Ein Religionswissenschaft-Blog!
Ich heiße Sie auf meinem Weblog herzlich willkommen und möchte kurz erklären, worum es geht.
Religionswissenschaft macht mir große Freude. Damit unsere m.E. oft hoch spannenden Erkenntnisse und Debatten etwas bekannter werden und viele sie verfolgen und sich einbringen können, produziere ich neben bedrucktem Papier auch gerne jedermann zugängliche und kostenfreie Internetangebote.
Elfenbeintürme und schwer zu findende, mysteriös formulierte und teure Folianten finde ich schön und weiß, dass man (bisher) auch nur in ihnen akademische Anerkennung findet. Aber freie Diskussionen auch über Fachgrenzen hinweg und Wissenschaft, die auch die Küchentische, Marktplätze, Stadtbüchereien und Kirchengemeinden erreicht finde ich noch viel schöner und gehe auch davon aus, dass das wissenschaftliche Potential des Internets noch kaum entdeckt ist.
Meine Forschungsschwerpunkte sind:
- Religionen und Demografie
http://www.blume-religionswissenschaft.de/reli_demo.html
- Religiöse Identitäten in Europa
http://www.blume-religionswissenschaft.de/reli_id.html
- Religionen und Hirnforschung
http://www.blume-religionswissenschaft.de/reli_hirnf.html
- Evolutionsbiologische Theorie(n) der Religion
http://www.blume-religionswissenschaft.de/evol.html
In diesem Blog gönne ich mir aber, auch ein paar andere Themen zu streifen.
Zu: Religionswissenschaft
Klar, es gibt kaum ein Thema, das so emotional ist, wie Religion. Jede/r hat eine Haltung dazu - auch diejenigen, die sich der wissenschaftlichen Erforschung dieses vergleichsweise jungen Phänomens der Evolutions- und Menschheitsgeschichte widmen.
Im Gegenüber zu Theologien (evangelisch, katholisch, islamisch etc.) verhält sich die Religionswissenschaft neutral zu bestimmten Glaubens- und Wahrheitsannahmen und sucht nach übergreifenden Beschreibungen und Erklärungen, die unabhängig von Glaubensannahmen nachvollzogen werden können. Deswegen geht sie z.B. nicht von der Existenz (eines) Gottes aus, bestreitet diese aber auch nicht (sog. methodologischer Agnostizismus). Sie ist vielmehr interdisziplinär angelegt und sowohl nach innen wie nach außen auf Austausch angelegt. Siehe z.B. http://www.religionswissenschaft.de
Es geht um das Verstehen über Einzelfälle hinaus, auch wenn wir je nach eigenem Standpunkt (und jede/r hat einen!) eher zur Religionsaffirmation oder Religionskritik tendieren.
So bin ich selbst z.B. praktizierender, evangelischer Christ, bin mit einer Muslimin verheiratet, dankbarer Altstipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und war bis zur Familienpause CDU-Stadtrat.
Mein wohl wichtigster Unilehrer und Doktorvater Prof. em. Günter Kehrer, Tübingen, hat sich dagegen als gestandener Religionskritiker, ehemaliger PDS-Stadtrat und prominentes Mitglied der humanistisch-säkularen Giordano-Bruno-Stiftung einen Namen gemacht.
http://www.giordano-bruno-stiftung.de
Klar, dass uns die so unterschiedlichen Weltanschauungen manche zünftige Debatte eingebracht, aber menschlich nicht getrennt und wissenschaftlich immer wieder angeregt haben. Es stimmt schon: Wer nur je seine eigene Perspektive gelten lassen kann, für den oder die ist Religionswissenschaft immer wieder eine Zumutung. Wer aber keine Angst vor Blicken über den eigenen Tellerrand hinaus und vor zünftigen Debatten und Gesprächen auch mit Andersdenkenden hat, für den oder die ist Religionswissenschaft immer wieder neu ein faszinierendes Abenteuer! (-:
Gerade deshalb lautet die erste und einzige Grundregel in diesem Blog: Respekt - Respekt vor Teilnehmern inklusive Kommentatoren, aber auch den religiösen bzw. weltanschaulichen Überzeugungen der Menschen.
Ich freue mich, wenn Sie etwas für sich finden, und nicht weniger auch auf Ihre Beiträge!
Mit herzlichen Grüßen aus Schwaben
Dr. Michael Blume
http://www.blume-religionswissenschaft.de
Religionswissenschaft macht mir große Freude. Damit unsere m.E. oft hoch spannenden Erkenntnisse und Debatten etwas bekannter werden und viele sie verfolgen und sich einbringen können, produziere ich neben bedrucktem Papier auch gerne jedermann zugängliche und kostenfreie Internetangebote.
Elfenbeintürme und schwer zu findende, mysteriös formulierte und teure Folianten finde ich schön und weiß, dass man (bisher) auch nur in ihnen akademische Anerkennung findet. Aber freie Diskussionen auch über Fachgrenzen hinweg und Wissenschaft, die auch die Küchentische, Marktplätze, Stadtbüchereien und Kirchengemeinden erreicht finde ich noch viel schöner und gehe auch davon aus, dass das wissenschaftliche Potential des Internets noch kaum entdeckt ist.
Meine Forschungsschwerpunkte sind:
- Religionen und Demografie
http://www.blume-religionswissenschaft.de/reli_demo.html
- Religiöse Identitäten in Europa
http://www.blume-religionswissenschaft.de/reli_id.html
- Religionen und Hirnforschung
http://www.blume-religionswissenschaft.de/reli_hirnf.html
- Evolutionsbiologische Theorie(n) der Religion
http://www.blume-religionswissenschaft.de/evol.html
In diesem Blog gönne ich mir aber, auch ein paar andere Themen zu streifen.
Zu: Religionswissenschaft
Klar, es gibt kaum ein Thema, das so emotional ist, wie Religion. Jede/r hat eine Haltung dazu - auch diejenigen, die sich der wissenschaftlichen Erforschung dieses vergleichsweise jungen Phänomens der Evolutions- und Menschheitsgeschichte widmen.
Im Gegenüber zu Theologien (evangelisch, katholisch, islamisch etc.) verhält sich die Religionswissenschaft neutral zu bestimmten Glaubens- und Wahrheitsannahmen und sucht nach übergreifenden Beschreibungen und Erklärungen, die unabhängig von Glaubensannahmen nachvollzogen werden können. Deswegen geht sie z.B. nicht von der Existenz (eines) Gottes aus, bestreitet diese aber auch nicht (sog. methodologischer Agnostizismus). Sie ist vielmehr interdisziplinär angelegt und sowohl nach innen wie nach außen auf Austausch angelegt. Siehe z.B. http://www.religionswissenschaft.de
Es geht um das Verstehen über Einzelfälle hinaus, auch wenn wir je nach eigenem Standpunkt (und jede/r hat einen!) eher zur Religionsaffirmation oder Religionskritik tendieren.
So bin ich selbst z.B. praktizierender, evangelischer Christ, bin mit einer Muslimin verheiratet, dankbarer Altstipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und war bis zur Familienpause CDU-Stadtrat.
Mein wohl wichtigster Unilehrer und Doktorvater Prof. em. Günter Kehrer, Tübingen, hat sich dagegen als gestandener Religionskritiker, ehemaliger PDS-Stadtrat und prominentes Mitglied der humanistisch-säkularen Giordano-Bruno-Stiftung einen Namen gemacht.
http://www.giordano-bruno-stiftung.de
Klar, dass uns die so unterschiedlichen Weltanschauungen manche zünftige Debatte eingebracht, aber menschlich nicht getrennt und wissenschaftlich immer wieder angeregt haben. Es stimmt schon: Wer nur je seine eigene Perspektive gelten lassen kann, für den oder die ist Religionswissenschaft immer wieder eine Zumutung. Wer aber keine Angst vor Blicken über den eigenen Tellerrand hinaus und vor zünftigen Debatten und Gesprächen auch mit Andersdenkenden hat, für den oder die ist Religionswissenschaft immer wieder neu ein faszinierendes Abenteuer! (-:
Gerade deshalb lautet die erste und einzige Grundregel in diesem Blog: Respekt - Respekt vor Teilnehmern inklusive Kommentatoren, aber auch den religiösen bzw. weltanschaulichen Überzeugungen der Menschen.
Ich freue mich, wenn Sie etwas für sich finden, und nicht weniger auch auf Ihre Beiträge!
Mit herzlichen Grüßen aus Schwaben
Dr. Michael Blume
http://www.blume-religionswissenschaft.de
religionswissenschaft - 7. Jan, 11:34
8 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Hinrich Hayessen (Gast) - 10. Feb, 23:28
Am erfolgreichsten sind die Religionslosen
Ich kann die religionsdemografische Beweisführung von Herrn Blume nicht nachvollziehen. Wenn er einerseits Zwang und Unterdrückung für die Ursachen der Bevölkerungsexplosion hält, er auch verbindliche Religiosität mit Zwang und Ge- und Verboten beschreibt, ist es dann nicht auch logisch, die hohe Kinderzahl von strenggläubigen Gruppen wie den Amish als Ergebnis von Zwang und Unterdrückung zu sehen? Ja, Zwang und Unterdrückung, sowie Armut korrelieren stark mit der Kiinderzahl, das stellen auch Pippa Norris und Ronald Inglehardt fest. Ich würde hinzufügen: Verweigerung sexueller Aufklärung. Mir ist völlig unverständlich, warum Zwang und Unterdrückung, die in Anatolien und Indien zur Bevölkerungsexplosion führten, von Herrn Blume kritisch bewertet werden, die große Kinderzahl von Hutterern, orthodoxen Juden und Amish Herr Blume hingegen positiv sieht.
Ferner übersieht m.E. mit seiner Fixierung auf die evolutionsbiologischen Vorteile der Religiosität Herr Blume, dass die erfolgreichste Religion zur Zeit die Nichtreligion ist. Die Schweizer Statistik zeigt deutliche Rückgänge bei Protestanten und Katholiken, aber einen enormen Zuwachs der Einwohner ohne religiöse Zugehörigkeit. "Der Bevölkerungsanteil, der sich keiner Religionsgemeinschaft
zugehörig fühlt, erreichte 2000 über 11% – zehnmal mehr als 1970" (a.a.O. S.11). Diese sind überwiegend jung und gut ausgebildet. Dass sie weniger Kinder haben und häufiger Singles sind, liegt sicher vor allem daran, dass sie nicht den Zwängen von Not und religiöser Unterdrückung ausgesetzt sind. Aber auch an ihrer Jugend: "Der niedrige Altersdurchschnitt der gemischten Haushalte mit einem Partner ohne Zugehörigkeit
(43% der 20- bis 39-Jährigen gegenüber 32,6% der insgesamt in einer Paarbeziehung lebenden
Erwachsenen) ist mit zwei sich verstärkenden Faktoren zu erklären: Die Personen der Gruppe
„Keine Zugehörigkeit“ sind im Durchschnitt jünger, und dasselbe gilt für gemischte Paare." (a.a.O. S.76). Wer noch jung ist, hat halt noch nicht so viele Kinder bekommen und lebt häufiger allein.
Ferner übersieht m.E. mit seiner Fixierung auf die evolutionsbiologischen Vorteile der Religiosität Herr Blume, dass die erfolgreichste Religion zur Zeit die Nichtreligion ist. Die Schweizer Statistik zeigt deutliche Rückgänge bei Protestanten und Katholiken, aber einen enormen Zuwachs der Einwohner ohne religiöse Zugehörigkeit. "Der Bevölkerungsanteil, der sich keiner Religionsgemeinschaft
zugehörig fühlt, erreichte 2000 über 11% – zehnmal mehr als 1970" (a.a.O. S.11). Diese sind überwiegend jung und gut ausgebildet. Dass sie weniger Kinder haben und häufiger Singles sind, liegt sicher vor allem daran, dass sie nicht den Zwängen von Not und religiöser Unterdrückung ausgesetzt sind. Aber auch an ihrer Jugend: "Der niedrige Altersdurchschnitt der gemischten Haushalte mit einem Partner ohne Zugehörigkeit
(43% der 20- bis 39-Jährigen gegenüber 32,6% der insgesamt in einer Paarbeziehung lebenden
Erwachsenen) ist mit zwei sich verstärkenden Faktoren zu erklären: Die Personen der Gruppe
„Keine Zugehörigkeit“ sind im Durchschnitt jünger, und dasselbe gilt für gemischte Paare." (a.a.O. S.76). Wer noch jung ist, hat halt noch nicht so viele Kinder bekommen und lebt häufiger allein.
blume-religionswissenschaft - 28. Apr, 22:30
Positiv-negativ
Lieber Herr Hayessen,
herzlichen Dank für Ihren Beitrag und Ihre fundierten Einwände, auf die ich natürlich gerne eingehe.
Zunächst: Sie verwenden "positiv-negativ" einmal in einer wertenden Weise (als gut-schlecht) und einmal in einer biologisch-deskriptiven Weise (als erfolgreich-erfolglos). Und daher rührt auch der Verstehensirrtum.
Natürlich nimmt auch jeder Wissenschaftler (bewusst oder vorbewusst) Wertungen vor. Aber gerade in der Religionswissenschaft kommt es darauf an, davon auch die Beobachtung unterscheiden zu können.
Ob die Geburt eines Kindes in einem absoluten Sinn positiv oder negativ zu bewerten ist, ist eine Frage der Wertung. Persönlich stehe ich dem Leben positiv gegenüber, wünsche aber, dass Kinder aus Liebe, nicht aus Zwang geboren werden und in einer Umwelt möglichst ohne Armut und Gewalt aufwachsen können. Mir erschiene eine stabile, wenn nicht sogar leicht schrumpfende Bevölkerungsentwicklung auch ökologisch erstrebenswert. Sowohl zu explosives Wachstum (wie derzeit z.B. in Pakistan oder im Gaza-Streifen) wie auch zu schneller Geburtenverfall (wie derzeit z.B. in Deutschland oder Bosnien) erscheinen mir dagegen problematisch. Das sind aber Wert- und keine im engeren Sinne wissenschaftlichen Fragen.
Die mich hier faszinierende Frage der empirisch nicht mehr zu leugnenden Beobachtung aber ist, dass Anhänger von Religionsgemeinschaften gerade auch in freien und demokratischen Gesellschaften deutlich mehr Kinder bekommen als Konfessionslose. Juden und Amish sind ja nur zwei Beispiele von Gemeinschaften, die seit Jahrhunderten auch in freien Demokratien leben - und sich dennoch ein religiöses Leben mit u.a. vielen Kindern erhalten haben. Damit bewirkt die Religiosität offensichtlich einen gewissen biologischen Erfolg - auch dann, wenn sie z.B. gar nicht auf staatliche Machtmittel zurückgreifen kann. Und mindestens für die Juden ist die pauschale Unterstellung mangelnder Bildung oder sexueller Unaufgeklärtheit schlicht nicht haltbar. Der komplexe, aber offensichtlich tendenziell positive Zusammenhang von Religiosität und Demografie ist eine Beobachtung, keine Wertung.
Davon wiederum zu trennen ist die Frage, ob alle Kinder religiöser Eltern wiederum religiös werden. Das würde kein ernsthafter Forscher heute behaupten - ich tue es natürlich auch nicht. Vielmehr scheint mir ja gerade der spannende Punkt zu sein: Umso mehr Religion nicht mehr nur eine Sache der allgemeinen Tradition, sondern der individuellen Entscheidung ist - umso größer offensichtlich ihr demografischer Effekt. Noch nie war der Anteil der Konfessionslosen in der Schweiz so groß - und noch nie hatten Konfessionslose so wenige Kinder. Oder, anders formuliert: (erst) wenn ein jeder nach seiner Facon glücklich werden kann, scheinen die demografischen Effekte von Religiosität deutlicher zutage zu treten. Religionen brauchen m.E. vor Religionsfreiheit und säkularer Staatsordnung keine Angst zu haben.
Und natürlich hat die niedrige Geburtenzahl der Konfessionslosen der Schweiz nicht nur mit der Altersstruktur zu tun. Die durchschnittlich jüngste Alterszusammensetzung aller Kategorien der Schweizer Volkszählung 2000 weisen nicht die Konfessionslosen auf - sondern die Pfingstkirchen (die auch einen niedrigeren Zuwandereranteil als die Konfessionslosen haben). (siehe S. 114) Desweiteren weisen die Konfessionslosen der Schweizer Volkszählung mit Abstand die höchsten Anteile an Geschiedenen und Alleinerziehenden aller erfaßten Kategorien auf - was durch unterschiedliches Alter kaum zu erklären sein dürfte. Denn auch hier gilt: Mitglieder der (jüngeren und aus weniger Zuwanderern bestehenden!) Pfingstgemeinden haben fast doppelt so viele Kinder wie ihre konfessionslosen Landsleute und Altersgenossen sowie deutlich niedrigere Anteile an Geschiedenen und Alleinderziehenden. (Siehe S. 113 und 115)
Im übrigen haben wir die Auswertung der deutschen ALLBUS-Studie 2002 (die Sie auf der Homepage oder in diesem Blog ebenfalls finden) bewusst auf nur eine Alterskohorte (Erwachsene zwischen 35 und 45 Jahre) beschränkt - und auch dort den starken, demografischen Effekt von Religiosität gefunden. Befragte, die nie beteten, verzeichneten durchschnittlich 1,36 Kinder, solche, die täglich beteten, 2,06. Sowohl im Bezug auf deutsche wie internationale Ergebnisse kam Dominik Enste (iwd Köln) auf Basis des World Value Survey unabhängig zu fast identischen Ergebnissen. (siehe Blogeintrag hier)
Lassen Sie mich zusammenfassen: nicht nur Beobachtungen an einzelnen Gemeinschaften (wie Juden oder Amish) sondern auch die deutsche ALLBUS-Studie, die Schweizer Volkszählung 2000, der internationale World Value Survey (Sie zitierten Inglehart & Norris, inzwischen kam auch mit gleichem Resultat das iwd hinzu) und viele Studien mehr kommen zu dem immer gleichen Resultat: mehr religiöse Aktivität geht mit durchschnittlich höherer Kinderzahl einher.
Von der Wertung her werden das einige begrüßen, andere verdammen. Interessanterweise erlebe ich unter den Kritikern viele, die immer sehr auf ihre "Wissenschaftlichkeit" bestanden haben - solange die Ergebnisse gegen Religion sprachen. Aber mit Widerstand aufgrund weltanschaulicher Vorannahmen mußten und müssen Wissenschaftler seit jeher leben. Ich fände es klasse, Sie blieben weiter mit am Thema dran, dass m.E. weitere Forschung und Diskussion wert sein könnte.
Mit Dank und herzlichen Grüßen
Ihr Michael Blume
herzlichen Dank für Ihren Beitrag und Ihre fundierten Einwände, auf die ich natürlich gerne eingehe.
Zunächst: Sie verwenden "positiv-negativ" einmal in einer wertenden Weise (als gut-schlecht) und einmal in einer biologisch-deskriptiven Weise (als erfolgreich-erfolglos). Und daher rührt auch der Verstehensirrtum.
Natürlich nimmt auch jeder Wissenschaftler (bewusst oder vorbewusst) Wertungen vor. Aber gerade in der Religionswissenschaft kommt es darauf an, davon auch die Beobachtung unterscheiden zu können.
Ob die Geburt eines Kindes in einem absoluten Sinn positiv oder negativ zu bewerten ist, ist eine Frage der Wertung. Persönlich stehe ich dem Leben positiv gegenüber, wünsche aber, dass Kinder aus Liebe, nicht aus Zwang geboren werden und in einer Umwelt möglichst ohne Armut und Gewalt aufwachsen können. Mir erschiene eine stabile, wenn nicht sogar leicht schrumpfende Bevölkerungsentwicklung auch ökologisch erstrebenswert. Sowohl zu explosives Wachstum (wie derzeit z.B. in Pakistan oder im Gaza-Streifen) wie auch zu schneller Geburtenverfall (wie derzeit z.B. in Deutschland oder Bosnien) erscheinen mir dagegen problematisch. Das sind aber Wert- und keine im engeren Sinne wissenschaftlichen Fragen.
Die mich hier faszinierende Frage der empirisch nicht mehr zu leugnenden Beobachtung aber ist, dass Anhänger von Religionsgemeinschaften gerade auch in freien und demokratischen Gesellschaften deutlich mehr Kinder bekommen als Konfessionslose. Juden und Amish sind ja nur zwei Beispiele von Gemeinschaften, die seit Jahrhunderten auch in freien Demokratien leben - und sich dennoch ein religiöses Leben mit u.a. vielen Kindern erhalten haben. Damit bewirkt die Religiosität offensichtlich einen gewissen biologischen Erfolg - auch dann, wenn sie z.B. gar nicht auf staatliche Machtmittel zurückgreifen kann. Und mindestens für die Juden ist die pauschale Unterstellung mangelnder Bildung oder sexueller Unaufgeklärtheit schlicht nicht haltbar. Der komplexe, aber offensichtlich tendenziell positive Zusammenhang von Religiosität und Demografie ist eine Beobachtung, keine Wertung.
Davon wiederum zu trennen ist die Frage, ob alle Kinder religiöser Eltern wiederum religiös werden. Das würde kein ernsthafter Forscher heute behaupten - ich tue es natürlich auch nicht. Vielmehr scheint mir ja gerade der spannende Punkt zu sein: Umso mehr Religion nicht mehr nur eine Sache der allgemeinen Tradition, sondern der individuellen Entscheidung ist - umso größer offensichtlich ihr demografischer Effekt. Noch nie war der Anteil der Konfessionslosen in der Schweiz so groß - und noch nie hatten Konfessionslose so wenige Kinder. Oder, anders formuliert: (erst) wenn ein jeder nach seiner Facon glücklich werden kann, scheinen die demografischen Effekte von Religiosität deutlicher zutage zu treten. Religionen brauchen m.E. vor Religionsfreiheit und säkularer Staatsordnung keine Angst zu haben.
Und natürlich hat die niedrige Geburtenzahl der Konfessionslosen der Schweiz nicht nur mit der Altersstruktur zu tun. Die durchschnittlich jüngste Alterszusammensetzung aller Kategorien der Schweizer Volkszählung 2000 weisen nicht die Konfessionslosen auf - sondern die Pfingstkirchen (die auch einen niedrigeren Zuwandereranteil als die Konfessionslosen haben). (siehe S. 114) Desweiteren weisen die Konfessionslosen der Schweizer Volkszählung mit Abstand die höchsten Anteile an Geschiedenen und Alleinerziehenden aller erfaßten Kategorien auf - was durch unterschiedliches Alter kaum zu erklären sein dürfte. Denn auch hier gilt: Mitglieder der (jüngeren und aus weniger Zuwanderern bestehenden!) Pfingstgemeinden haben fast doppelt so viele Kinder wie ihre konfessionslosen Landsleute und Altersgenossen sowie deutlich niedrigere Anteile an Geschiedenen und Alleinderziehenden. (Siehe S. 113 und 115)
Im übrigen haben wir die Auswertung der deutschen ALLBUS-Studie 2002 (die Sie auf der Homepage oder in diesem Blog ebenfalls finden) bewusst auf nur eine Alterskohorte (Erwachsene zwischen 35 und 45 Jahre) beschränkt - und auch dort den starken, demografischen Effekt von Religiosität gefunden. Befragte, die nie beteten, verzeichneten durchschnittlich 1,36 Kinder, solche, die täglich beteten, 2,06. Sowohl im Bezug auf deutsche wie internationale Ergebnisse kam Dominik Enste (iwd Köln) auf Basis des World Value Survey unabhängig zu fast identischen Ergebnissen. (siehe Blogeintrag hier)
Lassen Sie mich zusammenfassen: nicht nur Beobachtungen an einzelnen Gemeinschaften (wie Juden oder Amish) sondern auch die deutsche ALLBUS-Studie, die Schweizer Volkszählung 2000, der internationale World Value Survey (Sie zitierten Inglehart & Norris, inzwischen kam auch mit gleichem Resultat das iwd hinzu) und viele Studien mehr kommen zu dem immer gleichen Resultat: mehr religiöse Aktivität geht mit durchschnittlich höherer Kinderzahl einher.
Von der Wertung her werden das einige begrüßen, andere verdammen. Interessanterweise erlebe ich unter den Kritikern viele, die immer sehr auf ihre "Wissenschaftlichkeit" bestanden haben - solange die Ergebnisse gegen Religion sprachen. Aber mit Widerstand aufgrund weltanschaulicher Vorannahmen mußten und müssen Wissenschaftler seit jeher leben. Ich fände es klasse, Sie blieben weiter mit am Thema dran, dass m.E. weitere Forschung und Diskussion wert sein könnte.
Mit Dank und herzlichen Grüßen
Ihr Michael Blume
Ingo Bading (Gast) - 30. Apr, 22:08
Was ist religiöse Erziehung von Kindern?
Ich möchte noch einen Punkt von Herrn Hayessen aufgreifen, weil mir der auch beim Lesen von Dawkins God Delusion aufgestoßen ist. Dawkins sagt, Kinder religiös zu erziehen (zu indoktrinieren) sei Kindesmißbrauch, Zwang. Man wird als Kind auf bestimmte Gottvorstellungen, auch (Höllen-)Ängste "indoktriniert". Ich kenne viele Zyniker in unserer Gesellschaft, die auf Gott und Kirche und weiß der Teufel was schimpfen - und man hat das Gefühl, sie reagieren (immer noch) so zynisch und emotional, weil sie gegen Kindheits-Prägungen "an-argumentieren". Sie schimpfen sehr oft, kommen aber gar nicht so richtig davon los, weil sie eben eine tiefgehende (Kindheits-)Prägung scheinen verinnerlicht zu haben - insbesondere bei Katholiken, deren Kommunion ja schon früher liegt - aber sicherlich auch bei Protestanten.
Dawkins fordert, wenn ich recht verstehe, daß religiöse Erziehung von Kindern staatlich verboten werden soll. Dem kann ich grundsätzlich folgen. NUR: Als er das auch für die Amischen forderte, die ich wirklich sehr liebe - aus vielen Gründen - wurde ich unsicher ... Die würde man irgendwie gerne ausnehmen von dem Verbot. Was natürlich völlig inkonsequent ist. Aber Dawkins hat starke Argumente. Wenn er z.B. Tests referiert, die an israelischen und palästinensischen Schülern gemacht wurden, wie sie das Handeln von Verbrechern im jeweiligen Kontext bewerten. (Ist es im Interesse der eigenen religiösen Gruppe, ist es heroisch, ansonsten wird es abgelehnt wie das jeder "normale" Mensch tut.)
Also man wird vermuten dürfen, daß der reproduktive Erfolg monotheistischer Religiosität noch heute eine tiefere Wurzel in Kindheits-Prägungen und damit in gewisser Weise in nicht zulässigem Zwang hat - auch in freien Gesellschaften.
Dawkins fordert, wenn ich recht verstehe, daß religiöse Erziehung von Kindern staatlich verboten werden soll. Dem kann ich grundsätzlich folgen. NUR: Als er das auch für die Amischen forderte, die ich wirklich sehr liebe - aus vielen Gründen - wurde ich unsicher ... Die würde man irgendwie gerne ausnehmen von dem Verbot. Was natürlich völlig inkonsequent ist. Aber Dawkins hat starke Argumente. Wenn er z.B. Tests referiert, die an israelischen und palästinensischen Schülern gemacht wurden, wie sie das Handeln von Verbrechern im jeweiligen Kontext bewerten. (Ist es im Interesse der eigenen religiösen Gruppe, ist es heroisch, ansonsten wird es abgelehnt wie das jeder "normale" Mensch tut.)
Also man wird vermuten dürfen, daß der reproduktive Erfolg monotheistischer Religiosität noch heute eine tiefere Wurzel in Kindheits-Prägungen und damit in gewisser Weise in nicht zulässigem Zwang hat - auch in freien Gesellschaften.
blume-religionswissenschaft - 26. Jul, 21:41
Erziehung - Wem gehören Kinder?
Lieber Ingo,
Du rührst eine wirklich tiefe Frage an: Wem gehören Kinder? Wer darf die Inhalte ihrer Erziehung festlegen? In vorstaatlichen und freiheitlichen Gesellschaften sind es vor allem die Eltern, wenn deren Verfügungsgewalt auch eingeschränkt werden kann, wenn das Kindeswohl massiv bedroht wird (durch weitere Verwandte und Gruppenmitglieder in vorstaatlichen und den Staat in freiheitlichen Gesellschaften).
Immer wieder aber hat es auch totalitäre Staaten gegeben, die den Menschen (und beginnend bei den Kindern) eine bestimmte Weltanschauung per Zwang vermitteln wollte. Die Argumentation von Dawkins, Kinder vor der religiösen Erziehung ihrer Eltern zu "schützen" ist also weder neu noch originell - sondern sie hat schon mehrfach ins Verderben geführt. Staaten, die zielgerichtet Familien anhand weltanschaulicher Maßstäbe zerstören, bewegen sich jenseits von Menschen- und Grundrechten. Dass Dawkins inzwischen auch wieder von einer Menschenzucht träumt, bestärkt mich zusätzlich in der Auffassung, dass hier furchtbarer Wein in neuen Schläuchen angeboten wird.
Selbst wenn wir uns von allen normativen Vorgaben lösen: in der Evolution des Menschen haben sich seit einigen tausend Generationen religiöse Traditionen erfolgreich entfaltet. Ich finde: Wer die Natur und die Erfahrungen des Menschen wirklich respektiert, der achtet Familien in ihrer Vielfalt - und bekämpft sie nicht.
Mit herzlichen Grüßen
Michael
Du rührst eine wirklich tiefe Frage an: Wem gehören Kinder? Wer darf die Inhalte ihrer Erziehung festlegen? In vorstaatlichen und freiheitlichen Gesellschaften sind es vor allem die Eltern, wenn deren Verfügungsgewalt auch eingeschränkt werden kann, wenn das Kindeswohl massiv bedroht wird (durch weitere Verwandte und Gruppenmitglieder in vorstaatlichen und den Staat in freiheitlichen Gesellschaften).
Immer wieder aber hat es auch totalitäre Staaten gegeben, die den Menschen (und beginnend bei den Kindern) eine bestimmte Weltanschauung per Zwang vermitteln wollte. Die Argumentation von Dawkins, Kinder vor der religiösen Erziehung ihrer Eltern zu "schützen" ist also weder neu noch originell - sondern sie hat schon mehrfach ins Verderben geführt. Staaten, die zielgerichtet Familien anhand weltanschaulicher Maßstäbe zerstören, bewegen sich jenseits von Menschen- und Grundrechten. Dass Dawkins inzwischen auch wieder von einer Menschenzucht träumt, bestärkt mich zusätzlich in der Auffassung, dass hier furchtbarer Wein in neuen Schläuchen angeboten wird.
Selbst wenn wir uns von allen normativen Vorgaben lösen: in der Evolution des Menschen haben sich seit einigen tausend Generationen religiöse Traditionen erfolgreich entfaltet. Ich finde: Wer die Natur und die Erfahrungen des Menschen wirklich respektiert, der achtet Familien in ihrer Vielfalt - und bekämpft sie nicht.
Mit herzlichen Grüßen
Michael
storch (Gast) - 22. Okt, 20:20
guten tag, ich würde dir (ich schreib mal "du", wie es im netz üblich ist) gerne eine mail schreiben, habe aber nirgendwo eine emailadresse gefunden. vielleicht absicht, deshalb versuche ich es mal mit einem ganz merkwürdigen weg. wen du gerne eine mail von mir erhalten möchtest, schreib mir bitte an storch (at) kultshock (punkt) de.
es geht um eine religiöse frage.
danke und gottes segen,
storch
es geht um eine religiöse frage.
danke und gottes segen,
storch
blume-religionswissenschaft - 22. Okt, 20:28
Mailweg
Hallo Storch,
(etwa von Storchs Blog? *Freu*)
Ein Mail geht problemlos über diesen Link hier:
http://www.blume-religionswissenschaft.de/kontakt.html
Freue mich und verspreche zu antworten! (-:
Herzliche Grüße und auch Gottes Segen sei erwidert
Michael
(etwa von Storchs Blog? *Freu*)
Ein Mail geht problemlos über diesen Link hier:
http://www.blume-religionswissenschaft.de/kontakt.html
Freue mich und verspreche zu antworten! (-:
Herzliche Grüße und auch Gottes Segen sei erwidert
Michael
MichaS (Gast) - 22. Dez, 21:40
Hallo Herr Dr. Blume,
ich kann mich gut an Ihre Argumentation bez. eines evolutionären Vorteils von Gläubigen gegenüber säkular gesinnten Menschen aufgrund einer höheren Geburtenrate erinnern. Nach wie vor kann ich da nichts erkennen, was mich irgendwie hinterm Ofen hervorlockt. Ich finde es intelligenter dem Überleben der Menschheit zu dienen, die Überbevölkerung nicht noch weiter voranzutreiben. Ich denke die höhere Fruchtbarkeit der Gläubigen dient eher der Religion als der Menschheit (übrigens ist auch da der Islam dem Christentum voraus).
Wie auch immer, ich möchte das hier nicht vertiefen.
Herr Blume, sie haben mir im Brightsblog angeboten hier zu diskutieren und ich habe dies recht brüsk abgelehnt. Zu Unrecht wie ich jetzt meine, Sie sind eben auch nur der Bot eines Memplexes. Meine Aufgabe besteht darin, zu lernen zu glauben daß jemand glaubt. Mitgefühl ist da wahrscheinlich eher angebracht als Argumente und ich bin ein mitfühlendes Wesen.
mit Respekt,
MichaS
ich kann mich gut an Ihre Argumentation bez. eines evolutionären Vorteils von Gläubigen gegenüber säkular gesinnten Menschen aufgrund einer höheren Geburtenrate erinnern. Nach wie vor kann ich da nichts erkennen, was mich irgendwie hinterm Ofen hervorlockt. Ich finde es intelligenter dem Überleben der Menschheit zu dienen, die Überbevölkerung nicht noch weiter voranzutreiben. Ich denke die höhere Fruchtbarkeit der Gläubigen dient eher der Religion als der Menschheit (übrigens ist auch da der Islam dem Christentum voraus).
Wie auch immer, ich möchte das hier nicht vertiefen.
Herr Blume, sie haben mir im Brightsblog angeboten hier zu diskutieren und ich habe dies recht brüsk abgelehnt. Zu Unrecht wie ich jetzt meine, Sie sind eben auch nur der Bot eines Memplexes. Meine Aufgabe besteht darin, zu lernen zu glauben daß jemand glaubt. Mitgefühl ist da wahrscheinlich eher angebracht als Argumente und ich bin ein mitfühlendes Wesen.
mit Respekt,
MichaS
blume-religionswissenschaft - 22. Dez, 22:22
Kleines Missverständnis...
Lieber Herr S,
danke für Ihr freundliches Mail!
Leider liegt hier eine Verwechslung der Diskussionsebenen vor: die Frage, wie sich die menschliche Religiosität in der Evolution des Menschen entwickelt hat, ist eine empirische, naturwissenschaftliche Frage. Ob mir oder Ihnen die (wie bei jeder empirischen These stets falsifizierbaren) Ergebnisse passen, ist da erst einmal ebenso unerheblich wie die Frage, ob wir die Stacheln am Igel schick finden. Dass ein Merkmal adaptiv ist, sagt erst einmal gar nichts darüber aus, ob wir das gut oder schlecht finden - auch Aggressivität hat sich z.B. so entwickelt.
Zur Erleichterung des Verständnisses des Kategorienfehlers mag vielleicht der Hinweis helfen, dass in der Evolutionsforschung zur Religion und auch z.B. im Netzwerk der Evolutionary Religious Studies (ERS) die Gläubigen selbst eher eine Minderheit bilden - die meisten von uns sind Agnostiker, einige auch ausgemachte Atheisten. Wir arbeiten auf wissenschaftlicher Ebene hervorragend zusammen - auf Basis von Fakten, wenn Sie so wollen, nicht auf Basis von Befindlichkeiten und Geschmack. Und so erkennen wir halt auch: Religiöse Vergemeinschaftung ist (auch heute) weltweit evolutionsbiologisch schlicht erfolgreich, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Zu Ihrem Argument: "Ich denke die höhere Fruchtbarkeit der Gläubigen dient eher der Religion als der Menschheit (übrigens ist auch da der Islam dem Christentum voraus)." daher auch nur noch einmal der Hinweis, dass nach allen empirischen Befunden (auch z.B. der Zwillingsforschung, nachlesbar hier: http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4347367/ ) Religiosität schlicht ein evolviertes Merkmal "der Menschheit" ist und (zumindest auf derzeitigem Stand der Gentechnik) ebensowenig "amputiert" werden kann wie z.B. Musikalität. Wir können natürlich durchaus Musik(en) oder Religion(en) gestalten, aber auch dies wird stets auf dem Boden unserer Veranlagungen geschehen.
Zur Demografie des Islam im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung der Menschheit insgesamt habe ich zufällig vor wenigen Wochen einen ausführlichen Vortrag in der Akademie Bad Boll gehalten. Eine Datenzusammenfassung oder auch den Vortrag selbst finden Sie hier: http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4520939/
Sowohl zur Frage nach der Überbevölkerung wie auch nach dem Vergleich der reproduktiven Performance des islamischen mit christlichen Glaubens finden Sie dort ggf. einige Sie interessierende Aspekte.
Über Ihr Mitgefühl freue ich mich sehr - wußten Sie, dass dies z.B. jene Emotion ist, die im (a-theistischen) Buddhismus die Boddhisatvas in den Dienst an den Wesen stellt? Dass Sie mich als "Bot eines Memplexes" identifizieren, finde ich außerordentlich interessant - und es erlaubt auch den anderen Bloglesern, sich über die quasi-religiöse Funktion der dawkinschen Memetik (und ihr Verständnis von "Toleranz" und "geistiger Freiheit") aus erster Hand zu informieren. Denn religiöse Memplexe sind doch laut Dawkins zu bekämpfen, oder? Bots eigentlich auch? Um zum Mitgefühl zurück zu kommen: inzwischen kann man ja (z.B. bei der Dawkins-Adeptin Blackmore) auch schon Zen-Kurse zum "Memjäten" buchen!
Zuletzt freuen wir uns mit Ihnen, dass Sie offensichtlich eine Mission haben (von wem eigentlich?): "Meine Aufgabe besteht darin, zu lernen zu glauben daß jemand glaubt." Wenn Sie wollen, können Sie uns ja auch davon noch ein wenig erzählen - mich würde es sehr interessieren. (-:
Mit den besten Wünschen für die Feiertage!
Michael Blume
danke für Ihr freundliches Mail!
Leider liegt hier eine Verwechslung der Diskussionsebenen vor: die Frage, wie sich die menschliche Religiosität in der Evolution des Menschen entwickelt hat, ist eine empirische, naturwissenschaftliche Frage. Ob mir oder Ihnen die (wie bei jeder empirischen These stets falsifizierbaren) Ergebnisse passen, ist da erst einmal ebenso unerheblich wie die Frage, ob wir die Stacheln am Igel schick finden. Dass ein Merkmal adaptiv ist, sagt erst einmal gar nichts darüber aus, ob wir das gut oder schlecht finden - auch Aggressivität hat sich z.B. so entwickelt.
Zur Erleichterung des Verständnisses des Kategorienfehlers mag vielleicht der Hinweis helfen, dass in der Evolutionsforschung zur Religion und auch z.B. im Netzwerk der Evolutionary Religious Studies (ERS) die Gläubigen selbst eher eine Minderheit bilden - die meisten von uns sind Agnostiker, einige auch ausgemachte Atheisten. Wir arbeiten auf wissenschaftlicher Ebene hervorragend zusammen - auf Basis von Fakten, wenn Sie so wollen, nicht auf Basis von Befindlichkeiten und Geschmack. Und so erkennen wir halt auch: Religiöse Vergemeinschaftung ist (auch heute) weltweit evolutionsbiologisch schlicht erfolgreich, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Zu Ihrem Argument: "Ich denke die höhere Fruchtbarkeit der Gläubigen dient eher der Religion als der Menschheit (übrigens ist auch da der Islam dem Christentum voraus)." daher auch nur noch einmal der Hinweis, dass nach allen empirischen Befunden (auch z.B. der Zwillingsforschung, nachlesbar hier: http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4347367/ ) Religiosität schlicht ein evolviertes Merkmal "der Menschheit" ist und (zumindest auf derzeitigem Stand der Gentechnik) ebensowenig "amputiert" werden kann wie z.B. Musikalität. Wir können natürlich durchaus Musik(en) oder Religion(en) gestalten, aber auch dies wird stets auf dem Boden unserer Veranlagungen geschehen.
Zur Demografie des Islam im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung der Menschheit insgesamt habe ich zufällig vor wenigen Wochen einen ausführlichen Vortrag in der Akademie Bad Boll gehalten. Eine Datenzusammenfassung oder auch den Vortrag selbst finden Sie hier: http://religionswissenschaft.twoday.net/stories/4520939/
Sowohl zur Frage nach der Überbevölkerung wie auch nach dem Vergleich der reproduktiven Performance des islamischen mit christlichen Glaubens finden Sie dort ggf. einige Sie interessierende Aspekte.
Über Ihr Mitgefühl freue ich mich sehr - wußten Sie, dass dies z.B. jene Emotion ist, die im (a-theistischen) Buddhismus die Boddhisatvas in den Dienst an den Wesen stellt? Dass Sie mich als "Bot eines Memplexes" identifizieren, finde ich außerordentlich interessant - und es erlaubt auch den anderen Bloglesern, sich über die quasi-religiöse Funktion der dawkinschen Memetik (und ihr Verständnis von "Toleranz" und "geistiger Freiheit") aus erster Hand zu informieren. Denn religiöse Memplexe sind doch laut Dawkins zu bekämpfen, oder? Bots eigentlich auch? Um zum Mitgefühl zurück zu kommen: inzwischen kann man ja (z.B. bei der Dawkins-Adeptin Blackmore) auch schon Zen-Kurse zum "Memjäten" buchen!
Zuletzt freuen wir uns mit Ihnen, dass Sie offensichtlich eine Mission haben (von wem eigentlich?): "Meine Aufgabe besteht darin, zu lernen zu glauben daß jemand glaubt." Wenn Sie wollen, können Sie uns ja auch davon noch ein wenig erzählen - mich würde es sehr interessieren. (-:
Mit den besten Wünschen für die Feiertage!
Michael Blume




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