basis verstehbar, warum sich bei sonst gleichen, wirtschaftlichen Verhältnissen empirisch belegt religiöse Menschen durchschnittlich früher und häufiger für Kinder entscheiden. Religion(en) bieten Motivationen über die rationale Ökonomie hinaus.
Entwicklung von Geburten nach künstlicher Befruchtungen, vor und nach der Kostenübernahme
Nun hat das Deutsche IvF-Register (IvF = In-Vitro-Fertilisation, d.h. künstliche Befruchtung) Daten vorgelegt, die eindrucksvoll aufzeigen, wie sich ökonomische Veränderungen auf die Realisierung von Kinderwünschen auswirken können: seit Januar 2004 übernehmen die Krankenkassen nur noch die Hälfte der Behandlungskosten von durchschnittlich 10.000 Euro.
Das Ergebnis:
Wir können klar erkennen, wie zum Jahr 2003 (in dem die Kosten noch voll übernommen wurden) ein Rekordstand und also ein Vorziehen des mit medizinisch-technologischer Hilfe realisierten Kinderwunsches erfolgte. In den nachfolgenden Jahren brachen die Geburten aufgrund künstlicher Befruchtung dagegen ein.
Die Grundannahme, dass der Mensch auch ökonomisch über Kinderwünsche entscheide, wird damit eindrucksvoll bestätigt.
Zwischengedanken: Ethik
Rein deskriptiv gesehen, belegen diese Daten also eindrucksvoll, wie stark gerade auch familienbezogene Entscheidungen (weiterhin) von ökonomischen Rahmenbedingungen abhängen. Beklemmend deutlich wird aber auch, dass sich hinter diesen Zahlen je Biografien und Entscheidungen verbergen, die sich jeder vorschnellen Kategorisierung vollziehen. Haben Menschen ihre reproduktiven Entscheidungen verändert, weil sie sich die Behandlung nicht mehr leisten konnten? Weil ihnen andere Prioritäten wichtiger waren? Ist die Absenkung angesichts einer noch wachsenden Weltbevölkerung zu tolerieren? Oder wären nicht gerade Wunschkinder häufiger lohnende "Investitionen" auch für die Gesellschaft und sogar die Kassen? Was würden Sie davon halten, wenn Religionsgemeinschaften den Kinderwunsch ihrer Mitglieder bezuschussen würden? Wäre das ein skandalöses Verzwecken menschlichen Lebens auf die eigene Mitgliederbasis hin? Oder mitmenschliche und zusätzlich gemeinschaftlich kluge Hilfe?
Fazit
Da dieser Blog der empirischen Wissenschaft gewidmet und ist und auch mangels entsprechenden, medizinisch-psychologischen Sachverstandes möchte ich die hier beschriebende Entwicklung nicht abschließend werten. Aber er erscheint mir doch als ein weiterer, starker Beleg dafür, dass der Mensch (und aufgrund seiner Hirnentwicklung nur der Mensch) reproduktive Entscheidungen nach auch ökonomischer Vorabwägung trifft.
Religiosität und religiöse Vergemeinschaftung werden auf dieser Basis als biologische Erfolgsfaktoren verstehbar.
Gleichzeitig wird aber (so hoffe ich) auch deutlich, dass jedes Nachdenken über die menschliche Biologie und Demografie auch immer mit ethisch-normativen Fragen verbunden bleibt und bleiben sollte.
blume-religionswissenschaft - 23. Jul, 07:33
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