Dienstag, 9. Januar 2007

Alle Religionen beanspruchen das alleinige Heil!? - Falsch!

"Religionen können kaum in Frieden miteinander leben. Denn sie beanspruchen jeweils, dass alle Andersglaubenden in die Hölle kommen." - So und ähnlich lautet ein populärer (und schädlicher) Irrtum.

In Wirklichkeit kommt der sogenannte "Heilsexklusivismus" -also der Anspruch, die eigene Gemeinschaft verfüge "exklusiv" über den Zugang zum Paradies, zur Erleuchtung o.ä.- zwar in Strömungen aller Weltreligionen vor, bildet jedoch im Regelfall eine Minderheitenposition. Entwickelte Religionsgemeinschaften tendieren dagegen zum "Heilsinklusivismus", der für die eigene Gemeinschaft einen Vorrang beansprucht, anderen aber Gutes, Wahres und Chancen auf das Heil (Paradies, Erleuchtung o.ä.) nicht abspricht.

So kennt das Judentum die "Noachidischen Gebote" (nach Gen 9 f.), einen Verhaltenskanon, dessen bewusste oder auch unbewusste Einhaltung auch Nichtjuden "Anteil an der kommenden Welt" verspricht.



Die meisten jüdischen Gemeinschaften missionieren daher nicht und Beitrittsinteressenten werden sogar explizit auf die "Noachidischen Gebote" hingewiesen - und darauf, dass es eben nach jüdisch-biblischem Glauben "nicht" nötig ist, zum Judentum zu konvertieren, um bei Gott zu bestehen. Große und großherzige Lehrer des Judentums wie Maimonides, Yehudah Halevi oder Rabbi HaMeiri (12- 14.Jht.) konnten daher Christentum und Islam ausdrücklich als Wege zu Gott anerkennen, Rabbi Jacob Emden am Ende des 18.Jhts. das Christentum gar als "eine Gemeinschaft um des Himmels willen" bezeichnen - trotz der furchtbaren Gräuel (Kreuzzüge, Pogrome, Massaker, Zwangstaufen), die insbesondere Christen Juden über Jahrhunderte hinweg zugefügt hatten. Mit der im Jahre 2000 christlicher Zeitrechnung veröffentlichten Erklärung "Dabru emet - Redet Wahrheit" haben jüdische Gelehrte aller großen Strömungen auch nach der Shoa an diese große Tradition der Anerkennung auch anderer Religionen angeknüpft.

Auch der Islam benennt ausdrücklich Heilsmöglichkeiten für Gottesglaubende anderer Religionen, z.B. in der Koransure 2,62 (siehe auch 5, 69): „Diejenigen, die glauben, die dem Judentum angehören und die Christen und die Sabäer, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben und tun, was recht ist, denen steht bei ihrem Herrn ihr Lohn zu und sie haben nichts zu befürchten und sie werden nicht traurig sein.“

So konnten in islamischen Ländern religiöse Minderheiten zwar meist keine Gleichberechtigung, aber meist doch eine gewisse, auch Jahrhunderte überdauernde Duldung erhalten. Mit dem Aufstieg von Nationalismus und Islamismus (z.B. auch dem in Saudi-Arabien beheimateten, auch gegenüber anderen Muslimen heilsexklusiven Wahhabismus) in vielen islamischen Gesellschaften wird diese islamisch-koranische Toleranz leider heute in Frage gestellt - in den meisten islamisch geprägten Ländern sind religiöse Minderheiten heute Verschwörungstheorien, Diskriminierungen und teilweise Verfolgungen ausgesetzt.

In Hinduismus, Buddhismus und unter Sikhs und Bahai dominieren dagegen weiterhin heilsinklusive Haltungen: andere Religionen werden als (ggf. durchaus achtenswerte) Vorformen des eigenen, reineren Glaubens aufgefasst.

Insbesondere der Hinduismus hat sich dabei als außerordentlich erfolgreich erwiesen, andere Religionsgemeinschaften in sich aufzunehmen und aufzulösen, was (neben der Ausbreitung des Islam) zum zeitweiligen Erlöschen des Buddhismus in Indien beitrug - hinduistische Bewegungen interpretierten den Buddha z.B. als Avatar Vishnus und lösten die Unterschiede auf.

Der Buddhismus wurde und wird weltweit häufig mit Elementen anderer Religionen verknüpft und nimmt so je kulturspezifische Formen an, etwa in Tibet (mit Bön), China (mit Taoismus) und Japan (mit Shintoismus).

Auch im Christentum hat der Heilsexklusivismus keine Mehrheit mehr. Die langjährige Maxim "Außerhalb der Kirche kein Heil" (z.B. katholisches Konzil von Florenz 1442) wurde im 2. Vatikanischen Konzil (Rom 1962-65) in der Erklärung zu den nichtchristlichen Religionen Nostra Aetate und vor allem in der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium so (um-)interpretiert, dass andere Christen, Juden, Muslime, Anders- und sogar Nichtglaubende auf die Kirche "hingeordnet" verstanden werden können.

So heißt es in Lumen Gentium, Kapitel 16, über Nichtchristen:

Diejenigen endlich, die das Evangelium noch nicht empfangen haben, sind auf das Gottesvolk auf verschiedene Weise hingeordnet. In erster Linie jenes Volk, dem der Bund und die Verheißungen gegeben worden sind und aus dem Christus dem Fleische nach geboren ist (vgl. Röm 9,4-5), dieses seiner Erwählung nach um der Väter willen so teure Volk: die Gaben und Berufung Gottes nämlich sind ohne Reue (vgl. Röm 11,28-29). Der Heilswille umfaßt aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslim, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird. Aber auch den anderen, die in Schatten und Bildern den unbekannten Gott suchen, auch solchen ist Gott nicht ferne, da er allen Leben und Atem und alles gibt (vgl. Apg 17,25-28) und als Erlöser will, daß alle Menschen gerettet werden (vgl. 1 Tim 2,4). Wer nämlich das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluß der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen. Die göttliche Vorsehung verweigert auch denen das zum Heil Notwendige nicht, die ohne Schuld noch nicht zur ausdrücklichen Anerkennung Gottes gekommen sind, jedoch, nicht ohne die göttliche Gnade, ein rechtes Leben zu führen sich bemühen. Was sich nämlich an Gutem und Wahrem bei ihnen findet, wird von der Kirche als Vorbereitung für die Frohbotschaft und als Gabe dessen geschätzt, der jeden Menschen erleuchtet, damit er schließlich das Leben habe.

Auch die meisten orthodoxen und viele evangelische Kirchen sowie demografisch erfolgreiche Gemeinschaften wie die christlichen Amish haben ein pragmatisches Heilsverständnis entwickelt, ohne ihre je eigene Identität dabei aufzugeben. Heilsexklusive Ansprüche dominieren dagegen noch z.B. die Lehren der Zeugen Jehovas, der Neuapostolischen Kirche und vieler evangelikaler und pietistischer Strömungen, sie sind aber auch in oft extremen Ausprägungen anderer Religionen (z.B. Islamismus, Hindutva etc.) zu finden.

Welchen Unterschied machen die Haltungen zur Heilsfrage?

Heilsexklusive Lehren, die das Heil also nur für die eigenen Anhänger vorsehen, entfalten eine starke missionarische Kraft, da sie die Glaubenden dazu animieren, viele andere (z.B. auch Verwandte, Freunde etc.) bekehren und also "retten" zu wollen. Andererseits führen sie oft zu Intoleranz, Dialogunfähigkeit und häufig auch Gewaltbereitschaft, da entlang heilsexklusiver Logik andere Religionen oder auch interne Unterschiede als (potentiell teuflische) Hindernisse zum Heil aufgefasst werden (müssen). Heilsexklusive Gemeinschaften tendieren daher zu einem Nacheinander aus missionarischer Blüte, innerem Zwist, Spaltungen und schließlich heilsinklusiver Mäßigung und/oder Zerfall.

Heilsrelative Lehren, die davon ausgehen, dass "alle Religionen gleich gut" sind, führen zum Verlust religiöser Verbindlichkeit und meist dem Zerfall der sie vertretenden Gemeinschaften (alles gleich gültig = alles gleichgültig). Sie sind daher meist in weitgehend säkularisierten Kreisen und teilweise bei religiösen Neugründungen anzutreffen, entfalten aber für gewöhnlich keine dauerhaft gemeinschaftserhaltende Bindungskraft.

Heilsinklusive Lehren ermöglichen einen Mittelweg, können aber ihrerseits durchaus auch intolerant wirken, wenn den je anderen keine abgrenzende Identität zugestanden wird - ein heftiger Streitpunkt z.B. zwischen Hindus einerseits und Sikhs und Buddhisten andererseits, aber auch z.B. wenn sich Christen gegenüber Muslimen oder Juden gegenüber Christen dagegen verwahren, nur als "Vorstufe" verstanden zu werden. In Kontexten von Bildung und Dialog setzen sich meist heilsinklusive Lehren durch, die an einem Vorrang der je eigenen Glaubensidentität festhalten, ohne Gutes und Wahres und damit Heilsmöglichkeiten in anderen Religionen ablehnen zu müssen. Mitunter wird dies mit einem potentiell produktiven Wettbewerbsgedanken verknüpft, wie in Koran 5:48: Darum wetteifert miteinander in guten Werken. oder in der Ringparabel von Lessing oder auch dem Gleichnis Jesu vom Samaritaner oder seinem Lob des Hauptmanns von Kapernaum.

Ein friedvolles Miteinander von Religionen ist damit, zumal unter demokratisch-freiheitlichen Vorzeichen, durchaus möglich und widerspricht keinesfalls dem "Wesen" von Religion.

Woher kommt der Irrtum?

In seiner Formierungsphase entfaltete sich das Christentum stark missionarisch und war von Erwartungen nahenden Weltendes geprägt. Daher setzten sich hier mit Auswirkungen bis heute heilsexklusive Lehren durch, was einerseits die Ausbreitung beflügelte, aber auch oft grausame Intoleranz sowohl gegen Andersglaubende wie auch gegen Christen anderer Gemeinschaften hervorrief (und hervorruft).

Obwohl die theologisch entwickelten Lehren der großen Kirchen längst differenzierter geworden sind, bleiben fundamentalistisch-heilsexklusive Gemeinschaften sichtbarer und missionarisch aktiver und werden in der Wahrnehmung mit extremistischen Strömungen anderer Religionen (z.B. extremistischen Muslimen) kontrastiert. In großen Teilen der westlichen und religiös oft wenig versierten Öffentlichkeit hält sich daher der Irrtum, "Religion sei halt so" oder müsse sogar so sein.

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Ingo Bading (Gast) - 10. Jan, 10:58

Religionen verändern sich

Es ist aufregend, von diesen Dingen zu hören. Es scheint ja doch, als ob insgesamt die Veränderungsbereitschaft in den großen Weltreligionen zuzunehmen scheint. Hochgradig erstaunt war ich bspw. auch, als ich Anfang Dezember in der "Zeit" folgendes las:

»Die Ehelosigkeit der Priester ist kein Dogma, sondern eine disziplinarische Norm, ueber die man diskutieren kann.«

Kardinal Claudio Hummes, Praefekt der Kleruskongregation, ueber eine moegliche Lockerung des Zoelibats

Das würde ja, wie ich denke, einen fundamentalen Wandel des bald 2000 Jahre alten Katholizismus mit sich bringen.

Ja, das tun sie!

Erst einmal "Danke!" für das ermutigende Feedback!

Und, ja, Religionen verändern sich fortlaufend, es ist ein überaus dynamischer Prozess. So gehen die heutigen Weltreligionen auf Wurzeln von einigen hundert bis wenigen tausend Jahren zurück - ein Promilleteil der Homo sapiens-Geschichte und doch diese enorm beeinflussend!

Ich plane im Blog auch eine Weltreligionen-Reihe aufzubauen und werde unter "Christentum" dann auch gerne mal über das Zölibat schreiben.
Ingo Bading (Gast) - 11. Jan, 10:32

Das finde ich sehr schön gesagt mit dem "Promilleteil der Homo sapiens-Geschichte". Gerät ja zu oft aus dem Blick.
Hadiyah (Gast) - 24. Jul, 18:42

Der Islam sieht sich als einziger Weg ins Paradies

Sie schreiben, dass der Islam Heilsmöglichkeiten für Juden und Christen einräumt und berufen sich dabei auf den Vers: „Diejenigen, die glauben, die dem Judentum angehören und die Christen und die Sabäer, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben und tun, was recht ist, denen steht bei ihrem Herrn ihr Lohn zu und sie haben nichts zu befürchten und sie werden nicht traurig sein.“ Das ist jedoch nicht richtig. Als Muslimin muss ich Ihnen sagen, dass mit diesem Vers die Juden gemeint sind, die gelebt haben, BEVOR Jesus Prophet wurde und die "Christen", die gelebt haben BEVOR Muhamad Prophet wurde. Es gilt immer das Gesetz des aktuellen Propheten. Außerdem ist die Übersetzung "Christen" nicht korrekt, wenn sie auch oft so wiedergegeben wird. Denn diese aus dem griechischen stammende Bezeichnung enstand erst viel später. Der Islam sieht sich als einziger Weg ins Paradies. Der Prophet Muhamad sagte in einem Hadith: Keiner hört von mir, sei es Jude oder Christ, und bestätigt dann nicht, womit ich gekommen bin, außer, dass er zu den Gefährten des Feuers gehört.

Einige Muslime sehen...

Wie ich in obigem Beitrag ja schrieb, gibt es in allen Weltreligionen fundamentalistische und extremistische Strömungen, die beanspruchen, "ganz genau" zu wissen, wen Gott bei Sich aufnehmen wird. Im Regelfall wendet sich dies dann auch gleich gegen eine Vielzahl von Glaubensgeschwistern, die von den fundamentalistischen Gruppen als Nicht-Christen, Nicht-Muslime etc. abgewertet werden. So sind für einen strengen Wahhabiten oder auch einige extreme Schiiten andere Muslime schnell "Abgefallene", und auch diese Gruppierungen beanspruchen je, für "den" Islam zu sprechen. Das Gleiche finden Sie z.B. unter extremen Freikirchen oder katholischen Abspaltungen, für die je Katholiken bzw. Protestanten auf dem Weg in die Hölle sind - vermeintlich im Namen "des" Christentums.

Und natürlich wird der jeweilige Heilsexklusivismus dann auch durch eigenwillige Bibelinterpretationen bzw. schwach belegte oder schlicht erfundene Hadithe (die dann auch noch den Koran abrogieren sollen!) belegt.

Der empirische Befund ist aber eindeutig: in der islamischen Geschichte hat stets eine Mehrzahl der Gelehrten daran festgehalten, dass eine "Errettung" von Juden, Christen (und teilweise auch weiteren Religionen) nicht geboten bzw. nicht pauschal nötig sei. Auch der (eher konservativ-orthodox geprägte) Zentralrat der Muslime schreibt daher auf www.islam.de:

"Der Islam betrachtet die Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften nicht als Gottlose oder Heiden, sondern bezeichnet sie als Andersgläubige und regelt den Umgang mit ihnen auf der Basis des Respekts und der Hochachtung und nicht auf der Basis der Gegnerschaft und Feindschaft.

Der Koran betont, dass auch diese ihren Lohn bei ihrem Herrn bekommen werden. So gewinnt der Muslim auch Respekt für die Werke dieser Andersgläubigen. Auch, wenn der Koran die Unterschiede zwischen den Religionen erwähnt und viele Stellen einen intellektuellen Streit mit den Anhängern dieser Religionen beinhaltet, so verpflichtet er gleichzeitig die Muslime, einen solchen Streit "auf die die beste Art und Weise" zu führen.

"Und streitet mit den Leuten des Buches nur auf die beste Art, mit Ausnahme derer von ihnen, die Unrecht tun. Und sagt: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt und zu euch herabgesandt wurde. Unser Gott und Euer Gott ist einer. Und wir sind ihm ergeben." (Sure29, Vers46)"

Zur Ausbreitung fundamentalistischer Strömungen sowohl in Christentum wie in Islam darf ich auf die S. 20-27 hier verweisen.

Mit herzlichen Grüßen

Michael Blume
Hadiyah (Gast) - 27. Jul, 12:57

Der Islam sieht sich als einziger Weg ins Paradies

Ich kann Ihnen nur ans Herz legen, sich genauer mit dem Islam zu beschäftigen, und zwar aus den richtigen Quellen, nicht denen der Orientalisten und Islamwissenschaftler. Sie scheinen da leider einige Dinge fehlinterpretiert zu haben. Allah sagt im Koran (Sura 3 Aya 85): "Und wer einen anderen Din (Religion, Lebensweise) als den Islam begehrt, so wird sie von ihm niemals angenommen und er wird im Jenseits zu den Verlierern gehören." Das hat nichts zu tun mit "Fundamentalismus" (was ist das überhaupt??) sondern das ist die Botschaft unseres Schöpfers. Möge Allah Sie und alle anderen Menschen rechtleiten!

Interpretation des Islam

Danke für Ihren Beitrag. (-:

Ihre Frage, woher ich meine Auffassungen zum Islam bezöge, ist natürlich berechtigt. Sie dürfen mir glauben, dass mich seit über zehn Jahren das Thema "Islam" persönlich, familiär, wissenschaftlich und religiös begleitet und sich dabei neben buchstäblich Hunderte von Gesprächen auch Dutzende Bücher sowohl von muslimischen wie nichtmuslimischen Gelehrten und Wissenschaftlern unter der Rubrik "gelesen" gesammelt haben.

Als nichtmuslimischer Wissenschaftler steht es mir aber nicht zu, den Islam zu interpretieren und deshalb tue ich das auch in diesem Blog nicht - ich kann lediglich beobachten und (ggf. mit anderen Religionen vergleichend) beschreiben, wie muslimische Mehrheiten (insbesondere der Gelehrten) den Islam interpretiert haben und interpretieren. Und da ist die von Ihnen vertretene Auffassung eben stets "eine", nie aber "die" Interpretation gewesen, wie es auch in Juden- und Christentum stets verschiedene Haltungen dazu gegeben hat. Der genannte Vers wurde beispielsweise auch häufig so verstanden, dass es also auf die Lebenshaltung der Hingabe zu Gott ankomme - wie sie ja auch schon vor dem Propheten beispielsweise durch Jesus oder Abraham gelebt wurde. Große Gelehrte haben daher nicht ausgeschlossen, dass auch Andersglaubende auf ihrem Weg der Gotteshingabe zu Ihm gelangen könnten - und meist weise hinzugefügt, "aber die letzte Wahrheit kennt nur Gott allein."

Aber klar: gerade aufgrund meiner Bemühungen um ein faires Verständnis auch anderer Religionen habe ich regelmäßig auch mit Christen zu tun, die sich aufgrund ihres vermeintlich unfehlbaren Offenbarungsverständnisses, gestützt auf ein bis zwei Bibelverse, ganz sicher sind, dass alle Andersglaubenden (natürlich auch Muslime) in die Hölle kommen werden und eifrig für z.B. Ihre "Errettung" beten. Und wenn man die Argumentationsmuster vergleicht, treten die (zueinander feindseligen) Gemeinsamkeiten fundamentalistischer Christen, Muslime etc. ebenso klar zutage, wie sich auch zwischen friedfertigen Christen und Muslimen Gemeinsamkeiten auftun. Letztere scheinen mir sympathischer und lebensförderlicher, aber ob sie wahr sind, wird ggf. Gott allein zu entscheiden haben.

Wie gesagt: den Islam können nur Muslime auslegen, das Christentum nur Christen. Mir persönlich erscheinen dabei allerdings jeweils jene glaubwürdiger, deren Demut gegenüber Gott sich auch in Zurückhaltung ausdrückt und die sich nicht quasi selbst auf den Richterstuhl Gottes setzen, indem sie seine Urteile "vorhersagen" - oder sogar (etwa durch Kriege oder Attentate) "vorwegnehmen".

Eine ausführliche und religionsvergleichende Diskussion des Begriffes Fundamentalismus finden Sie hier (S. 20-27).

Und auch ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen und danke Ihnen für Ihr Interesse an vergleichender Religionswissenschaft!

Michael Blume
ingo_34 - 28. Jul, 13:26

Aber, Hadiyah, Michael ...

Jenseits, Paradies

das gibt es doch gar nicht.

Es gibt auch keinen Lohn und keine Strafe nach dem Tod. Es wird einem ja ganz grauselich, wenn man Menschen ganz ernsthaft darüber reden hört.

Jenseits, Paradies...

Aber Ingo - ob es ein Jenseits, Paradies, Gericht oder generell Weiterleben nach dem Tode gibt, lässt sich empirisch weder beweisen noch widerlegen.

Insofern ist "das gibt es doch gar nicht" auch nur ein Glaubensbekenntnis.

Du könntest anführen, dass Deine These empirisch "sparsamer" ist.

Und darauf würde ich anführen, dass aber die These vom Jenseits keinesfalls irrational ist, sondern die Menschen seit Jahrzehntausenden auf erfolgreiche Reproduktion hin orientiert. (Siehe Vortrag "Ist religiöses Verhalten rational?"
http://www.blume-religionswissenschaft.de/pdf/Eucken0707.pdf )

Wer am Ende Recht hat? Wir werden sehen. Und bis dahin genieße ich die Freiheit, -gerne auch in der Begegnung mit Andersdenkenden und -glaubenden- einerseits empirische Wissenschaft zu betreiben und andererseits aus tiefster Überzeugung an Gott zu glauben. (-:

Herzliche Grüße!

Michael
Christian Allenbach (Gast) - 19. Aug, 02:44

Das mit Abstand blutigste und gefährlichste Kapitel der Menschheit ist die Religion. Man könnte man es auch so sagen, dass jede Religion ein Irrtum, und jeder Glaube ein Aberglaube ist.
Der Witz an der ganzen Sache ist auch noch der, dass z. B. die Christen kaum wissen, zu welchem Gott sie beten, und was das für ein Gott ist. Welcher ist es denn?

Ist es Nummer 1. Der Tyrann?
Ist es der, dem man an einem Tag 22 000 Rinder und 120 000 Schafe opfern musste? (Schächten ohne Betäubung, laut Experten Tierquälerei.) (1 Könige 8, 63.)
Er stiftet seine Leute an: Zu Völkermord (1Samuel 15:3), zu Brudermord (2. Mose 32:27-2 zu Kannibalismus (3. Mose 26:29), zu Raub und Diebstahl (2. Mose 3:22),
zur Sklavenhaltung (3. Mose 25:44-46) und verlangt er auch Menschenopfer?
Deinen ersten Sohn sollst du mir geben. (2. Mose22,29), und er verkaufte seine Leute in die Sklaverei für 20 Jahre. (Richter 4,2.) etc.
Ganze Vierhundertdreißig Jahre kümmert sich Jehova nicht um sein Volk und lässt sie in der Gefangenschaft darben. Mich und Honig blieben aus. Und eine Geschichte aus 2. Könige Kapitel 19.35:
Und in dieser Nacht fuhr aus der Engel des HERRN und schlug im Lager von Assyrien einhundertfünfundachtzigtausend Mann. Und als man sich früh am Morgen aufmachte, siehe, da lag alles voller Leichen.“ (.) Dutzend weitere Holocaustverbrechen werden diesem Tyrann zugeschrieben
Kleines Detail: Als in seinem Namen Millionen von Menschen lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt und in Auschwitz vergast wurden, wo war er da?
Letztes Jahr sind in Afrika acht Millionen Kinder verhungert. Hat er einen Finger gerührt? Tränen will er ihnen abwischen.

Nummer 2 Allah.
Ist es der Gott, dem jedes Jahr in Mekka einige Millionen von Stieren und Kälbern geopfert werden. Weil Gott damals seinen Knecht Abraham prüfen wollte, ob er ihm noch gehorsam wäre, befahl er ihm, seinen Sohn zu opfern, deshalb werden heute diese blutigen Rituale durchgeführt.

Nummer 3 Der Außerirdische.
Ist es der Gott Jahwe der Außerirdische, der da mir einem Raumschiff mit Rauch und Getöse vom Berg Sinai herunter fährt?
(Siehe Hesekiel Kapitel 1, und 2. Mose Kapitel 19. 9-25.)

Nummer 4 El Schaddai.
Gott redete mit Mose und sprach zu ihm: “Ich bin Jahwe "Ich bin da". Ich bin Abraham, Isaak und Jakob als El-Schaddai (Gott, der Allmächtige) erschienen, aber unter meinem Namen Jahwe habe ich mich ihnen nicht zu erkennen gegeben.“ (2. Mose 6.2)
„Ich bin Gott, der El Schaddai !“ (1.Mose17,1)
In der Original Herder Bibel steht:
Ich bin Gott, der El Schaddai, der verworfene Engel.
Dieses Wort der Thora wird in der deutschen Bibelübersetzung mit „der Allmächtige“ wiedergegeben.
Jesus sagte zu den Juden :”Ihr seid aus euerem Vater, dem T*“ (Johannes 8.44.)
Wenn eine Firma oder eine Person etwas zu verbergen hat, so wechseln sie immer wieder den Namen, und der richtige wird verschwiegen. War das damals auch der El Schaddai, der damit dem Moses auf dem Berg dieses Versteckspiel trieb und sich hinter einem künstlich brennenden Licht versteckte? Als er ihm dann einen Auftrag für das ganze Leben erteilte, sagte er ihm nicht einmal seinen Namen. Von Spesen und Lohn für dieses grosse Unternehmen war auch nicht die Rede. Daher weigerte sich Moses ja zuerst zu gehen.“ Der* ich bin der ich bin* hat mich nach Ägypten geschickt“ So musste er das seinen Leuten erklären, und von seinem Schwiegervater die Mittel für die Reise verlangen. Dürfte zutreffen. 2. Mose 3.4-6

Nummer 5 Der Wüstengott
Und Aaron soll einen Stier, sein Sündopfer, darbringen, daß er für sich und sein Haus Sühne schaffe, i 7und danach zwei Böcke nehmen und vor den HERRN stellen an der Tür der Stiftshütte 8und soll das Los werfen über die zwei Böcke: ein Los dem HERRN und das andere dem Asasel, 9und soll den Bock, auf welchen das Los für den HERRN fällt, opfern zum Sündopfer. 10Aber den Bock, auf welchen das Los für Asasel fällt, soll er lebendig vor den HERRN stellen, daß er über ihm Sühne vollziehe und ihn zu Asasel in die Wüste schicke. 3. Mose 16, 11. (Tierquälerei)
Aber er hat auch dem Abraham seine Magd mit seinem Sohn in die Wüste geschickt. Der Sündenbock wäre hier eher der mit Gütern gesegnete Abraham, weil er es mit seiner Magd getrieben hatte und diese dann mit seinem eigenen Sohn wie ein überdrüssiger Hund in der Wüste aussetzte. O du lieber Gott. Aber Befehl ist Befehl, auch wenn es heisst, den einen Sohn in die Wüste zu schicken, oder anderen zu opfern! ( Mose 8-13)

Nummer 6 Moses
„Der HERR sprach zu Mose: Siehe, ich habe dich zum Gott gesetzt für den Pharao, und Aaron, dein Bruder, soll dein Prophet sein. 2Du sollst alles reden, was ich dir gebieten werde; aber Aaron, dein Bruder, soll es vor dem Pharao reden, damit er die Israeliten aus seinem Lande ziehen lasse. 3Aber ich will das Herz des Pharao verhärten und viele Zeichen und Wunder tun in Ägyptenland. 4Und der Pharao wird nicht auf euch hören.“ (2.Mose 7)

Jetzt bin ich mit meinem Latein am Ende. Im Hinduismus sind etwa noch weitere Sechzigtausend Götter erwähnt, da möchte ich jetzt davon absehen, diese alle namentlich zu erwähnen. Bleiben wir bei diesen sechs.
h t t p : // w w w . a l l e n b a c h -u f o . c o m

???

"Das mit Abstand blutigste und gefährlichste Kapitel der Menschheit ist die Religion. Man könnte man es auch so sagen, dass jede Religion ein Irrtum, und jeder Glaube ein Aberglaube ist."

Jene atheistischen Ideologien von Stalin über Mao bis ins heutige Birma oder Nordkorea, die eine solche pauschal-abwertende Haltung gegenüber Religion(en) eingenommen haben, haben den Menschen kein Glück gebracht. Nicht umsonst gehören positive wie negative Religionsfreiheit zum Kernbestand der Menschen- und Grundrechte.

Religiosität ist evolvierter Teil der menschlichen Natur, mindestens seit Jahrzehntausenden. Gerade wer sich auf Rationalität und Wissenschaft berufen möchte, tut gut daran, das Phänomen naturwissenschaftlich zu erfassen zu versuchen, bevor endgültige Wahrheitsurteile gefällt werden.

Vielleicht ist folgende Diskussion interessant für Sie?
http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/natur-des-glaubens/philosophische-fragen/2008-08-01/naturwissenschaft-atheismus

Mit freundlichen Grüßen

Michael Blume

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