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Montag, 20. Oktober 2008

Auch Politik Sache der Gene?

Die Evolutionsbiologie verändert unseren Blick auf das gesamte Spektrum menschlichen Verhaltens: Die Religion und zunehmend auch die Politik.

In jüngster Zeit haben zwei Studien den Blick auf die biologischen Wurzeln auch politischen Verhaltens gelenkt.

Der Politikwissenschaftler John Hibbing (University Nebraska-Lincoln) zeigte in einer Studie auf, dass sich politisch sehr "liberale" und sehr "autoritäre" Personen auch in physiologischen Tests unterschiedlich schreckhaft verhielten. Sprich: Wer generell vorsichtiger veranlagt war, tendierte auch dazu, politisch mehr Sicherheit, Recht und Ordnung einzufordern.

Im Beitrag "Genetic Variation in Political Participation" (deutsch: genetische Variation in politischer Beteiligung) (freier Download hier) stellten sich James H. Fowler, Laura A. Baker und Christopher T. Dawes einem alten Rätsel der Politikwissenschaft und besonders politischen Ökonomie: Warum gehen Menschen eigentlich wählen, obwohl der individuelle Nutzen (Einfluss) in keinem Verhältnis zum indivuellen Aufwand steht?

Originellerweise untersuchen sie das "rätselhafte" Verhalten anhand gleich mehrerer Datensätze so, wie auch anderes, menschliches Verhalten (einschließlich Religiosität) längst untersucht wird: Per Zwillingsstudien.

Ergebnis: Wie anderes Verhalten auch zeigt sich auch Wahlverhalten als etwa hälftig genetisch veranlagt. Dabei ist natürlich nicht an eine spezielle Evolution von Wählern zu denken, wohl aber an die Bereitschaft, (auch) im rituellen Rahmen Verantwortung für das Gemeinschaftsganze zu übernehmen. Einigen Menschen ist das offenkundig stärker in die Wiege gelegt als anderen.

Einschränkend ist diesen Studien selbstverständlich entgegen zu halten, dass in beiden Fällen der soziokulturelle Einfluss mindestens gleichwertig bestehen bleibt: Eine stärker von Ängsten geprägte Weltanschauung wie auch ein System, das zu politischer Beteiligung aufruft entstehen nie im erziehungs- und kulturfreien Raum. Der Mensch ist und bleibt ein Produkt biokultureller Evolution und praktisch nie durch ein Entweder-Oder, sondern fast immer durch eine Wechselwirkung biologischer und kultureller Faktoren zur je individuellen Persönlichkeit ausgeprägt.

Dr. Blume

Religionswissenschaft aus Freude
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Gott, Gene und Gehirn - Von Rüdiger Vaas und Michael Blume

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Die deutsche ALLBUS-Studie 2002 enthielt eine Frage nach der Einschätzung von Ehebruch, hier des Mannes. Wenig überraschend: Männer finden das Vergehen seltener schlimm oder sehr schlimm als Frauen. Für die Evolutionsbiologie der Religion interessant: Mitglieder von Konfessionen finden Ehebruch häufiger schlimm als Konfessionslose.

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