Die Opfer des Lawinenunfalls im Kanton Wallis vom Mittwoch waren Mitglieder der Pius-Bruderschaft aus Frankreich. Das bestätigte die Bruderschaft heute laut Medienberichten. Bei dem Lawinenabgang waren vier Menschen verschüttet worden. Ein Verschütteter starb, ein zweiter konnte verletzt geborgen werden. Zwei weitere Teilnehmer der siebenköpfigen Wandergruppe wurden am Donnerstag noch vermisst.
Die Pius-Bruderschaft war durch antisemitische, islamophobe und antiökumenische Äußerungen mehrerer führender Mitglieder zuletzt scharf in die Kritik geraten, besonders durch die Leugnung des Holocausts durch den (nicht mehr exkommunizierten, aber weiter suspendierten) Bischof Richard Williamson. Der Literaturblog
SideEffects vermerkte zum Lawinenunfall als Untertitel: Böse Zungen sprechen von einer "Strafe Gottes" (
Beitrag hier). Zeit für eine religionswissenschaftlich-beobachtende Reflektion.
Das Deuten von Unglück als göttlicher Strafe ist ein häufiges Merkmal v.a. konservativ-traditionalistischer Theologien. Damit wird ein rigides Moralsystem durch Strafandrohung abgesichert, auch werden Buße und Umkehr als Mittel zur Strafabwehr empfohlen. Zuletzt hatte z.B. für eine Debatte gesorgt, dass der neu ernannte, katholische Weihbischof von Linz Gerhard Wagner den Hurrikan Katrina über New Orleans als eine göttliche Strafe für die Stadt gedeutet hatte (
Beitrag hier).
Andere, v.a. auch zeitgenössische Theologien weisen dagegen darauf hin, dass Menschen die letzten Gründe göttlichen Handelns und damit auch von Glück oder Unglück nicht erkennen und sich nicht zu Richtern übereinander aufschwingen sollten. Statt über den von Unglück Befallenen auch noch zu urteilen, seien vielmehr gerade auch Nicht-Betroffene zu Mitgefühl und Hilfe aufgerufen, also ihrerseits geprüft. Solche Deutungen verweisen z.B. auf die biblische Hiob-Geschichte, in der auch dem Gerechten Unrecht widerfährt. Dies wird zunächst selbst von Freunden als Sündenstrafe ausgelegt, erweist sich aber schließlich als Prüfung durch Gott und Teufel. (z.B.
Evangelische Hiob-Predigt hier)
Wenn die persönliche (und damit post-religionswissenschaftliche) Bewertung am Ende gestattet sei: Mir liegt die zweite Variante näher. Aus dem Unglück anderer (seien es die Einwohner von New Orleans oder die Opfer einer Lawine) hämische Urteile abzuleiten, scheint mir fragwürdig (also in der Tat: "böse Zungen"...) und auch theologisch weniger überzeugend zu sein.