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Freitag, 2. Januar 2009

Wissenschaft & Erfahrung

Immer wieder erlebe ich in Diskussionen hier auf dem Blog, aber auch am Rande von Vorträgen u.ä. den Vorbehalt, die evolutionsbiologische Erforschung von Religiosität drohe diese zu entzaubern, verfehle das "Eigentliche".

Dazu kann ich immer wieder nur sagen: Hat es wirklich z.B. die Liebe oder die Musik entzaubert, dass wir heute viel mehr über sie wissen und ihre Funktion(en) in der Natur des Menschen besser begreifen? Nein, es hat doch deren Wertschätzung eher gestärkt!

Und, nein, ich behaupte nicht, dass (evolutionäre) Religionswissenschaft das "Eigentliche" der Religion völlig erfassen könnte - sie beschreibt doch "nur", wie unsere Gehirne zu den religiösen und spirituellen Veranlagungen und Fähigkeiten gekommen sind, die sie heute aufweisen. Ob wir damit eine höhere Wahrheit erfassen oder nicht, ist eine ganz andere, nicht-empirische Frage - die sich mit mehr (natur-)wissenschaftlicher Erkenntnis sicher vertiefter diskutieren, nicht aber klären läßt. So lässt sich z.B. erforschen, warum die Botschaft Jesu erfolgreich war - aber nicht, ob Jesus Gottes Sohn ist. Das bleibt Glaubens- und Erfahrungssache.

Wir erforschen also, wie sich der Glauben an übernatürliche Akteure (Ahnen, Geister, Götter, Gott u.a.) beobachtbar auswirkt, können aber keine abschließenden Beweise für oder gegen die Existenz der Akteure anführen. Glauben und Nichtglauben bleiben somit gleichermaßen möglich.

Die evolutionäre Religionswissenschaft erforscht, ob und wie sich der Glaube an übernatürliche Akteure auf Verhalten auswirkt. Befunde zeigen: Glaubende fühlen sich von den Jenseitigen beobachtet, meiden daher gegenseitigen Betrug. Indem sie Krankheiten und Unglück als Prüfungen und Strafen interpretieren, können sie zudem rituell dagegen vorgehen (mindestens Placebo-Effekte).

Susis Beitrag zum Unterschied von Wissenschaft und (spiritueller) Erfahrung

Auf dem Blog von Elsalaska (per Klick hier) hat die Kommentatorin Susi den Unterschied wissenschaftlicher Erkenntnis und mystischer Schau so präzise in Worte gefasst, dass ich sie hier einfach zitieren möchte:

Die Ratlosigkeit von Laien gegenüber jeder tiefergehenden wissenschaftlichen Erkenntnis ist normal. Es ist normal, dass neue Erkenntnis das bisher sicher geglaubte in Frage stellten. Wissenschaft und insbesondere Naturwissenschaft definiert sich durch die Methode. Ein guter Wissenschaftler weiss, wo der Unterschied zur subjektiven Erfahrung eines Phänomens beginnt. Naturwissenschaftlich arbeiten heisst objektivierbar, reproduzierbar zu arbeiten und zu publizieren und seine Ergebnisse der öffentlichen (Fach-) Diskussion und Überprüfbarkeit preiszugeben. Diese Methode hat (wir wissen es seit Heisenberg) Grenzen. Mit naturwissenschaftlichen Methoden Erkenntnisse zu gewinnen ist harte Arbeit gepaart mit Talent, Glück, günstigen Umständen und - wenn materieller Erfolg eintreten soll (auch ein Physiker muss was essen) - geschickter Promotion. Wissenschaftler bewegen sich immer im Grenzgebiet - da wo Wissen aufhört fangen die Wissenschaftler an Wissen zu schaffen (hard work!).

Der Hauptunterschied zu den Mystikern ist: mystische Erfahrung ist von ihrem Anspruch her nicht objektivierbar, für andere nicht reproduzierbar, sie ist subjektiv.

Wenn ein Chemiker die Funktionsweise der Untereinheiten der Aquaporin-Proteine (Wassereinstromkanäle in den Wurzeln der Maispflanze) versucht zu klären in Bezug auf eine konkrete Fragestellung und wenn ein Mystiker eine Maipflanze incl. Wurzeln bestaunt ist das einzig gemeinsame die Maispflanze.

Dr. Blume

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Auszug aus einer repräsentativen Befragung zu Außergewöhnlichen Erfahrungen (AGE) im Auftrag des IGPP-Instituts Freiburg 1999. Verglichen werden die Anteile von Befragten, die sich an Erscheinungen (meist Verstorbener) bzw. an die Sichtung von UFOs erinnern.

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