Friedrich August von Hayek - Ein noch fast unentdeckter Religionswissenschaftler?

Jahrzehnte der Forschung und Arbeit, der Höhen und Tiefen lagen hinter ihm. 1974 hatte der Wirtschaftswissenschaftler den Zenit eines Forscherlebens erreicht: er erhielt den Nobelpreis. Umso mehr überraschte Titel und Inhalt seiner Rede an diesem Gipfel des wissenschaftlichen Ruhms: Hayek sprach über die "Anmaßung von Wissen" und warnte aufgrund präziser Argumente vor einer Selbstüberschätzung der Wissenschaft.

Schon diese kleine Episode sagt sehr viel über den Charakter eines der großen, deutschsprachigen Denker des 20. Jahrhunderts aus - der leider (vielleicht typischerweise) außerhalb einer kleinen, engagierten Anhängerschaft bei uns kaum bekannt ist, kaum diskutiert wird. Dabei war und ist Hayek weit mehr als "nur" ein Ökonom - vielmehr war er ein Sozialphilosoph, der gerade auch seine Zunft vor dem unzutreffenden Menschebild des "Homo oeconomicus" warnte und Brillantes zu Themen wie Freiheit, Evolution, Kultur, Zivilisation und - ja, Religion zu sagen wußte.
Religion and the Guardians of Tradition
So lautet das Schlusskapitel seines letzten, großen Werkes The Fatal Conceit, zu deutsch Die verhängnisvolle Anmaßung: meiner Meinung nach einer der spannendsten, religionswissenschaftlichen Texte des 20. Jahrhunderts, wenn auch bisher fast völlig übersehen.
Denn in ihm kulminiert ein Aspekt, der weitgehend in Vergessenheit geriet: obwohl Hayek selbst in einem eher agnostischen Haushalt aufwuchs und im Rückblick auf sein Leben von keiner Glaubenserfahrung zu berichten wußte (auch die (katholische) Kirche aber nie verließ), wurde ihm Entstehung, Wert und bleibende Funktion der Religion(en) zu einem der "großen Altersthemen" (so der Hayek-Biograf Hans-Jörg Hennecke).
Die hayeksche Religionstheorie scheint mir (obwohl noch kaum aufgearbeitet) so gut, vielversprechend und geradezu atemberaubend vorausschauend, dass ich ein klein wenig dazu beitragen will, sie aus den Tiefen des Vergessens zu entreißen. Neben Vorträgen und Veröffentlichungen setze ich dabei auch auf diesen Blog.
Wenn Sie an Themen rund um Religion, Tradition(en), Politik und auch Evolution Interesse haben: es lohnt sich, entdecken Sie mit Friedrich August von Hayek einen der brillantesten Denker des 20. Jahrhunderts neu! Man muss gar nicht immer über den Teich schauen, um faszinierend große Geister auch der jüngeren Zeit zu finden und an sie anzuknüpfen.
Ein Beispiel, wie das erwähnte Hayek-Kapitel auch direkt theologische Überlegungen fruchtbar anregen kann, ist beispielsweise der (berühmte) Essay "Markets and Morals" von Oberrabbiner Jonathan Sachs.
blume-religionswissenschaft - 28. Apr, 22:44
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